Sonntag, 6. April 2014

Motivations- und Lernpsychologie: Die unbequeme Konsequenz

Es gibt eine zentrale Erkenntnis aus der Motivations- und Lernpsychologie, die wirklich, wirklich, wirklich platt ist. So trivial, dass ich sie kaum wage, aufzuschreiben. So naheliegend, dass sie eigentlich jedem bekannt sein dürfte. Und würde sie nicht allzu oft ignoriert, gäbe es diesen Beitrag nicht.

Verhalten, das belohnt wird, wird öfter gezeigt. Verhalten, das bestraft wird, seltener.

Zugegebenermaßen, Menschen sind keine Ratten. Belohnung ist hier schon in einem komplexeren Licht zu sehen. Beispiel aus der A&O-Psychologie: Sehr kleingliedrige Bonussysteme bei kognitiven Aufgaben sorgen dafür, dass die Aufmerksamkeit nicht voll bei der Aufgabe ist und wirken sich daher oft negativ auf die Arbeitsleistung aus. Warum? Hier belohnt man, dass man auf die Bonusziele achtet, wodurch zum Beispiel Aspekte wie Kreativität eingeschränkt werden, und möglicherweise die Bonusziele gar nicht mit den eigentlichen Arbeitszielen korrelieren.

Richtig spaßig wird dies, wenn wir ins Zwischenmenschliche gehen. Egal in welchem Kontext - Kollegen, Freundschaft, Familie. Menschen konditionieren sich gegenseitig durch die Art, wie sie ihr Verhalten belohnen oder verstärken.

Nehmen wir einmal ein harmloses Beispiel. Ein guter Prädiktor (also Faktor, der etwas vorhersagt) für die Zufriedenheit in Partnerschaften ist, wie die Partner auf gute Neuigkeiten des anderen reagieren. Reagieren sie interessiert, positiv, erzählt ihr Partner mehr von positiven Erlebnissen, was die Stimmung hebt. Reagiert man hingegen mit Indifferenz, oder gar mit Gereiztheit, macht das Gegenüber zu, und wird in Zukunft weniger davon erzählen. (Hier kommt ein wenig Emotions- und Kognitionspsychologie ins Spiel. Erzählt man von positiven Erlebnissen, hellt das in aller Regel die eigene Stimmung und die des Gegenübers auf. Erzählt man von negativen, dann geschieht das Gegenteil.)

Nehmen wir ein weniger harmloses Beispiel: Gibt man Leuten nach, die einen Trotzanfall haben, bekommt man es in Zukunft mit mehr Trotzanfällen zu tun. Das ist nun schlecht für einen selbst, aber auch für das Gegenüber - die wenigsten fühlen sich wirklich wohl, wenn sie in so einem Zustand sind.

Ich höre so unglaublich oft, dass sich über bestimmte Verhaltensweisen bzw. Charakterzüge beschwert wird. In nahezu jedem nur vorstellbaren Kontext. Schaue ich dann darauf, was verstärkt wird, überrascht es mich so gar nicht mehr.

Ja, es ist simpel. Ja, es sollte eigentlich jedem schon intuitiv klar sein. Etwas zu verstehen und entsprechend danach zu handeln sind eben zwei Paar Schuhe. Manchmal auch verständlicherweise - nehmen wir wieder den Trotzanfall. Dort nachzugeben belohnt einen kurzfristig selber, da diese unangenehme Situation damit beendet ist (klassische negative Verstärkung). Die Konsequenz wird folgen.

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