Samstag, 12. April 2014

Ein paar ausgewählte Rahmen aus dem Werkzeugkasten XI

Vor einiger Zeit habe ich einmal eine Reihe geschrieben über eine Reihe von Fragen, die jeder psychologisch interessierte Mensch im Hinterkopf haben sollte. Eine davon steht exemplarisch für den heutigen Rahmen. Sie lautete "woher weißt du das?"

Realitätsstrategie
Woher weiß man, dass man ein Problem hat? Woher weiß man, dass es ein Problem ist? Klingt bei offensichtlichen Problemen vom Typ "Axt im Fuß" trivial - und das sind auch Fälle, wo man diesen Rahmen eher nicht versuchen sollte. Was ist aber mit etwaigen wahrgenommenen Mängeln der eigenen Person? Sei es charakterlich, auf Eben der Fähigkeiten, wie auch immer. Ist dir noch nicht klar, was ich meine? Woher ist dir klar, dass dir nicht klar ist, was ich meine? Woran erkennst du, dass du noch nicht verstanden hast, dass es genau darum geht, wie Leute etwas verstehen? Ihr eigenes Modell der Welt, von sich selbst, wie auch immer?

Das lustige Detail ist nämlich: Die Realitätsstrategie hat immer Lücken. Das ist schon rein physisch gar nicht anders möglich - moderne Physik sagt "hi!"
Auf psychologischer Sicht ist es noch viel schlimmer. Kennst du dieses Zitat "ich weiß, dass ich nichts weiß"? Eigentlich ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich. Woher sollte jener Philosoph wissen, dass er nichts weiß - oder woher wusste er, dass er weiß, dass er nichts weiß?

Jetzt geht es arg in den Konstruktivismus, und zu diesem Themenkomplexen habe ich schon viel geschrieben, aber es verdient Wiederholung: Wir setzen das, was wir als Realität erleben, aus Informationsfragmenten und dem Kontext zusammen. Stell dir einmal folgendes Bild vor: Ein Hafen, sagen wir frühes zwanzigstes Jahrhundert, und dort laden Männer Fässer vom Schiff. Wie beurteilst du diese hypothetischen Männer? Völlig egal jetzt. Aber schauen wir mal, wie sich die Beurteilung ändert, wenn wir die Ladung der Fässer ändern: Drogen, Medizin. Verändern wir die Bedeutung der Ladung - liegt das Schiff an einem Hafen an, und läd Rumfässer ab, in dem Alkohol verboten ist - oder in einem, in dem jener ein begehrtes Luxusgut ist? Oder nehmen wir den Mann - hart arbeitender, einfacher Matrose, untergetauchter Verbrecher, Pirat?

Das Spiel kann ewig so weiter gespielt werden. Auch jede einzelne Information. Irgendwo gibt es Lücken. Irgendwann kann auf die Frage "und woher weißt du das?" nicht mehr geantwortet werden. Das ist das Ende des Schildkrötenstapels. Ab da bricht die Realitätsstrategie zusammen, und damit hat man eine Menge Hebelwirkung sowohl für andere Rahmen als auch gegen das eigentliche Problem.

Außer, es handelt sich um die Axt im Fuß.

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