Samstag, 30. November 2013

Verfügbarkeitsheuristik

Heuristiken sind, kurz gesagt, Daumenregeln, die oftmals relativ treffgenau sind - aber es unter bestimmten Umständen aufhören zu sein.

Als eine besonders interessante dabei empfinde ich die so genannte "Verfügbarkeitsheuristik". Hier wird von der Anzahl an bekannten konkreten Beispielen auf die Gesamthäufigkeit geschlossen. Klingt erst einmal abstrakt, jedoch sind die Folgen davon sehr weitreichend. Nehmen wir einmal ein Beispiel - Nachrichtensendungen machen damit Quote, dass sie über möglichst spektakuläre Unglückfälle, Katastrophen, Ereignisse und so weiter berichten. Folglich überschätzen die meisten Leute deren Wahrscheinlichkeit bzw. deren Anzahl massiv.
Gefahren hingegen, die weniger spektakulär sind, über die also weniger berichtet wird, die dafür aber sehr viel häufiger auftreten - die werden massiv unterschätzt. (Ich erinnere mich da auch irgendwie an meinen Beitrag über Menschenleben in den USA.)

Zwei konkrete persönliche Beispiele einmal:
- Als ich, für die Studiumsfinanzierung, in einer Störungsstelle eines Technikdienstleisters arbeitete, fragte mich da mal ein potentieller neuer Kunde, wie zufrieden die Kunden so wären. Meine Antwort "da fragen Sie den falschen - bedenken Sie, mit wem Sie sprechen. Hier rufen nur die an, die Probleme haben!"
Das war die nette Seite der Medaille. Die weniger nette, ich selbst habe in meinem Privatleben einen ziemlichen Abstand von jenem Dienstleister gehalten, einfach weil ich ein sehr verzerrtes Bild von der Problemhäufigkeit dort habe.
- Ich betrachte Veganer (nicht Vegetarier, nur Veganer) mit großem Argwohn. Warum? Weil ich eine große Zahl kennengelernt habe, die nach einigen Jahren extreme psychische Probleme bekommen hat. Der Grund dafür ist, ganz kurz umrissen, das Vitamin B12. Der Körper hat einen riesigen Vorrat an B12, der meist zwischen drei und fünf Jahren reicht. So lange treten keine Probleme auf. Ist aber kein B12 mehr da, entgleist das Gehirn, und zwar heftig. Tatsächlich haben diverse teils schwere psychologischen Störungen (u.a. Depressionen, Psychosen, Demenz) als Ausschlusskriterium "nicht aufgrund eines B12-Mangels". B12 kommt quasi nur in tierischen Produkten vor (auch Eiern, Milch). Ich hoffe (aber, Verfügbarkeitsheuristik, weiß es nicht), dass die meisten Veganer entsprechend B12-Ergänzungsmittel nehmen bzw. mit B12 angereicherte Nahrungsmittel essen. Jene, die das nicht tun, die landen dann sehr oft nach Jahren entweder bei Ärzten - oder eben bei Psychologen. Was mich wiederum zum Anfang zurück bringt, weshalb ich Veganer mit Argwohn betrachte. Verfügbarkeitsheuristik.

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