Freitag, 20. Dezember 2013

Versymbolifizierung

Ich habe vor einiger Zeit über die symbolische Realität gesprochen - quasi eine Kodierung emotionaler Eindrücke und Informationen. Aktuelles Beispiel: Was macht Weihnachten aus? Was löst bei dir Weihnachtsstimmung aus?

Es gibt ein Beispiel für eine Kodierung emotionaler Eindrücke, die so den Alltag durchdringt, dass die meisten Menschen dem gegenüber völlig blind sind.

Mal ein paar Beispiele - ich bin sicher, du wirst das Muster erkennen:

- Marketing: "Auf einer Skala von 1 bis 10, wie zufrieden sind Sie mit ihrer Wahl?"
- Gesundheit: "Auf einer Skala von 1 bis 10, wie stark ist der Schmerz?"
- Psychotherapie: "Auf einer Skala von 1 bis 10, wie groß ist die Angst?"

Ziemlich leicht zu entdeckendes Muster, hoffe ich. Die Sache ist nur zweierlei:
Erstens, die Zahl ist nicht das Gefühl. Die Zahl ist wesentlich fester. Gefühle (auch so etwas wie Schmerz) sind schwankend, dynamisch, im Wandel begriffen. Wandelt man sie in eine Zahl um, verfestigt man sie. Man kann dabei nicht die Zahlen wieder in die Gefühle zurückrechnen. Dies schafft zugleich aber auch Vergleichbarkeit zwischen unterschiedlichen genannten Zahlen. (Dies klappt übrigens nur bei Skalen bis ungefähr 10, sobald es darüber hinaus geht, wird die Kodierung ungenau. Anders formuliert, wir können noch recht gut sagen, ob wir bei einer Wahl eher bei der Zufriedenheit bei 7 oder 6 liegen. Nicht jedoch, ob bei 71% oder 72%.)
Zweitens, die Zahl kann manipuliert werden. Und wenn die Zahl manipuliert wird, und die Manipulation am Wachverstand vorbei kommt, verändert sich das zugrunde liegende Gefühl.

Mal eine Implikation aus dem ersten Punkt: Bei Prüfungsangst sorgen alle Prüfungsformen gemeinhin für einen Deckeneffekt, also anders gesagt eine "10 von 10". Aus der Forschung weiß man jedoch, dass bestimmte Prüfformen körperlich (i.e. physische Realität) viel stressiger sind als andere. Emotional jedoch sind sie äquivalent.

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