Dienstag, 12. November 2013

Soziale Ansteckung - oder auch, was ist möglich?

Harmloses Beispiel: Zur Koordination mit unseren Studierenden haben wir ein so genanntes "Forum für Organisatorisches". Es ist dazu da, organisatorische Fragen, die das Studium der Module, für die ich mit zuständig bin, zu klären.

Soweit unspektakulär. Letztes Semester aber passierte etwas - jemand begann darin, eine Lerngruppe zu organisieren. Wofür eigentlich eine ganz andere Plattform gedacht ist. Als Live-Feldstudie liefen wir das laufen. Und nun erstellten noch viel mehr Studierende dort Lerngruppengesuche - insgesamt gab es mehrere Dutzend solcher Beiträge. Die organisatorischen Foren sind semesterbezogen, heißt starten alle halbe Jahr frisch und neu. Nie zuvor, und nie danach (bisher) wurden entsprechende Themen eröffnet.

Warum war das quasi eine Live-Feldstudie? Es gibt einen seltsamen Effekt. Ich glaube, er wird soziale Ansteckung genannt - müsste aber nochmal nachrecherchieren, ob der Name so stimmt. (Da ich meine Postings hier immer aus einer Laune heraus heruntertippe, ist es relativ unwahrscheinlich, dass ich das tue.)

Kurz gesagt ist es die Beobachtung, dass sich Verhaltensweisen wie Krankheiten in einem Sozialkreis ausbreiten. Bevor jetzt Proteste kommen, das ist neutral gemeint. Das harmlose Beispiel von gerade eben? Völlig wertfrei letztendlich egal. Auch positive Aspekte, wie zum Beispiel gesündere Ernährung können sich so ausbreiten. Umgekehrt auch negative Eigenheiten wie zum Beispiel Drogenabhängigkeiten oder Scheidungen. Statistisch gesehen steigt die Chance dafür an, sobald im Sozialkreis der erste Fall davon eintritt, und zwar drastisch. Nimmt dann mit jedem weiteren Fall weiter zu. Dies kann (nicht muss!) sogar bis zu einem Punkt gehen, an dem entweder alle betroffen sind, oder der Sozialkreis auseinanderbricht.

Woran liegt das?
Erstens spielt hier Banduras "Lernen am Modell" eine Rolle. Aber, ich würde sagen, eine kleinere. Die größere dürften Rahmen spielen. Solches neues Verhalten zeigt quasi auf, was möglich ist, erweitert sozusagen die Realität. Realität hat viel mit Aufmerksamkeit zu tun - was nicht in der Aufmerksamkeit ist, ist in gewisser Weise nicht real. In dem Moment, wo es neu hinzu kommt, ist es in der Aufmerksamkeit.
Dazu können dann noch so Prozesse wie Peer Pressure (= Gruppenzwang in Psychosprech) kommen.

Wie gesagt, das ist erst einmal neutral. Es ist ein Prozess, der zum Beispiel bewirkt, dass eine positive Veränderung in einem sozialen Gefüge auf weitere Mitglieder weiterspringen kann. Aber, und das sollte man im Hinterkopf behalten, eben auch negative Veränderungen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen