Samstag, 14. Dezember 2013

Damals vs. Heute | Biologie vs. Kultur

Eins finde ich faszinierend. Allerdings in einem sehr negativen Sinne.

Über verschiedene Fachrichtungen hinweg, innerhalb der Psychologie, aber ganz besonders auch außerhalb der Psychologie, wird über die Frage gestritten, was angeboren und was erlernt ist.

Bei der Psychologie als evidenzbasierte Wissenschaft (anders ausgedrückt, mit ergebnisoffenen Experimenten) zeigte sich nun immer wieder, dass in den allermeisten Bereichen des Lebens ein "sowohl, als auch" gilt. Heißt beides eine Rolle spielt.

Es ist auch, meiner persönlichen Ansicht nach, sinnvoll, beides zu betrachten. Die biologische Seite, denn sie erklärt oftmals sehr gut die Herkunft und Wurzel von Verhaltensweisen. Und die kulturelle Seite, denn die Kultur formt dann jeweils jene biologischen Grundlagen.


Nun gibt es leider immer wieder Bestrebungen, die eine oder andere Seite (aktuell schwingt das Pendel sehr stark in Richtung Kultur) zu betonen und die andere auszuklammern. Dabei geht jedoch eine ganze Menge an Informationen verloren.

Wir können den Menschen nicht verstehen, wenn wir seine Entwicklungsgeschichte ausklammern. Warum wir die Welt so wahrnehmen, wie wir sie wahrnehmen. Warum wir so denken, wie wir denken. Warum wir so fühlen, wie wir fühlen. All dahinter (und noch viel mehr) steckt Evolution. Etwas, was heutzutage nicht mehr funktional ist (z.B. Phobien), kann es in der Vergangenheit sehr wohl gewesen sein.

Das heißt nicht, dass die andere Seite des Pendels - biologischer Determinismus - eine gute Idee wäre. Ist sie auch nicht. Denn der Mensch ist ein erstaunlich adaptives Wesen, das durch seine Umwelt mit geformt wird - aber eben nur geformt und nicht von Grundauf aufgebaut wird. Dieselben biologischen Impulse können in verschiedenen Kontexten völlig andere Ausdrucksformen finden und andere Konsequenzen haben.

Nehmen wir einmal ein Beispiel: Übergewicht
- Biologische Faktoren (Auswahl, nicht vollständig): Wodurch Hunger- und Sättigungsgefühle ausgelöst werden. Warum bestimmte Nahrungsmittelbestandteile den meisten Menschen "besser" oder "schlechter" schmecken. Wie Energiereserven im Körper angelegt und aufgebraucht werden. Welche Folgen jene Energiereserven haben. Wie bestimmte Bedingungen das Hungergefühl modifizieren.
- Kulturelle Faktoren (Auswahl, nicht vollständig): Auf welche Nahrung primär geprägt wird. Welche Portionsgrößen als normal gelten. Wie viele Mahlzeiten am Tag. Wie auf unterschiedliches Körpergewicht reagiert wird. Welche Rolle Mahlzeiten im sozialen Miteinander einnehmen.

All diese, und noch viel mehr, Faktoren spielen eine Rolle. Streicht man eine Seite heraus - glaubst du, man kann dadurch Menschen besser helfen? Oder sie nur verstehen?

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