Freitag, 27. Dezember 2013

Unkluge Ziele - oder auch: Wenn das Ziel nur der Weg, und der Weg ein Hamsterrad ist

Vor gut einem Jahr schrieb ich über "kluge Ziele". Jetzt kommt das Gegenteil. Dieser wird leider etwas chaotischer. Was folgt ist meine Beobachtung - wahrscheinlich gibt es dazu Forschung, nur jene ist mir nicht bekannt. Und es ist ein etwas komplexeres Thema.

Woran ich hier auch erinnern muss, ist die Wichtigkeit von so genannten States - emotionalen Zuständen, welche das Denken, Entscheiden, Handeln und so weiter stark beeinflussen.

Denn stellen wir uns einmal eine Person vor, die sich in einem negativen Zustand ("nZ") befindet. Diese Person will aus dem nZ heraus. Nun kann es passieren, dass sich diese Person denkt, "wenn ich X habe, dann bin ich glücklich!"

Jetzt kann Folgendes passieren: Die Person versucht, X zu erreichen. Wendet dafür entsprechende Ressourcen auf. Verbleibt dabei aber permanent im nZ. Was jetzt passiert, ist ganz klassisch klassische Konditionierung - sowohl die Bemühung als auch X werden mit nZ assoziiert.

Passiert dies, ist die Person zwischen Skylla und Charybdis gefangen - scheitern die Bemühungen, ist sie frustriert, und der nZ wird verstärkt. Gelingen die Bemühungen, und es wird X erreicht, löst X den nZ aus.

Dies kann dann ein Hamsterrad auslösen - denn dann denkt sich die Person, "hey, vielleicht werde ich ja glücklich, wenn ich Y habe!", oder "hey, vielleicht werde ich ja glücklich, wenn ich 2X habe!", und das Spiel beginnt von vorne.

Wenn du Menschen kennst, die viel erreichen, und dennoch nie glücklich sind - dies ist der Grund. Ich kenne selbst einige, darunter sogar ein Psychologieprofessor, der genau nach dem Schema handelte. Und selbst sagte, "eigentlich, wenn ich so zurückblicke - ich habe alles erreicht, was ich wollte. Glücklich war ich jedoch nie."

Die Frage ist nun, wie kann dies vermieden werden? Die Antworten klingen einfacher, als sie sind:
1. Bei der Verfolgung von X in einem positiven Zustand sein. In gewisser Weise gilt hier (ich bin mir der Ironie bewusst), dass der Weg auch das Ziel sein sollte - bereit es einem Freude, ein Ziel zu erreichen, wird das Ziel mit einem positiven statt einem negativen Zustand assoziiert.
2. Sich an die Funktion, nicht die Form halten. Ziele werden gesetzt, weil irgendein Bedürfnis unerfüllt ist. Konzentriert man sich nun auf die Form, statt auf die Funktion, gelangt man einerseits wesentlich schwerer in einen positiven Zustand bei der Verfolgung, andererseits kann sich die Erreichung des Ziels dann schnell hohl anfühlen.

Das Ganze einmal demonstriert:
Stellen wir uns vor, eine Person fühlt sich nicht sozial anerkannt genug und denkt sich, "wenn ich ein Instrument spielen kann, dann werde ich beachtet!" (man sieht hier schon, wie die Funktion - soziale Anerkennung - von der Form überschrieben wird). Sie beginnt nun, ein Instrument zu lernen, stellt jedoch fest, es macht ihr keinen Spaß. Das wird in der Konstellation nahezu immer der Fall sein, weil das Spielen des Instruments mit dem nZ assoziiert wird - wann immer daran geübt wird, dann, weil das gewünschte Bedürfnis noch unerfüllt und dies bewusst ist. Vielleicht gibt die Person auf - dann ist der nZ stärker, weil das Ziel weiter unerreicht ist und dafür Ressourcen aufgewendet worden sind. Oder die Person krampft sich durch den Lernprozess hindurch. Stellt dann fest, "hm, das war jetzt den Aufwand doch nicht wert, denn so groß und lang andauernd ist die Anerkennung nicht" (auch das wird durch die Assoziierung der Tätigkeit mit dem nZ sehr wahrscheinlich ausgelöst) -> vielleicht sucht sie dann einen anderen Weg, oder sie intensiviert ihre Bemühungen um noch besser das Instrument zu lernen.

Wie könnte dies vermieden werden?

Erstens, indem die Aufmerksamkeit während des Übens weg vom negativen Zustand gebracht wird. Egal auf was - States sind instabil, nimmt man ihnen die Aufmerksamkeit weg, kollabieren sie. Klingt einfach, ist einfach, wirkt jedoch erstaunlich gut - einfach weil dies Assoziationen zwischen dem nZ, der Tätigkeit und dem Ziel vermieden werden.
Zweitens, indem sich auf die Funktion, nicht auf die Form konzentriert wird. Wenn die Tätigkeit wirklich der Person nicht liegt, dann eine Finden, die dies tut.

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