Dienstag, 29. Oktober 2013

Welchen Wert hat ein Menschenleben in den USA?

Ein Gedanke, eine Frage kam mir vorhin: Welchen Wert hat eigentlich ein Menschenleben in den USA?

Da gibt es einen seltsamen Dissenz. Wenn man einmal darüber nachdenkt. Durch einen Terroranschlag, so schlimm er auch gewesen sein mag, sterben etwas über 3000 Menschen. Daraufhin werden Billionen Dollar dafür ausgegeben, die Verantwortlichen zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Das ganze Land damit finanziell an den Abgrund gebracht. Und zudem auch moralisch - Bürgerrechte ausgehöhlt, die ganze Welt bespitzelt, und auch dafür insgesamt wieder Abermilliarden an Dollar ausgegeben.

Umgerechnet gab es in den letzten 15 Jahren pro Jahr in den USA circa 200 Todesopfer durch terroristische Anschläge pro Jahr. Es wird also sehr viel Geld in die Hand genommen, um hier etwas zu unternehmen.

Gleichzeitig, bezogen auf das Jahr 2010, gab es folgende Zahlen:
- Knapp 18.500 Mord- und Totschlagopfer im Zusammenhang mit Schusswaffen.
- Über 37.500 Tote im Straßenverkehr..
- Mehrere 100.000 Tote im Zusammenhang mit Adipositas.

Mal ein paar Anmerkungen dazu:
- Verglichen mit anderen Ländern der westlichen Welt haben die USA mit die höchste Anzahl an Verkehrstoten pro Einwohnern bei der geringsten Verkehrsdichte. Hier findet sich auch die einfachste Fahrausbildung, in etwa auf dem Niveau von Indien.
- Adipositas ist ein riesiges Problem in den USA. Ich fand keine genauen Zahlen, Schätzungen schwankten zwischen ¼ und ½ Million. Wir reden hier nicht über ein paar Pfunde zu viel, sondern über 50% bis jenseits von 100% zu hohes Körpergewicht.
- Man sollte es sich nicht zu einfach machen, die Anzahl an Mordopfern nur auf die laxen Waffengesetze zu schieben. Die haben sicherlich ihren Anteil daran, aber sie sind nicht der einzige Faktor. Sozioökonomische Faktoren kommen dazu (die Schweiz hat ähnlich lasche Waffengesetze, aber eine auf die Bevölkerung umgerechnet viel viel geringere Mordrate).

All das wären Faktoren, wo man schon durch eine modifizierte Gesetzeslage, die bei weitem nicht so drastisch sein müsste wie bei den Sicherheitsgesetzen nach 9/11, enorm viele Menschen retten könnte. Würde man dazu noch Geld hinzu nehmen, um zum Beispiel das Problem der Adipositas richtig anzugehen oder die sozioökonomischen Ursachen für die hohe Mordrate zu verändern, ich vermag kaum zu schätzen, wie viele Menschen gerettet werden können.

Aber sie werden es nicht.

Und warum nicht?

Furcht. Und Kontrollüberzeugungen. Die Terroranschläge kamen von außen. Und da greifen keine Kontrollüberzeugungen. Daher lassen sich damit so leicht Leute hinter den Maßnahmen gegen Terrorismus versammeln, nicht jedoch gegen die ungleich größeren Bedrohungen.

Übrigens halte ich nichts davon zu glauben, unsere Politiker seien besser. Ich erinnere da an Friedrichs "Supergrundrecht Sicherheit". Wiederum, Furcht.

Es gibt ein Supergrundrecht. Artikel 1 GG: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Die Würde auf dem Altar der Sicherheit zu opfern, gerade wo es so viele größere Baustellen gibt, wo so viel mehr Leben gerettet werden könnten - ich finde das ekelhaft. Unwürdig.

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