Montag, 31. März 2014

Ein paar ausgewählte Rahmen aus dem Werkzeugkasten VIII

Der nächste Rahmen ist wunderbar simpel - eigentlich eine Reinform des Kontextrahmens, aber zu schön, um ihn nicht speziell zu erwähnen.

Das große Bild

Die Grundidee ist hier immer, den Blick zu erweitern. Sagen wir, eine Person hat ein bestimmtes Problem, das an ihr nagt - dann kann aufgezeigt werden, was im Leben der Person alles gut läuft. Wunderbar palliativ. Oder alternativ aufzeigen, dass im Lauf der Welt das Problem nicht einmal ein Sandkorn am Strand ist.

So etwas habe ich am Ende meines Studiums getan. Da wusste ich nicht, ob ich es schaffe - es lief eine ganze Menge schief (sowohl privat als auch im Rahmen der Diplomarbeit, aber das ist eine Geschichte für sich), und als ich da eines Abends mit dem Bus fuhr, wurde mir klar, dass mein Schicksal eigentlich überhaupt niemanden interessiert. Niemanden im Bus, kaum wen in der Stadt, und auch sonst auf der Welt bestenfalls eine Handvoll Leute. Es war insofern egal, wie die Geschichte ausgehen würde - half mir, einen klaren Kopf zu bekommen und so alles, was damals alles plötzlich aufsprang, ganz "Whack-A-Mole"-mäßig zu lösen. Ein Problem nach dem nächsten.

Es gibt noch eine weniger schöne, manchmal jedoch notwendige Anwendung. Wenn jemand ein sehr dysfunktionales Verhalten, Eigenheit, wie auch immer (z.B. bei der generalisierten Angststörung), und nur in Bezug auf einen winzigen Aspekt davon Hilfe mag. Normalerweise bin ich ein Vertreter von "sich um das kümmern, weshalb der Klient einen anspricht" (egal in welchem Kontext) - nur wenn das angesprochene Symptom Teil eines größeren Problems ist, muss man manchmal auch das größere Problem bearbeiten. Und dann kann es helfen, auch mal da das größere Bild zu zeigen.


Samstag, 29. März 2014

Rahmen einmal komplett wörtlich

Zu den Hobbies in meiner Jugend gehörte Tae Kwon Do. Dazu gehört auch das Durchschlagen von unterschiedlich dicken Holzbrettern - bis zu vier Zentimeter. Um das zu schaffen sind zwei Aspekte wichtig. Erstens die richtige Technik, beispielsweise bilden beim Schlag die Hand- und Armknochen eine Linie. Tun sie das nicht, knickt die Hand weg und es tut aua.
Zweitens wie das Brett gehalten wird. Es darf nicht nachgeben, denn tut es das, geht die Kraft aus dem Schlag darüber verloren. Möglicherweise bricht das Brett dennoch, wenn es nur wenig nachgibt. Möglicherweise geht zu viel Energie verloren. Kommt auf die Situation an - was ich nur aus eigener Erfahrung sagen kann, sobald der Halt des Brettes nur ein wenig nachgibt, wird die ganze Aktion viel schwerer.

Wie komme ich darauf? In einer Infotainmentsendung, die sich mit Alltagsmythen beschäftigt, wurde die Demonstration von Shaolinmönchen untersucht, eine Nadel durch eine Glasscheibe zu werfen. Ich weiß ausdrücklich nicht, ob dabei ein Trick verwendet wird. Was mir aber bei der Untersuchung auffiel, war, dass das Glas nur von einer Seite (per Schraubstock) gehalten wurde - und im Laufe der Versuche in der Sendung ganz schön vibrierte, schließlich gar ob der Vibrationen brach, aber kein Loch wie bei den Mönchen geschafft werden konnte.

Hat mich jetzt nicht so überrascht. Ein nur von einer Seite gehaltenes Brett sorgt auch eher für Handschmerzen als für eine gelungene Demonstration. Rahmen einmal wörtlich - der Kontext beeinflusst das Ergebnis.

Donnerstag, 27. März 2014

Ein paar ausgewählte Rahmen aus dem Werkzeugkasten VII

Kommen wir heute nun zu einem Rahmen, der je nach Anwendung sehr destruktiv oder sehr konstruktiv sein kann. Klingt nach einem zweischneidigen Schwert, ist es aber nicht. Kommt auf den Kontext an. Da wir aber schon von zweischneidigen Sachen reden...

Doppelstandards

Die destruktive Anwendung liegt darin, nachzuweisen, dass jemand geringere Standards an sich selbst (oder die von demjenigen gestützte Position) anwendet als an andere. Dies ist bei den meisten Personen ein ziemlicher Wut- und/oder Stresstrigger. Selbst wenn man denjenigen nicht überzeugt - was vorkommen kann, gerade bei politischen Diskussionen geht es ja oft eher um das Publikum als um das Gegenüber - auch bei unbeteiligten Dritten macht so etwas oft mehr Eindruck als es jedes Sachargument könnte. Wobei Doppelstandards meiner Erfahrung nach (eben weil sie über emotionale Trigger den Sachverstand kurzschließen) tiefe Gräben in Überzeugungen schlagen können. Nur bei sehr psychotischen Personen schlägt das meist fehl - und wirkt dabei umso stärker aufs Publikum. Einer meiner liebsten argumentativen Tricks.

Aber, aber, aber, magst du fragen - was hat das jetzt mit konstruktiveren Einsatzmöglichkeiten zu tun? Drehen wir die Prämisse um: Jemand legt höhere Standards an sich selbst an. Oder höhere Standards in einem bestimmten Feld - wie auch immer, so etwas kann (aber nicht muss*) Probleme verursachen. Seien es so Sekundäreffekte wie Stress, Überforderung, Unsicherheiten, wie auch immer. Dann kann es sehr befreiend sein, auf diesen Doppelstandard hinzuweisen - und viel schneller, als kontextunabhängig den speziellen Standard auf sich gestellt zu betrachten.

Beim Doppelstandard handelt es sich unabhängig von der Art der Anwendung um die Ausnutzung des Kontrastprinzips. Ein Standard wird mit einem anderen verglichen und insofern geprüft - diese Prüfung ist letztendlich pseudologisch, aber hilfreicher als eine pro forma logische Betrachtung.

* = Hier muss ich jedoch darauf hinweisen, dass es durchaus sinnvoll ist, in manchen Lebensbereichen an sich selbst höhere Standards zu stellen als an andere. Ansonsten würde kaum ein Feuerwehrmann in ein brennendes Haus gehen, ganz unabhängig von dessen Ausrüstung. Anderes Beispiel, als Psychologe sind so Aspekte wie Integrität sehr wichtig - da lege ich einen weitaus höheren Standard an mich selbst als an meine Mitmenschen an.
Problematisch werden Doppelstandards, wenn man entweder niedrigere Standards an sich selbst als an andere anlegt (dies öffnet destruktivem Verhalten Tür und Tor). Oder, wenn die für sich selbst angelegten Standards zu hoch sind. In beiden Fällen hilft es, jene identifizieren und offenlegen zu können.

Mittwoch, 26. März 2014

Ein paar ausgewählte Rahmen aus dem Werkzeugkasten VI

Jetzt mal ein auf den ersten Blick sehr einfacher Rahmen - der jedoch oft genug völlig daneben geht. Gerade zum Beispiel Politiker lieben ihn; setzen ihn dabei jedoch auf eine Art und Weise ein, bei der zentrale Elemente fehlen. Und daher - zumindest bei einem aufmerksamen Publikum - das Gegenteil dessen erreicht wird, was eigentlich beabsichtigt war. Überspitztes Beispiel: "Es geht gar nicht darum, ob die Steuer gerecht ist - sondern darum, was Godwin über Hunde zu sagen hat!"

Themenwechsel

Das Beispiel oben soll zeigen, wie es nicht geht. Ein richtiger Themenwechsel erlaubt zwei Dinge, einerseits den Blick auf ein Problemfeld zu verändern, andererseits auch Ressourcen zu erschließen.
Dafür ist es nötig, dass das Thema, auf das gewechselt wird, strukturelle Ähnlichkeiten mit dem Ursprungsthema hat, jedoch vom Gegenüber anders betrachtet wird, bzw. anders emotional besetzt ist. Ist die strukturelle Ähnlichkeit nicht vorhanden, baut man nur einen Strohmann auf.
Nehmen wir einmal ein Beispiel aus der pädagogischen Ecke. Sagen wir, ein Kind hat Schwierigkeiten, sich für ein bestimmtes Fach zu motivieren. Ein gelungener Themenwechsel wäre nun möglich zu irgendeinem anderen Lebensbereich, in dem neue Kenntnisse erworben werden und die Person dazu motiviert ist (Hobbies sind hier oft ein guter Ansatzpunkt), das ganze dann beim Bau der Brücke zurück aufs ursprüngliche Thema verbunden mit motivationalen Anreizen bezogen auf die Ursache, warum es zum Motivationsloch kommt. Würde man hingegen über unmotivierende Lehrende schwadronieren - viel Glück. Wäre auch ein Themenwechsel, aber kein zielführender.

Dienstag, 25. März 2014

Ein paar ausgewählte Rahmen aus dem Werkzeugkasten V

Welchen Rahmen als nächsten vorstellen? Da gibt es so viele! Manche komplexer, andere einfacher - manche nur in Nuancen Weiterentwicklungen von den bekannten drei Grundformen. Andere sind Kombinationen. Wieder andere sind wirklich seltsam. Womit also anfangen? Irgendwie verspüre ich da den Wunsch, stattdessen über ein anderes Thema zu schreiben - aber dann setze ich den Werkzeugkasten wieder nicht vor! Wieso also nicht darüber schreiben, was gerade ohnehin mir durch den Sinn geht?

Verhalten vs. Intention

Dieser Rahmen ist sehr gut geeignet, Leute von problematischem Verhalten abzuhalten und hin zu konstruktiveren Verhalten zu führen. Hinter ihm steckt eine Grundannahme: Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Intention. Egal, wie gut oder schlecht, wie konstruktiv oder destruktiv, egal wie funktional oder dysfunktional ein Verhalten ist.

Nun kann man aufzeigen, dass das gezeigte Verhalten der zugrundeliegende Intention zuwiderläuft. Und Alternativen anbieten, welche die Intention besser erfüllen.

Schönes Beispiel, wenn jemand auf Konfrontationskurs geht - herausfinden, was damit erreicht werden soll, und dann die unbeabsichtigten Konsequenzen aufzeigen, und ein kooperativeres Verhalten aus dem Hut zaubern, das besser die Intention erfüllt.

Dieser Rahmen ist jetzt einer der komplexeren. Er setzt voraus, dass man an eine positive Intention kommt - dazu ist zumindest vonnöten, dass das Gegenüber mit dir spricht. Ansonsten stochert man im Dunklen. Weiterhin, dass das gezeigte Verhalten der Intention widerspricht. Sicher, ein wenig Spin ist hier oft möglich, nur wenn es wirklich passgenau ist, hat man mit diesem Rahmen schlechte Karten.

Donnerstag, 13. März 2014

(Un-)Spaß mit Grafiken

Nicht nur mit Statistiken kann getrickst werden. Auch mit Bildern und Darstellungen. Man nehme nur einmal (das ist Rahmensetzung in Reinform), wie bei Veränderungen Balken abgebildet werden. Sagen wir ein Unternehmen hat binnen drei Jahre seinen Gewinn um 20 Millionen gesteigert. Jetzt könnten die Balken nur den zusätzlichen Gewinn abbilden, also beim Anfangsjahr als Null angeben. So baut sich eine eindrucksvolle Treppe auf.
Umgekehrt, wenn das Unternehmen ohnehin schon mehrere Milliarden Gewinn macht und man den gesamten Gewinn darstellt. Dann würde sich sogar die Frage stellen, ob nach Inflationsausgleich nicht der Gewinn gefallen ist. Das eine betont Veränderungen bis zur Überzeichnung, das andere lässt sie kleiner aussehen bis zur Marginalisierung.

Auch ein schöner Trick ist das Spiel mit den Größenangaben. Kann halbwegs harmlos sein. Beispielsweise wenn auf einer Schokoladenpackung die Kalorienanzahl für ein Stück angegeben wird, und so die Kalorienreichhaltigkeit unterschätzt wird. Kann aber auch weitaus bedenklicher sein. Zugegebenermaßen musste ich da auch selbst erst drauf hingewiesen werden, da ich die japanische Sprache nicht beherrsche. Zu Tschernobyl wie auch zu Fukushima gibt es Kontaminationskarten, die abzeichnen, auf welchen Gebieten sich viele radioaktive Niederschläge ansammelten, und auf welchen weniger. Maßeinheit ist bq/m². Die Farbe auch gewählt abhängig von der Gefährlichkeit. Noch heute wird davon abgeraten, aus "mittleren" Gebieten Pilze u.ä. zu essen, dort lag die Belastung zwischen 10 000 und 40 000 bq/m². Die schwächer verstrahlten Regionen lagen zwischen 2 000 und 10 000 bq/m², und der Rest wurde unter 2 000 bq/m² geführt.
Für Fukushima wurden dieselben Kategorien gewählt, nur eeeetwas anders definiert. Auf der Karte sieht alles schön harmlos aus. Ein Großteil der Landes ist in der untersten Kategorie, und nur Fleckenweise treten außerhalb des nächsten Niederschlagsbereichs mal andere die zweitniedrigste Kategorie auf. Nur was sind da die bq/m²-Zahlen? Für die Zweitniedrigste 300 000 bis 600 000 bq/m². Die niedrigste umfasst alles unter 300 000 bq/m².
Einfach um das mal in den Vergleich zu setzen: Bei Tschernobyl begann ab 185 000 bq/m² die stark verstrahlte "rote Zone". Die fällt bei Fukushima zum Teil noch in die niedrigste Kategorie!
Das heißt nicht, dass bei Fukushima alles extrem verstrahlt wäre - immerhin geht jene niedrigste Kategorie von 0 bis 300 000. Dennoch ist diese Wahl interessant. Diese riesige Kategorie. Ich bin nun weder Mediziner, noch Physiker, noch Experte für Radioaktivität; heißt ich weiß nicht, wie gefährlich oder ungefährlich diese Werte sind. Was ich jedoch sagen kann, ist, wie solche Grafiken wirken. Die Skala von Fukushima auf Tschernobyl angewendet würde das Ereignis viel harmloser erscheinen lassen. Die Skala von Tschernobyl auf Fukushima angewendet würde das Ereignis viel gefährlicher erscheinen lassen. Wie gefährlich es wirklich war? Keine Ahnung.

Noch ein kleiner Trick. Bilder, welche Studienergebnisse illustrieren, und es doch wieder nicht tun. Ich werde nun ein hypothetisches Beispiel konstruieren, das jedoch gewisse strukturelle Ähnlichkeit zu einer kürzlich veröffentlichten Studie hat.
Stellen wir uns vor, eine Studie hat untersucht, wie oft Hühner mit Autos zusammengestoßen sind. Dabei zum Beispiel festgestellt, dass Hühner zu 55% mit roten Autos kollidieren und zu 45% mit blauen. Jetzt wird das illustriert mit einem Bild, wo ein rotes Auto ein Huhn rammt. Am Ende wird sich bei vielen Lesern als Ergebnis festsetzen (besonders, wenn man in erster Linie das genannte Szenario betont), dass Hühner von roten Autos gerammt werden. So fielen einerseits die blauen Autos unter den Tisch. Und andererseits auch die lästige Frage nach der Wirkrichtung - denn nur anhand der Daten weiß man nicht, wie es zu den Kollisionen kam.
Unterschwellig, eh? Gibt auch dazu schöne Studien. Seminarraum, kostenlose Getränke bereitgestellt. Untersucht, wie viel Getränke getrunken wurden. Kontrollgruppe: Keine Werbung. Gruppe 1: Werbung zentral im Gesicht. Keine Änderung im Trinkverhalten. Gruppe 2: Werbung abseits im Blickfeld. Deutlich erhöhter Getränkeverbrauch. Der Trick mit mehr oder weniger irreführenden Illustrationen wirkt ähnlich.

Psychologie macht Spaß!

Donnerstag, 6. März 2014

(Un-)Spaß mit Statistiken

Wenn mir eine Arbeit vorgelegt wird, egal in welchem Kontext, lese ich zuerst nach, was für Methoden eingesetzt wurden und wie die Statistiken genau aussehen. Gerade bei brisanten Themen.

Erst einmal die Frage, was überhaupt untersucht wurde. Operationalisierung! Ich habe da schon ziemlich verrückte Sachen erlebt. Zweitens, was dabei herauskam. Und zwar alles.

Man kann mit Statistiken wunderbar spielen. Beispielsweise indem man Kategorien zusammenschiebt. Nehmen wir Schmerzpatienten - wo ein unangenehmes Ziehen im kleinen Finger gleichgesetzt wird mit dem Gefühl, bei lebendigem Leibe entwaidet zu werden. Oder Gewaltopfer - wo ein Schubser auf dem Schulhof genauso schlimm ist, wie angezündet zu werden.

Oder, indem man vermittelnde Variablen verschweigt. Wusstest du, dass es eine signifikante Korrelation bei Schulkindern zwischen den Mathematikfähigkeiten und der getragenen Schuhgröße gibt? Gibt es durchaus, ist aber nicht kausal - größere Schuhe führen nicht zu besseren Fähigkeiten, sondern es liegt am Alter.

Oder, indem man subjektive Kriterien misst, ohne anzugeben, wie jene zueinander in Referenz stehen. Wenn ich sage "heute morgen waren es hier -3°, und bei einem Bekannten in den USA auch -3°", dann ist das durchaus korrekt - erzeugt jedoch ein völlig falsches Bild (weil -3°C ungleich -3°F ist).

Oder, indem man systematisch Aspekte verschweigt, die der Intentionsrichtung widersprechen. Lücken lässt. Oft sagen Statistiken viel mehr in den Daten, die sich nicht darin finden und/oder nicht dargestellt werden als in den öffentlich präsentierten Daten.

Wenn man auf so etwas nicht achtet, dann...

... fällt man am Ende auf den letzten Unsinn herein. Ich habe den verrücktesten Unsinn gehört und gelesen. Mit Statistiken untermauert. Nur gaben die Statistiken dies gar nicht her. Teils sogar eher das glatte Gegenteil.

Mal ein Beispiel: Während des Irakkriegs ab '03 hieß es, die US-Soldaten im Einsatz vor Ort wären sicherer als in der Heimat. Trick: Die Sterblichkeit der Soldaten (junge, fitte, gesunde Personen) wurden mit der Gesamtbevölkerung verglichen - mit all ihren alten und kranken Personen statt mit demographisch und gesundheitlich vergleichbaren Personen.

Ein einfach zu durchschauender Trick. Manche sind schwerer zu durchschauen. Ich habe gerade mal wieder eine Studie gelesen, bei der quasi alles kompletter Murks ist. So ziemlich jeder Trick aus "wie manipuliere ich mit Statistiken für Dummies" angewendet worden ist. Brr. Schrecklich.

Mittwoch, 5. März 2014

Placebo, kein Placebo?

Kürzlich hatte ich ein recht skurriles Gespräch, bei dem es grob umrissen um Therapiemethoden und Placeboeffekte ging. Mir fiel dabei wieder etwas auf, was ich schon mehrfach im Blog versucht habe zu vermitteln: Verneinungen und Negative in mathematischer Art im Alltag anzuwenden klappt nicht.

Hypothetisches Beispiel: In einer Doppelblindstudie zeigt sich eine Wirkung des Placebos von 40%, die des Medikaments beträgt 70%.

Wie hoch nun ist die Wirkung des Medikaments ohne Placeboeffekt?

Problem ist, man weiß es schlicht nicht.

Sie kann 70% betragen (Szenario A) - das ist zum Beispiel der Fall, wenn primär körperliche Faktoren beeinflusst werden (anders formuliert: Knollenblätterpilze bringen einen auch um, wenn man glaubt, Champignons gegessen zu haben). Sie kann 30% betragen (Szenario B), und die restlichen 40% ist der Placeboeffekt, der mit ausgelöst wurde. Sie kann auch auch 0% betragen (Szenario C) - das ist zum Beispiel der Fall, wenn primär Symptome beeinflusst werden, und deren Änderung durch die nicht verlagerte Aufmerksamkeit schlicht übersehen werden. Sie kann auch beliebig sonstwo sein, irgendwo zwischen 0% und 70% (Szenario D).

Lässt sich so etwas herausfinden? Theoretisch schon, praktisch aber aus ethischen Gründen nicht. Wirkungslose Scheinmedikamente zu geben ist eine Sache. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass jene nicht wirken. Die Gabe von potentiell wirkenden Substanzen zu verschweigen und verschleiern?

Die Diskussion entzündete sich darin, dass eine Kollegin meinte, gezielt den Placeboeffekt mitzunehmen wäre unredlich - dem wiederum ein anderer Kollege (der viel mit Schmerzpatienten arbeitet) widersprach. Die Argumente waren da "Täuschung" (was ich übrigens als nicht ganz redliches Reframe des Placeboeffekts betrachte) vs. "Beschneidung der Behandlungswirksamkeit". Wobei die Seite "Täuschung" von Szenario A ausging, die Fraktion "Beschneidung der Behandlungswirksamkeit" von Szenario B.

Skurril war die Diskussion deshalb, weil (ob des Problems mit dem Negativ) letztendlich sicher nur Szenario D stimmt - und Szenario D schließt die Szenarien A, B und C mit ein. In dem Fall aber, da nicht zwangsläufig A stimmen muss, stand ich der Ablehnung der Placeboeffekts ablehnend gegenüber.

Dienstag, 4. März 2014

Ein paar ausgewählte Rahmen aus dem Werkzeugkasten IV

Wenn man sich mit Rahmen beschäftigt, trifft man überall auf die zwei Klassiker "Bedeutung" und "Kontext". Als ich über meine Liste an spezielleren Konstruktionen durchging, fiel mir auf, dass da eigentlich noch ein dritter Rahmen zugehört, auf den verschiedene weitere aufbauen.

Konsequenz

Auch wenn ich immer gern darauf hinweise, dass Rahmen von uns sowieso gesetzt werden, und als Werkzeuge neutral zu betrachten sind. Nun. Manche Rahmen sind grauer als andere. Und der Konsequenzrahmen ist oft sehr grau.

Im Grunde geht es bei ihm um Motivation - indem auf mehr oder weniger unbetrachtete Folgen hingewiesen werden. Positive Folgen, wenn zu etwas motiviert werden soll. Negative, wenn von etwas abgehalten werden soll.

Damit das klappt, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein:
- Die Konsequenz muss augenscheinlich Sinn ergeben. Heißt es muss logisch klingen, dass sich X aus Y ergeben wird. Das ganze muss weder stimmen, noch explizit so ausgedrückt sein, Implikationen reichen hier.
- Die Konsequenz muss mit einer ausreichenden Wahrscheinlichkeit eintreffen.
- Die Person muss in die richtige Zeit orientiert sein. Wie in meiner Reihe über Realitäten erklärt, werden Kosten und Nutzen unterschiedlich beurteilt, je nachdem ob eine Person gerade in die Gegenwart oder Zukunft (oder Vergangenheit) orientiert ist.

Kommt das irgendwie bekannt vor? Sollte es. Angst z.B. funktioniert so. Auch in Werbung werden oft Konsequenzrahmen konstruiert - kaufe das, und dies verbessert sich in deinem Leben! (Und wir wissen, wie, hm, 'oft' das stimmt.)

Tatsächlich sind falsche Konsequenzrahmen oft die Ursache für Probleme - indem einerseits sehr wahrscheinliche Zusammenhänge nicht betrachtet werden, dafür aber falsche bzw. dysfunktionale angenommen werden. Darauf hinzuweisen kann da schon helfen.

Umgekehrt sind sie jedoch, wie erwähnt, im Bereich der Motivation extrem hilfreich. Wichtig ist hier Integrität - und die Bereitschaft, den langen Weg zu gehen. Mit positiven Emotionen zu arbeiten, auch wenn es länger dauert - und nicht, wie es leider nur allzu häufig der Fall ist, mit negativen. Oder auch Zusammenhänge komplexer zu beleuchten, als es im Alltag oft der Fall ist.

Konkretes Beispiel: Nach 9/11 haben viele US-Amerikaner Flugzeuge für Inlandsflüge gemieden und sind lieber mit dem Auto gefahren. Warum? Weil sie Angst davor hatten, auch in eine Flugzeugkaperung zu geraten. Dummerweise gab es Infolgedessen circa 1800 Tote im Straßenverkehr mehr. Hier wurden die Konsequenzen, in dem Fall die Gefahren der Verkehrsmittel, nur unzureichend miteinander abgewogen.