Freitag, 11. April 2014

Ein paar ausgewählte Rahmen aus dem Werkzeugkasten X

Mit Rahmen und Rahmenumdeutungen ist es so eine Sache. Viele lassen sich quasi in beliebiger Anzahl nutzen. Manche brauchen etwas Vorarbeit (siehe zum Beispiel der Blick hinter die Kulissen). Andere sollten sparsam eingesetzt werden. Heute möchte ich so einen behandeln.

Quellenumdeutung

Beachte, Quellenumdeutung, nicht Quellenvergiftung! Quellenvergiftung ist ein beliebtes Pseudoargument, oft in politischen Debatten, bei welche der Bote statt die Nachricht angegriffen wird. Nach dem Motto "der gehört doch Partei X an, also kann er über die Belange von Y keine Ahnung haben!" oder, um mal direkt Godwin auszulösen, "der hat einen Hund, Hitler hatte einen Hund, also könnten wir direkt mit Hitler diskutieren, wenn wir den für voll nähmen!"
Das geht nicht. Erstens ist es bereits in Diskussionen ein problematisches Mittel, von dem ich bisher nur gesehen habe, wie es missbräuchlich eingesetzt worden ist. Zweitens reagieren Klienten (zurecht) in aller Regel allergisch, wenn man auf die Art und Weise entweder sie selbst, oder eine von ihnen geschätzte Quelle angeht.

Nach diesem doch recht langen Vorwort, was meine ich mit Quellenumdeutung? Hier geht es, ein wenig wie bei Verhalten vs. Intention, andere Interpretationsrichtungen der Quelle aufzuzeigen. Zwei Beispiele:
- Bei einem Klienten sind die Eltern in jungen Jahren verstorben. Der Klient versucht, immer noch die damals von den Eltern vermittelten Verhaltensvorstellungen umzusetzen. Hier könnte die Umdeutung dahin erfolgen, dass ein Verhalten, das für Kinder richtig ist, nicht notwendigerweise für Jugendliche und Erwachsene angemessen ist; und die Eltern dies nicht mehr nachholen konnten. Was hätten die Eltern dem Jugendlichen geraten? Was würden die Eltern heute sagen? (Siehst du, wie dies einen ganz anderen emotionalen Beigeschmack hat, als wie bei einer Quellenvergiftung die Eltern anzugreifen?)
- Ein altgriechischer Philosoph (soweit ich mich recht erinnere, Sokrates) hat argumentativ dargelegt, dass Verbrecher bestraft werden wollen und glücklich sind, wenn sie eingesperrt werden. Das auch sehr eloquent und überzeugend. Nur wollte er damit wirklich seine Zuhörer bzw. Leser überzeugen, oder zum Nachdenken anregen, möglicherweise auch die damaligen Rahmenbedingungen in den Gefängnissen kritisieren?

Man kann diese Idee auch ein wenig weiterspinnen. Quellenumdeutungen sind alle Arten von Bedeutungs- und Kontextrahmenumdeutungen, die sich nicht auf die Person vor einem beziehen, sondern auf die Quellen deren Wissens. Das Beispiel des altgriechischen Philosophen liegt bei Bedeutungsrahmen, das Beispiel mit den verstorbenen Eltern im Kontextbereich. Hilfreich sind Quellenumdeutungen immer dann, wenn das Gegenüber sehr großen Wert auf bestimmte Wissensinhalte legt, und es einen Konflikt auslösen würde, diese direkt anzugehen. Also ist der Hebelpunkt, wo sie herkommen - mit dem Kniff, das dabei weder die Quelle noch die Information selbst belangt werden, sondern deren Interpretation.

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