Sonntag, 27. April 2014

Geschichtenerzählung I: Und nach einer kleinen Unterbrechung geht es (vielleicht) weiter...

Das heutige Thema: Nested Loops

Wie? Dachtest du, ich lege eine Blogpause ein? Nein. Ich möchte stattdessen ein wenig darüber schreiben, wie man die Geschichten, die man erzählt, aufpeppen kann. Unabhängig vom Kontext, in dem man sich befindet. Am deutlichsten sieht man Nested Loops auch fernab von etwaigen psychologischen Kontexten in Film, Fernsehen und Literatur.

Nested Loops sind nichts anderes als ineinander verwebte Handlungsstränge. Statt eine Erzählung fertig zu erzählen, wird an einem wichtigen Punkt zu einer anderen Handlung herübergeblendet und jene aufgebaut. Bis dort wieder ein wichtiger Punkt erreicht wird, und wieder weitergesprungen wird. Eine Auflösung nun erfolgt erst (wenn überhaupt) zum Schluss, wenn die einzelnen Handlungsfäden entweder zusammengeführt werden, oder parallel aufgelöst werden.

Warum werden Nested Loops benutzt? Erstens, Zeigarnikeffekt. Man erinnert sich an unterbrochene Ereignisse besser als an abgeschlossene. Wenn man zum Beispiel eine komplexere Geschichte erzählt, bleiben für die Erzählung relevante Details viel besser in Erinnerung.
Zweitens, Fraktionierung. Bei einem Bruch geht Spannung verloren. Die Spannung wird neu aufgebaut. Dann wieder gebrochen. Dieses Auf-und-Ab verstärkt die am Ende wahrgenommene Spannung als wenn man die Geschichtsbögen nacheinander erzählt. Gleiches gilt für die Eintauchtiefe in die Geschichte. Eine gut erzählte Geschichte (egal ob Film, Literatur, mündliche Überlieferung) bildet einen hypnotischen Kontext - wenn du z.B. eine spannende Geschichte liest, denkst du ja auch nicht "ich schaue hier gerade schwarze Tinte auf weißem Papier an". Was erhöht das Abtauchen in solche Kontexte? Richtig, Fraktionieren.

(Irgendwie frage ich mich ja schon, ob so etwas auch mit Fernsehwerbung versucht wird. Der Zeigarnikeffekt ist da definitiv am Werk - erhöht er doch die Motivation, nicht sofort wegzuschalten und weggeschaltet zu bleiben. Werbung aber zerstört den Kontext, statt ihn zu vertiefen - mein Eindruck zumindest.)

Wie können Nested Loops genutzt werden? Die Möglichkeiten sind Legion. Ich möchte einmal drei verschiedene Anwendungen vorstellen:
1. Verschiedene Handlungsstränge verfolgen und zwischen ihnen umherspringen. Das sieht man in quasi jedem Film, in fast jeder Serie, und in den allermeisten Büchern. Durchaus auch mit unterschiedlicher Sprunggröße. Nehmen wir einmal Tolkiens "Herr der Ringe": Im Buch werden wenige, sehr große Sprünge gemacht, jeweils ein Buch entsprach einem Handlungsstrang. In der Verfilmung gibt es hingegen dauernd Sprünge zwischen den einzelnen Strängen.
2. Verschiedene Geschichten miteinander verweben. Vor dem Ende einer Geschichte schon zur nächsten springen, und wenn dann erst am Ende anfangen, aufzulösen. Wichtig hier ist, dass die Reihenfolge beim Auflösen eingehalten wird - je später die Geschichte angefangen wurde, desto früher wird sie aufgelöst. 1 - 2 - 3 - 4 - 4 - 3 - 2 - 1. Es gibt da ein schönes Beispiel in einer Simpsonsepisode: Familie sitzt in einer Höhle fest. Die Tochter fängt an zu erzählen, wie sie von einer Ziege verfolgt wird. Wird vom Boss des Vaters gerettet. Dieser erzählt der Tochter (was die Tochter also erzählt), wie er seinen Reichtum und seine Firma verloren hat und in einer Bar hat arbeiten müssen. Und dort einen Brief der Barkeepers gelesen hat, wie jener zu einem Goldschatz kam. Das ganze wurde dann rückwärts aufgelöst. Ein etwas weniger komplexes Beispiel wäre meine Pfingstgeschichte vom letzten Jahr. Auch die ist ein einziger riesiger Nested Loop.
3. Verschiedene Erfahrungen miteinander verweben. Mir ist aufgefallen (lies: Das war gar nicht mal bewusst geplant gewesen), dass meine praxisorientierten Veranstaltungen so aufgebaut sind. Die erste und letzte Übung sind inhaltlich quasi identisch, nur unterschiedlich komplex und mit unterschiedlichem Verständnisgrad der Teilnehmer. Heißt man kann dieses Prinzip auch außerhalb von Geschichten verwenden.

Mittwoch, 23. April 2014

Rahmenwerkzeugkasten - Rückblick und Beispiele

Im Lauf der vergangenen Wochen habe ich eine Reihe von vorgefertigten Rahmen vorgestellt - insgesamt 14 verschiedene. Hier und da fanden sich jene auch schon in anderen Beiträgen wieder, die ich geschrieben habe. Oftmals aber nicht so ideal, wie man sie in einem Gespräch verwenden würde. So etwas wie Verhalten vs. Intention zu konstruieren, wenn man die Intention nicht kennt, ist (vorsichtig formuliert) schwierig.

Hier einmal die Beispiele, welche mir einfallen. Absolut nicht vollständig.
  • Kontext: [Übertriebene?] (Psycho-)Hygiene (beschäftigt sich damit, wie ein nachvollziehbarer Wunsch je nach Kontext und Ausprägung sinnvoll oder nicht sinnvoll sein kann.)
  • Bedeutung: "Ich habe keine Zeit dafür!" (andere Interpretation dieser Aussage)
  • Konsequenz:  Ziel der Kritik (der Beitrag handelt davon, welche Folgen destruktives Vorgehen haben kann)
  • Verhalten vs. Intention: Ungeselligkeit - Schüchternheit - Introversion? (dieser Rahmen lässt sich nicht wirklich ohne Gegenüber demonstrieren - mit der Mechanik dahinter beschäftigt sich dagegen dieser Beitrag)
  • Themenwechsel: Was wollen Emotionen eigentlich? (Hier wird, statt die Frage direkt zu beantworten, erst einmal ein anderes, aber damit verbundenes, Thema angeschnitten. Erst dann auf die ursprüngliche Frage zurückgegangen.)
  • Doppelstandards: Welchen Wert hat ein Menschenleben in den USA? (Aufzählung, welche Aufwendungen zum Schutz von Menschenleben durch bestimmte Bedrohungen unternommen werden.)
  • Das große Bild: Wie schnell bin ich gerade? (bei der Frage immer weiter herausgezoomt - von der Erdoberfläche bis zum Universum und darüber hinaus.)
  • Der Blick hinter die Kulissen: Spaß mit Aufmerksamkeit und Interpretationen (ein sehr mildes Beispiel)
  • Quellenumdeutung: Milgrams Frosch (weitere demonstrierte Phänomene auf Milgrams Klassiker attribuiert)
  • Realitätsstrategie: Das Problem mit Problemen (kein wirkliches Beispiel, beschäftigt sich aber mit den Ideen hinter diesem Rahmen)
  • Übertreibung: Altrömischer Buchstabensalat (den Wunsch nach Informationsreduktion der Sprache begegnet mit historischem Beispiel einer deutlich informationsärmeren Sprache)
  • Redefinition: Das tyrannische Prinzip (es ist per se erst einmal eine Vorgehensweise. Der wird eine negative Bedeutung beigemessen - und dies weitergesponnen.)
  • Allegorien und co: Damals vs. Heute | Biologie vs. Kultur (das ist ein strukturelles Gleichnis, mit dem - wenn es akzeptiert wird - gleich ganze Gedankenrichtungen geblockt werden. Ich benutze ständig Allegorien und co, Stichwort zuletzt 'Tanzende Berge und Ostern' daher habe ich einmal ein etwas ungewöhnlicheres Beispiel herausgesucht)
  • Feuer mit Feuer bekämpfen: Geldwert (kein wirkliches gutes Beispiel, aber der Rahmen ist auch schwierig zu demonstrieren. Hier findet sich das Element darin, dass die Maßnahme, die eigentlich zu mehr Verkäufen führen sollte, zu einer Wertminderung des Produkts führte - was wiederum zum Ende jener Maßnahmen führte)
Ein lustiges Detail dabei ist, ich habe bei keiner Formulierung dieser Beiträge darüber irgendwie nachgedacht. Entsprechende Rahmen zu benutzen geht einem in Fleisch und Blut über, wenn man sich ein wenig darin übt. Und darin liegt auch ein großes Potential - weil man nicht groß darüber nachdenken muss, wie man jetzt mit einer Situation umgehen sollte, sondern sie direkt in mehreren Blickwinkeln sieht. Und so möglicherweise Lösungen entdeckt, die nicht sofort offensichtlich sind.

Montag, 21. April 2014

Tanzende Berge und Ostern

Über die Ostertage ist ein alter Freund zu Besuch in Deutschland, der seit Jahren seinen Lebensmittelpunkt in Japan hat. Gestern stellte er mir eine Frage, die mich nachdenklich hat werden lassen. "Du, können Berge tanzen?"

Diese Idee hat er irgendwo im fernen Asien aufgeschnappt, als er ein altes buddhistisches Kloster besucht hat. Dort hat er die Mönche gefragt, warum sie meditieren - und als Antwort gehört, damit sie die Berge tanzen sehen. Er daraufhin, die Wochen danach, am grübeln. Wie soll ein wenig oder ein wenig mehr Stillsitzen dazu führen, dass man etwas so Festes wie Berge, harter Fels und Gestein, die Jahrmillionen überdauern, tanzen sieht? Wie verrückt ist das?

Ich war überrascht. Fasziniert. Denn, und das sagte ich auch, "weißt du, die Berge tanzen wirklich. Nur so langsam, dass wir es nicht sehen. Die allermeisten Berge, egal ob sie in den Alpen oder im Himalaya stehen, heben sich ein paar Zentimeter bis Meter pro Jahr oder Jahrzehnt, oder senken sich in derselben Zeit. Fügst du Bilder aus hundert Jahren Fotografien von einem Gebirge zusammen, wie einen Film im Schnelldurchlauf, in dem hundert Jahre in einer Minute vergehen, dann wabbeln die Berge wie Wackelpudding!"

"Mooooment", rief mein alter Freund. "Geologie? Ich hatte eher an Physik gedacht. Was, wenn ich darüber nachdenke, völllig unmöglich ist."

Es gab bei einer Folge einer beliebten Sitcom ein Gedankenexperiment eines sehr exzentrischen Physikers. Was, wenn sich die Menschen aus Reptilien entwickelt hätten? Die fühlen keine Wärme oder Kälte, bewegen sich aber bei Wärme schneller und bei Kälte langsamer. Also würde dann unser Wettermann nicht sagen, "zieh dich morgen dick an, es wird kalt!", sondern "zieh dich morgen dick an, es wird langsam!"
Ich weiß nicht, ob es den Autoren bewusst war, aber dieser Witz liegt näher an der physikalischen Realität als unsere Wahrnehmung. Was wir als Wärme und Kälte wahrnehmen, sind vereinfacht gesagt Schwingungen auf molekularer Ebene. Je langsamer die sind, als desto kälter nehmen wir es wahr. Aus dem Grund gibt es einen absoluten Nullpunkt, ca. -273°C. "Kälter" kann es nicht werden, weil da nichts mehr schwingt. Da es selbst an der Spitze des Mount Everest keine -273°C ist, war ihm klar, so fest die Berge auch scheinen mögen, sie bewegen sich. Zu klein aber, um es zu sehen. Und, was er übersah, zu langsam, um es zu sehen.

"Es kommt immer darauf an, wie wir die Welt sehen", sagte ich. "Weniger darauf, wie die Welt wirklich ist. Sondern, was wir darauf machen. Da gab es vor ein paar Jahren ein unabsichtliches Experiment im holländischen Fernsehen. Zwei Gruppen von Menschen wurden auf quasi identischen Inseln ausgesetzt, ganz im Sinne Robinson Crusoe. Die eine Gruppe setzte sich dran, einige gingen fischen, andere bauten Unterkünfte, wieder andere suchten Wasser, stellten Tierfallen auf. Nach ein paar Tagen hatten sie eine funktionierende, kleine Zivilisation. Die andere Gruppe malte SOS in den Sand, verbrachte die Tage mit Sonnenbaden und gingen ins Meer schwimmen. Nach drei Tagen waren sie am Ende. Das einzige, was sie gemacht haben, das aufgemalte SOS, wurde von einem Sturm fortgeweht. Ich frage dich, waren die Inseln unterschiedlich? Oder das, was die Leute daraus gemacht haben?"

Erstaunlich, wie das Reality-TV Quasi-Experimente durchführen kann, ohne es überhaupt zu wollen. Aber diese Begebenheit ließ mich an Ostern denken. Ostern, das Fest der Kreuzigung und Wiederauferstehung Christis. Was ist, nur als Gedanke, wenn sich dahinter noch eine andere Idee verbirgt?

Eine Allegorie, dass wir immer Herr über unsere Welt sind? Und egal wie schlimm es kommt, selbst bei einem kompletten Zusammenbruch, einem metaphorischen Tod, neu anfangen können? Könnte das nicht die noch größere Nachricht der Hoffnung sein, des Aufbruchs, des Neuanfangs, die unsere Kultur mit Ostern verbindet?

Oder es geht nur um Hasen und um Eiersuche. Diese Wahl liegt bei uns.

Samstag, 19. April 2014

Milgrams Frosch

Gestern lief eine doch recht interessante (wenn auch stellenweise fragwürdige) Doku über eine Wiederholung des berühmten Milgram-Experiments. Zeit, meine Gedanken dazu einmal niederzuschreiben!

Beim Milgram-Experiment ging es um die Frage, wie autoritätshörig die Teilnehmer waren. Die Teilnehmer nahmen die Rolle eines Fragenstellers ein, und sollten bei falschen Antworten dem Befragten zunehmend stärkere Stromstöße verabreichen. Angefangen bei 15 Volt, bis hoch zu 450 Volt. Die Coverstory war entsprechend die Frage, ob durch Bestrafung besser gelernt wird. In Wirklichkeit waren alle Anwesenden außer der Versuchsperson Schauspieler, es wurden keine Stromstöße oder ähnliches verabreicht. Es ging darum, wer dazu bereit war, aufgrund einer Autoritätsperson einen Menschen trotz Schmerzensschreie und Flehen um Gnade weiterzuquälen. Stellte sich heraus, es waren gut 2/3. Das war die eine Erkenntnis des Experiments von Milgram. (Bei der Wiederholung war die relative Zahl noch höher, allerdings war die Teilnehmerzahl geringer, weshalb die Vergleichsbarkeit schwierig ist.)

Das Experiment demonstrierte jedoch noch ein paar weitere psychologische Prinzipien in Aktion.
  • Zuvorderst das Salamischeibenprinzip. Die Stromstöße begannen klein, steigerten sich mit der Zeit. Die Leute wurden über kleinere Schritte, die sie alle gingen, hin zu den wirklich problematischen Regionen geführt. Auch bei den großen Gräuel der Geschichte fand man davor meist einen schleichenden Prozess. Umgekehrt, wenn man Menschen zu einer wie auch immer gearteten Verhaltensbesserung bewegen möchte, ist in den allermeisten Fällen auch ein schrittweises Eingewöhnen viel erfolgreicher als ein Hau-Ruck-Verfahren. Hier spielt das Konsistenzprinzip mit herein - sobald man sich einmal auf einem Weg begeben hat, sorgt jeder kleine Schritt dafür, dass es wahrscheinlich wird, ihn weiterzugehen. Im Falle des Milgram-Experiments mit jenen erschreckenden Ergebnissen. (Übrigens: Bei der Wiederholung sollte geprüft werden, ob ein positives Vorbild im Raum dafür sorgte, dass die Leute weniger dazu neigen, ihre Mitmenschen zu quälen. Dummerweise hat man die Stromstöße vor der kritischen Grenze, wo sie schmerzhaft werden, von dem positiven Vorbild geben lassen, dass dann das Experiment verließ. Entsprechend bin ich da, was die positive Interpretation anbelangt, dass die Leute bei Anwesenheit eines positiven Vorbilds sich auch positiv verhalten, vorsichtiger - da wurde der Frosch nicht langsam hochgewärmt, sondern direkt ins heiße Wasser geworfen.)
  • Man konnte in der Doku wie auch auf den Aufnahmen von Milgram (die mir bisher, wie ich zugeben muss, auch unbekannt waren) extrem gut die "Realitätspings" der Teilnehmenden sehen. Ab dem Moment, wo die Schmerzensschreie kamen, reagierten die Teilnehmenden mit einem "was geht denn hier ab?"-Gesichtsausdruck und wandten sich dem "Versuchsleiter" (ein Schauspieler im Arztkittel) zu. Jener reagierte schallplattenartig und ruhig, dass alles harmlos sei und das Experiment fortgeführt werden müsse. Ich habe das Gefühl, hätte der seinen Rahmen nicht gehalten, sondern hätte auch Nervosität gezeigt, hätten mehr Personen abgebrochen.
  • Man konnte extrem gut die Verantwortungsattributionen in der Wiederholung sehen. Anders formuliert, wen die Teilnehmenden für verantwortlich hielten. Oder noch anders gesagt, wo sie sich selbst sahen - auf der Ursachen- oder Wirkungsseite. Je mehr die Leute auf der Wirkungsseite waren, desto eher waren sie bereit, ihren Mitmenschen weiterzuquälen, obwohl sie angefleht wurden, aufzuhören. Je mehr sich Leute auf der Ursachenseite waren, desto mehr rangen sie mit sich selbst und versuchten mit dem "Versuchsleiter" zu diskutieren.
Mal etwas zum historischen Hintergrund des Milgram-Experiments. Es fand in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts statt. Sollte auch der Frage nachgehen, ob so etwas wie "in Deutschland" (=drittes Reich) auch woanders möglich wäre. Die Ergebnisse damals waren schockierend. In der Wiederholung wurden die Teilnehmenden gefragt, wer denn verantwortlich gewesen wäre, wenn dem anderen "Versuchsteilnehmer" (=Schauspieler) etwas passiert wäre. Die allermeisten deuteten auf den "Versuchsleiter". Diese Verteidigung wurde in den Nürnberger Prozessen auch versucht - und wurde immer abgeschmettert.

Freitag, 18. April 2014

Ein paar ausgewählte Rahmen aus dem Werkzeugkasten XIV

Die Rahmen, welche ich in dieser Reihe vorstellen möchte, sollen relativ klare Manöver sein. Es gibt noch viele weitere, die jedoch auf Prinzipien oder Ideen beruhen, welche Blogpostings sprengen würden. Dann wiederum gibt es welche, die zwar ziemlich klar sind, wo mir jedoch kein guter Name einfällt. Ich weiß noch nicht, ob ich am Ende der Reihe angekommen bin - es könnte aber sein. Denn obwohl der heutige Rahmen extrem einfach ist, fehlt mir ein Name. Am ehesten passt wohl:

Feuer mit Feuer bekämpfen!

Dieser Rahmen ist wunderbar einfach. Man nimmt einfach das Problem, und wendet es auf das Problem an. "Mit Rahmen zu argumentieren ist manipulativ? Das zu behaupten ist aber ganz schön manipulativ!"
Spaß beiseite, ein schönes Beispiel findet sich in der Arbeit mit Hass, wenn man die zugrundeliegende Wut oder Furcht auf den Hass umlenkt.

Es ist auch ein wunderbares Manöver in Debatten. Was immer in einem bestimmten Sinne vorgeschlagen wird, entgegen diesem Sinn umdeuten. Hier hat es auch ein wenig etwas von Verhalten-vs-Intention. Schön daran ist, man argumentiert damit in der Wertewelt des Gegenübers.

Mir fällt da ein Beispiel ein. In manchen Staaten der USA gibt es noch die Todesstrafe, und immer wieder Abstimmungen dagegen, zumeist humanitär begründet. Jene sind in entsprechenden Staaten (leider) extrem erfolglos. Es gab zwei Abstimmungen, bei denen anders argumentiert wurde. Auch sie blieben erfolglos, konnten aber immerhin im Vergleich zu sonst Stimmengewinne verbuchen.
- Bei Abstimmung #1 wurde mit den Kosten argumentiert. Ein zum Tode verurteilter Gefangener verursacht mehr Kosten als ein lebenslänglich Einsitzender.
- Bei Abstimmung #2 wurde mit dem Rachegedanken argumentiert. Der Ausweg über den Tod sei zu einfach.
Für (die meisten von) uns ziemlich krude Argumente. Sie drehten jedoch in den Staaten meist benutzte Argumente pro Todesstrafe um. Bonuspunkte dafür, dass das Argument bei Abstimmung #1 sogar stimmt. Wie gesagt, auch die Abstimmungen waren erfolglos. Immerhin gab es aber Stimmengewinne.

Mittwoch, 16. April 2014

Ein paar ausgewählte Rahmen aus dem Werkzeugkasten XIII

Kann man das, worum es heute geht, wirklich als Rahmen bezeichnen? Vielleicht, vielleicht nicht. In dem Sinne nicht, da sie eigentlich nichts mit den Grundzügen aller anderen Rahmenformen gemein haben. In dem Sinne schon, dass sie die Betrachtungsweise erheblich ändern können - ohne selbst direkt etwas mit der Betrachtungsweise zu tun haben. Wie Katalysatoren bei chemischen Prozessen - sie beschleunigen die Reaktion, ohne selbst daran beteiligt zu sein. Richtig, es geht um...

Allegorien, Metaphern, Gleichnisse, Beispiele und was sonst noch dazu gehört.

Wichtig ist hier eine strukturelle Ähnlichkeit zur Problemstellung. Am besten eine, die irgendwie mehr der Lebenswirklichkeit des Gegenübers entspricht. Ich wurde zum Beispiel zu Schulzeiten mal gefragt, warum ich mir schwierigere Bücher antue. Das kam von jemanden, der gern im elektrischen Bereich Sachen bastelt. Meine Reaktion: "Was macht dir mehr Spaß? Einfach per Batterie eine Lampe leuchten lassen - oder ein ein eigenes Soundsystem zusammenbauen?" (Passte, weil er jenes zuletzt gemacht hatte.)

Was ich aber besonders mag, sind physische Demonstrationen. Die fallen nicht klassischerweise unter diesen Kategorien, wirken dafür meiner Erfahrung nach auch sehr gut. Manchmal sogar besser. Mal zwei Beispiele:
  • Wenn ich irgendwas in Richtung Ernährungsberatung mache, habe ich oft zur Demonstration einen übervollen Teller mit leichter Kost, z.B. Bami Goreng, und eine zwei Liter Softdrinkflasche da stehen. Hier kommt auch das Kontrastprinzip zum tragen - beide haben etwa dieselbe Kalorienanzahl. Von welcher wird man satt?
  •  Ich hatte immer ein ziemlich großes Gummiband dabei. Wenn jemand meinte "mach mich heile!" (oder "löse das Problem!", irgendwo voll auf der "Wirkungsseite" auf der Ursache-vs-Wirkung-Einstellung), gebe ich das Gummiband und sage "spann das mit einer Hand!"
    Wenn das (wenig überraschenderweise) nicht klappt, greife ich das andere Ende und helfe es zu spannen. Und erkläre, dass auch bei der 'Intervention' beide zusammenarbeiten sollten, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Dienstag, 15. April 2014

Nicht mehr ganz frisch aus der sozialpsychologischen Hexenküche: Der Halo-Effekt

Eine Vorwarnung ist angebracht - jetzt wird es furchtbar politisch inkorrekt. Es geht um den Halo-Effekt. Der wird eigentlich der Sozialpsychologie zugerechnet, beruht aber auf allgemeinpsychologischen Prinzipien. Hier wird von einer Charaktereigenschaft auf weitere generalisiert. Bezeichnet, dass beobachtbare Eigenheiten einer Person wie ein Heiligenschein wirken.

Etwas verständlicher formuliert: Einer Person, die eine positive Charaktereigenschaft hat, werden weitere positive Charaktereigenschaften zugeschrieben.

Nehmen wir einmal als Kriterium "Schönheit". In Studien fand man unter anderem, dass als schön wahrgenommene Menschen...
- in der Schule für die gleiche Leistung bessere Noten erhalten.
- bei gleicher Arbeit mehr verdienen.
- bei gleichen Straftaten geringere Strafen vor Gericht erhalten. (Ausnahme: Heiratsschwindler.)
... und das ganze ist nur die Spitze des Eisbergs. Vom Äußeren wird auf das Innere geschlossen - sei es Intelligenz, Leistungsvermögen, Charisma, Charakter, Integrität, und sehr, sehr, sehr viel mehr.

Ist dieser Schluss logisch korrekt? Nein. Er kann stimmen, muss jedoch nicht. Hier kommt das statistische Phänomen ins Spiel, dass es auch fehlende Zusammenhänge gibt - was nicht heißt, dass der Zusammenhang negativ ist. Jemand der äußerlich schön ist, kann intelligent sein. Oder auch nicht. Dennoch wird bei gleicher Leistung die Belohnung (egal ob in der Schule, auf der Arbeit, wo auch immer) besser ausfallen.

Was macht man nun mit so einer Erkenntnis? Auf der einen Seite zeigt sie wieder auf, wie wichtig Vorabrahmensetzungen sind. Darüber funktioniert nämlich der Halo-Effekt. Auf der anderen Seite können wir es auch nutzen. Kennst du den Spruch "sei du selbst!"? Wie wäre es stattdessen mit "sei dein bestes Selbst!"

Um wieder auf die Rahmen zurückzukommen, Ursache vs. Wirkung. Stellt man sich auf die Wirkungsseite, kann man dagegen argumentieren, protestieren, und wird wenig bis nichts verändern. Meiner Erfahrung nach fallen selbst Personen, die sich aktiv gegen Halo-Effekte in bestimmten Lebensbereichen engagieren, auf Halo-Effekten in anderen Lebensbereichen herein. Oder man stellt sich auf die Ursachenseite - und nutzt den Halo-Effekt für sich. Indem man das Bestmögliche aus sich herausholt.

Den Halo-Effekt jetzt bitte nicht auf das Aussehen beschränken. Auch andere Aspekte, die schnell zugänglich sind, lösen jenen aus. Die Stimme. Humor. Körperhaltung. Und eine ganze Menge mehr.

Sonntag, 13. April 2014

Ein paar ausgewählte Rahmen aus dem Werkzeugkasten XII

Heute mal zwei kurze kleine Erweiterungen bereits bekannter Ideen.

Übertreibung

Übertreibungen sind aus mehreren Gründen hilfreich, wenn der Kontext es zulässt (z.B. Selbstwertprobleme eher ja, Traumata eher nicht). Erstens bringen sie das Gegenüber dazu, das Problem zu verkleinern und sich dabei selbst die Grenzen dessen bewusst zu machen. Ich denke, hier muss ich nicht erklären, warum das alleine schon nützlich ist. Zweitens bringen Sie das Gegenüber zum Lachen. Problem und Lachen gleichzeitig zu aktivieren, das ist zumeist neu, und neu ist gut.

Das ganze geht sehr stark in das mit hinein, was ich über Probleme schrieb.


Redefinition

Klassischer Bedeutungsreframe ist "A ist nicht B, A ist C!". Hier käme noch eine kleine Erweiterung hinzu. "A ist nicht B, A ist C und das bedeutet E!"

Schwer zu verstehen? Das ist nicht schwer zu verstehen, das ist nur eine etwas abstrakte Ausdrucksweise für etwas, was dir ganz leicht von der Zunge gehen wird, wenn du es erstmal ausprobierst. (Hier musste ich mich gerade selbst stoppen, weil ich in Richtung Metapher abschweifen wollte. Das ist aber ein Thema für einen anderen Tag.)

Sieht trivial aus. Ist es auch. Hier wird jedoch noch ein zusätzlicher Effekt mitgenommen. Über den ich, wenn ich so nachdenke, auch mal gesondert schreiben sollte. Der hinzugekommene letzte Teil wird, wenn die Bedeutungsrahmenveränderung angenommen wird, quasi "huckepack" mitgenommen und akzeptiert.

Samstag, 12. April 2014

Ein paar ausgewählte Rahmen aus dem Werkzeugkasten XI

Vor einiger Zeit habe ich einmal eine Reihe geschrieben über eine Reihe von Fragen, die jeder psychologisch interessierte Mensch im Hinterkopf haben sollte. Eine davon steht exemplarisch für den heutigen Rahmen. Sie lautete "woher weißt du das?"

Realitätsstrategie
Woher weiß man, dass man ein Problem hat? Woher weiß man, dass es ein Problem ist? Klingt bei offensichtlichen Problemen vom Typ "Axt im Fuß" trivial - und das sind auch Fälle, wo man diesen Rahmen eher nicht versuchen sollte. Was ist aber mit etwaigen wahrgenommenen Mängeln der eigenen Person? Sei es charakterlich, auf Eben der Fähigkeiten, wie auch immer. Ist dir noch nicht klar, was ich meine? Woher ist dir klar, dass dir nicht klar ist, was ich meine? Woran erkennst du, dass du noch nicht verstanden hast, dass es genau darum geht, wie Leute etwas verstehen? Ihr eigenes Modell der Welt, von sich selbst, wie auch immer?

Das lustige Detail ist nämlich: Die Realitätsstrategie hat immer Lücken. Das ist schon rein physisch gar nicht anders möglich - moderne Physik sagt "hi!"
Auf psychologischer Sicht ist es noch viel schlimmer. Kennst du dieses Zitat "ich weiß, dass ich nichts weiß"? Eigentlich ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich. Woher sollte jener Philosoph wissen, dass er nichts weiß - oder woher wusste er, dass er weiß, dass er nichts weiß?

Jetzt geht es arg in den Konstruktivismus, und zu diesem Themenkomplexen habe ich schon viel geschrieben, aber es verdient Wiederholung: Wir setzen das, was wir als Realität erleben, aus Informationsfragmenten und dem Kontext zusammen. Stell dir einmal folgendes Bild vor: Ein Hafen, sagen wir frühes zwanzigstes Jahrhundert, und dort laden Männer Fässer vom Schiff. Wie beurteilst du diese hypothetischen Männer? Völlig egal jetzt. Aber schauen wir mal, wie sich die Beurteilung ändert, wenn wir die Ladung der Fässer ändern: Drogen, Medizin. Verändern wir die Bedeutung der Ladung - liegt das Schiff an einem Hafen an, und läd Rumfässer ab, in dem Alkohol verboten ist - oder in einem, in dem jener ein begehrtes Luxusgut ist? Oder nehmen wir den Mann - hart arbeitender, einfacher Matrose, untergetauchter Verbrecher, Pirat?

Das Spiel kann ewig so weiter gespielt werden. Auch jede einzelne Information. Irgendwo gibt es Lücken. Irgendwann kann auf die Frage "und woher weißt du das?" nicht mehr geantwortet werden. Das ist das Ende des Schildkrötenstapels. Ab da bricht die Realitätsstrategie zusammen, und damit hat man eine Menge Hebelwirkung sowohl für andere Rahmen als auch gegen das eigentliche Problem.

Außer, es handelt sich um die Axt im Fuß.

Freitag, 11. April 2014

Ein paar ausgewählte Rahmen aus dem Werkzeugkasten X

Mit Rahmen und Rahmenumdeutungen ist es so eine Sache. Viele lassen sich quasi in beliebiger Anzahl nutzen. Manche brauchen etwas Vorarbeit (siehe zum Beispiel der Blick hinter die Kulissen). Andere sollten sparsam eingesetzt werden. Heute möchte ich so einen behandeln.

Quellenumdeutung

Beachte, Quellenumdeutung, nicht Quellenvergiftung! Quellenvergiftung ist ein beliebtes Pseudoargument, oft in politischen Debatten, bei welche der Bote statt die Nachricht angegriffen wird. Nach dem Motto "der gehört doch Partei X an, also kann er über die Belange von Y keine Ahnung haben!" oder, um mal direkt Godwin auszulösen, "der hat einen Hund, Hitler hatte einen Hund, also könnten wir direkt mit Hitler diskutieren, wenn wir den für voll nähmen!"
Das geht nicht. Erstens ist es bereits in Diskussionen ein problematisches Mittel, von dem ich bisher nur gesehen habe, wie es missbräuchlich eingesetzt worden ist. Zweitens reagieren Klienten (zurecht) in aller Regel allergisch, wenn man auf die Art und Weise entweder sie selbst, oder eine von ihnen geschätzte Quelle angeht.

Nach diesem doch recht langen Vorwort, was meine ich mit Quellenumdeutung? Hier geht es, ein wenig wie bei Verhalten vs. Intention, andere Interpretationsrichtungen der Quelle aufzuzeigen. Zwei Beispiele:
- Bei einem Klienten sind die Eltern in jungen Jahren verstorben. Der Klient versucht, immer noch die damals von den Eltern vermittelten Verhaltensvorstellungen umzusetzen. Hier könnte die Umdeutung dahin erfolgen, dass ein Verhalten, das für Kinder richtig ist, nicht notwendigerweise für Jugendliche und Erwachsene angemessen ist; und die Eltern dies nicht mehr nachholen konnten. Was hätten die Eltern dem Jugendlichen geraten? Was würden die Eltern heute sagen? (Siehst du, wie dies einen ganz anderen emotionalen Beigeschmack hat, als wie bei einer Quellenvergiftung die Eltern anzugreifen?)
- Ein altgriechischer Philosoph (soweit ich mich recht erinnere, Sokrates) hat argumentativ dargelegt, dass Verbrecher bestraft werden wollen und glücklich sind, wenn sie eingesperrt werden. Das auch sehr eloquent und überzeugend. Nur wollte er damit wirklich seine Zuhörer bzw. Leser überzeugen, oder zum Nachdenken anregen, möglicherweise auch die damaligen Rahmenbedingungen in den Gefängnissen kritisieren?

Man kann diese Idee auch ein wenig weiterspinnen. Quellenumdeutungen sind alle Arten von Bedeutungs- und Kontextrahmenumdeutungen, die sich nicht auf die Person vor einem beziehen, sondern auf die Quellen deren Wissens. Das Beispiel des altgriechischen Philosophen liegt bei Bedeutungsrahmen, das Beispiel mit den verstorbenen Eltern im Kontextbereich. Hilfreich sind Quellenumdeutungen immer dann, wenn das Gegenüber sehr großen Wert auf bestimmte Wissensinhalte legt, und es einen Konflikt auslösen würde, diese direkt anzugehen. Also ist der Hebelpunkt, wo sie herkommen - mit dem Kniff, das dabei weder die Quelle noch die Information selbst belangt werden, sondern deren Interpretation.

Montag, 7. April 2014

Ein paar ausgewählte Rahmen aus dem Werkzeugkasten IX

Der folgende Rahmen ist meiner Erfahrung nach zwar überaus hilfreich, braucht aber Vorbereitung - und das nicht nur, was das eigentliche Problem anbelangt. Er ist ziemlich komplex - knallt man den jemanden ohne vorbereitenden Vorabrahmen an den Kopf, ist die Wahrscheinlichkeit vorhanden, dass er nicht funktioniert. Tatsächlich habe ich deshalb auch überlegt, ob ich den überhaupt vorstelle. Und einen wirklich passenden Namen hat er auch nicht.

Der Blick hinter die Kulissen

Was er ist, erklärt sich am besten damit, wie man ihn vorbereitet. Eine Möglichkeit: Sobald man die nötigen Informationen hat, führt man irgendeinen Zaubertrick vor (z.B. so etwas hier), und lässt das Gegenüber versuchen, diesen zu erklären. Dann löst man den Trick auf. Was die "Magie" verfliegen lässt. Genau das ermöglicht dann die Magie dieses Rahmens.

Er ist dann gut, wenn hinter irgendeinem Problem mentale Konstrukte stehen, welche der Person nicht bewusst sind. Dafür - Stichwort notwendige Informaitonen - muss man natürlich erst einmal jene wissen. Heißt ein wenig Diagnostik vorab ist wichtig. Nun ist es so, dass uns das, was im Kopf vorgeht, ziemlich real erscheint - und damit auch die daraus entstehenden Konsequenzen, zum Beispiel Ängste, dysfunktionales Verhalten, was auch immer. Kann man offenlegen, wie es dazu kommt? Natürlich. Man denke da an meine Reihe zum Rahmenspaß mit destruktiven Emotionen.

Jene alleine offenzulegen kann man machen. Besser aber ist es meiner Erfahrung nach, es als Blick hinter die Kulissen zu verkaufen. Sei es durch einen Zaubertrick. Sei es durch eine Erklärung, wie Filmtricks zustande kommen. Das ganze, bevor man offenlegt, wie es zum Problem des Klienten kommt, und welche mentalen Konstruktionen dahinter stecken. Dadurch werden jene oft ebenso entkräftet, wie die "Magie" des Zaubertricks verfliegt.

Sonntag, 6. April 2014

Motivations- und Lernpsychologie: Die unbequeme Konsequenz

Es gibt eine zentrale Erkenntnis aus der Motivations- und Lernpsychologie, die wirklich, wirklich, wirklich platt ist. So trivial, dass ich sie kaum wage, aufzuschreiben. So naheliegend, dass sie eigentlich jedem bekannt sein dürfte. Und würde sie nicht allzu oft ignoriert, gäbe es diesen Beitrag nicht.

Verhalten, das belohnt wird, wird öfter gezeigt. Verhalten, das bestraft wird, seltener.

Zugegebenermaßen, Menschen sind keine Ratten. Belohnung ist hier schon in einem komplexeren Licht zu sehen. Beispiel aus der A&O-Psychologie: Sehr kleingliedrige Bonussysteme bei kognitiven Aufgaben sorgen dafür, dass die Aufmerksamkeit nicht voll bei der Aufgabe ist und wirken sich daher oft negativ auf die Arbeitsleistung aus. Warum? Hier belohnt man, dass man auf die Bonusziele achtet, wodurch zum Beispiel Aspekte wie Kreativität eingeschränkt werden, und möglicherweise die Bonusziele gar nicht mit den eigentlichen Arbeitszielen korrelieren.

Richtig spaßig wird dies, wenn wir ins Zwischenmenschliche gehen. Egal in welchem Kontext - Kollegen, Freundschaft, Familie. Menschen konditionieren sich gegenseitig durch die Art, wie sie ihr Verhalten belohnen oder verstärken.

Nehmen wir einmal ein harmloses Beispiel. Ein guter Prädiktor (also Faktor, der etwas vorhersagt) für die Zufriedenheit in Partnerschaften ist, wie die Partner auf gute Neuigkeiten des anderen reagieren. Reagieren sie interessiert, positiv, erzählt ihr Partner mehr von positiven Erlebnissen, was die Stimmung hebt. Reagiert man hingegen mit Indifferenz, oder gar mit Gereiztheit, macht das Gegenüber zu, und wird in Zukunft weniger davon erzählen. (Hier kommt ein wenig Emotions- und Kognitionspsychologie ins Spiel. Erzählt man von positiven Erlebnissen, hellt das in aller Regel die eigene Stimmung und die des Gegenübers auf. Erzählt man von negativen, dann geschieht das Gegenteil.)

Nehmen wir ein weniger harmloses Beispiel: Gibt man Leuten nach, die einen Trotzanfall haben, bekommt man es in Zukunft mit mehr Trotzanfällen zu tun. Das ist nun schlecht für einen selbst, aber auch für das Gegenüber - die wenigsten fühlen sich wirklich wohl, wenn sie in so einem Zustand sind.

Ich höre so unglaublich oft, dass sich über bestimmte Verhaltensweisen bzw. Charakterzüge beschwert wird. In nahezu jedem nur vorstellbaren Kontext. Schaue ich dann darauf, was verstärkt wird, überrascht es mich so gar nicht mehr.

Ja, es ist simpel. Ja, es sollte eigentlich jedem schon intuitiv klar sein. Etwas zu verstehen und entsprechend danach zu handeln sind eben zwei Paar Schuhe. Manchmal auch verständlicherweise - nehmen wir wieder den Trotzanfall. Dort nachzugeben belohnt einen kurzfristig selber, da diese unangenehme Situation damit beendet ist (klassische negative Verstärkung). Die Konsequenz wird folgen.

Samstag, 5. April 2014

Wie schnell bin ich gerade eigentlich?

Mal etwas Physik: Ab und an weise ich darauf hin, dass auch in der Physik die Realität in gewisser Weise subjektiv ist. Stichwort die Relativitätstheorien. Wie schnell beispielsweise die Zeit vergeht, hängt davon ab, wie groß die aktuelle Schwerkraft ist und wie schnell man sich bewegt.

Die darauf folgende Frage - ja, wie schnell bewegt man sich denn? Klingt einfach, ist es aber nicht.

Nehmen wir mal ein hypothetisches Beispiel - ich sitze hier gerade still, und du sitzt in Island still. Die Kontinentalplatten unter uns bewegen sich. Nur ein paar Zentimeter pro Jahr, aber sie tun es. Punkt eins. Eine kleine Bewegung.

Nun dreht sich die Erde auch um sich selbst. Hier hängt die Geschwindigkeit davon ab, wo du dich auf ihr befindest. Am Nord- und Südpol ist jene 0 km/h, am Äquator knapp 1700 km/h. Punkt 2.

Zudem dreht sich die Erde auch um die Sonne. Mit etwas mehr als 100 000 km/h. Richtig - selbst während du gerade sitzt und dies liest, rast du mit über 100 000 km/h durch die Welt. Punkt 3. Wir nehmen diese Bewegungen nicht wahr, weil sich alles rund um uns mitbewegt. Ist wie mit anderen in einem Zug ohne Fenster zu sitzen. Da alle anderen und die ganze Umgebung sich bewegt, nehmen wir es nicht wahr. (Wobei es durchaus Anzeichen für jene Bewegungen gibt - Jahreszeiten, Tag- und Nachtzyklen.)

Jetzt wird es lustiger. Auch unsere Milchstraße rotiert. Wir befinden uns in einem Seitenarm ziemlich weit außen. Hier gibt es widersprüchliche Zahlen, wie schnell die Bewegung durch den Weltraum ist.
Ich fand Zahlen zwischen 220 km/s und 280 km/s. Richtig, Kilometer pro Sekunde. 280 km/s entsprechen mehr als einer Million km/h. Punkt 4.

All diese Punkte haben etwas gemein - sie haben irgendeinen Referenzpunkt. Bei #1 ist jener einer der beiden beteiligten Personen. Bei #2 einer, welcher der Umlaufbahn der Erde folgt, aber nicht ihrer Eigenrotation (z.B. der Erdkern). Bei #3 einer, der dem Sonnensystem folgt, aber nicht der Erde (z.B. die Sonne). Bei #4 dasselbe Spiel mit der Milchstraße.

Jetzt gibt es nämlich noch einen fünften Punkt. Auch unsere Galaxis bewegt sich. Problem ist, wir haben keinen Fixpunkt mehr. Auch alle anderen Galaxien bewegen sich. Wir können Geschwindigkeiten relativ zu anderen Galaxien angeben, aber jene unterscheiden sich von Galaxie zu Galaxie. Wir haben hier viele subjektive Geschwindigkeiten.

Und dann, damit es richtig seltsam wird, gäbe es noch einen sechsten Punkt. In der modernen Physik gibt es die Möglichkeit von Paralleluniversen. Inwieweit diese sich zueinander bewegen (oder auch nicht), und falls ja auf was für extraräumlichen Dimensionen, ist völlig unbekannt - sofern es jene Paralleluniversen gibt.

Am Anfang stand die Frage, wie schnell wir uns bewegen. Huzzah?

Donnerstag, 3. April 2014

Altrömischer Buchstabensalat

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RAGSCHREIBENSOVIEDIEALTENROEMERSCHRIEBENVMETVASZVDEMON
STRIERENSPRACHEISTLETZTENDLICHINFORMATIONVNTERSCHIEDLICHE
SPRACHENBIETENVNTERSCHIEDLICHEINFORMATIONENSOVOHLIMGESP
ROCHENENVORTALSAVCHINDERSCHRIFTNVNBEOBACHTEICHINDENLET
ZTENIAHRENVNDIAHRZEHNTENIMMERVIEDERVIEDIESEINFORMATIONEN
REDVZIERTVERDENSOLLENVENNESNACHDERMEINVNGEINIGERINTERES
SENSVERTRETERGEHTVIEDIESERTEXTDEMONSTRIERENSOLLISTDIEINFOR
MATIONSDARBIETVNGGEVACHSENVNDKEINNATVRGESETZVOREINIGENI
AHRHVNDERTENVVRDENVRSOGESCHRIEBENVIEICHGERADESCHREIBEVN
DSIEHEVIEVNVERSTAENDLICHESISTZVEIAKTVELLEBEISPIELEVAERENERS
TENSDIEGEFORDERTESTREICHVNGDESESZETSINDERDEVTSCHENSCHRIFT
SPRACHEVODVRCHESKEINENVNTERSCHIEDMEHRGAEBEZVISCHENDIEM
ASSEVNDDIEMASSEVIEESAKTVELLDIESCHVEIZPRAKTIZIERTZVEITESBEIS
PIELVAEREDIEABSCHAFFVNGDESGESCHLECHTSVONVOERTENVIELEHRER
VNDLEHRERINHINZVGENERISCHENBEZEICHNVNGENVERGLEICHBARMIT
DEMENGLISCHENTEACHERMANNEHMEEINMALHESAIDTOHISTEACHERVH
ATEVERVSERSAGTEZVSEINEMLEHRERVASAVCHIMMERVSERSAGTEZVSEIN
ERLEHRERINVASAVCHIMMERINALLDIESENFAELLENGEHTESVMINFORMAT
IONENMALSOLLIENEAVSBEQVEMLICHKEITABGESCHAFFTVERDENMALAV
SIDEELLENGRVENDENVASICHMICHFRAGEISTOBEININFORMATION
SVERLVSTSINNVOLLISTALLEENTSCHEIDVNGENHABENKONSEQVENZENI
CHBINFROHDASSVNSERESPRACHEHEVTZVTAGEMEHRINFORMATIONENE
NTHAELTALSESINDERANTIKEDERFALLVARSPRACHEISTETVASGEVACHSEN
ESVNDVERSVCHTMANSIEZVBESCHNEIDENKANNSOEINBONSAIVIEDIESE
RTEXTDABEIHERAVSKOMMENALSZVGEGEBENERMASSENBEISPIELEINESK
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