Dienstag, 15. April 2014

Nicht mehr ganz frisch aus der sozialpsychologischen Hexenküche: Der Halo-Effekt

Eine Vorwarnung ist angebracht - jetzt wird es furchtbar politisch inkorrekt. Es geht um den Halo-Effekt. Der wird eigentlich der Sozialpsychologie zugerechnet, beruht aber auf allgemeinpsychologischen Prinzipien. Hier wird von einer Charaktereigenschaft auf weitere generalisiert. Bezeichnet, dass beobachtbare Eigenheiten einer Person wie ein Heiligenschein wirken.

Etwas verständlicher formuliert: Einer Person, die eine positive Charaktereigenschaft hat, werden weitere positive Charaktereigenschaften zugeschrieben.

Nehmen wir einmal als Kriterium "Schönheit". In Studien fand man unter anderem, dass als schön wahrgenommene Menschen...
- in der Schule für die gleiche Leistung bessere Noten erhalten.
- bei gleicher Arbeit mehr verdienen.
- bei gleichen Straftaten geringere Strafen vor Gericht erhalten. (Ausnahme: Heiratsschwindler.)
... und das ganze ist nur die Spitze des Eisbergs. Vom Äußeren wird auf das Innere geschlossen - sei es Intelligenz, Leistungsvermögen, Charisma, Charakter, Integrität, und sehr, sehr, sehr viel mehr.

Ist dieser Schluss logisch korrekt? Nein. Er kann stimmen, muss jedoch nicht. Hier kommt das statistische Phänomen ins Spiel, dass es auch fehlende Zusammenhänge gibt - was nicht heißt, dass der Zusammenhang negativ ist. Jemand der äußerlich schön ist, kann intelligent sein. Oder auch nicht. Dennoch wird bei gleicher Leistung die Belohnung (egal ob in der Schule, auf der Arbeit, wo auch immer) besser ausfallen.

Was macht man nun mit so einer Erkenntnis? Auf der einen Seite zeigt sie wieder auf, wie wichtig Vorabrahmensetzungen sind. Darüber funktioniert nämlich der Halo-Effekt. Auf der anderen Seite können wir es auch nutzen. Kennst du den Spruch "sei du selbst!"? Wie wäre es stattdessen mit "sei dein bestes Selbst!"

Um wieder auf die Rahmen zurückzukommen, Ursache vs. Wirkung. Stellt man sich auf die Wirkungsseite, kann man dagegen argumentieren, protestieren, und wird wenig bis nichts verändern. Meiner Erfahrung nach fallen selbst Personen, die sich aktiv gegen Halo-Effekte in bestimmten Lebensbereichen engagieren, auf Halo-Effekten in anderen Lebensbereichen herein. Oder man stellt sich auf die Ursachenseite - und nutzt den Halo-Effekt für sich. Indem man das Bestmögliche aus sich herausholt.

Den Halo-Effekt jetzt bitte nicht auf das Aussehen beschränken. Auch andere Aspekte, die schnell zugänglich sind, lösen jenen aus. Die Stimme. Humor. Körperhaltung. Und eine ganze Menge mehr.

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