Freitag, 7. Februar 2014

Ankerheuristik - oder auch: Was wird denn sein?

Eine Sache ging mir kürzlich durch den Kopf, wo ich etwas suchen musste, nach dem Zusammenhang zur Psychologie. Und tadaa, da ist er!

Ankerheuristik meint, dass man die Zukunft anhand der Gegenwart und/oder der Vergangenheit vorherzusagen sucht. So etwas machen wir ständig - beispielsweise, wenn wir aus dem Fenster schauen und anhand dessen, was wir sehen, annehmen, wie das Wetter wird.

Es wird auch sehr gern in anderen Kontexten genutzt - man denke da nur mal an Werbung, bei Investitionsmöglichkeiten. Da steht immer im Kleingedruckten "vergangene Erträge sind keine Garantie für zukünftige Erträge!"

Es können nun verschiedene Probleme bei jedweder Art von Zukunftsvorhersagen ergeben, die sich auf Ankerwerte berufen.

Erstens kann der Ankerwert selbst unsinnig sein. Abstrakt gesagt, wenn irgendwo zwischen ein kausaler Zusammenhang vermutet wird, der jedoch nicht kausal ist. Sagen wir mal, es gibt einen Zuwachs an Arbeitsplätzen, und jener wird auf eine bestimmte Politik bezogen - dann stockt der Arbeitsmarkt, und jene Politik wird noch intensiviert. Wenn jene aber gar keine Auswirkung auf den Arbeitsmarkt hatte, wird es dann... was auch immer passieren. Andere Beispiele wären so etwas wie die Wirksamkeit von Lehrmethoden, Interventionen, und so weiter. Man denke auch an Späße wie den Hawthorne-Effekt.

Zweitens bleiben Ankerwerte nur für eine bestimmte Zeit gültig sein. Wie der Blick aus dem Fenster: Wie das Wetter in einer Minute ist, dafür ist das Wetter gerade jetzt der beste Prädiktor. Ebenso, wie das Wetter in zwei Minuten sein wird. Aber irgendwann macht es keinen Sinn mehr. In zwei Tagen. In zwei Monaten. In zwei Jahren.

Ich habe vor kurzem von einigen Projektionen in die ferne Zukunft gelesen. "So wird sich das Phänomen in den nächsten 50 Jahren entwickeln!"
Ähm. Okay. Man vergleiche mal 1964 mit heute. Oder 1964 mit 1914. Technisch. Kulturell. Ökonomisch. Und was noch dazwischen passiert ist. Eine Menge.

Tatsächlich habe ich kürzlich einige DVDs geschenkt bekommen, mit Serien, die ich in meiner Kindheit geschaut habe. Seither sind, je nach Serie und deren Drehzeit, zwanzig bis fünfundzwanzig Jahre vergangen - und sie funktionieren heutzutage nicht mehr. Kein Wunder, dass jene seit Ewigkeiten kaum mehr bis gar nicht mehr (außerhalb von etwaigen von mir nicht empfangenen digitalen Spartenkanäle, von denen ich nichts weiß*) laufen.
Manche funktionieren aufgrund der Technik nicht mehr. Andere, oft auch damit einhergehend, nicht aufgrund gesellschaftlicher Änderungen. Man denke nur einmal 20 Jahre zurück. Seither ist viel passiert - technisch, kulturell. Genauso wird in den nächsten 20 Jahren sehr viel passieren. Auch viel, was sich nicht vorhersagen lässt. Nur mal zwei Beispiele - als ich mit dem Studium begann, war das Rauchen in öffentlichen Gebäude noch völlig normal. Heutzutage? Quasi nirgendswo mehr. Internet, Handys, Smartphones, das sind sehr neue Erfindungen. Geschichtlich gesehen.

Wäre alles über Ankerheuristiken nicht vorhersagbar gewesen.

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