Freitag, 14. Februar 2014

Ein paar ausgewählte Rahmen aus dem Werkzeugkasten II

Es gibt zwei Grundideen, was Rahmenumdeutungen angeht. Die meisten Rahmen, die ich später vorstellen werde, fallen in eine der beiden Kategorien (manche auch in beide). Daher sollte ich jene beiden wohl zuerst behandeln.

1. Kontext

Hier wird ein Umstand in einen anderen Kontext versetzt. Dies verändert wiederum die Bewertung des Umstands. Mehrere Funktionen sind hier denkbar. Die beiden wichtigsten sind die Abschwächung von Emotionen (nennen wir das mal palliativ) und die Exploration des Problems.

Erstens eine palliative Funktion ergibt sich aus folgendem Umstand: Oft ist es so, dass sich Leute für ihr Problem schämen und sich zugleich fragen, warum sie es denn haben. Nun haben viele Probleme im psychischen Bereich durchaus eine Funktion, bzw. eine Funktion gehabt. Man nehme nur einmal Spinnenphobie. Die mag in Deutschland keinen Sinn ergeben. Evolutionär jedoch war die Bereitschaft, schneller phobisch auf Spinnen als z.B. auf Hasen zu reagieren von Vorteil.
Genauso wichtig ist es jedoch auch, aufzuzeigen, dass die meisten Verhaltensweisen im richtigen Kontext von Vorteil sind. Uns hilft es im Leben, wenn wir ein sehr breitgefächertes Verhaltensrepertoir haben. Gerade im pädagogischen Bereich sieht man es oft, dass Eltern oder Lehrende durchaus funktionale Verhaltensweisen der Kinder loswerden wollen, damit ihr eigenes Leben leichter wird. Zeigt man dann auf, wie das kritisierte Verhalten den Kindern später im Leben nützen kann, erledigen sich solche Nachfragen recht schnell. Man nehme nur einmal Bewegungsdrang - sollte man so etwas wirklich Kindern abgewöhnen bzw. komplett durch etwas anderes ersetzen, bei den gesundheitlichen Vorteilen, die sich daraus ergeben können?

Zweitens auch eine erkundende Funktion, eine Exploration des Problems. Sofern es die Art des Problems zulässt (!), übertreibe ich sehr gerne massiv, packe das Problem in unwahrscheinliche Rahmenbedingungen und schaue einfach einmal, was passiert. Hier gilt natürlich, der Kontext muss es zulassen. Sobald Sachen wie Traumata, Suizidalität u.Ä. hinzu kommen, verbietet sich dies.
Hier passieren mehrere Sachen. Ich erfahre sehr viel, weil ein Kontrast gebildet wird zwischen "dann und dann tritt das Problem auf - und dann und dann nicht". Gleichzeitig (und das ist das wahrhaft benevolent diabolische daran) macht der Klient sein Problem kleiner. Weil er erstmal die Grenzen aufzeigen muss. Sich damit auch oft selbst erstmal die Grenzen bewusst wird. In dem Moment werden Probleme schon viel handhabbarer. Ich habe es so oft erlebt, dass bei einer massiven Übertreibung die Leute erst gelacht haben, dann selbst eingegrenzt haben, und dann dabei das Problem schon so klein geworden ist, dass sie es aus eigenem Antrieb binnen Minuten überwanden.
Nehmen wir mal wieder die Spinnenphobie und bauen mal einen Kontext auf nach dem Motto brennendes Haus, nur noch ein Fluchtweg frei - und dort sitzt eine fette Kreuzspinne! Geht gar nicht! Also ab durchs Feuer?

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