Montag, 30. Dezember 2013

Ungeselligkeit - Schüchternheit - Introversion?

Ein Verhalten kann durch ganz unterschiedliche Dinge motiviert sein. Wichtiger als das eigentlich gezeigte Verhalten ist dabei, was dahinter steckt - also warum dieses Verhalten gezeigt wird. Ich muss dabei an eine Abschlussarbeit denken, die ich dieses Jahr begutachten musste. In ihr ging es um die Frage, ob Ungeselligkeit bei Kindern mit geringeren sozialen Fähigkeiten einhergeht - es kam übrigens heraus, dies ist nur für Schüchterne der Fall, aber nicht alle ungeselligen Kindern waren schüchtern.

Denn schauen wir uns einmal an, was es da für mögliche Ursachen für Ungeselligkeit geben kann:
- Schüchternheit: Hier hinter steckt erstens ein starkes Anerkennungsmotiv samt der Befürchtung, aufgrund eigener Unzulänglichkeiten keine Anerkennung zu erhalten.
- Introversion: Extraversion und Introversion haben in gewisser Weise etwas mit dem Energiemanagement zu tun, quasi wo man seine inneren Batterien wieder aufläd. Extravertierte laden ihre Batterien in Gesellschaft vieler anderer Menschen auf, Introvertierte in Abwesenheit vieler anderer Menschen.
- Sozialphobie: Hier steckt die Angst vor anderen Menschen dahinter.
- Fehlendes Geselligkeitsmotiv: Hier sieht die Person schlicht keinen Grund, etwas mit anderen Menschen zu unternehmen.
- Aversiv gepoltes Geselligkeitsmotiv: Hier wird die Anwesenheit von anderen Menschen als unangenehm erlebt.
- Stark ausgeprägtes Unabhängigkeitsmotiv: Hier wird die Anwesenheit von anderen Menschen als Einschränkung der eigenen Freiheit empfunden.

Bei der Liste sollte etwas auffallen. Einem Teil belastet die Ungeselligkeit aus unterschiedlichen Gründen, die anderen nicht. Wenn man nun jemanden zu mehr Geselligkeit motivieren möchte, ist es auch wichtig, den richtigen Ansatzpunkt zu finden. Etwas, was jemanden mit Schüchternheit hilft, wird bei jemanden mit stark ausgeprägtem Unabhängigkeitsmotiv ... eher weniger passen.

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