Mittwoch, 31. Dezember 2014

Ein Blogjahr im Kurzrückblick II

2014 neigt sich dem Ende zu, daher wünsche ich allen Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Nach dem Kurzrückblick 2013 nun schon der zweite Rückblick. Wo ist nur die Zeit geblieben? Wieder einmal möchte ich die drei beliebtesten Beiträge vorstellen:

1. Gedächtnis: Lerntricks
Gedächtnis ist immer ein spannendes Thema, ebenso verschiedene Lernmöglichkeiten. Das, was wir behalten, behalten wir nicht zufällig. Ebenso vergessen wir nicht zufällig, was wir vergessen. Einerseits das Thema "wie lassen sich Dinge besser merken?", aber ebenso das Thema "wie lassen sich Dinge besser erinnern?" waren im vergangenen Jahr sehr beliebt.

2. Der Sturm und die Decke
Hier muss ich zugeben, war ich überrascht. Ich schreibe alle paar Monate mal etwas auf, was man als "irgendwie parabel- oder geschichtshaft" bezeichnen könnte. Der Sturm und die Decke war eines davon - über Zeitwahrnehmung, Entschleunigung, Achtsamkeit und Ratschläge. Hätte nicht damit erwartet, dass ausgerechnet dieser Beitrag so beliebt wurde.

3. Gedächtnis: Abrufhilfen
Siehe oben.

Ich persönlich mochte besonders meine Reihe über verschiedene Rahmen, den Rahmenwerkzeugkasten. Auch wenn jener nicht allzu viele Leser interessiert zu haben scheint, ich halte den mit für die nützlichste Reihe, den ich dieses Jahr verfasst habe.

Eine ehrenhafte Nennung soll auch an "man kann nicht nicht x" gehen - der meistkommentierte Beitrag aus diesem Jahr.

Ich hoffe, dass alle Leser ein schönes Jahr 2014 hatten. 2015 steht vor der Tür - für mich wird es ein Jahr großer Umstellungen. Auf die bin ich sehr gespannt. Möge 2015 kommen!

Dienstag, 30. Dezember 2014

Anfallende Stichproben

Ich habe mal in der Störungsstelle eines großen Kabelfernsehanbieters gearbeitet. Eines Tages hat jemand angerufen, der in das Gebiet dieses Kabelfernsehanbieters gezogen ist und dann wissen wollte, wie so die technische Zuverlässigkeit aussah. Was sollte ich darauf antworten? Meine Worte lauteten ganz ungefähr "ich höre jeden Tag von Problemen, aber das ist meine Aufgabe hier. Störungsstelle."

Im Bereich der Forschung nennt man dieses Problem "anfallende Stichproben". Das tritt auf, wenn die Menschen, die an irgendeiner Erhebung teilnehmen, sich systematisch von der Grundgesamtheit unterscheiden. Außerhalb der Forschung aber trägt dieses Phänomen sehr stark dazu bei, wie wir die Welt wahrnehmen. Berufe spielen dabei eine große Rolle, da bei vielen Stellen eine gewisse Selektion vorliegt. Man denke hier an Ärzte, Polizisten, und sehr viel mehr. Selbst innerhalb einer Berufsgruppe können anfallende Stichproben zu großen Unterschieden führen. Ein Bekannter von mir arbeitet viel mit traumatisierten Personen aus Krisenregionen, ein anderer hingegen viel mit Personen mit Angststörungen. Letzterer ist viel konstruktivistischer eingestellt als der andere.

Auch in anderen Bereichen schlägt dies zu. So neigen die meisten Menschen dazu, sich mit anderen Menschen zu umgeben, die ähnliche Einstellungen haben. Folge, die eigenen Einstellungen werden für verbreiteter gehalten, als sie es möglicherweise sind.

Sprechen wir einmal kurz über ein damit verwandtes Phänomen, genannt "Verfügbarkeitsheuristik". Das besagt, dass abhängig davon, wie schnell uns eine Information in den Sinn kommt bzw. gefunden werden kann, deren Wichtigkeit beziehungsweise Richtigkeit bewertet wird. Im Endeffekt dasselbe Problem in etwas anderem Gewand. Sorgt es doch zum Beispiel mit dafür, dass wir völlig verschrobene Risikoabwägungen treffen, weil sich manche "Gefahren" einfach besser als Geschichten machen (neben diversen anderen Gründen - Langfristigkeit und Kontrollüberzeugungen spielen bei Risikoabwägungen auch eine große Rolle). Oder allein schon für wie positiv oder negativ wir die Welt halten. Ein Kollege wetterte mal gegen Nachrichten, da er meinte, die Welt sei zu 95% ein positiver Ort, aber nur die schlechten 5% würden es meist in die Nachrichten schaffen. Ob diese Zahl nun stimmt oder nicht, oder welche es stattdessen sein sollen - woher soll ich das wissen?

Samstag, 27. Dezember 2014

Vertrauen, Misstrauen

Vertrauen ist so eine seltsame Sache. Mir fällt da immer sofort eine Aussage ein, die mal jemand in Bezug auf Religiosität geäußert hat - "man glaubt immer an etwas, und wenn es nur der Kühlschrank ist!"
Wie kommt es, dass mir ausgerechnet ein Spruch zum Thema "Glauben" bei Vertrauen einfällt? Sie sind sich relativ ähnlich - einerseits die Frage, ob man dem anderen glaubt; andererseits, welche Intentionen und mögliche Handlungen man dem anderen unterstellt.

Würdest du 1000€ einem wildfremden Menschen in die Hand drücken? Tun wir das nicht in gewisser Weise alle, wenn wir mit unserer Bank zu tun haben? Und was geschah nochmal, vor nunmehr etwas über sechs Jahren, als manche Banken etwas gewackelt haben? Panische Politiker die alles versuchten, einen Lauf auf die Banken zu verhindern - denn hätten alle Kunden ihr Geld abgezogen (besser gesagt abziehen wollen), wären die Banken kollabiert.

Allerdings, und das ist das große Problem, welches Vertrauen so seltsam macht, was wir klassischerweise als "Misstrauen" bezeichnen ist nicht das Gegenteil von Vertrauen. Es ist auch eine Form von Vertrauen. Wenn ich sagen würde "ich misstraue Politikern. Sie machen nur falsche Versprechungen und vertreten eh Lobby-Interessen", dann vertraue ich denen durchaus - nur nicht so herum, wie sie es sich wünschen. Stichwort insofern "man kann nicht nicht X". Das, was wir klassischerweise als Misstrauen bezeichnen, ist nur eine andere Form von Vertrauen.

Was ist das wirkliche Gegenteil von Vertrauen? Hier gibt es interessanterweise zwei Gegenteile.

Das erste ist Unberechenbarkeit. Menschen mögen keine Unberechenbarkeit. Unsere Darstellung von uns selbst, die Geschichten, die wir über uns selbst erzählen, all das und viel mehr dient dazu, dass wir für andere berechenbarer werden. Misstrauen aufgrund von Unberechenbarkeit ist von ganz anderer Qualität als Misstrauen aufgrund von fehlendem Vertrauen. Mit letzterem lässt sich einigermaßen gut arbeiten, ersteres hingegen sorgt dafür, dass die Reaktion schwierig vorhersagbar wird.
Beispiel: Wenn ich mal etwaige Wahrnehmungs- oder Denktäuschungen demonstriert habe, habe ich immer vorher darauf hingewiesen, dass ich dann tricksen würde. Dadurch wusste ich, meinen Handlungen wird 'misstraut', wodurch die Tricks immer funktionierten. Hatte ich keinen entsprechenden Rahmen vorab gesetzt, wurde hingegen manchmal der Trick erkannt. Warum konnte ich zu Demonstrationszwecken besser tricksen, wenn mir misstraut wurde? Weil das, was ich tat, scheinbar berechenbarer war.

Das andere Gegenteil ist das Hinterfragen jedweder Information, anders formuliert eine extrem verfestigte "innere" Realität. In dem Fall wird alles für falsch gehalten, was von außen kommt und nicht zum inneren Bild passt.

Kommen wir also zurück zum Kühlschrank. Vertrauen ist eine seltsame Sache. In gewisser Weise kann man sie nicht verlieren, man kann sie nur ändern - und wenn man Vertrauen einmal sprichwörtlich verspielt hat, es zurückzugewinnen wird dann sehr schwer. Weil dann alles (Stichwort Berechenbarkeit) durch den neuen Filter betrachtet wird.

Soziale Netzwerke

Erst einmal hoffe ich, dass alle Leser schöne Feiertage hatten - und sich auf einen tollen Jahreswechsel freuen!

Soziale Medien, beziehungsweise soziale Netzwerke (oder kurz gesagt Facebook und co), sind ein Thema, das immer wieder aus verschiedenen Perspektiven betrachtet wird. Tatsächlich tauchen jene auch regelmäßig bei den Suchwörtern auf, durch welche Leute hier meinen kleinen Blog finden. (In erster Linie, weil sie etwaige soziale Netzwerkpräsenzen von mir suchen - bisher gibt es da jedoch nur diesen Blog.)

Seit ihrem Auftauchen haben soziale Netzwerke die Kommunikationslandschaft so verändert wie zuletzt wohl die SMS, und das - denke ich - aus denselben Gründen. Allerdings nicht nur.

Kommunikation kann sowohl synchron als auch asynchron stattfinden. Synchrone Kommunikation ist jedwede Form von "live"-Gesprächen, egal ob ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht, per Telefon, Videokonferenz, Skype, auch Chats fallen darunter. Hier müssen alle Beteiligten zugleich anwesend sein und an der Kommunikation teilnehmen. Bei asynchroner Kommunikation ist das nicht der Fall - Briefe dürften eine der ältesten Formen asynchroner Kommunikation sein, dann gibt es noch E-Mails, SMS, Foren, oder eben so etwas wie soziale Netzwerke. Sie haben den Vorteil, dass jeder kommunizieren kann, wann er mag und kann. Insbesondere die moderneren Formen erlauben es, auch bei sehr unterschiedlichen Arbeitszeiten, Lebenssituationen und mehr Kontakt zu halten. Zudem, und das kann man nicht hoch genug bewerten, sind sie einfach zu bedienen und schnell. Kontakt über E-Mail zu halten ist einfach um Welten einfacher als über Briefe.

Das ist ein Element, das eine Rolle spielt. Im Laufe der Zeit setzten sich immer die effizientesten Kommunikationsmittel durch. Bei sozialen Netzwerken kommt noch ein wenig mehr hinzu. Sie sind für viele einerseits eine gute Möglichkeit, um Kontakt zu halten und Nachrichten zu verbreiten. Andererseits haben sie auch so etwas von einem öffentlichen Tagebuch, erlauben sie es doch, das eigene Leben zu protokollieren. Daraus ergeben sich Vor- und Nachteile.

Ein Bereich ist diesbezüglich Status. Auf der einen Seite kann man sich durch das, was man über sich verbreitet, besser darstellen. Auch das Sammeln von "Freunden", "Followern" und co gehört dazu (tatsächlich gibt es einige Berufsbereiche in der Medienbranche, wo entsprechende Zahlen von potentiellen Bewerbern erwartet werden). Auf der anderen Seite kann man sich damit natürlich auch hereinreiten - beispielsweise indem Verhaltensweisen gezeigt werden, die potentielle Arbeitgeber eher abschrecken.

Ein anderer Bereich hat, so seltsam es klingt, etwas mit Realität zu tun. Indem wir etwas aussprechen oder niederschreiben verleihen wir dem, was in unserem Kopf herumwirbelt, mehr Realität. Personen, die regelmäßig positive Erlebnisse aus ihrem Alltag sammeln, geht es im Schnitt besser. Nicht notwendigerweise, weil sie mehr positive Erlebnisse haben (wobei das auch der Fall sein kann), aber auch, weil ihre Aufmerksamkeit mehr darauf geeicht ist, diese überhaupt zu bemerken, und sie durch die Ausformulierung dann auch mehr im Bewusstsein verbleiben. Dummerweise kann auch das Gegenteil passieren. Es gibt Leute, die sich den ganzen Tag damit beschäftigen, wie furchtbar und ungerecht die Welt sei, und/oder was ihnen zuletzt schlechtes widerfahren ist. Entsprechend gelaunt sind jene Personen oft. Es gibt da so ein schönes englisches Sprichwort - "where attention goes energy flows". In sozialen Netzwerken kann man dies sowohl zum eigenen Vorteil (positive Erlebnisse) wie auch zum eigenen Nachteil (negative Erlebnisse) nutzen.

Ich kann nur empfehlen, dabei alles - egal ob selbstgeschrieben oder bei anderen gelesen - für nicht allzu "real" zu halten. Jedes Erlebnis hat zwei Komponenten. Einerseits das, was wirklich passiert. Andererseits unsere Bewertungen, sowohl intellektuell wie auch emotional. Letztere sind nicht real, wir verleihen ihnen nur Realität. Ein Beispiel: Ich erinnere mich an ein Weihnachten, wo ich sehr fern der Heimat in einem anderen Land strandete, einen mehr als zweitausend Kilometer langen Rückweg durch halb Europa angetreten bin und schließlich erst am zweiten Weihnachtsfeiertag daheim eintraf. Ich könnte daraus jetzt folgende Bewertungen spinnen:
- Wie unerwartete Ereignisse unsere Pläne durcheinander bringen können.
- Wer spart, kann durch Zeit hinterher nachzahlen.
- Wie Umwege uns in sehr schöne Gegenden führen können.
- Das Weihnachten auf sehr viele verschiedene Arten und Weisen verbracht werden kann.
- Etwas über Vorfreude auf das, was am Ende der Reise wartet.
- Oder auch etwas in Richtung "der Weg ist das Ziel" oder "das Leben ist eine Reise".
- Genauso könnte ich über die vielen kleineren und größeren Ärgernisse der Reise berichten.
- Ebenso über die positiven Erlebnisse.
Und sehr, sehr viel mehr. Die Reise ist real, die Bewertung hingegen subjektiv. Es sind Spins, Rahmen. Die wir selbst setzen, oder von anderen uns setzen lassen. In sozialen Netzwerken geschieht dies dauernd.

Dann gibt es noch zwei weitere Phänomene, die in sozialen Netzwerken eine Rolle spielen können. Da wäre die "soziale Ansteckung" zu beachten - die funktioniert nicht nur in "realen" sozialen Gruppen, sondern auch über virtuelle Gruppen. Weiterhin können auch virtuelle Gruppen eine Art Gruppendruck ausüben - und sei es nur, eben durch die tagebuchartige Natur mancher sozialer Netzwerke, immer etwas zu erleben, bzw. erleben zu müssen. Für manche ist das toll, für andere Stress.

Montag, 22. Dezember 2014

Grau

Nur selten sind Ereignisse nur gut oder nur schlecht, auch wenn es zuerst den Anschein haben mag. Es mag nur manchmal sehr lange brauchen, bis wir das erkennen. Ich habe bisher keinen Menschen kennengelernt, der folgende Aussage verneint hat - zumindest den zweiten Teil: "Ich bin sicher, Sie alle hatten in der Vergangenheit Erlebnisse, die schlimm waren, bei denen Sie sich vielleicht wünschten, sie wären nicht passiert - oder die sie ungeschehen machen könnten. Und zugleich glaube ich, dass Sie durch diese Erlebnisse als Person gewachsen sind, aus ihr gelernt haben - sie ohne diese Lernerfahrung nicht die Person wären, die sie heute sind, und sie daher auf keinen Fall aus den Lehren aus den Erlebnissen verzichten wollten."

Positive Erfahrungen wiederum können einen seltsamen Kontrast bilden, gerade wenn man vorher keine irgendwie vergleichbaren Lebenserfahrungen hatte. Wie mal jemand zu mir sagte "das ist, wie wenn ich in einem Luxussportwagen gefahren wäre - danach wirken alle normalen Autos schal und langweilig", und dies lässt mich ironischerweise an ein Gespräch führen, dass ich mal zum Thema Wünsche führte. Dort wurde als Thema der Buddhismus eingeworfen, als "selbstlose" bzw. "wunschlose" Religion, meine Erwiderung war, dass gerade im Buddhismus sich sehr viel um die Linderung und Vermeidung von Leid dreht, und dazu gehört auch, die Flüchtigkeit schöner Erfahrungen anzuerkennen. Um nicht an ihnen festzuhalten, wenn sie wieder schwinden. Damit, um im Autobeispiel zu bleiben, normale Autos nicht schal und langweilig werden.

Insofern könnte man sagen, nichts ist schwarz und weiß, alles ist in einer unterschiedlichen Schattierung von Grau. Manche heller, manche dunkler. Ich habe Menschen kennengelernt, die fast gestorben sind, und diese für die meisten traumatischen Erlebnisse als das beste Ereignis betrachten, was ihnen je passiert ist. Warum? Weil sie sozusagen die Sterne am dunklen Nachthimmel sahen, und nun als Kontrast kommende dunkle Stunden gleich viel weniger dunkler wirkten. Jemand meinte einmal, "ein wütender Chef kann einen zwar nicht töten, aber die Existenzgrundlage entziehen, daher ist dieselbe Furcht wie vor einem Säbelzahntiger berechtigt", wo ich nur einerseits erwiderte, die Fluchtemotion ist für so eine Situation nicht funktional, und andererseits mir dachte, nein, das ist nicht dasselbe. Wie aber das jemanden ohne Referenzerfahrungen erklären, wie das jemanden erklären, der nie selbst mit dem möglichen körperlichen Ende konfrontiert gewesen war?

Aber es geht über Situationen hinaus. Für mich war es wohl der größte Schritt persönlicher Entwicklung, manche Figuren aus meiner Vergangenheit in all ihren Schattierungen zu betrachten. Gerade jene, die keine gemeinhin positive Rolle gespielt haben. Sei es in Bezug auf ihre Intentionen, oder sei es auch in Bezug auf die Gesamtheit ihrer Handlungen. Zu erkennen, das, was wir im Leben geschafft haben, haben wir auch und gerade wegen der Menschen geschafft, die uns das Leben erschwert haben. Denn wie hätten wir ohne sie wachsen können? Oder auch nur zu sehen, es war nicht alles schlecht.

Und dann sind da wir selbst. Mal nicht als "Wahrheit", sondern als Idee eingeworfen. Jung beschrieb einen Teil des Selbst als "Schatten" - jenen Teil von uns, den wir ablehnen, unterdrücken, für schlecht halten, und der es durchaus sein kann. Aber zugleich auch Hort unserer größten ungenutzten Potentiale. In vielen Geschichten werden die Helden in gewisser Weise "reiner", man denke da an die Verwandlung von Gandalf den Grauen in Gandalf den Weißen. Vielleicht aber ist es ein größerer Schritt für uns selbst, wenn wir wie Saruman aufhören, einfarbig zu sein - Saruman of many colours. Auch jene Aspekte von uns akzeptieren, die unbequem sind, unerwünscht, möglicherweise gar destruktiv. Denn nur so können wir sie nutzen, oder vernünftig mit ihnen zurechtkommen. Damit wir die Grenzen zwischen Schatten und Licht verwischen. Und am Ende bleibt, ja, was eigentlich? Grau? Schwarz und Weiß? Viele Farben?

Dienstag, 16. Dezember 2014

Vorteil von Beratungs- bzw. Therapieverfahren XYZ?!

Immer wieder schaue ich mal, was für Suchbegriffe Leute hier her führen. Alle paar Wochen taucht da die Frage auf, die sich zusammenfassen lässt mit "was ist der Vorteil von XYZ?", wobei XYZ alles Mögliche und Unmögliche sein kann, was auch nur irgendwie mit der Psychologie zu tun hat - egal ob Beratung, Therapie, wie auch immer.

Ich könnte jetzt auf Metastudien verweisen, welche die Erfolgsaussichten verschiedener Richtungen untersucht haben. Allerdings wäre ich dann nicht wirklich aufrichtig. Die grundlegende Frage halte ich bereits für falsch, weil nachrangig.

Worauf kommt es an, wenn man Hilfe sucht? Egal in welchem Kontext? Sicher, derjenige, bei dem man Hilfe sucht, sollte kompetent sein und nicht völlig unbegründeten Unsinn verzapfen ("mein Tassenpyramidenscherbenhaufen sagt mir, Sie sollten gegen ihre Prüfungsangst im Schwimmbad vom Zehnmeterbrett springen!"). Die gute Nachricht ist, im therapeutischen Bereich sind die Kriterien zur Anerkennung sehr konservativ - egal ob Tiefenpsychologie, Psychoanalyse, Verhaltenstherapie, die funktionieren (gibt sogar noch mehr Therapieverfahren, die laut unzähligen Studien funktionieren, aber nicht anerkannt sind, da die Anerkennung so konservativ ist). Im Beratungsbereich gibt es einen viel größeren Dschungel, da auf die Ausbildung bzw. den Hintergrund des Beraters zu achten halte ich schon für sinnvoll.

Davon aber einmal abgesehen, geht meiner Einschätzung nach die Frage, welche Richtung jetzt jemand vertritt, völlig in die falsche Richtung. Und zwar aus drei Gründen. Besser gesagt drei Fragen.

Frage #1: Komme ich mit der Person zurecht?
Das ist das A und O. Egal welche Richtung jemand vertritt, welche Erfahrung derjenige hat, welche Referenzen vorzuweisen hat - kommt man mit der Person nicht zurecht, aus welchem Grund auch immer, gefährdet das jedweden Erfolg massiv. Egal wie irrational etwaige Vorbehalte oder Einschränkungen oder was auch immer sein mögen - sind sie da, kann es massiv Probleme geben. Jeder Mensch hat da andere Vorlieben. Ich kenne Psychologen, die mit >90% aller Menschen zurechtkommen - aber ich habe nur sehr selten jemanden getroffen, der von sich behauptet hat, dass mit ihm 100% aller Menschen zurechtkämen.
Nur fürs Protokoll, ja, man kann auch viel erreichen, wenn man mit jemanden arbeitet, der einem selbst gegenüber eher verhalten bis feindselig gegenübersteht. Nur ist das eine ungleich schwierigere Ausgangslage. Aus dem Grund halte ich diese Frage für weitaus wichtiger als die Frage nach dem Richtungshintergrund.
Erstgespräche haben auch den Sinn, dass der Klient danach sagen kann "lieber wer anders".

Frage #2: Hat die andere Person nicht dasselbe Problem?
Stellen wir uns zwei Personen vor. Beide haben Angst vorm Wasser. Die eine nun will die Angst überwinden, und hat durch die Angst einen Leidensdruck, der anderen ist die Angst egal und hat keinen Leidensdruck. Wie gut könnte die Person mit Angst ohne Leidensdruck der Person mit Angst und Leidensdruck helfen?
... kann schon, ist aber wiederum schwieriger, weil sich in dem Fall der Berater selbst mitberaten muss.

Frage #3: Ist da im Terminplan überhaupt etwas in annehmbarer Zeit frei?
Stellen wir uns vor, jemand hat wegen etwas einen hohen Leidensdruck. Bei einem Therapeuten mit Richtung X betrüge die Wartezeit sechs Monate, beim Kollegen mit Richtung Y elf Monate, und in einer Institution mit Ausrichtung Z sogar nur zwei Monate. Das klingt jetzt wie bewusst auf die Spitze getrieben, vielleicht ist es das auch, allerdings können Wartezeiten bei nicht akuten Hintergründen je nach Region durchaus stark schwanken.

Erst daran anschließend quasi als vierte Frage würde ich die inhaltliche Ausrichtung einbringen, und die hat schon einen großen subjektiven Faktor. Erwartungen spielen eine große Rolle. Auch eigene Vorlieben. Ich könnte jetzt wieder auf die Metastudien verweisen und eine Liste erstellen nach dem Motto "bei X ist Y das erfolgreichere Verfahren", aber damit werde ich der Komplexität nicht gerecht. Das sind wenn dann Durchschnittswerte, die relativ dicht zusammen liegen - und die Unterschiede oft kleiner sind als der der persönliche Faktor (Frage #1). Dazu kommen dann noch Erwartungen.

Als ich noch Schüler war, Ewigkeiten her, überhörte ich mal einen Gesprächsfetzen, der da sinngemäß lautete "also ich war gestern das erste mal bei X, und wir haben gar nicht über meine Kindheit geredet. Der kann kein guter Therapeut sein!"
Erinnert mich gerade an die Geschichte von Erickson, der mit so ziemlich jeder Technik erfolglos versuchte, eine Klientin in Trance zu kriegen - und die nach gut einer Stunde etwas irritiert fragte, wann er endlich eine Uhr rausholen und beginnen würde.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Das Vorhersageparadox

Beginnen wir mit einem Gedankenspiel: Stell dir vor, du bist Kandidat in einer richtig schön stereotypischen Gameshow. Der Moderator lässt dich zwischen drei Toren wählen - hinter einem ist ein Preis, hinter zweien ist eine Niete. Du wählst ein Tor, sagen wir das mittlere, anschließend lässt der Moderator das linke Tor öffnen und zeigt die Niete dahinter. Nun die Frage an dich: Bleibst du bei deinem Tor, oder wechselst du zum rechten Tor?

Statistisch gesehen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass sich hinter dem rechten Tor der Preis befindet, bei 2/3, hingegen beim mittleren Tor bei 1/3. Rein statistisch betrachtet sollte man daher wechseln. Übrigens immer wechseln - da gab es massenhaft Versuchsreihen zu, auch Leute, die zum Beispiel versucht haben nur in zwei von drei Fällen zu wechseln, oder die Körpersprache des Moderators zu lesen, kamen nicht an die 2/3 Trefferchance heran, die erzielt wurden, wenn immer gewechselt wurde.

Solcherart rein statistische Entscheidung bzw. Vorhersage wirkt kalt, unpersönlich. Die wenigsten Menschen wechseln das Tor. Ein ziemlich großes Problem zum Beispiel in der Eignungsdiagnostik und Personalauswahl. Rein nach statistischen Kennwerten zu entscheiden brachte im Durchschnitt immer bessere Ergebnisse als den menschlichen Faktor einzubeziehen.

Jedoch nicht bei allen. Manche waren besser als die Maschine. Also schauten Forscher, welche Kriterien diese Personen nutzten, und programmierten diese ein. Ergebnis? Das Programm machte wiederum deutlich bessere Vorhersagen als der Mensch. Weshalb? Weil sich die Menschen immer wieder mal nicht an ihre eigenen Regeln halten.

Jetzt könnte man daraus den Schluss ziehen, den menschlichen Faktor übergehen zu wollen. Rein nach Zahlen zu entscheiden. Vermutlich gäbe das - darauf deutet jede mir bekannte Forschung hin - im Durchschnitt diese besseren Ergebnisse. Jedoch liegt hier das große Problem, denn die Vorhersage ist niemals hundertprozentig genau. Beim oben geschilderten "Ziegenproblem" kann man die Erfolgswahrscheinlichkeit steigern, sie erreicht jedoch nicht "eins" (also 100%). Auch wenn es um so etwas geht wie zum Beispiel potentieller Studienerfolg, dann sind durch Schulnoten und IQ gute "statistische" Vorhersagen möglich, allerdings auch wenn es unwahrscheinlicher ist, so gibt es doch mehr als genug Personen, die trotz schlechten Schulnoten ein Studium erfolgreich abgeschlossen haben, oder trotz geringer Leistungen in IQ-Tests gut abschnitten.

Das bringt einem im Bereich der Diagnostik in das Vorhersageparadoxon: Sich rein nach den Zahlen zu richten ist im Durchschnitt am aussichtsreichsten, aber die Zahlen können nur sehr begrenzt etwas bezüglich eines bestimmten Einzelfalls aussagen.

Allerdings können wir da durchaus etwas für uns mitnehmen: Wenn wir Regeln gefunden haben, die zu funktionieren scheinen, sollten wir mit Ausnahmen sehr vorsichtig sein. Sehr wahrscheinlich verringern wir damit nämlich unsere Aussichten. "Diesmal bleibe ich aber beim mittleren Tor, denn da habe ich ein gutes Gefühl!"

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Zeitwahrnehmung

Es gibt in vielen Sprachen Redenarten im Sinne von "glückliche Zeiten vergehen wie im Flug, aber schlechte Zeiten ziehen sich hin". Das ist in gewisser Weise korrekt, aber in gewisser Weise auch nicht. Schauen wir doch einmal an, was die Zeitwahrnehmung wie beeinflusst. Sich dessen bewusst zu sein kann in vielen Situationen hilfreich sein - sei es, unangenehme Zeiten subjektiv zu verkürzen, schöne zu verlängern, oder auch nur ein Verständnis dafür zu bekommen, warum uns manche Abschnitte im Leben so verdammt kurz vorkommen, während sich andere (egal ob sie kürzer oder länger waren) im Vergleich so viel länger erscheinen.

- Bei Tätigkeiten der Grad der Passung zwischen Anforderung der Aufgabe und eigener Fähigkeit, auch bekannt als Flow. Je mehr die eigene Fähigkeit den Anforderungen entsprechen, desto kürzer erscheint die Zeit. Umgekehrt aber, je geringer die Passung ist, also sowohl Unter- als auch Überforderung, desto länger zieht sich die Zeit. Langeweile und Stress durch Überlastung haben hier denselben Effekt, ironischerweise jedoch benötigen sie gegenteilige Maßnahmen. Bei einer Überlastung eine Verringerung der Aufgabenschwierigkeit, bei einer Unterlastung eine Erhöhung der Schwierigkeit.
Möglicherweise unangenehme Aufgaben schwieriger zu gestalten klingt erst einmal kontraintuitiv. Aus eigener Erfahrung im Rahmen von Nebenjobs in Schul- und Studienzeiten kann ich das aber nur empfehlen. Gerade bei sehr anspruchslosen Tätigkeiten wäre ich metaphorisch verrückt geworden, wenn ich da nicht selbst Herausforderungen für mich gefunden hätte.

- Neuartigkeit von Erfahrungen bzw. Aufgaben: Je neuer etwas ist, egal ob eine Erfahrung oder eine Aufgabe, desto länger erscheint sie. Dies gilt auch hochgerechnet auf eine gesamte Zeitspanne. Wie anlässlich des zweijährigen Blogjubiläums geschrieben kam mir ein Jahr sehr viel länger vor als das andere - aus dem darin genannten Grund, dass ich in jenem Jahr konstant meinen Horizont erweitert hatte. Anderes Beispiel, wenn ich mit Leuten spreche, dann sagen fast alle, dass ihnen Schul- und Ausbildungs- bzw. Studienzeiten so lang vorkamen wie die Berufstätigkeit danach, obwohl jene teils fünfmal mehr Jahre umfasste.
Über viele Kulturen hinweg, über viele Zeitalter hinweg gibt es eine gewisse Faszination für und Suche nach Unsterblichkeit. Ich glaube nicht, dass es dazu zumindest in meinen Lebzeiten kommen wird. Allerdings kann durch fortwährende Horizonterweiterungen uns unser Leben so viel länger und reicher erscheinen. Subjektiv, nicht objektiv, aber ist diese Unterscheidung wichtig?

- Achtsamkeit spielt eine ganz, ganz seltsame Rolle. Achtsamkeit verlängert die subjektive Länge positiver Erlebnisse, während sie zugleich die subjektive Länge negativer Erlebnisse verkürzt. Die Wirkweise hier ist, vermute ich, etwas komplizierter. Auf der einen Seite stört Achtsamkeit die Mechanismen vieler negativer emotionaler Zustände (Stichwort Rahmenbedingungen dieser Emotionen - benötigt eine Emotion eine Zukunftsorientierung oder Vergangenheitsorientierung, und man ist in die Gegenwart orientiert, dann kann die Emotion nicht so greifen, außerdem wird schneller die "Nachricht" etwaiger Emotionen erkannt), auf der anderen Seite sorgt sie dafür, dass mehr Neuartigkeit bemerkt bzw. entdeckt wird.

Dies sind meiner Einschätzung nach die wichtigsten drei Facetten, welche die Zeitwahrnehmung abseits von "gut = schneller" und "schlecht = langsamer" beeinflussen, auf die wir auch selbst Einfluss haben. Es gibt noch viele mehr. Beispielsweise spielt es bei Tätigkeiten auch eine Rolle, ob sie für uns belohnend wirken (falls ja, kürzere Zeiteinschätzung) oder nicht, in welchem emotionalen und körperlichen Zustand wir uns befinden. Darüber ließen sich ganze Bücher schreiben.

Montag, 8. Dezember 2014

Zwei Jahre

Vor fünf Jahren schrieb ich einen Text, der sich auf ein Machwerk aus dem Jahr 2004 bezog - und darin merkte ich an, wie sehr sich in den fünf Jahren die Kultur verändert hatte. Damals erntete ich einige irritierte Blicke. Manche sahen keine Änderung. Viele andere bemerkten sie erst, als ich darauf hingewiesen hatte. Inzwischen sind seither 10 Jahre vergangen - eine ganze Dekade. Aber das soll nicht das Thema sein.

Genau heute vor zwei Jahren fing ich an, meine Gedanken hier niederzuschreiben. Mein Hauptmotiv damals war, abseits der streng wissenschaftlichen Lehre in meinem Beruf auch mal in diesem doch für mich ungewohnten Medium die mehr oder weniger faszinierenden Seiten der Psychologie zu behandeln. Oder auch nur meinen Gedanken Form zu verleihen. Manche, ich denke da z.B. an "eine einfache Frage", sind dabei doch etwas außer Kontrolle geraten.

Blogjubiläum, yay! Für mich ist es nicht nur das. Die vergangenen Tage dachte ich darüber nach, wie sehr sich die Welt in den vergangenen zwei Jahren verändert hat. Hätte ich bezüglich manch weltpolitischer Entwicklung Vorhersagen gewagt, wie es inzwischen gekommen ist, ich hätte mich selbst für verrückt erklärt (z.B. Snowden-Enthüllungen, Folgen des Ukraine-Konflikts, IS und vieles mehr). Dabei wurde mir bewusst, hier ist wieder der langsam hochköchelnde Frosch da. 2008 brach die Finanzkrise los. Seither hat sich an der Finanzpolitik der großen Währungsinstitutionen (FED, EZB) nichts geändert. Ist die Finanzkrise eigentlich offiziell vorbei? Normalität geworden? Habe ich völlig verpasst.

Ich bilde mir ein, in den vergangenen zwei Jahren viel gelernt zu haben. Gerade wenn ich manche sehr alten Beiträge anschaue, denke ich, die könnte ich heute besser schreiben. Mal schauen, vielleicht finde ich dazu mal die Zeit.

Als ganz persönliche Rückschau bemerke ich auch, welch unterschiedliche "Geschmacksrichtungen" die Jahre hatten. Das Jahr 2013 stand für mich unter dem Punkt der Horizonterweiterung. Was immer ich für eine Idee hatte, was immer mir für Möglichkeiten für neue Erfahrungen angeboten wurden bzw. sich eröffneten, ich nahm sie an. Allein dadurch fühlte sich 2013 für mich auch wie ein sehr, sehr langes Jahr an. Hingegen 2014? 2014 rauschte an mir vorüber, da ich hier sehr viel mehr so etwas wie Grundsteinlegung für meine Zukunft betrieb, was nur sehr wenig Zeit für anderes ließ. Beide Jahre waren für mich sehr wertvoll, aber sie waren völlig anders. Und 2015 wird wieder ganz, ganz anders.

Was das kommende Jahr wohl bringen wird?

Sonntag, 7. Dezember 2014

Referenzerfahrungen

Wie lernen wir? Fakten sind eine Sache. Die gehen relativ einfach. Wie aber erwirbt man praktische Fertigkeiten? Hier wird es interessant. Um diesbezügliches Wissen überhaupt anlegen oder nutzen zu können, brauchen wir Erfahrungen. Erfahrungen, die durchaus auch in der Vergangenheit liegen können. Bei offenkundig handwerklichen Tätigkeiten ist dies den meisten Menschen meiner Beobachtung nach bewusst. Kaum jemand käme auf die Idee, Schwimmen oder Fahrradfahren aus einem Buch zu lernen. Beim Schwimmen muss man ins Wasser, beim Fahrradfahren aufs Rad. Selbst wenn es anfangs nur sehr flaches Wasser ist, oder das Rad Stützrädchen hat. All das sorgt für Referenzerfahrungen. Erfahrungen, durch die einerseits Bewegungswissen erworben wird, andererseits aber auch überhaupt erst möglich macht, etwaiges Faktenwissen "anzukleben". Anders formuliert, wie will man das Gefühl von Schnee auf der Haut beschreiben, wenn man nie Schnee gefühlt hat? Selbes Prinzip. Selbst grundlegendes Weltwissen braucht Referenzerfahrungen, um für uns einen Sinn zu ergeben.

In prüfungsvorbereitenden Seminaren und Vorlesungen brachte ich immer Beispiele für verschiedene psychologische Theorien. Immer etwas, was die Zuhörer selbst erlebt oder beobachtet haben. Und sei es nur so etwas wie Spendenbereitschaft bei unterschiedlichen Katastrophen. Ganz getreu dem Motto "man kann nicht nicht lernen" haben die meisten Menschen schon Referenzerfahrungen für sehr viele Bereiche, nur sind sie sich dessen nicht bewusst sind.

Allerdings geht das nur bis zu einem bestimmten Punkt. Gerade im Bereich der Wahrnehmung wird es richtig schwierig, wenn nie auf bestimmte Aspekte geachtet worden ist. Da muss dann teils der Holzhammer ausgepackt werden, damit später Feinheiten erkannt werden. Genauso Denkprozesse. Auch diese benötigen Übung. Nicht um der Übung willen, sondern um dabei Erfahrungen zu sammeln.

Konkretes Beispiel: Die allermeisten Menschen sind meiner Erfahrung nach unendlich kreativ - besser gesagt sie haben ein sehr großes kreatives Potential. Denn mal ehrlich, nur als Beispiel, wer plant seine Träume? Der Hauptgrund, weshalb sich das nicht im Alltag zeigt? Sie zensieren sich selbst. Sich dieser Selbstzensur bewusst zu werden und zu überwinden geht, sogar relativ einfach, nur man braucht dafür entsprechende Erfahrungen. Allein, um den Zensor zu erkennen. Ich muss hier zugeben, hier befinde ich mich ein wenig an den Grenzen meiner Begriffe. Bei entsprechenden Übungen lasse ich Teilnehmer erst die eigene Selbstzensur erleben, um dann darüber zu sprechen - weil vorher meine Worte diesbezüglich keinen Sinn ergeben. Weshalb? Fehlende Referenzerfahrungen.

Freitag, 5. Dezember 2014

Gespräche vs. Selbstberatung

Vor nicht allzu langer Zeit wurden mir zwei Fragen gestellt, die schon auf dem ersten Blick miteinander verwandt wirken. Einerseits: Warum hilft es Menschen, mit anderen über ihre Probleme zu reden? Das ganze nicht (nur) bezogen auf etwaige professionelle Kontexte, sondern auf jede zwischenmenschliche Interaktion. Andererseits: Kann denn so etwas wie Selbstberatung bzw. gar Selbsttherapie überhaupt klappen?

Hm.

Jeder Mensch, dem ich je begegnet bin, hat in dessen Leben schon Abertausende Probleme selbst gelöst. Das gilt, dessen bin ich mir sicher, auch für dich, der du dies gerade liest. Es gehört zu unserem Leben dazu, dass wir unzählige kleinere, mittlere und auch ein paar größere Probleme im Laufe unseres Lebens lösen. Bei den meisten davon sind wir so gut, wir merken nicht einmal, was wir dabei alles geleistet haben. Uns wird das wenn dann erst bewusst, wenn wir auf einen Menschen treffen, der das noch nicht kann. Oder bei dem es aus welchen Gründen auch immer hakt.

Genau das ist ein grundlegender Baustein, um beide Fragen überhaupt erst beantworten zu können. Die allermeisten Probleme lösen wir ohnehin selbst. Dann gibt es Probleme, bei denen uns dies aus welchen Gründen auch immer schwer fällt - und bei denen uns die Kommunikation mit anderen hilft. Was macht diese Probleme so besonders?

Auf der einen Seite stehen dort Probleme, die durch unzureichendes Wissen bzw. unzureichende Referenzerfahrungen verursacht werden. Im wahrsten Sinne des Wortes weiß der Betroffene in so einem Fall noch nicht, wie er zur Lösung gelangt. Mitmenschen können da dann sehr gut in die richtige Richtung weisen. Diese Probleme, sofern man sich der Wissens- bzw. Erfahrungslücke bewusst ist, können auch gut selbst geschlossen werden.

Auf der anderen Seite stehen Probleme, bei denen die eigenen Problemlösekompetenzen nicht greifen. Und da ist es dann interessant zu sehen, welche Elemente in so ziemlich jedem Gespräch auftauchen. Sie sind wirklich grundlegend, aber sie haben eine große Wirkung.
- Durch die Formulierung wird das Problem fester und damit greifbarer. Das geht ein wenig in die Richtung, die ich schon beim Thema Visualisierungstechniken angesprochen habe. Wenn man etwas ausspricht, wird es fester, greifbarer. Gedanken hingegen sind viel instabiler. In gewisser Weise (hier gerate ich gerade jedoch an die Grenzen meiner Begriffe) sind sie formloser. Rein mit Gedanken zu arbeiten, die noch formlos sind, ist wie zu versuchen eine Suppe mit einer Gabel zu löffeln. Es geht, nur nicht sonderlich gut. Spricht man hingegen darüber, gibt man den Gedanken Gestalt, und bemerkt so viel leichter Ansatzpunkte.
- Der Gesprächspartner sorgt normalerweise dafür, dass man regelmäßig in die Realität zurückgeholt wird. Im Sinne von allein um ein Gespräch führen zu können, kann man sich nicht in Gedankenwelten verlieren. Das hat direkt zwei Vorteile. Die Lernerfahrung einer (wenn auch geringen) Abstandsgewinnung zwischen sich selbst und dem Problem, ebenso eine Orientierung auf die Aspekte, die wirklich da sind, sei es in Bezug auf die Frage, was das eigentliche Problem ist, oder auch, welche Problemlösekompetenzen da sind.
- Der Gesprächspartner ist nicht in der eigenen Perspektive gefangen. Zumindest sollte er es idealerweise nicht sein. Dies ist nicht immer der Fall, und wenn es nicht der Fall ist, ist es wie wenn sich zwei Leute gegenseitig das Schwimmen beibringen wollen, aber beide Angst vorm Wasser haben. Schlecht, aber durch die obigen beiden Elemente immer noch nützlich. In allen anderen Fällen aber kann der Gesprächspartner durch die andere Perspektive Details und Aspekte aufzeigen, sowohl in Bezug auf das Problem wie auch in Bezug auf mögliche Lösungswege, die vorher ausgeblendet worden sind.

Damit lässt sich jetzt gut die Frage beantworten, warum Gespräche generell vielen Menschen etwas bringen. Bei der Selbstberatung hingegen wird es schwieriger. Auf der einen Seite lösen wir Probleme ohnehin ständig selbst, auf der anderen Seite lassen sich die obigen drei Aspekte nur sehr schwer miteinander vereinen. Die Realitätsorientierung sorgt für eine Art Erdung, die ist weniger das Problem (und gut trainierbar). Der Formulierungsaspekt verfestigt, die Perspektiverweiterung entfestigt. Einen dieser Vorteile auch alleine zu nutzen ist noch verhältnismäßig leicht, wobei gerade der Punkt des Perspektivwechsels bezogen auf die eigene Person durchaus Übung braucht. Beide zusammen aber scheinen auf dem ersten Blick ein Widerspruch zu sein. Verfestigen und Entfestigen. Tatsächlich muss erst verfestigt werden, damit man das ganze Problem wieder entfestigen kann - sonst stochert man mit einer Gabel in der Suppe herum. Auch das ist möglich, allerdings ein schwierigerer Weg, der zu beschreiten meiner Beobachtung nach eine Menge Übung erfordert. Und ohnehin nur wirklich betretbar ist, wenn man gut darin ist, sich zu erden. Schwierige Sache. Dürfte auch einer der Gründe sein, warum alle Arten von Beratungen, Coachings und co interaktiven Charakter haben und nicht bloße Informationsweitergabe sind.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Physische Wesen

"Hamster sind so doof! Gehen in ihr Rad, und laufen, und laufen, und laufen! Wir hingegen, nach einem langen Arbeitstag, hauen uns auf die Couch und laufen nicht sinnlos auf der Stelle!"
"Manche gehen auch ins Fitness-Studio..."

Ausschnitte aus einem Gespräch, das ich vor einiger Zeit mitgehört habe. Wir Menschen werden auf verschiedene Arten und Weisen beschrieben. Soziale Wesen. Rationale Wesen. Emotionale Wesen. Mag sein, mag nicht sein.

Eins jedoch ist schwer zu bestreiten: Wir sind physische Wesen. Und doch haben wir es irgendwie geschafft, unseren Körper ziemlich zu ignorieren. Von Kleinauf werden Kinder trainiert, still zu sitzen. Im Arbeitsleben, je nach Beruf, sitzen wir den ganzen Tag herum, oder gehen dauernd denselben Tätigkeiten nach. Statt genug Schlaf zu ermöglichen werden stetig steigende Koffeindosen konsumiert. Symptome von körperlichen Problemen medikamentös unterdrückt, damit wir nur weiter funktionieren.

Ich hörte mal einen Arzt sagen, dass 90% aller Medikamentenverschreibungen vermieden werden könnten, wenn die Leute sich mehr bewegen würden. Da ich kein Mediziner bin, weiß ich jedoch nicht, ob das stimmt. Was ich jedoch sagen kann, ist, auch unser psychisches Wohlbefinden hängt mit dem körperlichen Wohlbefinden zusammen. Und das kennt eigentlich auch, davon bin ich überzeugt, jeder, der dies liest. Wie geht es dir auch geistig, wenn du gesund bist, verglichen damit, wenn du mit einer Grippe flach liegst? Oder auch nur Kopfschmerzen hast? Körperliche Beschwerden aller Art sind Belastungen.

Manche lassen sich nicht vermeiden. Daher ist gut, dass wir Möglichkeiten haben, mit denen umzugehen. Seien es Schmerzmittel, seien es psychosomatische Behandlungen, was auch immer. Auf andere hingegen können wir Einfluss nehmen, und dadurch nicht nur körperlich profitieren, sondern auch psychisch. Ausreichend Schlaf, etwas Bewegung, gesunde Ernährung, sie mögen in Sachen psychischem Wohlbefinden nicht der wichtigste Faktor sein, aber sie sind ein Faktor.

Ich habe auch einmal einen Therapeuten sagen hören, wenn 90% der Menschen andere Leute so behandeln würden wie sich selbst, dann hätten sie keine Freunde. Damals bezog er das auf das Unterbewusstsein, allerdings frage ich mich, ob das nicht auch für den Körper gilt?

Samstag, 29. November 2014

Lewins Konflikte

Lewin formulierte vor vielen, vielen Jahrzehnten seine Feldtheorie. Zentrale Idee darin ist, dass gezeigtes Verhalten eine Funktion von Person und Umwelt ist. Hier brachte er eine Idee ins Spiel, nämlich die so genannte Valenz.

Mit Valenz ist der aktuelle subjektive Wert eines Objekts oder einer Begebenheit gemeint. Beispielsweise habe ich hier neben mir eine halb aufgebrauchte Mineralwasserflasche stehen. Würdest du die für 100€ kaufen wollen?

Nein?

Was wäre, wenn du dich gerade seit Tagen durch die Wüste schleppst, kurz vorm Verdursten wärst. Würdest du dann die 100€ für die aufgebrauchte Mineralwasserflasche ausgeben?

Es ist eine wirklich grundlegende und auch einfache Idee. Die da sagt, Gegenstände, genauso wie Begebenheiten oder Tätigkeiten haben keinen objektiven Wert, sondern einen subjektiven - der abhängt von den Bedürfnissen und Eigenschaften der Person. Drei Leute können an einem Bücherladen vorbei gehen, der eine denkt "hey, toll!" (Bücher haben eine positive Valenz), der eine bemerkt den Laden nicht einmal (Bücher haben keine Valenz) und der dritte denkt "iehh, Bücher!" und wechselt die Straßenseite (Bücher haben eine negative Valenz).

Jetzt kommt aber noch eine Beobachtung von Lewin hinzu. Die Valenz ist distanzabhängig. Sowohl bezogen auf räumliche als auch auf zeitliche Distanz. Je näher etwas ist, desto stärker wird sie. Heißt wenn wir uns etwas wünschen, und es direkt vor uns ist, ist das Verlangen danach größer als wenn es weit entfernt ist. Dies gilt ebenso für negative Valenzen, hier wird die Abneigung immer größer, je näher das Objekt kommt (beispielsweise sind Spinnenphobiker in Europa die dicken Riesenspinnen im südamerikanischen Urwald ziemlich egal, außer ihnen läuft so eine ausgebüchste Vogelspinne doch mal übern Weg).

Die Idee der Valenz ist erstens für den Bereich der Motivation wichtig. Wie in meiner Reihe über Motiverkennung geschrieben bringt es nichts, wenn man jemanden mit etwas zu motivieren versucht, was für denjenigen keine Bedeutung hat. Lewin würde sagen, das hat keine Valenz. Andererseits ergibt sich aus dem Näheaspekt Zündstoff für verschiedene Konflikte. Denn Lewin beobachtete auch, dass die Valenz nicht gleichmäßig beginnt und steigt. Generell beginnt positive Valenz früher zu steigen, steigt jedoch auch flacher, als negative Valenz.

Nun kann es zu einer Reihe von Konflikten kommen, wenn sich eine Person in einem unguten Valenzfeld befindet.

Das berühmteste Beispiel dafür ist der Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt. Der entsteht, wenn am selben Ort sowohl positive als auch negative Valenzen liegen. Lewin brachte hier als Beispiel Kinder, deren Spielzeug im Wasser schwimmen, die aber Angst vorm Wasser hatten. Sie liefen dann zum See (positive Valenz stärker, da früher einsetzend), bekamen aber nasse Füße (negative Valenz stärker, da steiler ansteigend), wichen zurück, liefen dann wieder vor, wichen wieder zurück... und tänzelten so um den Punkt, wo sich die Valenzen schnitten.
Annäherungs-Vermeidungs-Konflikte lösen sich mit der Zeit von alleine, weil entweder die negative Valenz nachlässt (sich im Beispiel die Kinder an das Wasser gewöhnen), oder weil die positive Valenz nachlässt (im Beispiel das Spielzeug nicht mehr interessant genug wird).

Aus der Feldtheorie lassen sich jedoch noch zwei weitere Konflikte ableiten, die es mehr in sich haben.

Da wäre der Vermeidungs-Vermeidungs-Konflikt. Dies tritt auf, wenn zwischen zwei (oder mehr) Übeln gewählt werden muss, die sich nicht am selben Ort befinden. Die sprichwörtliche Wahl zwischen Pest und Cholera. Die gefährliche Dynamik ist hier, dass selbst wenn sich für ein Übel entschieden worden ist, durch die wachsende Nähe dazu dieses Übel anfängt schlimmer zu wirken, hingegen das andere nicht gewählte Übel weniger schlimm. Das kann dazu führen, dass eine Person immer wieder zwischen den Annäherungen hin und her schwankt.
Idealerweise lassen sich Vermeidungs-Vermeidungs-Konflikte dadurch lösen, indem weitere Möglichkeiten gefunden werden, sodass beide Übel vermieden werden können. Ist dies nicht möglich, kann man mit Rahmenänderungen arbeiten - beispielsweise die Perspektive stark in die Zukunft orientieren, den Prozess nominalisieren (also "fester" machen, als er eigentlich ist - statt also von einem fortwährenden Entscheiden die ganze Sache zu einer einmaligen Entscheidung umdefinieren), oder (mein Favorit) die Vorteile, die Silberstreifen am Horizont, der einzelnen Übel herausarbeiten und vergleichen. Hier können sich oft Unterschiede zeigen.

Dann wäre da der Annäherungs-Annäherungs-Konflikt. Dies tritt auf, wenn zwischen zwei (oder mehr) guten Dingen gewählt werden muss, die sich an unterschiedlichen Orten befinden. Viele Wahlsituationen, in denen man etwas will und wirklich die Wahl hat, fallen hier herein. Der Annäherungs-Annäherungs-Konflikt tritt wirklich nur dann auf, wenn die Wahlmöglichkeiten beide gut sind, dies jedoch auf unterschiedliche Art und Weise. Sobald einmal eine Wahl getroffen ist, hat sich dieser Konflikt in aller Regel erledigt, weil die positive Valenz des gewählten Ziels zunimmt und die des nicht gewählten Ziels abnimmt. Dumm nur, in solchen Situationen nun kann es zu einer Art "Wahllähmung" kommen. Heißt die Person vermeidet den entscheidenden ersten Schritt.
Manchmal erledigt das den Konflikt von alleine, weil irgendwann eins der möglichen Ziele wegbricht. Wenn aber nicht, oder beide circa gleichzeitig wegbrechen könnten, sollte etwas passieren. Die Person zur Entscheidung stubsen. Auch hier lassen sich gut Perspektivwechsel einbringen, sei es die Entscheidungsfolgen in der Zukunft ausmalen, oder auch den aktuellen Standort unattraktiver machen. Was ich hier nicht machen würde, wäre die Ziele anhand möglichlicher negativer Folgen zu evaluieren - das würde die Trägheit und den Entscheidungsunwillen eher noch verstärken. Stattdessen lieber die Nachteile des Standorts aufzeigen, wo sich die Person gerade befindet, damit sie gewillter ist, den ersten Schritt zu gehen - denn dann erledigt sich diese Art von Konflikt oft von allein.

Montag, 24. November 2014

Grenzen unserer Begriffe

Sprechen wir einmal über eine Idee Cattells zum Thema Intelligenz. Intelligenz als Fähigkeit zur Lösung von Problemen. Cattell hatte die Idee, dass es zwei unterschiedliche Arten von Intelligenzen gibt. Erstens eine fluide Intelligenz, zweitens eine kristallisierte Intelligenz.

Wenn unser Gehirn ein PC wäre, dann wäre die fluide Intelligenz die pure, reine potentielle Rechnerleistung. Takt, Arbeitsspeicher und co. Die maximale Leistung, die für beliebige Probleme eingesetzt werden kann. Am Anfang des (erwachsenen) Lebens sehr hoch, dann aber im Laufe der Jahre abnehmend.
Dem gegenüber die kristallisierte Intelligenz. Das sind so etwas wie Programme, die sich (aus Erfahrung) speziell für bestimmte Probleme entwickelt haben. Sie können nur für diese Probleme eingesetzt werden, in diesen Bereichen jedoch etwaige Schwierigkeiten im Bereich der Rechenleistung kompensieren, oder gar übertrumpfen. Schönes Beispiel dafür sind verschiedene Stellwerke, die immer noch mit 286er-Prozessoren (aus den frühen 80er-Jahren) laufen. Minimale Rechenleistung, aber speziell darauf abgestimmte Programme, die trotz antiker Technik noch heute gute Leistung bringen. Kristallisierte Intelligenz bezüglich bestimmter Lebensbereiche nimmt im Laufe des Lebens zu, steht jedoch für unbekannte Aufgaben nicht zur Verfügung.

Soweit klar?

Gut. Was habe ich gemacht? Zwei bildhafte Begriffe durch noch mehr Metaphern erklärt.

Dieses Beispiel war jetzt ziemlich doof, weil (denke ich) jeder Leser eine ungefähre Vorstellung von "klassischer" Intelligenz (bei Cattell fluide Intelligenz) und Erfahrung/Fertigkeiten (bei Cattell kristallisierte Intelligenz) hat. Allerdings steckt hier schon ein Zweck hinter. Manchmal gibt es Begriffe aus anderen Sprachen, für die wir kein Äquivalent haben. Dann kommt es oft zu blumigen Beschreibungen. Ebenso gibt es für manche Vorgänge im Geist keine wirklich passenden Begriffe.

Wir haben zum Beispiel den Begriff der Aufmerksamkeit. Es gibt jedoch Aufmerksamkeiten verschiedener Qualitäten. Dafür gibt es keine Begriffe. Es gibt Umschreibungen, aber diese können nur insofern wirklich etwas aussagen, wenn man die unterschiedlichen Qualitäten der Aufmerksamkeit erlebt hat. Hierfür sind überhaupt erst einmal Referenzerfahrungen nötig, damit wir mit den Begriffen etwas anfangen können.

Ohne diese Referenzerfahrungen nämlich bleiben die Begriffe, da sie (etwas) außerhalb unserer Grenzen liegen, schwammig, unklar. Ein Begriff, der nichts sagt, dann eine Umschreibung, die ebenso wenig etwas sagt. Ist wie ein Gehirn gezeigt zu bekommen mit dem Kommentar "und das da ist die Amygdala!", und man selbst sieht nur grauweiße Schwabbelmasse.

Mittwoch, 19. November 2014

Zwang, äußerer Druck vs. Motivation und innerer Druck

Ich wäre fast versucht gewesen zu schreiben, ich fände es putzig, wenn Leute durch Zwang bzw. Druck versuchen, andere zu motivieren. Leider ist das keine "putzige" Angelegenheit, sondern eine ziemlich problematische.

Aber von Anfang an. Sprechen wir einmal über Druck. Es gibt so einen inneren Druck. Ich bin sicher, so etwas kennst Du auch. Wenn Du Lust hast, etwas zu unternehmen. Das Wetter schön ist, du gut gelaunt bist, und einfach etwas machen willst. Vielleicht vorher schon vor Vorfreude ein wenig kribbelig bist. Du es kaum erwarten kannst, dass es endlich los geht!

Das ist letztendlich der Druck, der durch Motivation genutzt wird. Innerer Druck. In gewisser Weise emotionale Impulse. Dieser innere Druck kann auch völlig in die andere Richtung gehen. Stelle Dir einen langen Arbeitstag vor, an dem Du viel geschafft hast, aber danach auch völlig KO bist. Vielleicht vom vielen Herumlaufen die Beine schwer sind. Da wird ein ruhiger Abend gleich viel attraktiver. So oder so, das ist innerer Druck.

Tatsächlich ist eine der Grundsätze im Bereich sämtlicher Formen des Überzeugens nicht auf das gewünschte Verhalten zuarbeiten, sondern auf einen dafür nützlichen emotionalen Zustand. Denn der Rest kommt dann fast von allein.

Umgekehrt, und da schließt sich der Kreis, wird an vielen Stellen in der Gesellschaft mit Zwang und äußerem Druck gearbeitet. Fängt schon in der Schule an, und hört danach eigentlich nie mehr auf. Bloß was löst äußerer Druck aus?

Gegendruck. Reaktanz. Zwang macht häufig erst Zwang nötig. Ebenso Ressentiments. Selbst wenn Leute so zu etwas "motiviert" werden, was ihnen nützt, werden damit keine positiven Emotionen verbunden sein. Vor einiger Zeit schrieb ich ziemlich ausführlich über eine Gesetzmäßigkeit, die absolut zentral ist: Verhalten, das belohnt wird, wird häufiger gezeigt. Verhalten, das bestraft wird, wird seltener gezeigt. Zwang wirkt bestrafend.

Sicher nicht auf alle Menschen. Aber das ist ein Scheinargument. Auch Schläge wirken nicht auf alle bestrafend - Stichwort Masochismus. Dennoch sollte man nicht herumgehen und aus Prinzip Leute schlagen, um sie zu etwas zu "motivieren". Zwang wird meinen Beobachtunge nach von den meisten Menschen als unangenehm erlebt, erzeugt Reaktanz und Ressentiments. Ich glaube, in vielen Bereichen könnte Menschen viel besser und für alle Beteiligten angenehmer geholfen werden, wenn Zwang das letzte und nicht schon das erste Mittel zur Motivation wäre.

Samstag, 15. November 2014

Die Regeln der Gesellschaft

Woher wissen wir, wie unsere Gesellschaft funktioniert? Wer bestimmt, wie unsere Gesellschaft funktioniert? Was ist wahr, was ist nicht wahr?

Es gibt eine Parabel - ich weiß nicht, ob sie wahr ist. Sie handelt von Elefanten. Babyelefanten im Zirkus wurden im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert (angeblich) an dicken Holzpfählern angekettet. Sie rissen daran. Sie zerrten daran. Aber sie waren zu schwach. Der Pfahl bewegte sich nicht. Sie probierten es immer wieder. Bis sie es irgendwann lernten, durch Erschöpfung und Schmerz, dass sie den Pfahl nicht ausreißen konnten. Dass sie gefangen waren. Und nun nicht mehr gegen den Pfahl ankämpften.
Ein Glauben, den sie ihr Leben lang behielten. Auch als ausgewachsene Elefanten, bei dem sie die Pfähle mit Leichtigkeit ausreißen könnten, aber es nie taten, nie versuchten. Denn sie hatten die Regel gelernt, der Pfahl war stärker. Es sollen sogar bei Bränden angekettete Elefanten bei lebendigem Leib verbrannt sein, weil sie nicht einmal versuchten, zu entkommen. Solchen Respekt hatten sie vor dem Pfahl.

Ich weiß nicht, ob das stimmt. Bei einer anderen Tierart weiß ich von diesem Effekt. Bei vielen Insekten, wenn man sie in ein verschlossenes Glas steckt, und sie einige Zeit gegen den Deckel fliegen, geben sie es irgendwann auf. Dann kann man den Deckel abnehmen, und sie bleiben im Glas. Weil für sie mental ein Deckel existiert, der lange nicht mehr da ist.

Jetzt könnte ich auf ankonditionierte Phobien und ähnliche Dinge verweisen. Das wäre aber zu offensichtlich.

Wie nehmen wir die Regeln der Gesellschaft wahr? Manche werden uns vermittelt. Diese können stimmen, können aber auch falsch sein. Manche erschließen wir durch unsere Beobachtung. Auch diese können stimmen, können aber auch falsch sein. Falsche Glaubenssätze bezüglich wie die Welt funktioniert können überall zu großen Problemen führen.

Ein Glaubenssatz, gegen den ich in diesem Blog schon so ziemlich seit Anfang an anschreibe, ist die Überzeugung, es gäbe eine objektive Wahrheit. Wenn es eine zentrale Erkenntnis aus der Kognitionspsychologie gibt, dann, dass die Auswahl an Informationen und Vorabannahmen die Bewertung einer Situation bestimmen.

Konkretes Beispiel dafür: Hast du von dem 1,53€-Stundenlohn-Anwalt gehört, der kürzlich deshalb durch die Klage der Arbeitsagentur einen drüber bekommen hat? Ein Sieg gegen ausbeuterische Beschäftigungsverhältnisse und ein Zeichen dafür, dass gegen solche Machenschaften vorgegangen wird?
Komplettieren wir einmal das Bild um das, was die betroffene Angestellte und der Anwalt dazu sagt. Es gab keinen Stundenlohn, lediglich eine Anstellung als 100€-Kraft mit minimalen Arbeitsaufwand pro Tag. Worum die Angestellte selbst gebeten hat, um (ihre Worte) nicht mehr von Schikanen der Arbeitsgemeinschaft betroffen zu sein. Der Anwalt selbst hat aberhunderte erfolgreiche Verfahren für drangsalierte Betroffene gegen die Arbeitsgemeinschaften geführt. Tatsächlich hat dieselbe Arbeitsgemeinschaft dieselbe Angestellte zuvor an Unternehmen verwiesen, wo sie für dasselbe "Gehalt" ungleich mehr arbeiten musste. Diese Anstellung, so ausbeuterisch sie auch wirken musste, war für die Angestellte ein von ihr gewünschtes Schutzschild.
Interessant, wie solche zusätzlichen Informationen die Bewertung und die emotionale Reaktion einer konkreten Situation ändern können, hm?

Anderes aktuelles Beispiel, Dr. Matt Taylor. Einer der Wissenschaftler, die entscheidend zum Erfolg der Rosettamission beigetragen haben. Und der leider in ein riesiges Fettnäpfchen getreten ist - er dachte sich, "eine Freundin hat mir dieses Shirt für solche Gelegenheiten gekauft, und ich kann mal etwas gegen das Stereotyp des Raketenwissenschaftlers tun!", keine zwei Tage später musste er öffentlich zu Kreuze kriechen, weil das Shirt die Gefühle bestimmter Menschen verletzt hat. Als ich das Video sah, ahnte ich schon, dass das böse endet.

Manchmal hasse ich es, richtig zu liegen. Besonders, da dies einige weitere Regeln der Gesellschaft offenbahrt, in Bezug auch auf Realitätsbildung.

Freitag, 14. November 2014

Die Mondlandung unserer Zeit

Stell dir vor, du hättest ein Staubkorn. In gut hundert Kilometer Entfernung liegt ein Sandkorn. Zu weit weg für dein Staubkorn, um es je zu erreichen. Aber zwischen dir und dem Sandkorn liegen hier und da verstreut Erbsen. Irgendwann hast du mal etwas über Newton und Einstein gehört, dass alle Körper eine Anziehungskraft haben, und man diese Anziehungskraft nutzen kann, um kleineren Körpern einen Schwung zu verpassen. Man muss nur den richtigen Winkel treffen, damit sie von Erbse zu Erbse geschleudert werden, Zickzack, hin und her, da der direkte Weg unmöglich ist, aber so die Distanz überbrückt werden kann. Es muss nur alles klappen. Auf den Nanometer genau. Sonst stimmt der Winkel nicht, und das Staubkorn fällt entweder auf die Erbse, oder fliegt so davon, dass es die nächste Erbse nicht trifft.

Oh, und das Sandkorn am anderen Ende? Das bewegt sich auch noch!

Das ganze vergrößern wir dann mal und haben wir die Rosetta-Mission. 6 400 000 000 Kilometer unterwegs, Geschwindigkeiten vor der Landung von beinahe 50 000 km/h. 10 Jahre Flug. Signale von und zur Raumfähre brauchten am Ende 45 Minuten. Mal eben den Flug des Staubkorns spontan korrigieren? Nix da.

Und das Staubkorn traf. Das ist ziemlich fantastisch. Eine Meisterleistung. Durch die wir viel über die Entstehung des Sonnensystems lernen können - aber zugleich auch bereits viel über die Ansteuerung von Kometen gelernt haben. Auch wenn es hoffentlich nie der Fall sein wird, so etwas könnte in ferner Zukunft zur Abwehr von Asteroiden und co nützlich sein. In der Entfernung reicht ein kleiner Stoß, eine kleine Kursänderung, und sie flögen hunderte Meilen an der Erde vorbei, die sie sonst getroffen hätten.

Irgendwie muss ich da auch an unsere Leben denken. Rosetta fand ihr Ziel, so weit entfernt es auch gewesen sein mochte, durch den ursprünglichen Impuls und kleine Kurskorrekturen. Können wir nicht auch so sehr weit kommen?

Vielleicht. Ich muss zugeben, ich habe mir gestern abend einige Reaktionen auf die Mondlandung unserer Zeit angeschaut. Am lustigsten fand ich, wie sich über das Hemd eines der beteiligten Wissenschaftler aufgeregt wurde. Seufz.

Montag, 10. November 2014

(Meine) Probleme mit Visualisierungstechniken

Gerade im Selbsthilfebereich finden sich eine ganze Reihe von Visualisierungsübungen. Diese können durchaus großen Wert haben, allerdings kommt es meiner Beobachtung nach häufig zu fünf Problemen, die den möglichen Erfolg deutlich einschränken. Ich liste die Probleme einmal auf. Die meisten lassen sich selbständig umgehen, das allererste hingegen nur sehr bedingt.

1. Fremde Symbolik:
"Und nun, stelle Dir vor, die Wolken brechen auf, die Sonne kommt hervor und du fühlst Dich gleich viel glücklicher!"
... ich mag aber den Sturm (1, 2, 3) ...
Wie man an den obigen Links sieht, ist Regen bzw. Sturm ein für mich positiv besetztes Symbol. Meine symbolische Realität passt also nicht zur Suggestion und wird daher sehr wahrscheinlich abgeschmettert. Das ist das größere Problem, was auftreten kann.
Das kleinere, aber viel häufigere Problem ist, dass etwas für einen selbst keine besondere Bedeutung hat. Die symbolische Welt ist sehr individuell, und oft sind besonders mächtige und hilfreiche Symboliken nicht gerade alltäglich. Ein aktuelles Beispiel, das ich erlebt habe, da war ein sehr mächtiges Symbol für eine bestimmte Person ein Haltegriff wie man ihn aus Bussen kennt mitten im Regenwald über einen Fluss. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwer durch Zufall so ein Symbol trifft ist, ich sage mal, gering. Daher lassen sich durch Visualisierungen, und auch durch Symbolifizierungen innerhalb derer, durchaus oberflächliche Effekte wie z.B. Stimmungsaufhellung oder Entspannung erreichen, ein Großteil unbewusster Dynamiken jedoch bleibt einen durch vorgefertigte Symbolik entschlossen. Erst durch sehr viel Übung können vorgefertigte Symbole mit eigenen Symbolen verbunden werden. (Irgendwie muss ich gerade auch an den Beitrag denken, bei dem Symbole mit Desktopverknüpfungen verglichen wurden - das Gefühl, was bei mir das Symbol "Sturm" auslöst, müsste erst einmal mit einem weiteren, fremden Symbol assoziiert werden. Das dauert.)

2. Fehlende Stabilität:
Wenn die visualisierten Inhalte nicht real genug wirken, ist die Lösung oftmals "mehr davon!". Hat etwas von Anstrengung, Frustration. Die Stabilität von Visualisierungen lässt sich jedoch durch drei einfache Kniffe erhöhen, von denen nur eines bei den meisten vorgefertigten Visualisierungen enthalten ist. Erstens geschlossene Augen, zweitens die visualisierte Situation sprachlich selbst beschreiben, drittens mit Körperbewegungen bzw. Gesten jene Versprachlichung unterstützen.

3. Keine Aktivierung der Problemsituation:
Für allgemeine Ziele wie zum Beispiel Entspannung oder Wohlbefinden absolut unnötig. Soll hingegen zum Beispiel eine Visualisierung gegen Redeängstlichkeit helfen, und es wird nicht am Anfang zumindest eine Winzigkeit des Stressgefühls eingestreut, wird jedwede erzeugte Ressource freischwebend sein und nur sehr bedingt in der kritischen Situation zur Verfügung stehen.

4. Fokussierung auf bildliche Vorstellungen:
Die sind einfach, braucht man aber nicht. Ob jemand Bilder sieht oder nicht, ist völlig egal. Ist eine sprachliche Beschreibung möglich (siehe Punkt 2)? Darauf kommt es an. Egal, ob da Bilder und falls ja, wie detaillierte Bilder damit einhergehen.

5. Fehlende Achtsamkeit:
Ich meine das absolut wörtlich. Wörtlicher, als es wahrscheinlich erscheint. Sehr wahrscheinlich erscheint. Visualisierungen führen durchaus zu Veränderungen im Gehirn. Sie aber alleine zu betreiben ist wie nur die Arme zu trainieren und dann zu erwarten, davon bei Tätigkeiten zu profitieren, bei denen Arme und Beine gleichermaßen belastet werden. Die Komplementärübung zu jedweder Visualisierung ist Achtsamkeit. Achtsamkeit ist unspezifisch, in den Veränderungen langsam, aber eine wichtige Grundlage, auf der andere Fertigkeiten erst gedeihen können. Hiermit meine ich nicht einmal die klassische Achtsamkeitsmeditation - ein paar Momente bewusster Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper und den eigenen Geist und die Umwelt jeden Tag, sei es nur während einer Werbepause oder des Arbeitsweges, werden bereits einen positiven Einfluss haben. Visualisierung ohne Achtsamkeit ist wie ein Haus ohne Fundament.

Sonntag, 9. November 2014

Situationsanalyse III: Advertisement Desensitisation Syndrome

Seit Jahren fuhr ich an einer Ecke vorbei, wo sich ein Geschäft für Kleidungswaren befand. Die meiste Zeit hindurch (seit irgendwann ca. 2011) stand dort ständig etwas von "Räumungsverkauf", "Schließungsverkauf", "alles muss raus!" und vieles mehr dran. Seit letztem Jahr garniert mit "jetzt wirklich!" und "sogar das Inventar muss raus!"

Ich war einigermaßen erstaunt, als ich das Geschäft (ich selbst habe es nie betreten) Anfang November doch geschlossen vorfand. Montag macht wohl ein Laden für ein völlig anderes Produkt auf. Die Werbung hängt bereits an den Fenstern - "Eröffnungsrabatt! Nur für kurze Zeit!"

Irgendwie muss ich da an Leute denken, die sich das Kochen selbst beibringen. Stell dir vor, du kochst dein erster Gericht, ganz ohne Salz. Schmeckt ein wenig fad. Dann probierst du es mit einer Messerspitze Salz aus, und es schmeckt gleich viel besser!

... also kippst du, denn viel hilft viel, direkt die ganze Salzpackung in die Suppe.

Was kann schon schief gehen?

Manipulation, wie hier der Verweis auf Knappheit, Mangel bzw. zeitliche Begrenztheit, funktioniert in Maßen, nicht in Massen. Die Leute stumpfen ab. Selbst Leute, die ich als sehr leichtgläubig erlebt habe, werden gegenüber der allgegenwärtigen Informationsschlacht immer zynischer. Seien es Werbebotschaften, sei es einseitige Berichterstattung.

Was beide Läden versuchen, und was eine allgegenwärtige Taktik ist, ist die Attraktivität ihrer Produkte dadurch zu erhöhen, indem sie als knapp beschrieben werden. "Nur für kurze Zeit!", "Räumungsverkauf!", nun, man kann das auch anders nutzen. Ein typischer Spruch, den ich nutze, wenn ich mit Behörden zu tun bekomme, ist "Guten Tag. Ich habe leider nur wenig Zeit, und man hat mir gesagt, Sie können mir helfen. Ich bin ...", was im doppelten Sinne einen Vorabrahmen setzt (einerseits ich werde denen nicht ewig Zeit wegnehmen, was deren Schilde senkt. Andererseits Druck in dem Sinne, dass ich direkt eine Mauer gegen Verantwortungsdiffusion aufbaue). Auch so lässt sich Knappheit nutzen.

Nutzt man jedoch solche kleinen Tricksereien ständig, verlieren sie ihre Wirkung. Sie werden zu hohlen Floskeln. Wer glaubt heute noch irgendwem, der ihm etwas verkaufen will? Hände hoch!

Keine? Dachte ich mir.

Freitag, 7. November 2014

Froschspinnenauto

Gestern war ein interessanter Tag. Auf dem Heimweg nach der Arbeit sah ich eine gar garstige motorisierte Kreatur. Sie sah aus wie ein mehrfaches Verbrechen gegen die Natur.

Stell dir vor, jemand kreuzt gentechnisch einen Frosch mit einer Spinne. Dem entstandenen Geschöpf hackt dann jemand die vier bis acht Beine ab, und ersetzt sie durch vier Räder. Vor Schreck über die entstandene Monstrosität lässt dann jemand ein sehr, sehr schweres Buch darauf fallen und macht sie platt, wirft sie in den Müll.

... wo sie dann ein Jugendlicher findet, und die Leiche zum Spaß mit einem Strohhalm aufbläst, bis sie fast platzt.
Ich weiß nicht, wie diese Kreatur heißt, ich weiß nur, ich habe noch nie so ein seltsames Auto gesehen. Da fragst du dich, wer für diese Kreation verantwortlich ist - und was er genommen hat.

Später am Abend dann ein Gespräch mit einem Bekannten, der sich ein neues Auto zulegen wollte. Dort zwischen zwei Anbietern schwankte. Der eine bietet kostenlos eine siebenjährige Garantie an. Der andere, ein "Premiumhersteller", hingegen verlangt für eine dreijährige Garantieverlängerung über die gesetzliche Mindestgarantie heraus einen hohen vierstelligen Eurobetrag. Da hörte ich eine gar makellose Rationalisierung - err, ich meine Logik: "Der Hersteller mit der Garantie glaubt nicht an sein Auto und muss die anbieten, um es überhaupt an den Mann zu bringen!"
Weshalb wird man dann doch um Rat gefragt? Da fragst du nach, und hörst, da ist doch die kleine Sorge, dass trotz der unbestreitbaren Qualität des "Premiumherstellers", die so gut ist, dass dafür nicht einmal eine Garantie gegeben werden muss, die Sorge besteht, etwas könne kaputt gehen. Und dann ein Batzen Geld dafür ausgegeben werden.
Hingegen beim anderen Auto die Sorge besteht, dass etwas kaputt geht, weil 'ja sonst keine Garantie gegeben würde'. Hmm.

"Sag mal, du magst doch Frösche..."

Sonntag, 2. November 2014

"Die Vielfalt der Psychologie"

"Die Vielfalt der Psychologie" war das diesjährige Motto des DGPs-Kongresses. War eine sehr interessante Veranstaltung. Der Titel des Kongresses hat mich jedoch nachdenklich gemacht. Was ich immer wieder beobachtete, ist, dass quasi jeder innerhalb der Psychologie irgendeinen anderen Teilbereich der Psychologie hat, den derjenige nicht für voll nimmt. Ich mag mich da gar nicht von ausnehmen - ich habe eine kleine Abneigung der differentiellen Psychologie gegenüber, weil meinem Verständnis nach die dort vergebenen "Labels" (z.B. NEO-Profile und co) viel zu starr sind. Über Jahre habe ich mit jemanden zusammengearbeitet, der mit Sozialpsychologie nichts anfangen konnte (während ich die Sozialpsychologie für sehr interessant halte). Die kleinen Querelen zwischen VT- und TP-orientierten klinischen Psychologen sind auch hinlänglich bekannt. Genauso gibt es einen Graben zwischen Forschern und Praktikern. In der Forschung lässt sich sehr viel Subtilität nicht abbilden, da müssen teilweise Hämmer herausgeholt werden, die in der Praxis so keine Anwendung fänden. Umgekehrt sind manche Dinge aus der Praxis (zum Beispiel bestimmte Gesprächsführungstechniken) viel mehr "Kunst" und nicht "Wissenschaft".

Dann kommt hinzu, dass sich viele Psychologen selbst "Labels" entsprechend ihrer Tätigkeitsbereichs geben. Was wäre ich da? Ich habe einen ziemlich großen Hintergrund in der klinischen Psychologie, arbeitete zuletzt und promoviere in der allgemeinen Psychologie, arbeite seit Samstag offiziell aber wieder in einem anderen Teilbereich.

Im Studium nervte mich die Eigenbrötlerei der Teildisziplinen. Da wurden zum Beispiel in der allgemeinen Psychologie, in der differentiellen Psychologie, der Sozialpsychologie und in der Entwicklungspsychologie mit unterschiedlichen Begriffen dieselben Effekte beschrieben, aber für die Lehrenden waren die anderen Fächer so etwas wie verbotenes Land. Inzwischen ist die Psychologie viel zu groß, um einen Überblick über alle Disziplinen zu behalten, samt ihren Entwicklungen. Dennoch denke ich manchmal, es wäre sinnvoll, statt die Aufsplitterung zu feiern, Brücken zwischen den Disziplinen zu bauen. Dadurch kann das Bild des menschlichen Erlebens, Denkens und Handelns nur vollständiger werden.

Die Psychologie ist ein sehr vielfältiges Fach geworden, und jede Facette ist wichtig, leistet ihren Beitrag. Selbst wenn sie für uns nicht so relevant oder interessant scheinen. Manchmal habe ich das Gefühl, tatsächlich könnten wir am meisten von den Facetten profitieren, unser Verständnis erweitern, wenn wir uns genau mit jenen Bereichen beschäftigen, die uns auf den ersten Blick als nicht interessant erscheinen.

Freitag, 31. Oktober 2014

Emotion & Motivation: Die Trennung des Untrennbaren

Dort "draußen", außerhalb unserer Gedankenwelt, gibt es nur eine Sache. Das Leben. Die Welt. Wie immer wir es nennen wollen. Zu groß, zu facettenreich, um alles zu erfassen. Also fangen wir an, alles in kleinere Einheiten aufzuteilen, aufzutrennen. Das ist ein Wald, dies ist eine Stadt. Das ist ein Haus, dies eine Straße, und jenes dort eine Laterne. Manchmal sind diese Aufteilungen sinnvoller, und manchmal extrem willkürlich.

In der Allgemeinen Psychologie als Oberkategorie werden Emotionspsychologie und Motivationspsychologie getrennt betrachtet. In meiner Zeit als Lehrperson für die Allgemeine Psychologie habe ich immer wieder die Gemeinsamkeiten und Übergänge zwischen dem emotionalen und dem motivationalen Bereich aufgezeigt. Ich weiß, rein vom Verständnis her ist es leichter, die beiden Bereiche getrennt voneinander zu betrachten. Motivation, die Psychologie der Zielauswahl. Emotion, die Psychologie des affektiven Erlebens.

Problem an der Sache ist nur: Damit wird getrennt, was untrennbar ist.

Man denke an die Rahmenbedingungen für Emotionen: Jede Emotion, ohne jede Ausnahme, hat einen motivationalen Impuls. Furcht - vor einer Gefahr fortkommen. Glück - positive Elemente im Leben erhalten. Wut - Abwehr von Bedrohungen. Eifersucht, Hass, Wut, Ekel, Flow, Mitleid, Stolz - egal welche Emotion je ein Mensch benannt hat, sie alle haben eine motivationale Komponente. Ein Ziel, eine Handlung, zu der die Emotion motivieren will.

Genauso muss jede Motivationssituation eine emotionale Komponente haben. Was unterscheidet, aufs kleinste Element heruntergebrochen, Motivation von der Volition (der Willenspsychologie)? In der Volition fehlt der emotionale Funke. Hier werden ziele rein anhand von logischen Überlegungen und Abwägungen verfolgt. Spricht man hingegen die Motive von jemanden an, erzeugt man immer Emotionen. Furcht, Wut, wie auch immer wenn man Motive bedroht. Freude, Verlangen, Neide, wie auch immer wenn man Motive anspricht. Motive ohne Emotionen sind so unmöglich wie Emotionen ohne Motive. Sie entstammen denselben Hirnregionen. Sie treten immer gemeinsam auf. Sie sind zwei Seiten derselben Münze. Denn sie sind eine Münze.

Sonntag, 26. Oktober 2014

Ratschläge bezüglich Abschlussarbeiten II

Nachdem sich der erste Teil hauptsächlich mit der Technik beschäftigte, kommen wir nun zu den psychologischen Aspekten. Vorab sollte erwähnt werden, dass letztendlich jede Abschlussarbeitssituation individuell ist - nur weil ich hier einen generellen Ratschlag gebe, muss der nicht für alle Personen in allen Situationen gelten!

Vorgehen - Abschlussarbeiten

Interne Informationssuche bezüglich der Form
Eine der besten Möglichkeiten, sich verrückt zu machen und falschen Informationen aufzuliegen, ist es, bezüglich der erwarteten Form woanders als bei der Betreuung nach Informationen zu suchen. Sei es Umfang, Layout, Formatierung, Zitationsweise und vieles mehr, all diese Sachen hängen zum Teil stark von der Institution ab, bei dem man schreibt. Nur, wenn von dieser Seite aus keine Informationen zur Verfügung gestellt werden, sollte im Internet gesucht werden bzw. bei Bekannten an anderen Institutionen nachgefragt werden.

Weiterhin gilt: Im Zweifelsfall sollte die gewählte Form erstens funktional und zweitens konsistent sein. Gerade zwischen verschiedenen Formen zu springen kommt selten gut an.


Zeitenreservierung
Stell dir vor, du sitzt in einem Seminar, hältst einen Vortrag, und ein guter Freund spricht dich an, ob du genau jetzt und sofort ins Kino gehen willst. Wie reagierst du? Vermutlich in Hinblick auf den Vortrag, den du gerade hältst, ziemlich irritiert und verschiebst das auf später.

Zeiten, in denen an Abschlussarbeiten gearbeitet wird, sollten ähnlich behandelt werden. Kaum jemand kommt auf die Idee, mal eben ein Seminar abzubrechen - aber Arbeit an der Abschlussarbeit? Die wartet doch!
...
Und schon ist man in der Aufschiebefalle. Gerade zu Beginn der Arbeit kann es passieren, dass man abgelenkt wird. Sei es durch Freunde, Kollegen, Lebensereignisse, völlig egal. Ich rate hier sehr dazu, von Anfang an feste Zeiten zu reservieren, und diese wie oben genanntes Seminar zu behandeln. Sofern nicht gerade das Gebäude brennt oder wirklich schlimme Nachrichten eintreffen, dann bleibt man darin. Je umfangreicher eine Arbeit ist, je länger sie in die Zukunft geplant werden muss, desto wichtiger wird dies.


Früh tätig werden!
Oder auch, nicht in der "Konzeptionshölle" verbleiben. Egal womit man anfängt - sei es Literaturrecherche, Datenerhebung, Datenauswertung, Verfassen einzelner Abschnitte - allein aufgrund der dabei gewonnenen Erfahrung ist es meinem Eindruck nach sinnvoll, damit möglichst früh anzufangen, selbst wenn die Gefahr besteht, später deutlich nachkorrigieren zu müssen. Erstens hilft einem die Erfahrung. Damit einher geht zudem die Tendenz, so nicht in der "Konzeptionshölle" zu verweilen. Das ist ein Phänomen, welches ich bei manchen Kommilitonen beobachtet habe. Sie wussten bezüglich einiger zentraler Fragen nicht weiter, hofften auf Klärung durch die Betreuung, und taten in der Zeit nichts. Mir ist kein Fall bekannt, in dem das positiv verlaufen ist.

Hier kommt auch etwas ins Spiel, was in der Kognitionspsychologie als "Lohhausen-Effekt" bekannt ist. Bei komplexen Problemen (und eine Abschlussarbeit zu verfassen kann ein sehr komplexes Problem sein) ist der beste (und nahezu einzige) Erfolgsindikator mit Selbstbewusstsein irgendwas zu machen. Völlig egal was. Selbst wenn man in der Zeit, die man auf die Abstimmung wartet, ein Experiment oder eine Auswertung gegen die Wand fährt, das ist immer noch um Welten besser, als in der Zeit gar nichts getan zu haben. Im schlimmstmöglichen Fall hat man immer noch etwas gelernt - doch in aller Regel lässt sich das, was man getan hat, später doch noch irgendwie verwenden.


Absprachen schriftlich festhalten.
Kein Problem, wenn die Kommunikation über E-Mail stattfindet. Ebenfalls kein Problem, wenn die Betreuung weiß, was sie will. In allen anderen Fällen, gerade bei sehr langandauernden Abschlussarbeiten, Besprechungsergebnisse protokollieren. Das ist mir zum Glück nicht passiert, und ich bilde mir auch ein, als Betreuer eine ziemlich stringente Linie zu haben, aber ich kenne genug Leute, bei denen sich feste Absprachen von einem Termin zum nächsten um 180° drehten. Schlecht!


Vom Baumstamm zu den Blättern planen.
Was soll der rote Faden der Abschlussarbeit sein? Dieser rote Faden ist quasi der "Baumstamm" der Arbeit. Von ihm aus dann lassen sich etwaige zugehörige Äste, Zweige und Blätter planen. Anders formuliert, erst das große Bild betrachten, dann hinein in die Details gehen. Fängt man zuerst mit den Details an, bekommt man hinterher oft das Problem, daraus ein stimmiges Bild zu formen.

Ich beobachtete als Betreuer immer wieder eine gewisse Abneigung gegen Exposés. Wie ich damals schon immer sagte, das Exposé ist nicht für mich als Betreuer, sondern für die Abschlussarbeitenschreiber. (Und zugegebenermaßen, damit ich grundlegende Fehler wie z.B. den bei Literaturevaluationen gern vergessene Methodenabschnitt frühzeitig erkenne.)


Ausgleich ist wichtig!
Mit zunehmender Belastung und insbesondere mit zunehmender Uhrzeit fängt irgendwann an, die Qualität der Arbeit abzunehmen. Wenn man z.B. um 5 Uhr für den Arbeitsplatz aufsteht, dann in der Nacht bis 2 Uhr an der Arbeit schreibt, passieren Fehler. Die Fehler müssen später korrigiert werden. Daher ist es auch sinnvoll, früh anzufangen und sich Zeiten freizuhalten. Mammutsitzungen ohne Ausgleich, das ganze über Wochen oder vielleicht gar Monate, wird sich in der Qualität der Arbeit niederschlagen.

Ich erlebe es immer wieder, dass sich Leute dann sagen "ich gönne mir erst wieder etwas Erholung, sobald ich fertig bin!", tatsächlich musste ich auch immer wieder bei mir selbst aufpassen, nicht in diese Denkweise zu verfallen. Problem ist, einen Ausgleich braucht man gerade dann, wenn man sich in einen stressigen Lebensabschnitt befindet. Wenn man also die Ratschläge des frühen Beginns und der Zeitenreservierung beachtet hat, dann sollte man sich genauso auch erlauben, hier und da mal die Batterien aufzuladen.


"Kluge Ziele" bezüglich der Abschlussarbeit setzen und einhalten, Zielprioritäten im Auge behalten.
Hier möchte ich an meine beiden Beiträge zu den Themen "Zielprioritäten" und "Kluge Ziele" erinnern. Gerade bei den Zielprioritäten kommt wieder ein wenig das vor, was ich oben schon schrieb. Die Abschlussarbeit ist, bis das Abgabedatum drohend im Kalender auftaucht, eher vom Typ "wichtig, aber nicht dringend", daher besteht dort die Gefahr, dass Aufgaben vom Typ "unwichtig, aber dringend" vorgezogen werden. Ganz ehrlich, nach jeder Abschlussarbeit von mir hatte ich einen ganzen Berg aus E-Mails, die ich zu beantworten hatte. Und aus Frühjahrsputz wurde dann auch schon mal ein Herbstputz. Ergo, Abschlussarbeit entsprechend prioritisieren.
Genauso wichtig, bei der Abschlussarbeit allein schon aus Gründen der Motivation Unterziele setzen, jene klar umreißen, messbar formulieren und die etwa benötigte Zeit einschätzen. Um sich so von Aufgabe zu Aufgabe, von Seite zu Seite vorzuhangeln. Gerade große Abschlussarbeiten können wie ein riesiger Berg wirken. In einem Schritt, in einem Sprung kommt man den kaum hoch. In vielen kleinen Schritten jedoch schon.

Samstag, 25. Oktober 2014

Ratschläge bezüglich Abschlussarbeiten I

Dies ist kein wirklich "psychologischer" Text, aber ein paar Sachen, die ich schon immer mal loswerden wollte. Beziehungsweise losgeworden bin, hier und da mal. Im Laufe der Zeit habe ich selbst zwar nur zwei Abschlussarbeiten geschrieben, war jedoch bei der Betreuung von über hundert Abschlussarbeiten beteiligt. Entsprechend hier einmal in zwei getrennten Bereichen, was ich dazu zu schreiben habe. Der zweite Teil wird sich mit dem eigentlichen Verfassen beschäftigen, der erste Teil mit dem sehr trockenen, aber wichtigen Aspekt der Technik.

Technik - Abschlussarbeiten

1. Sicherungskopien anlegen!
Diesen Punkt kann ich nicht genug unterstreichen. Die Wahrscheinlichkeit, Daten zu verlieren, mag gering sein. Die Folgen jedoch katastrophal. Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Abschlussarbeiten unterscheiden. Auf der einen Seite jene mit geringem Umfang, wie B.Sc- oder M.Sc-Arbeiten, die in einer festgelegten Zeit geschrieben sein müssen. Hier ist die Wahrscheinlichkeit eines Datenverlusts aufgrund der beschränkten Zeit geringer, tritt er jedoch auf, kann die verlorene Zeit zum Genickbruch werden. Auf der anderen Seite zeitlich unbeschränkte Arbeiten wie z.B. Dissertationen. Hier wäre zwar eine zeitliche Verzögerung kein zwangsläufiger Genickbruch, jedoch Datensätze von jahrelanger Arbeit neu zu erheben oder die in Monaten oder Jahren verfassten Schriften neu anzufertigen ist auch keine schöne Aussicht.

Die einfachste Form der Sicherungskopie: Kleinere Dateien sich per Mail selbst zuschicken. Größere Dateien regelmäßig (mindestens einmal die Woche, eher öfter) auf mindestens zwei externen Datenträgern (USB-Sticks, externe Festplatten, wie auch immer) sichern. Erwartung mal Wert - die Wahrscheinlichkeit eines Datenverlusts mag gering sein (wobei sie mit wachsender Schreibdauer ansteigt), die Folgen wären jedoch katastrophal. Dafür vorzusorgen macht nur einen Arbeitsaufwand von vielleicht fünf Minuten pro Woche aus. Das könnten die am sinnvollsten investierten fünf Minuten des Lebens sein.

(Meine persönliche Erfahrung, während des Verfassens meiner Diss binnen 4 1/2 Jahre hat sich eine Festplatte per Headcrash verabschiedet und eine weitere wurde von einem defekten Netzteil geröstet.)


2. Richtige Einrichtung der Programme.
Dieser Ratschlag enthält drei Elemente. Arbeitet man über mehrere Rechner verteilt, z.B. im Büro, zuhause am Desktop-PC, unterwegs auf dem Notebook, so ist es meiner Erfahrung nach sinnvoll, wenn überall dieselben Versionsnummern der verwendeten Programme installiert sind. Alternativ, so dies nicht möglich ist, bestimmte Arbeiten ganz überwiegend an einem der Rechner stattfinden, und man die an anderen Rechnern erstellten Arbeiten zuerst als getrennte Dateien speichert und vor dem Einfügen in die eigentliche Arbeit prüft. Anderenfalls (z.B. bei verschiedenen Schreibprogrammen, oder unterschiedlichen Auswertungsprogrammen) können ziemlich ärgerliche und schwer zu behebende Fehler auftreten.

Wichtig ist ebenso, dass die Programme möglichst optimal eingerichtet sind. Gerade ältere Schreibprogramme sind dies teilweise nicht. Beispielsweise "Wort" von "Winzigweich" nutzte eine seltsame Speicherart in Versionen vor 2010, die in bestimmten Fällen bestenfalls die angeblich gespeicherten Informationen verloren gehen ließ, schlimmstenfalls die Datei zerstörte (gemeint ist das "schnelle Speichern", das in den Programmen unter Extras -> Optionen -> "Schnellspeichern zulassen" deaktiviert werden sollte).

Schließlich sollten die eigentlichen Arbeitsdateien "sauber" bleiben. Heißt keine Kommentare, keine Änderungsverfolgung. So etwas ist für Dateien, die man prüft, bzw. anderen zur Prüfung vorlegt. Schon M.Sc-Arbeiten, aber gerade Dissertationen können sehr umfangreich werden. Da will man die eigentliche Datei, an der man arbeitet, nicht noch "zumüllen".


3. Getrennte Dateien vs. eine Datei.
Abschlussarbeiten können entweder als einzelne Datei verfasst werden, oder in vielen getrennten Dateien. Beides hat Vor- und Nachteile. Hier gibt es keine absolute richtige Antwort. Schauen wir uns die Vor- und Nachteile an.

Einzeldatei:
+ Es kann mit Verweisen und Ankern gearbeitet werden, z.B. automatische Aktualisierung des Inhaltsverzeichnisses.
+ Es können keine Probleme bei der Seitennummerierung auftreten.
+ Layoutänderungen wirken sich direkt für die gesamte Arbeit aus.
- Die Arbeit kann sehr groß und unübersichtlich werden. Je länger die Arbeit, desto eher wird das ein Problem.
- Änderungen an einer Seite können auf einer ganz anderen Seite zu Problemen bzw. Fehlern führen. Meiner Erfahrung nach sind da gerade lange Tabellen für anfällig.
- Wird die Datei beschädigt, ist direkt alles beschädigt.
- Bestimmte Layouteinstellungen gelten zwangsläufig für die gesamte Arbeit.

Mehrere Dateien:
+ Änderungen in einem Abschnitt können keine Fehler in Abschnitten auslösen, die sich in anderen Dateien befinden.
+ Gerade bei schwächeren Rechnern (z.B. Arbeitsnotebooks) fällt die Arbeit mit kleineren Dateien deutlich leichter.
+ Man findet schneller zu ändernde Stellen.
+ Das Layout kann individualisiert werden.
- Es kann nicht mit Verweisen und Ankern über mehrere Dateien gearbeitet werden. (Zumindest habe ich noch nicht herausgefunden, wie das geht.)
- Es kann zu Problemen mit der Seitennummerierung kommen.


Meiner Erfahrung nach ist es so, dass je länger die Arbeit wird, desto sinnvoller wird die Arbeit mit mehreren Dateien. Umso mehr, wenn sehr umfangreiche Tabellen und/oder Grafiken hinzu kommen. Kann dann natürlich auch zu Problemen kommen. Ich erinnere mich noch gut daran (und das nicht nur, weil es erst gestern war), wie ich um 2:00 Uhr in der Nacht vor der Indruckgebung die Seitenzahlen einer Arbeit korrigieren musste, die mehrere hundert Seiten lang war/ist. Spaßig.

Sonntag, 19. Oktober 2014

Form | Funktion

Jede Form erfüllt eine Funktion. Interessant ist nun, dass sehr oft die Funktion in gewisser Weise verloren geht, die Form zum Selbstzweck wird oder eine neue Funktion erhält. Schönes Beispiel dafür sind Feiertage. Was haben Hasen und Eier mit Ostern zu tun? Oder der Jahreswechsel - die Funktion des Feuerwerks war dereinst das Verscheuchen böser Geister. Heute? Pyrotechnischer Spaß!

Auch hinter Verhaltensformen, auch wenn sie auf den ersten Blick unsinnig scheinen, stecken oft Funktionen. Die auch verloren gehen können. Etwas, was als Kind oder Jugendlicher verhaltensmäßig sinnvoll gewesen sein mag, kann es später nicht mehr sein. Oder etwas mag sich aus technischen Begebenheiten entwickelt haben, die heute oder in anderen Kontexten anders aussehen mögen. Kürzlich (bzw. aktuell) habe ich damit zu tun. Tabellenformatierung für wissenschaftliche Veröffentlichungen. Aufgrund technischer Limitationen beim Zeitschriftendruck vor mehreren Jahrzehnten hat es sich in der Psychologie eingebürgert Tabellen "linienarm" zu gestalten. Keine vertikalen Linien, nur ein Minimum an waagerechten Linien. Bei einigen Tabellen, die ich (allerdings nicht in Zeitschriften) auf die Welt loslassen möchte, leidet bei linienarmer Darstellung jedoch die Lesbarkeit. Welche Funktion ist nun wichtiger? Ich glaube, ich werde es drauf ankommen lassen.

Kürzlich habe ich mal durch alte Fotos geblättert. Nach dem Studienabschluss habe ich damals ganze Berge an Papierkram weggeschmissen, um wieder Luft zu haben. Aktuell stapeln sich bei mir die Bücher und Aktenordner. Der Anlass dafür wird (hoffentlich, siehe oben) bald ebenso abgeschlossen sein. Dann wird wieder Platz geschaffen. Die aktuelle Form (Papierstapel überall!) hat seine Funktion. Die Funktion ist bald (hoffentlich) erfüllt und abgeschlossen, also kann die Form geändert werden.

Probleme können dann entstehen, wenn sich die Form nicht ändert, nachdem sie ihre Funktion erfüllt hat. Die Papierstapel während der Abschlussphase aufzutürmen, mag nicht schön sein, ist jedoch funktional. Sie nach erfolgreichem Abschluss zu behalten, das wäre nicht mehr funktional.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Was ist.

Es gibt eine ganze Reihe nützlicher Fähigkeiten. Viele auch, die in allen möglichen Kontexten nützlich ist. Beispielsweise verbales Geschick. Wo überall nutzt es uns, gut reden zu können? Quasi überall. Nun gibt es eine Fähigkeit, die ich persönlich für die nützlichste überhaupt in nahezu allen nur vorstellbaren Kontexten halte, und die doch nur selten besprochen wird.

Wahrnehmen, was ist.

Klingt simpel. Warum nun mag das wichtig sein? Gehen wir einmal ein paar Kontexte durch:
- In Lehrveranstaltungen erkennen, inwieweit die Lernenden einen folgen (können), und wo Probleme auftreten.
- Im Umgang mit Klienten deren Problem erkennen, und nicht eigene Interpretationen bzw. Schwierigkeiten zu projizieren.
- In Diskussionen die "Schmerzpunkte" ausmachen, jenseits der Worte die emotionalen Beteiligungen des Gegenübers ausmachen.
- Bei mündlichen Prüfungen erahnen, ob man richtig liegt, oder sich um Kopf und Kragen redet.

Dies (und viel, viel mehr) ist jedoch noch der kleinste Vorteil. Wahrnehmen, was ist, kann in Sachen Psychohygiene, eigenem Wohlbefinden, unendlich nützlich sein.
- Wahrnehmen, wenn einem etwas Gutes oder Schönes wiederfährt.
- Probleme rechtzeitig erkennen (und gegensteuern).
- Ein Verständnis eigener Denkmuster aufbauen, um mit jenen optimal umgehen zu können.
- Überhaupt die Realität wahrnehmen, und von dem zu unterscheiden, was nicht ist.

Man denke hier einmal an die Reihe über "Realitäten" aus dem vergangenen Jahr. Ich glaube, es war Erickson, der meinte, die meisten psychischen Probleme entstünden, wenn Menschen sich gegen die Wirklichkeit sträuben - gemeint die physische Wirklichkeit. Ein Detail, das sich interessanterweise sogar in der Schmerzforschung wiederfindet. Nur kurz umrissen - Schmerz ist letztendlich (von Sonderfällen einmal abgesehen) ein Warnsignal des Körpers. Nimmt man die Anwesenheit des Warnsignals wahr, ohne dagegen anzukämpfen, wird es von den meisten Personen subjektiv als spürbar weniger dramatisch wahrgenommen, als wenn es versucht wird zu leugnen oder dagegen angekämpft wird.

Wahrnehmen, was ist. In der Psychologie findet sich das unter zwei völlig anderen Namen, die an sich nichts miteinander zu tun haben. Ich wage aber zu behaupten, sie beschreiben beide Facetten davon. Einer der Begriffe ist dabei noch etwas weiter gefasst als der andere.

Der erste ist "Metakognition". Das "Denken über das Denken". Ich glaube, der Name ist eine Irreführung. Was meist unter Metakognition beschrieben wird, ist mehr als nur ein Beobachten und Sinnieren über gedankliche Prozesse, sondern auch über emotionale/motivationale Prozesse wie auch das der Aufmerksamkeit. Anders gesagt, bei metakognitiven Prozessen schauen wir, was unser Verstand eigentlich macht.

Das gibt es noch unter einem anderen Namen. Achtsamkeit. Achtsamkeit ist ein wenig weiter gefasst, und bezieht noch mit ein, was außerhalb des Verstands ist. Das ist in der Metakognition wenn dann nur über den Aspekt der Wahrnehmung und Aufmerksamkeit mit abgedeckt. Alles eine Frage der Definition.

Ist es denn nicht so, dass wir nicht immer wahrnehmen, was ist? Schon - aber dann treiben die Gedanken ab, verlieren sich Überlegungen, Bewertungen, all das sind Verzerrungen. Oder wir weigern uns wahrzunehmen, was ist. Kämpfen dagegen an. Verlieren uns in Erklärungen, Rationalisierungen. Dann nehmen wir nicht mehr wahr, was ist.

Metakognition/Achtsamkeit ist nun etwas, was eine Frage der Übung ist. Meditation (Vipassana/Achtsamkeitsmeditation) ist eine Möglichkeit, aber wohl für die meisten Menschen die unpraktischste. Die sehr positiven Folgen von 30 Minuten Achtsamkeitsmeditation pro Tag sind erstaunlich gut erforscht, bloß haben die meisten Menschen schon mit einer Minute pro Tag Probleme. Fünf Minuten? Eine Ewigkeit. Weshalb? Flow. (Kurz gesagt, entweder es unterfordert, oder es frustriert, da es so ungewohnt ist. Kommt kein Flow auf, ist die Abbruchwahrscheinlichkeit sehr hoch. Lösung: Vereinfachung oder Erschwerung, je nachdem.)
Es gibt dazu einige Alternativen, die auch die eigene Achtsamkeit steigern. Nämlich innehalten, auf die Umgebung achten, wenn es dazu Gelegenheit gibt. Sei es, wenn man auf dem Weg zur Arbeit an einer Straße entlang geht. Sei es, wenn man Geschirr spült. Sei es, wenn einem gerade irgendwelche Gedanken durch den Kopf gehen. Schauen, was ist gerade um einen herum. Was läuft im Verstand ab. Und auch, wo ist man gerade - zum Beispiel in der Gegenwart, oder in der Vergangenheit, oder in der Zukunft? Inwieweit nimmt man wahr, was gerade ist? Und was ist nur in unserem Verstand?

Freitag, 10. Oktober 2014

Assessment Center: Und was soll das überhaupt?

Während des DGPs-Kongresses habe ich verschiedenste Fachrichtungen besucht. Darunter auch die AOW-Psychologie. Es ging dort um den Nutzen von so genannten Assessment Centern (AC). AC sind ein Werkzeug der Personalauswahl - dort sollen den Bewerbern möglichst lebensnahe Aufgaben gestellt werden, und dann geschaut werden, welche Bewerber sich in ihnen am besten schlagen. Quasi so eine Art etwas gekünsteltere Arbeitsprobe.

Dürfte auf den ersten Blick sinnvoll klingen - immerhin ist das doch näher an der eigentlichen Arbeit als ein Vorstellungsgespräch. Dennoch sank die Vorhersagekraft von AC in Bezug auf den erwarteten Berufserfolg den letzten Jahrzehnten stetig. Die Arbeitsgruppe der AOW-Psychologen hatten dafür einen interessanten Grund ausgemacht: Transparenz.

Nein, nicht fehlende Transparenz. Im Gegenteil. Transparenz. Ursprünglich wurde den Teilnehmern nicht mitgeteilt, welchen Sinn die Übungen im AC haben, im Laufe der Jahre wurde genau das jedoch immer stärker mitgeteilt. Dies wiederum führte zu zwei Effekten. Einerseits konnten Leute mit Schauspieltalent genau die gewünschten Verhaltensweisen besser für kurze Zeit imitieren, als sie es in realen Berufssituationen über lange Zeit durchhalten könnten. Andererseits wurden Personen, die in Bezug auf das untersuchte Kriterium ein unbegründet negatives Selbstbild haben eingeschüchtert, und zeigten nicht mehr die Leistung, die sie sonst gebracht hätten.

Ist Intransparenz also gut? Es gibt gute Gründe für die Transparenz. Hauptsächlich der Punkt Akzeptanz. Gerade obskurere Übungen gefährden die so genannte Augenscheinvalidität - heißt, die Teilnehmer wissen nicht, warum sie etwas machen sollen, und mögen das gar nicht. Genauso bestehen bei Intransparenz andere Gefahren. Beispielsweise, dass Personen, die sehr zielgerichtet handeln, kein Handlungsziel haben und daher suboptimale Leistung zeigen. Oder - und ich denke, das wird hier der Fall sein - der "g-Faktor" kommt ins Spiel.

Gemeint ist die Intelligenz. Die alten, intransparenten AC hatten etwa dieselbe Vorhersagekraft wie ein IQ-Test. Ich habe selbst mal an intransparenten AC teilgenommen (irgendwie musste das Studium ja finanziert werden), und was mir dort vor allen anderen Bewerbern den Vorsprung brachte, war, dass ich erkannte, was die eigentliche Aufgabe ist. Klassisches Beispiel für fluide Intelligenz.

Was die ganze Diskussion über AC und die zugehörige Forschung für mich zeigt, ist die Schwierigkeit von Diagnostik in der Personalauswahl. Wenn jetzt der Weg wieder zurück in die Zeiten der intransparenten AC geht, ich weiß nicht, ob es da nicht angebracht wäre, erst einmal die vorhandenen Methoden selbst in Frage zu stellen, statt einfach eine Rolle rückwärts zu machen. Hm. Schwieriges Feld. Zum Glück eins, das ich nur von außen betrachte.

Dienstag, 7. Oktober 2014

Attributionstheorie live

Ich muss gerade an meinen etwas älteren Beitrag über unsere eigenen Lektionen denken - da ich mich gerade frage, ob mir mein Verstand einen Streich spielt.

Weiners Attributionstheorie sagt letztendlich aus, dass Ereignisursachen anhand bestimmter Kriterien bewertet werden - und abhängig von den Bewertungen entstehen andere Emotionen und werden andere Handlungen ergriffen. Diese Bewertung findet unterbewusst statt. Klassisches Beispiel sind die Reaktionen von Schülern auf schlechte Noten. Wer hier den Lehrer als unfair erlebt, reagiert mit Wut. Wer glaubt, sich vorher nicht genug angestrengt zu haben, mit Scham, Schuld oder Reue. Wer dagegen seine Intelligenz für ursächlich hält mit Trauer.

Weiners drei Dimensionen sind Lokalität (wer ist verantwortlich?), Stabilität (wie veränderbar ist die Ursache?) und Kontrollierbarkeit (wie viel Einfluss hat man selbst auf die Ursache?).

Interessant ist nun, wie es zu den Einschätzungen kommt, und das hat viel mit Rahmen zu tun. Stabilität ist eine Frage der Beobachtung über die Zeit - ändert sich überhaupt etwas? Kontrollierbarkeit hat damit etwas zu tun, ob Auswirkungen von eigenem Verhalten sichtbar sind bzw. gesehen werden. Lokation nun hängt davon ab, wie allgemein bzw. speziell ein Ereignis ist. Fällt zum Beispiel eine ganze Schulklasse durch eine Prüfung, andere Schulklassen derselben Schule bestehen jedoch, dann wird die Attribution in Richtung der Lehrer gehen. Fallen hingegen alle Schulklassen durch, in Richtung der ganzen Schule. Fallen dagegen nur einzelne Schüler hindurch, eher in deren Richtung.

Letzteres ist etwas, was mich gestern sehr, sehr stutzig gemacht hat. Ich war die vergangenen Wochen sehr viel unterwegs. Gestern hatte ich dann so eine Reihe an Erlebnissen auf der Autobahn, die meinem begrenzten technischen Verständnis nach keinen Sinn ergeben. Ich hörte irgendwann ein sehr lautes Pfeifgeräusch. Dachte, das kommt von draußen. Bloß das Pfeifen ging auch nach diversen Kilometern nicht weg. Ich fing schon an über den technischen Zustand meines Autos nachzudenken. Das Pfeifgeräusch blieb mir erhalten, bis ich von der A2 auf die A1 fuhr - gute 60 Kilometer lang, unabhängig von meiner Geschwindigkeit, Motordrehzahl, eingelegtem Gang. Auf der A1 dann Ruhe.

Für eine Weile.

Dann war das Pfeifen wieder da. Und da sah ich - es war inzwischen dunkel - vor mir wieder die Aufschrift eines LKWs (selber Typ und Firma, aber wohl nicht selber LKW), der auch auf der A2 so ziemlich genau 60 Kilometer vor mir hergefahren war.

Als ich dann von der A1 abfuhr, war das Pfeifen weg. Seither frage ich mich, ob es LKWs gibt, die selbst bei einem Abstand von > 200 Metern noch einen sehr laut hörbaren Pfeifton abgeben, der klingt wie eine gerade noch für menschliche Ohren hörbare Hundepfeife (eine weitaus leiseres Pfeifen, Stichwort Ladeluftkühler, kenne ich - das Geräusch war dafür jedoch ganz deutlich zu laut). Rein rational müsste ich eher auf mein Auto tippen, denn das war immer da. Nur irgendwie attribuiere ich das Pfeifen doch auf den möglicherweise nur zufällig dort zugegen gewesenen LKW.

(Oder es mag eine Abwehrreaktion nach dem Motto "ich mag nicht in die Werkstatt..." sein.)