Donnerstag, 27. März 2014

Ein paar ausgewählte Rahmen aus dem Werkzeugkasten VII

Kommen wir heute nun zu einem Rahmen, der je nach Anwendung sehr destruktiv oder sehr konstruktiv sein kann. Klingt nach einem zweischneidigen Schwert, ist es aber nicht. Kommt auf den Kontext an. Da wir aber schon von zweischneidigen Sachen reden...

Doppelstandards

Die destruktive Anwendung liegt darin, nachzuweisen, dass jemand geringere Standards an sich selbst (oder die von demjenigen gestützte Position) anwendet als an andere. Dies ist bei den meisten Personen ein ziemlicher Wut- und/oder Stresstrigger. Selbst wenn man denjenigen nicht überzeugt - was vorkommen kann, gerade bei politischen Diskussionen geht es ja oft eher um das Publikum als um das Gegenüber - auch bei unbeteiligten Dritten macht so etwas oft mehr Eindruck als es jedes Sachargument könnte. Wobei Doppelstandards meiner Erfahrung nach (eben weil sie über emotionale Trigger den Sachverstand kurzschließen) tiefe Gräben in Überzeugungen schlagen können. Nur bei sehr psychotischen Personen schlägt das meist fehl - und wirkt dabei umso stärker aufs Publikum. Einer meiner liebsten argumentativen Tricks.

Aber, aber, aber, magst du fragen - was hat das jetzt mit konstruktiveren Einsatzmöglichkeiten zu tun? Drehen wir die Prämisse um: Jemand legt höhere Standards an sich selbst an. Oder höhere Standards in einem bestimmten Feld - wie auch immer, so etwas kann (aber nicht muss*) Probleme verursachen. Seien es so Sekundäreffekte wie Stress, Überforderung, Unsicherheiten, wie auch immer. Dann kann es sehr befreiend sein, auf diesen Doppelstandard hinzuweisen - und viel schneller, als kontextunabhängig den speziellen Standard auf sich gestellt zu betrachten.

Beim Doppelstandard handelt es sich unabhängig von der Art der Anwendung um die Ausnutzung des Kontrastprinzips. Ein Standard wird mit einem anderen verglichen und insofern geprüft - diese Prüfung ist letztendlich pseudologisch, aber hilfreicher als eine pro forma logische Betrachtung.

* = Hier muss ich jedoch darauf hinweisen, dass es durchaus sinnvoll ist, in manchen Lebensbereichen an sich selbst höhere Standards zu stellen als an andere. Ansonsten würde kaum ein Feuerwehrmann in ein brennendes Haus gehen, ganz unabhängig von dessen Ausrüstung. Anderes Beispiel, als Psychologe sind so Aspekte wie Integrität sehr wichtig - da lege ich einen weitaus höheren Standard an mich selbst als an meine Mitmenschen an.
Problematisch werden Doppelstandards, wenn man entweder niedrigere Standards an sich selbst als an andere anlegt (dies öffnet destruktivem Verhalten Tür und Tor). Oder, wenn die für sich selbst angelegten Standards zu hoch sind. In beiden Fällen hilft es, jene identifizieren und offenlegen zu können.

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