Dienstag, 26. November 2013

Symbolische Realität in Medien

Geschichtsmedien aller Art - Filme, Bücher, Computerspiele, auch Sonderformen wie zum Beispiel Rollenspielsettings - haben neben der reinen Darstellung noch etwas anderes, nämlich auch eine symbolische Realität. (Geschichtsmedien, weil Musik hier in aller Regel außen vor steht.)

Die symbolische Realität zeigt sich daran, wie die Handlung aufgebaut ist, wie die Charaktere denken, wie die Welt funktioniert, welche Konsequenzen aus Handlungen folgen, welche Ideen und Werte vermittelt werden. Ich wage zu behaupten: Zentral dafür, wie gut du einen Film findest, ist weniger die medientechnische Qualität (z.B. die Schauspieler, die Spezialeffekte, wie auch immer), und viel mehr, inwieweit die dort dargestellte symbolische Realität mit deinen Realitätsvorstellungen übereinstimmt. Oder, gerade im Falle von Spezialeffektgewittern, ob sich dort überhaupt mehr als ein bloßes Skelett findet.

Mal ein paar Beispiele:

- Vergleichen wir einmal "Bridget Jones (ebenda)" mit Phil Connors aus "Groundhog Day": Beides sind extrem egozentrische Charaktere. Um beide dreht sich die Welt. Aber (und da findet sich der aus symbolischer Sicht sehr bedeutsame Unterschied), Bridget Jones wird dabei belohnt und wird von außen von Konsequenzen für ihr Verhalten ausgenommen (wem der Begriff "Canon Sue", abgeleitet von "Mary Sue" etwas sagt, hier ist er meiner Meinung nach voll angemessen), hingegen muss Phil Connors die Konsequenzen für sein Verhalten tragen und ein besserer Mensch werden, eben damit sich die Welt aufhört, um ihn zu drehen. In Sachen Rahmensetzung neigen manche Menschen eher, sich auf der Ursache- und manche eher auf der Wirkungsseite zu sehen. Meiner Erfahrung nach korrelierte das bei den Leuten, wo ich davon weiß, sehr gut mit den Vorlieben für den einen oder anderen Film.

- Als Kontrast dazu, "Fight Club" und "The Truman Show" haben trotz eines komplett unterschiedlichen Genres große symbolische Parallelen; nämlich das Ausbrechen aus dem bisherigen, fremdbestimmten Leben und Suchen / Finden eines selbstbestimmten Lebens (wobei die Filme, durchaus, an unterschiedlichen Stellen aufhören).

- Im "Hogfather" (um meine Filmempfehlung für die Weihnachtszeit auszubuddeln) finden sich Ideen des Konstruktivismus (und anderen Bereichen) sehr bunt und verklausuliert verpackt wieder. Wer damit etwas anfangen kann, mag meiner Erfahrung den Film. Wer das jedoch als unsinnige Gedankenspiele abtut, der eher nicht.

- "Jurassic Park 1" vs. dessen Nachfolgern betrachtet fällt auf, dass da die symbolische Realität bei den Nachfolgern teils ins Gegenteil verkehrt wurde. Das führt zu teilweise skurrilen Lücken, wie beispielsweise, dass einer der Helden im zweiten Teil für sämtliche Tode verantwortlich ist, und sich dort generell die Helden die meiste Zeit über wie Vollpfosten aufführen, und sie dafür niemand auch nur schief anschaut. Hatte der erste Teil noch so eine Nachricht von "Handlungen haben Konsequenzen, auch wenn sie nicht beabsichtigt waren", ist es bei den nachfolgenden Teilen eher "eh, whatever", oder auch "Karma Houdini".

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