Montag, 2. Dezember 2013

One Ping Only

Ich glaube, es wird mal wieder Zeit, meine ... unfreundlichere Seite herauszuholen.

Menschen sind nicht immer das, was sie vorgeben zu sein. Bei zwei wichtigen Aspekten gibt es jedoch einen (an sich ziemlich offensichtlichen) Trick, dies herauszufinden. Dieser Trick ist, jenen Teil verbal anzustubsen - und zu schauen, was für Reaktionen kommen. Ausgehend von einer gewissen Szene in "Jagd auf roter Oktober" nenne ich es für mich "anpingen".

Aspekt 1: Hass als treibende Kraft.
Warum setzt sich jemand für etwas ein? Dahinter können eine ganze Reihe von Motiven stecken (z.B. Idealismus, Geselligkeit, Macht, wie auch immer), und die allermeisten davon sind in Ordnung. Sich hingegen mit hasserfüllten Menschen abzugeben, ist meiner Erfahrung nach zugleich eine Zeitverschwendung als auch ein Garant dafür, dass es einem selbst danach schlechter geht. Vergleiche hierzu auch die Rahmenspaßepisode zum Hass.
Sicher, mit Hass kann ich auch arbeiten (z.B. die zugrundeliegende Furcht oder Wut gegen den Hass richten, um ihn aufzulösen, oder die Ursachen der Furcht/Wut angehen, wie auch immer), aber die Betonung hier liegt auf "arbeiten". Privat geht es mir viel besser, seit ich einen Bogen um hasserfüllte Menschen mache.
Wie geht das? Nun, entweder ist der Hass offensichtlich. Oder aber er versteckt sich. Hier frage ich dann einfach mal ganz neutral (die Neutralität ist wichtig!), warum sich für etwas eingesetzt wird.
Daraufhin werden immer Emotionen gezeigt. Steckt dort so etwas wie Idealismus, Überzeugungen, wie auch immer hinter, Enthusiasmus, teils missionarischer Eifer. Steckt dort etwas anderes hinter, wie zum Beispiel Geselligkeit, wird meist die Aufmerksamkeit darauf gelenkt.
Explodieren die Leute aber und wollen einem für die neutrale Frage am liebsten den Kopf abreißen; allein schon dafür, dass man nicht von Anfang an ihre Meinung hat... da steckt Hass hinter. Ebenso wenn stattdessen Argumente kommen, die allein über die persönliche Ärger- oder Furchtschiene laufen.
(Und wie so oft beim Hass ist die Ironie, dass er nichts bringt - denn so etwas schreckt ab. Selbst wenn z.B. der Ärger berechtigt sein sollte - simpelste Kommunikationspsychologie.)

Aspekt 2: Maske als gezeigte Persönlichkeit
Hier muss ich etwas weiter ausholen. Manche Menschen verstecken sich komplett hinter Masken. Da steckt keine böse Absicht hinter, eher im Gegenteil: Diese Masken sind ein Selbstschutz. Aber sie haben zwei große Probleme - erstens sind sie nicht verbunden mit den Ressourcen einer Person (wenn du zum Beispiel jemand kennst, der in bestimmten Situationen plötzlich viel lebendiger, leidenschaftlicher zu sein scheint, oft in so genannten "Flow States", dann sind das die Situationen, in denen die Maske unten ist). Zweitens und noch viel wichtiger, die Masken sind oft brüchig. Dummerweise sind sie als Selbstschutzmechanismus oft sehr stark mit dem Selbstwert assoziiert. Da reicht es meist, unabsichtlich die Maske auch nur eine Winzigkeit anzukratzen, und ein Vulkan geht hoch.
Warum? Selbe Ursache wie oben, weil sich hinter der Maske ein ziemlicher Abgrund auftun kann. Was mache ich also? Ich pinge die Maske an. Warte die Reaktionen ab. Geht ein Vulkan hoch, weiß ich, was Sache ist. Auch hier ist wieder wichtig, das ganze neutral zu tun. Angriffe werden die meisten abwehren.

Beides ist sicherlich praktisch im Privatleben (des eigenen Seelenfrieden willen). Jedoch auch im beruflichen Kontekt im Umgang mit Klienten. Denn wenn bei einem der Pings etwas hochgeht, dann ist das meiner Erfahrung nach ein sehr guter Hinweis darauf, dass das Problem größer.

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