Donnerstag, 10. Oktober 2013

Rahmenspaß mit destruktiven Emotionen V

Bald geschafft. Nur noch drei destruktive Emotionen verbleiben (die ich in dieser kurzen Reihe behandeln mag).

Neid
- Zukunftsorientiert
- Etwas nicht erreichen können, was jemand anders hat
- Dies external bedingt.
- Selbstwertproblem

Neid ist eine ziemlich einfache Sache. Kern ist, dass eine Zukunft antizipiert wird, in der man etwas nicht hat, was andere haben.
Die Frage da ist, warum nicht? Wobei jeder der Gründe wiederum rein subjektiv ist und stimmen kann, oder auch nicht.
- Kann an unterschiedlichen Startbedingungen liegen.
- Kann an unterschiedlichen starren Kompetenzen liegen.
- Kann an externen Faktoren wie Glück oder Schicksal liegen.
Gemeinsam ist den (und allen weiteren Gründen) allen, dass hier die Ursache nicht in Faktoren gesehen werden, die man selbst kontrollieren kann. Neid bei Faktoren, die kontrolliert werden können, sorgt meist dafür, dass gehandelt wird. (Aus dem Grund findet sich in Werbung auch ziemlich oft Neidmotive.)

Dabei spielt auch der Selbstwert mit herein - Stichwort sich über etwas anderes zu definieren. Warum will man überhaupt etwas, was jemand anders hat? Das ist eine ziemlich normale Reaktion und auch durch entsprechende Rahmeneigenheiten gut zu erklären - wenn jemand anders etwas hat, dann muss es ja gut sein! Was ist in einem Haus mit 3.000 Spielzeugen und zwei kleinen Kindern das wichtigste Spielzeug? Das, womit das andere Kind gerade spielt...
Nur funktional ist das nicht unbedingt.

Zweiter Ansatzpunkt ist die Frage, warum etwas nicht erreicht werden kann, wenn man es denn erreichen will. Wiederum eine Selbstwertfrage. Möglicherweise auch eine Ressourcenfrage.

Kommentare:

  1. mehr mehr mehr :)

    kleine anmerkung: in den anderen beiträgen sprichst du immer wieder von "refraiming". das konzept ist doch von virginia satir entwickelt und wird in jedem nlp buch als technik beschrieben. vllt nicht alles murks im nlp?

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  2. Guten Morgen,

    ich sollte vielleicht wirklich meine Reihe über NLP fortsetzen. Ahem.

    Es gibt drei Probleme mit NLP so, wie es ist:
    1. Die "Eye Accessing Cues" (quasi das einzige Element, was komplett neu im NLP ist - Kurzfassung die Idee, dass jemand, der nach oben rechts schaut, gerade visuelle Erinnerungen abruft und so weiter) konnte in der Forschung nicht bestätigt werden. Den überwiegenden Rest von NLP findet sich verstreut auch woanders (z.B. in der Kognitionspsychologie), und gilt dort nicht als "murks". Nur bei den EACs wäre ich skeptisch.
    2. Eine Reihe von NLP-Techniken (Ankern z.B.) setzt einen hypnotischen Kontext voraus. Ist der hergestellt, funktionieren sie. Ist er nicht hergestellt, dann ist unabsehbar, ob sie funktionieren.
    3. Es fehlt an Rückfallprävention (, wo dies nötig wäre).

    Dazu kommt dann noch ein Sonderproblem: Es wird sich von vielen NLP-Anwendern mehr auf die Techniken als auf die Perspektive konzentriert. Das halte ich deshalb für tragisch, weil jene Perspektive sehr ähnlich wie jener der klientenzentrierten Ansätze ist - und bei denen wird schon durch die Perpektive (in die der Klient immer reingeframed wird) große Fortschritte erzielt. Vergisst man die Perspektive, hat man ein Auto ohne Motor. Es fährt... wenn man es anschiebt.

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  3. Wären Sie interessiert, wenn ich mich als seit Jahren therapeutisch praktizierender NLP-Master an dieser Diskussion beteilige? So richtig aus der Praxis?
    Vielleicht kann ich mit einigen Vorurteilen ausräumen, die leider durch so manche Instant - NLP - Gurus leichtfertig unters Volk geschossen werden...

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  4. Sehr gern!

    (Wobei Diskussion mir irgendwie übertrieben scheint. Hat für mich mehr etwas von einem gelegentlichen reinrufen in den Wald.

    Hust.

    Schönen Sonntag!)

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  5. Ok, das freut mich :o)
    dann erlaube ich mir mal, nachzufragen:

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    >Es gibt drei Probleme mit NLP so, wie es ist:

    wie "ist" es denn? Und wer definiert das?
    Nach dem DVNLP hört sich das Thema ganz anders an, als wenn beispielsweise die Phrasendreschmaschine eines Julian Wolf anläuft.
    Von meiner eigenen Interpretation ganz zu schweigen :o)

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    >Den überwiegenden Rest von NLP findet sich verstreut auch woanders

    die ursprüngliche Idee des NLP war ja auch, vorurteilsfrei, ohne therapie-glaubenssystemsimmanente Scheuklappen, pragmatisch und evidenzbasiert zu arbeiten. Wer heilt, hat recht. Schauen wir, was er tut. Schauen wir, was andere tun, die erfolglos bleiben. Unterschiedsbildung als Erkenntnisgrundlage.
    Paradigmenbefreit.
    Deshalb ist nicht nur nicht verwunderlich, sondern geradezu notwendig, dass man diese Inhalte auch andernorts findet.

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    >Nur bei den EACs wäre ich skeptisch.

    Die einzige Untersuchung, die mir zu den EACs bekannt ist, ging davon aus, dass man damit "Lügen" erkennen könnte. Ich weiss nicht, woher diese Hypothese kommt; aus dem NLP eher nicht. Diese Untersuchung hat offenbar ein Theoretiker durchgeführt ohne zu wissen, wovon er redet. Bestenfalls vielleicht angelesene Halbbildung über eine Interpretation von jemandem, dessen Aussagen er nicht einschätzen konnte (die Amerikaner sind da gerne mal leichtsinnig). Rubbish in, rubbish out. In einer verantwortungsvollen Ausbildung geht es bei diesem Thema um anderes, was jeder gut ausgebildete Practitioneer bestätigen kann.

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    >Eine Reihe von NLP-Techniken (Ankern z.B.) setzt einen hypnotischen Kontext voraus. Ist der hergestellt, funktionieren sie.

    Jetzt wäre es wichtig, was Sie unter "hypnotischem Kontext" verstehen. Wenn es ein Zustand ist, in dem Sie im Auto an ihrer Ausfahrt vorbeidonnern oder innerlich auf einen Zustand fokussiert sind, dann können Sie sich darauf verlassen: ankern funktioniert NUR in solchen Zuständen und wird auch genau dort angewendet. Sonst nirgends. Weil es woanders keinen Sinn ergibt. Das verantwortungsvolle evozieren solcher Zustände ist Bestandteil der Grundausbildung.

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    Das mit der Rückfallprävention verstehe ich nicht. Da wäre ich dankbar, wenn Sie mir ein Beispiel aus anderen therapeutischen Konzepten geben.

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    < Es wird sich von vielen NLP-Anwendern mehr auf die Techniken als auf die Perspektive konzentriert

    Eine Frage der Ausbildung, korrekt. In Schnellschuß - Schulen bleibt schon aus Zeitgründen nix anderes übrig. Verantwortungslos, wie ich meine.
    Andererseits: die Absolventen merken das in aller Regel ziemlich schnell im echten Leben und werden schnell leiser, nachdem die ersten Allmachtsphantasien, die innerhalb der artgerechten Umgebung durchaus vorkommen können, der Realität weichen.
    Dann trennt sich Spreu von Weizen.
    Aus meiner bisherigen Erfahrung scheint das aber auch ein Kernproblem der akademischen Therapeutenausbildung zu sein, wenn auch vielleicht nicht auf derart breiter Basis.

    Und jetzt frage ich mich grad noch, wer genau in der Metapher mit dem Wald gemeint war und wer da denn jetzt der Rufer ist ... oder ob das perspektivenabhängig sein könnte. (Mit liebem Gruß an Schulz von Thun)

    Und ein Feedback, ob Sie diese meine Art der Herangehensweise an dieser Stelle hier als eher fruchtbar oder eher furchtbar empfinden,
    fände ich auch ganz nett.
    :o)
    Dank & Gruß
    Hanny






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  6. Guten Abend,

    "wie "ist" es denn? Und wer definiert das? "
    So wie ich es mir mental repräsentiere. Ja, das musste jetzt kommen ;-). Ich bin ziemlich konstruktivistisch orientiert - ich glaube nicht einmal, dass sich zwei Leute wirklich darüber einigen können, was es mit einem Apfel auf sich hat. Also so ganz wirklich. Wie das dann bei komplexen Theorien und Modellen klappen soll, uaah.
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    "pragmatisch und evidenzbasiert zu arbeiten."
    Ich persönlich finde ohnehin, dass sich die meisten modernen Modelle (Freud lassen wir mal zuhause, aber den würde ich auch nicht als "modern" bezeichnen) überwiegend in ihren Bezeichnungen und Feinheiten unterscheiden, nicht in ihren Grundkonzepten. Ich habe mit CBTler, Ericksonier, Systhemiker, NLPer, Achtsamkeitsler (ganz neu), Neobehavioristen, Klientenzentrierte in dem einen oder anderen Kontext zusammengearbeitet, und die Gemeinsamkeiten waren oft viel größer als die Unterschiede. Nur die Bezeichnungen waren völlig anders. Und hier und da der Hebel, der dann zur Problemlösung gewählt wurde. (Weshalb ich da auch für mich eine möglichst breite Kenntnis anstrebe. Bei komplexen Problemen funktionieren unterschiedliche Ansatzpunkte unterschiedlich gut, meiner Erfahrung nach. Dennoch hat sich das Erklärungsgefüge des einen Modells oft auch problemlos in eine andere Modellsicht transportieren lassen. Na ja, außer Freud. Aber Freud ist ein Thema für sich.)

    Beispiel Expositionstherapie - die einen nennen es Pretalk, die anderen posthypnotische Suggestionen.
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    "Weil es woanders keinen Sinn ergibt."
    Und wenn es woanders Sinn ergäbe (bzw. funktionieren würde), wären die Leute (noch) voll(er) von Ankern. Nichtsdestotrotz erlebe ich immer wieder, wie einige (wie Sie so schön sagen) Schnellschuss-Geschulte es ohne einen Kontext versuchen. Ich muss da ja dann doch kichern.

    (Ich fasse "hypnotischen Kontext" sehr weit, finde es schade, dass sich der Begriff Monoideism nicht durchgesetzt hat. Nicht mehr zu ändern.)
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    Rückfallprävention: Ich hatte, zugegebenermaßen, Bauchschmerzen, den Punkt überhaupt anzuführen. Mir ist bekannt, dass auch NLP (wie die meisten Verfahren) Rückfallprävention ermöglicht. Nur war es allen, mit denen ich bisher darüber sprach, schlicht unwichtig - Motto "ist das Problem gelöst, dann ist es gelöst!"
    CBT ist da etwas weiter - manche Probleme (Suchterkrankungen z.B.) neigen dazu, zurückzukommen. Was sich auch über die NLP-Brille gut erklären lässt - wenn z.B. unter Stress in alte Strategien zurückgefallen wird. Hier kann einem Rückfall durchaus vorgebeugt werden (auch wenn ich zugeben muss, dass man das in einem ziemlich guten Frame verpacken muss, sonst provoziert man dadurch eher Probleme als das man sie löst). Wird das dem Klienten mitgegeben, super!
    Wenn nicht... nicht so toll.
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    EAC: Ich erinnere mich an zwei, drei Studien zu dem Thema. Ich habe den Namen vergessen - ist schon einige Jahre her. Da kam durchaus heraus, dass es systematische Augenbewegungen gab, die aber idiosynchratisch sind. (Natürlich lässt sich hier einwenden, dass das möglicherweise mit der Abrufstrategie zu tun haben könnte - beispielsweise dass jemand erst eine auditive Information abgreift, bevor er eine visuelle Information herankommt. Durchaus möglich. So lange ich keine Studie sehe, die die EACs wie postuliert bestätigt, bleibe ich skeptisch.

    Dabei halte ich das für sehr schade, denn in Sachen Befundlage wird NLP oft auf die EACs reduziert. Dass die anderen 99% in Forschungen zu anderen Bereichen, wo letztendlich dieselben Ideen und Modelle zu finden sind, durchaus bestätigt worden sind, geht dadurch völlig unter. Da liest man dann "NLP wurde widerlegt!", und findet dann nur diesen kleinen Teil der EACs. Finde ich schade.)
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    Der Wald: So viele Kommentare gibt es hier ja nicht. Das war damit gemeint.
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    Furchtbar oder fruchtbar: Fruchtbar! Ich mag es, mich über psychologische Themen auszutauschen. (Sonst hätte ich, glaube ich, auch den falschen Beruf.)

    Grüße,
    Björn

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  7. Hmmm.. für einen echten "Disput" fehlen hier die Diskrepanzen :o)

    Eine der größten Herausforderungen scheinen am ehesten noch angemessene Gesprächspartner zu sein. Tipp: man frage niemanden, der seine NLP-Ausbildung grad frisch hinter sich hat *g*

    Ich glaube, das bahnbrechend Neue war die offene Herangehensweise, weniger echte "Erfindungen" (selbst die Augenbewegungsmuster spielten in schamanischen Traditionen bereits eine Rolle, wie auch EMDR, im NLP ursprünglich "Scheibenwischer" genannt. Körperanker kennt man aus uralten nahezu identischen Körper-riten der verschiedensten Kulturen dieser Welt).
    Dilts sagte bereits in den 90ern, man solle nicht so ein Aufhebens wegen NLP machen, es würde sicher demnächst in den verschiedenen Religionstherapien (also die mit Scheuklappenparadigmen) aufgehen.
    Er hatte nicht mit der Trägheit deutscher Strukturen gerechnet.

    Und so erlebe ich es 2012, dass an der Uni Hamburg begeistert festgestellt wurde, dass Erinnungen und Vorstellungen (Pläne) offenbar im Gehirn räumlich codiert / repräsentiert sind - nur 25 Jahre nach weltweiter Etablierung der Timeline- Therapie.
    Ich gratuliere :o)

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  8. Guten Abend,

    guter Punkt - Deutschland ist extrem träge. Wo ich ziemlich ambivalent zu stehe. Einerseits sind verschiedene Therapiemethoden, deren Wirksamkeit längst durch unzählige Studien seit Jahrzehnten nachgewiesen ist, immer noch nicht anerkannt. Andererseits verhindert es aber auch, dass diverser Unsinn zumindest kassenrechtlich anerkannt wird. Denn was so in einigen Ländern in Sachen Medizin durchgeht, ist manchmal doch arg fragwürdig.

    Die Herangehensweise vom NLP halte ich auch für die Ursache, weshalb es so stiefmütterlich von der Forschung behandelt wird. Wenn sich ein absoluter Großteil schon woanders findet und in dessen Kontext erforscht wurden, warum dann nochmal? Wobei das ein Problem der ganzen Psychologie ist - internal konstruierte und deduktive Theorien sind immer viel beliebter als external konstruierte und induktive, selbst wenn die Befundlage eindeutig zu den extrernal konstruierten und zu den induktiven hindeutet.

    Sieht man auch in der Motivationspsychologie. Quasi jeder Psychologiestudent lernt Maslows Bedürfnispyramide kennen. Schöne deduktive Theorie. Nie empirisch bestätigt - Maslow selbst bezeichnete sie als Gedankenexperiment. Reiss hingegen, der Bedürfnisse aus tausenden von Erhebungen herausdestillierte (i.e. external konstruierte), der kommt in kaum einem Lehrplan vor.

    Die einzige große external konstruierte Theorie, die jemals größere Beachtung gefunden hat und mir gerade einfällt, ist die Big-Five-Theorie.

    NLP nun, einerseits external konstruiert (geschaut, was damals funktionierte), dazu eher induktives Vorgehen... doof gelaufen. Und zudem oft auf die EACs reduziert.

    Irgendwie schade.

    Denn ich mag besonders am NLP, dass es so viel unter einer Terminologie zusammenbringt. Dieselben Aussagen finden sich auch in X anderen spezielleren Theorien, aber alle mit eigener Terminologie. Da ständig zwischen den Begriffen zu springen würde sich wirklich furchtbar lesen.

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