Donnerstag, 6. März 2014

(Un-)Spaß mit Statistiken

Wenn mir eine Arbeit vorgelegt wird, egal in welchem Kontext, lese ich zuerst nach, was für Methoden eingesetzt wurden und wie die Statistiken genau aussehen. Gerade bei brisanten Themen.

Erst einmal die Frage, was überhaupt untersucht wurde. Operationalisierung! Ich habe da schon ziemlich verrückte Sachen erlebt. Zweitens, was dabei herauskam. Und zwar alles.

Man kann mit Statistiken wunderbar spielen. Beispielsweise indem man Kategorien zusammenschiebt. Nehmen wir Schmerzpatienten - wo ein unangenehmes Ziehen im kleinen Finger gleichgesetzt wird mit dem Gefühl, bei lebendigem Leibe entwaidet zu werden. Oder Gewaltopfer - wo ein Schubser auf dem Schulhof genauso schlimm ist, wie angezündet zu werden.

Oder, indem man vermittelnde Variablen verschweigt. Wusstest du, dass es eine signifikante Korrelation bei Schulkindern zwischen den Mathematikfähigkeiten und der getragenen Schuhgröße gibt? Gibt es durchaus, ist aber nicht kausal - größere Schuhe führen nicht zu besseren Fähigkeiten, sondern es liegt am Alter.

Oder, indem man subjektive Kriterien misst, ohne anzugeben, wie jene zueinander in Referenz stehen. Wenn ich sage "heute morgen waren es hier -3°, und bei einem Bekannten in den USA auch -3°", dann ist das durchaus korrekt - erzeugt jedoch ein völlig falsches Bild (weil -3°C ungleich -3°F ist).

Oder, indem man systematisch Aspekte verschweigt, die der Intentionsrichtung widersprechen. Lücken lässt. Oft sagen Statistiken viel mehr in den Daten, die sich nicht darin finden und/oder nicht dargestellt werden als in den öffentlich präsentierten Daten.

Wenn man auf so etwas nicht achtet, dann...

... fällt man am Ende auf den letzten Unsinn herein. Ich habe den verrücktesten Unsinn gehört und gelesen. Mit Statistiken untermauert. Nur gaben die Statistiken dies gar nicht her. Teils sogar eher das glatte Gegenteil.

Mal ein Beispiel: Während des Irakkriegs ab '03 hieß es, die US-Soldaten im Einsatz vor Ort wären sicherer als in der Heimat. Trick: Die Sterblichkeit der Soldaten (junge, fitte, gesunde Personen) wurden mit der Gesamtbevölkerung verglichen - mit all ihren alten und kranken Personen statt mit demographisch und gesundheitlich vergleichbaren Personen.

Ein einfach zu durchschauender Trick. Manche sind schwerer zu durchschauen. Ich habe gerade mal wieder eine Studie gelesen, bei der quasi alles kompletter Murks ist. So ziemlich jeder Trick aus "wie manipuliere ich mit Statistiken für Dummies" angewendet worden ist. Brr. Schrecklich.

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