Montag, 3. Februar 2014

Umwege und ihr Nutzen

Sicher, sich auf geradem Weg zum Ziel zu finden geht am schnellsten. Was aber findet sich abseits des Weges?

Diese Frage kann man wörtlich nehmen. Beispielsweise hatte ich am Wochenende ein Seminar im schönen Herford, und dort war die Bushaltestelle verlegt worden. Entsprechend bin ich erst einmal eine Weile herumgeirrt, habe die Gegend erkundet, um zum Seminarraum zu finden. Das ganze durch eine Gegend, die ich bisher nicht kannte - und ich muss sagen, Herford ist eine schöne Stadt! Ich habe dort sehr viele schöne Ecken gesehen, die ich wohl nicht gesehen hätte, wäre mein Weg gerade verlaufen. Oder hätte ich gewusst, dass das Seminargebäude direkt auf der anderen Seite des Münsters von der Bushaltestelle aus gewesen sind. Ja, ich bin eine halbe Stunde umhergewandert, wo doch die Bushaltestellen nun näher am Zielort lagen.

Aber ich meinte die Frage, was findet sich abseits des Weges, nicht nur wörtlich. Nicht immer verläuft der eigene Lebensweg so geradlinig, wie wir uns dies wünschen. Auch der kann mäandern. Manchmal finden wir uns, wenn auch nur zeitweise, an Orten wieder, wo wir uns hinterher fragen "was mache ich hier eigentlich?", "wollte ich hier hin?", aber auch aus solchen Erfahrungen können wir viel lernen, mitnehmen.

Persönliches Beispiel: Zur Studienfinanzierung arbeitete ich einst in der Störungsstelle für einen großen Kabelfernsehanbieter. Das mag jetzt (weil per se nichtpsychologisch) keine Pluspunkte im Lebenslauf geben, jedoch: Man überlege nur einmal, wie dort die Arbeitsbedingungen sein dürften. Was für Menschen dort aufschlagen - und wie die gelaunt sind? Und von jedwedem technischen Wissen abgesehen welche Fähigkeiten man dort erlernt, braucht und verfeindert, um den Kopf über Wasser halten zu können? So Aspekte wie zum Beispiel Leute beruhigen, Informationen herauskitzeln ("funktioniert nicht!" reicht eben leider nicht), Angriffe nicht persönlich nehmen, blitzschnell von einem Fall zum nächsten mental umschalten, und vieles mehr. Es mag ein Umweg gewesen sein - jedoch einer, der sich für mich, denke ich, gelohnt hat.

Es war nicht der einzige Umweg. Die Frage ist nicht, ob wir auf Umwegen geraten - sondern, was wir von ihnen mitnehmen.

1 Kommentar:

  1. Ein interessanter Gedanke, der mich an "Reframing" erinnert.

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