Donnerstag, 13. März 2014

(Un-)Spaß mit Grafiken

Nicht nur mit Statistiken kann getrickst werden. Auch mit Bildern und Darstellungen. Man nehme nur einmal (das ist Rahmensetzung in Reinform), wie bei Veränderungen Balken abgebildet werden. Sagen wir ein Unternehmen hat binnen drei Jahre seinen Gewinn um 20 Millionen gesteigert. Jetzt könnten die Balken nur den zusätzlichen Gewinn abbilden, also beim Anfangsjahr als Null angeben. So baut sich eine eindrucksvolle Treppe auf.
Umgekehrt, wenn das Unternehmen ohnehin schon mehrere Milliarden Gewinn macht und man den gesamten Gewinn darstellt. Dann würde sich sogar die Frage stellen, ob nach Inflationsausgleich nicht der Gewinn gefallen ist. Das eine betont Veränderungen bis zur Überzeichnung, das andere lässt sie kleiner aussehen bis zur Marginalisierung.

Auch ein schöner Trick ist das Spiel mit den Größenangaben. Kann halbwegs harmlos sein. Beispielsweise wenn auf einer Schokoladenpackung die Kalorienanzahl für ein Stück angegeben wird, und so die Kalorienreichhaltigkeit unterschätzt wird. Kann aber auch weitaus bedenklicher sein. Zugegebenermaßen musste ich da auch selbst erst drauf hingewiesen werden, da ich die japanische Sprache nicht beherrsche. Zu Tschernobyl wie auch zu Fukushima gibt es Kontaminationskarten, die abzeichnen, auf welchen Gebieten sich viele radioaktive Niederschläge ansammelten, und auf welchen weniger. Maßeinheit ist bq/m². Die Farbe auch gewählt abhängig von der Gefährlichkeit. Noch heute wird davon abgeraten, aus "mittleren" Gebieten Pilze u.ä. zu essen, dort lag die Belastung zwischen 10 000 und 40 000 bq/m². Die schwächer verstrahlten Regionen lagen zwischen 2 000 und 10 000 bq/m², und der Rest wurde unter 2 000 bq/m² geführt.
Für Fukushima wurden dieselben Kategorien gewählt, nur eeeetwas anders definiert. Auf der Karte sieht alles schön harmlos aus. Ein Großteil der Landes ist in der untersten Kategorie, und nur Fleckenweise treten außerhalb des nächsten Niederschlagsbereichs mal andere die zweitniedrigste Kategorie auf. Nur was sind da die bq/m²-Zahlen? Für die Zweitniedrigste 300 000 bis 600 000 bq/m². Die niedrigste umfasst alles unter 300 000 bq/m².
Einfach um das mal in den Vergleich zu setzen: Bei Tschernobyl begann ab 185 000 bq/m² die stark verstrahlte "rote Zone". Die fällt bei Fukushima zum Teil noch in die niedrigste Kategorie!
Das heißt nicht, dass bei Fukushima alles extrem verstrahlt wäre - immerhin geht jene niedrigste Kategorie von 0 bis 300 000. Dennoch ist diese Wahl interessant. Diese riesige Kategorie. Ich bin nun weder Mediziner, noch Physiker, noch Experte für Radioaktivität; heißt ich weiß nicht, wie gefährlich oder ungefährlich diese Werte sind. Was ich jedoch sagen kann, ist, wie solche Grafiken wirken. Die Skala von Fukushima auf Tschernobyl angewendet würde das Ereignis viel harmloser erscheinen lassen. Die Skala von Tschernobyl auf Fukushima angewendet würde das Ereignis viel gefährlicher erscheinen lassen. Wie gefährlich es wirklich war? Keine Ahnung.

Noch ein kleiner Trick. Bilder, welche Studienergebnisse illustrieren, und es doch wieder nicht tun. Ich werde nun ein hypothetisches Beispiel konstruieren, das jedoch gewisse strukturelle Ähnlichkeit zu einer kürzlich veröffentlichten Studie hat.
Stellen wir uns vor, eine Studie hat untersucht, wie oft Hühner mit Autos zusammengestoßen sind. Dabei zum Beispiel festgestellt, dass Hühner zu 55% mit roten Autos kollidieren und zu 45% mit blauen. Jetzt wird das illustriert mit einem Bild, wo ein rotes Auto ein Huhn rammt. Am Ende wird sich bei vielen Lesern als Ergebnis festsetzen (besonders, wenn man in erster Linie das genannte Szenario betont), dass Hühner von roten Autos gerammt werden. So fielen einerseits die blauen Autos unter den Tisch. Und andererseits auch die lästige Frage nach der Wirkrichtung - denn nur anhand der Daten weiß man nicht, wie es zu den Kollisionen kam.
Unterschwellig, eh? Gibt auch dazu schöne Studien. Seminarraum, kostenlose Getränke bereitgestellt. Untersucht, wie viel Getränke getrunken wurden. Kontrollgruppe: Keine Werbung. Gruppe 1: Werbung zentral im Gesicht. Keine Änderung im Trinkverhalten. Gruppe 2: Werbung abseits im Blickfeld. Deutlich erhöhter Getränkeverbrauch. Der Trick mit mehr oder weniger irreführenden Illustrationen wirkt ähnlich.

Psychologie macht Spaß!

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