Freitag, 11. Oktober 2013

Rahmenspaß mit destruktiven Emotionen VI

Jetzt wird es unspaßig. Kommen wir zur nächste destruktiven Emotion.

Trauer

Trauer hat zwei Gesichter. Ein funktionales und ein dysfunktionales.

Gesicht I:
- Vergangenheitsorientiert
- Reaktion auf einen Verlust
- Ziel ist die Verarbeitung des Verlusts

Gesicht II:
- Zukunftsorientiert
- Rekreation eines Verlusts
- Ziel ist die Aufrechterhaltung des Verlusts

Trauer ist zuvorderst ("Gesicht I") eine Reaktion auf einen Verlusts. Eine Phase, durch die die allermeisten Menschen bei einem Verlust gehen - abhängig davon, wie schwer der Verlust war. Hier gab es in jüngerer Vergangenheit Diskussionen, ob so etwas überhaupt zu einem Fall für Psychotherapeuten hochstilisiert werden sollte (meine Meinung, da wir hier bereits eine deutlich erhöhte Suizidrate haben, ist das bei schweren Fällen durchaus angemessen). Hier wäre die Hilfe bei der Verarbeitung sinnvoll. Vielleicht auch ein anderer Blick auf die Erinnerung.

So formuliert, sehr unschöne Verluste können in gewisser Weise das Andenken an das Verlorene kontaminieren. Beispielsweise wenn ein Kind unter sehr unglücklichen Umständen starb, kann es passieren, dass sämtliche Gedanken nur noch darum und den damit einhergehenden Schmerz kreisen, und die schönen Zeiten ausgeklammert werden. Keine Integration in die Autobiographie stattfindet. Dann ist der Übergang zum zweiten Gesicht nicht weit.

In dem Fall wird der Verlust in die Zukunft extrapoliert, immer wieder "neu erschaffen" (Gedankenschleifen z.B.). Hier wird der Verlust aufrechterhalten, statt verarbeitet. Er wird zu etwas die Person Definierendem. Das ist sehr, sehr problematisch. Hier muss die Rekreation des Verlusts gestoppt werden, neue Zukunftsperspektiven aufgezeigt werden - möglicherweise gar mit einem neuen Selbstbild.

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