Mittwoch, 21. Mai 2014

[_] Ja | [_] Nein | [x] Spin

Sagen wir, du redest mir jemanden über etwas, und ihr habt da eine unterschiedliche Meinung. Was nun?

Am häufigsten, was ich so sehe, passiert folgendes: Entweder jemand stimmt um des Friedens willen zu. Oder es wird dem widersprochen. Dann fliegen mehr oder weniger logische Argumente umher (Pseudologik ist hier eine große Hilfe), und am Ende stimmt irgendwer zu - und sei es nur dazu, dass man nicht einer Meinung ist. Wirklich überzeugt wird dabei jedoch selten jemand. Warum?

Geht man einen dieser Pfade, verstärkt man entweder die mentalen Wände des Gegenübers (wenn man zustimmt), oder man bewirft jene mit Farbe (wenn man widerspricht und argumentiert). Beides sind keine sonderlich aussichtsreichen Positionen, um jemanden bei einem Problem zu helfen. Gerade im psychologischen Bereich sind die Schwierigkeiten oftmals nicht rationaler Natur, es geht nicht darum so etwas wie eine optimale Steuererklärung abzugeben. Die Wände des anderen zu bestätigen, oder sie direkt anzugreifen, erscheint mir beides nicht als sonderlich gute Strategie.

Was kann man denn noch machen? Mal drei weitere Ideen. Zwei sollten bereits bekannt sein:

1. Realitätsstrategie: "Interessant! Einfach damit ich das verstehe, wie kamst du zu der Erkenntnis?", heißt darüber diskutieren, wie das hinter den Mauern überhaupt zustande kam.

2. Übertreibung: Das zwingt dein Gegenüber dazu, seine Position selbst zusammenzustauchen. Zack, Hebelwirkung!

3. Kleine Zustimmungsumkehr ("Minor Agreement Reversal"): Hier wird dem Gegenüber ein Strohmann untergeschoben. Du stimmst ihm zu, verknüpfst diese Zustimmung aber nicht an den eigentlichen Punkt, sondern an einen ganz anderen. Es ist wie ein "Aber"-Satz, aus dem man das "aber" gestrichen hat.

Mal als Beispiel. Nehmen wir hier eine Idee, die hoffentlich keine ideologischen Verwerfungen aufwirft: "Alle Tomaten sollen blau sein!"

- Realitätsstrategie: "Hm, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Wieso bevorzugst du blaue Tomaten?"

- Übertreibung: "Genau. Wenn ich darüber nachdenke, Blau ist so eine schöne Farbe, alles sollten blau sein. Die Erde sollte aussehen wie der Himmel. Nur ohne Wolken. Komm, schnapp dir eine Dose Farbe und lass uns die Wiese da anmalen!"

- Kleine Zustimmungsumkehr: "Du hast recht, es gibt so viele Möglichkeiten Obst zu betrachten jenseits ihrer Farbe!"

Sonntag, 18. Mai 2014

Über Diätprodukte

Stellen wir uns folgendes Experiment vor: In einem beliebigen Kontext (z.B. in einem Großraumbüro, bei einer Kunstausstellung, bei einer Tagung) werden Snacks bereitgestellt. In Gruppe A sind jene nicht weiter beschildert. In Gruppe B werden sie als "fettreduziert", "kalorienreduziert", oder wie auch immer in Richtung Diätprodukte gerichtet bezeichnet.

Was passiert? Wie viel essen die Teilnehmer?

Hier zeigt sich das große psychologische Problem solcher Produkte - im Schnitt fand man in den allermeisten solcher Studien, dass die Teilnehmer im Falle von Diätprodukten doppelt soviel essen. Das macht zwar aus ernährungsphysiologischer Sicht überhaupt keinen Sinn, aus psychologischer schon - das Mehressen als Belohnung, und "da kann man sich ja mehr gönnen"; nicht einmal bewusst, sondern durch den Rahmen, den diese Produkte um sich ziehen.

Das geht nach hinten los. Dies allein erklärt schon den widersprüchlichen Befund, dass Konsumenten von Diätprodukten ihre Kalorienanzahl in aller Regel nicht reduzieren, teilweise sogar erhöhen. Da muss man erst gar nicht in die Richtung gehen, dass manche Süßstoffe als Appetitanreger in der Tiermast verwendet werden (inwieweit dies auf Menschen übertragbar ist, kann ich als Nichtmediziner nicht sagen).

Kalorienreduzierte Produkte können einen positiven Einfluss haben, aber nur, wenn man zugleich die Quantität nicht erhöht. Teil- bzw. unbewusst geschieht dies jedoch in vielen Fällen. In einigen der oben beschriebenen Experimenten wurden jeweils dieselben Produkte in beiden Gruppen verwendet, heißt dort lag es nicht an den eigentlichen Produktunterschieden.

Hier spielt sicher auch das Buzzwort "light" mit herein. Ich habe letztens mal im Supermarkt drauf geachtet - die meisten "light"-Produkte hatten zwischen 15% und 25% weniger Kalorien. Die meisten Leute denken aber, wenn sie "light" hören, an mehr als 50% weniger.

Dann gibt es da zudem noch ein aus meiner Sicht richtiges Ärgernis: Produkte, die mit "fettreduziert" bzw. "fettfrei" werben, aber in denen die Fette schlicht mit einfachen Kohlehydraten ersetzt wurden, und zwar teilweise im Verhältnis 1:3, hieße da ein Gramm Fett weniger, drei Gramm Zucker mehr. Drei Gramm Zucker haben mehr Kalorien und sind schlechter für den Metabolismus als ein Gramm Fett - hier haben wir also trotz des scheinbaren Rahmens als Diätprodukt das Gegenteil eines Diätprodukts.

Samstag, 17. Mai 2014

Weil

Heute mal nur ein ganz kurzer Beitrag, weil ich es eilig habe: Menschen lieben Begründungen. Selbst wenn diese Begründungen. Reagieren viel besser, wenn sie jene erhalten.

Selbst wenn jene absolut sinnbefreit sind.

Klassisches Experiment: Leute warten in einer Schlange. Fragt jemand "darf ich vorbei?" ist das nicht sehr erfolgreich. Fragt derjenige hingegen "darf ich vorbei, weil ich es eilig habe?" oder "darf ich vorbei, da ich das bezahlen muss?" oder ähnliches, lehnen es in den meisten Studien weniger als 10% der Leute in der Schlange ab.

Cool.

(Fairerweise sollte ich ergänzen, dass hier Körpersprache mit hereinspielt. Ich kann mir vorstellen, dass das Experiment anders ausgegangen wäre, wenn die Probanden unsicher oder nervös gewirkt hätten. Das ist jedoch nur meine Vermutung.)

Freitag, 16. Mai 2014

Wie unfair!

Stellen wir uns folgende Situation vor (welche übrigens, auch wenn ich sie etwas abstrakt beschreibe, real ist - ich beobachte tatsächlich regelmäßig ein solches Dilemma): Eine Reihe von Personen kann zwischen zehn verschiedenen Preisen wählen. Es gibt hier keine Nieten, kein per se besser oder schlechter, sondern allein Fragen der persönlichen Präferenz. Entsprechend können die Personen auch Präferenzlisten bilden - welchen Preis sie am liebsten hätten, welchen am zweitliebsten, und schließlich welchen am drittliebsten.

Nun sind die Preise in der Quantität begrenzt. Es sind genug Preise für alle da, aber nicht jeder kann seinen Lieblingspreis erhalten. Sagen wir, es gibt jeweils fünf Stücke von jedem Preis, bei zehn Kategorien wären das fünfzig Preise, denen stehen fünfzig Personen gegenüber.

Wie nun die Preise verteilen? Hier begeben wir uns in die Untiefen der Verteilungsfairness, bzw. Testfairness.

Es gibt viele Möglichkeiten - die folgende Liste ist nicht erschöpfend!

Möglichkeit #1: Es werden zuerst die Erstpräferenzen zugeteilt pro Preis. In einem zweiten Schritt werden dann von den übrig gebliebenen Preisen entsprechend die Zweitpräferenzen zugeteilt, bis auch diese erschöpft sind. Schließlich dasselbe mit den Drittpräferenzen. Was dann noch übrig bleibt, wird per Zufall verteilt.
Vorteil: Eine hohe Quote an Erstpräferenzen werden erfüllt.
Nachteil: Hier kann es sehr schnell passieren, dass Personen überhaupt keine ihrer Präferenzen bekommen, sollte ihre Erstpräferenz nicht geklappt haben.

Möglichkeit #2: Es werden den Personen nacheinander ihre Preise zugeteilt. Ist deren Erstpräferenz bereits aufgebraucht, bekommen sie die Zweitpräferenz. Ist jene schon fort, die Drittpräferenz. Ist jene schon fort, eine Zufallszuteilung.
Vorteil: Es erhalten mehr Personen überhaupt etwas von ihrer Präferenzliste.
Nachteil: Es erhalten viel weniger Personen ihre Erstpräferenz. Weiterhin werden Preise durch die Zufallszuteilung vergeben, die sich andere mehr gewünscht hätten.

Möglichkeit #3: Die Preise werden komplett zufällig zugelost, die Präferenzen werden ignoriert.
Vorteil: Hier hat jeder die gleiche Chance auf jeden Preis, was bei unglücklichen Präferenzlisten oder späterer Platzierung in der Bearbeitungsliste in den ersten beiden Möglichkeiten nicht der Fall ist.
Nachteil: Kaum wer bekommt einen Preis, den derjenige wirklich will.

Möglichkeit #4: Die Preise werden versteigert. (Das ist nicht nur auf Geld bezogen, sondern auch an so etwas wie Engagement o.ä., genauso fielen alle Formen von Bestechlichkeit hier herein.)
Vorteil: Man erhält Ressourcen und die Preise gehen an denjenigen, der am meisten dafür bereit ist zu geben.
Nachteil: Aus dem Preis wird eine Ware, und die Ressourcen der Personen kommen ins Spiel.

Möglichkeit #5: Man führt Gewichtungen der Präferenzen ein, abhängig von externen Kriterien, wie sehr jemand den Preis verdient bzw. braucht.
Vorteil: Man kann hier förderbedürftige Personen einen Vorteil verschaffen.
Nachteil: Man benachteiligt alle anderen. Unklarheit, wie valide die Gewichtungen sind.

Und viele mehr.

In dem Fall, den ich beobachtete, wurde sich übrigens für Möglichkeit #1 entschieden. Nur, das ist der Punkt, alle Möglichkeiten sind auf ihre eigenen Arten und Weisen fair, und ebenso auf ihre eigenen Arten und Weisen unfair.

Das Beispiel ist harmlos, weil letztendlich jeder einen Preis bekommt. An anderer Stelle ist es ein riesiges Problem. Ich habe einmal gehört, wie jemand es als sehr bezeichnend bezeichnete, dass es in der deutschen Sprache kein Wort für 'fair' gäbe*. Was aber, wenn es so etwas wie 'Fairness' gar nicht gibt? Was, wenn es sinnvoller wäre, auf die Konsequenzen der Entscheidungen zu schauen? Die werden ohnehin von manchen als fair, von anderen als unfair wahrgenommen.

* = Am nähesten käme meiner Einschätzung noch 'gerecht', was jedoch anders konnotiert war bzw. ist.

Donnerstag, 15. Mai 2014

Der Gipfel der Täuschung

Stell dir vor, ich erzähle dir, ich bin schon mit Haien geschwommen. Was für Tiere kommen dir in den Sinn?

Da dap da dap da dap.

Ich rate jetzt einfach mal. Vielleicht sogar so etwas wie ein weißer Hai. Vermutlich zumindest die "typischen" großen Meeresräuber, typische Haie eben - Makos, Tigerhaie, und was sonst noch so die Meere unsicher macht.

Vermutlich kamen dir aber keine Katzenhaie in den Sinn - possierliche, harmlose Tierchen im Handschuhformat. (Dennoch nicht gegen den Strich streicheln.)

Sprechen wir also über die "Apex Fallacy". Die lässt sich schlecht übersetzten - "Gipfeltäuschung" wäre sehr wörtlich. Im Grunde ist es eine einfache Sache: Bei der Apex Fallacy wird vom Topvertreter (bzw. den Topvertretern) einer Kategorie auf die gesamte Kategorie geschlossen. Anderes, diesmal historisches, Beispiel wäre "Ritter" - Burgen und co waren die Ausnahme, nicht die Regel.

Bei der Apex Fallacy spielen zwei logische Fehlschlüsse mit herein. Einerseits die so genannte Verfügbarkeitsheuristik - die Topvertreter sind meist viel bekannter als der Rest, ergo kommen die zuerst in den Sinn. Andererseits wird von einigen Vertretern auf die gesamte Kategorie generalisiert, was auch wiederum nicht geht. Nur weil ein Lottospieler eine Million gewonnen hat, heißt das nicht, dass alle Lottospieler eine Million gewonnen haben.

Die Apex Fallacy finde ich aus mehreren Gründen beachtenswert. Erstens sorgt sie öfter mal im Bereich der klinischen Psychologie für Probleme, auf verschiedene Arten und Weisen. Nehmen wir spezifische Phobien - Vertreter bestimmter Tiere können gefährlich sein, heißt aber nicht, dass alle es sind. Dennoch wird dies oft als Rationalisierung für die Phobie aufrechterhalten. Immerhin will einen jeder Dackel da draußen zerfleischen, hm? Dann in Bezug auf das Selbstbild, wenn man sich mit Personen vergleicht, die völlig andere Ressourcen zur Hand haben. Oder bei Angststörungen, wenn vom schlimmstmöglichen Fall ausgegangen wird.
Zweitens auch gesellschaftlich. Egal bei welcher Ideologie, am prominentesten sind oft die eher extremeren Mitglieder. Das kann zum Problem werden. Oder auch sehr aufschlussreich. Wie wird das Verhältnis zu den radikaleren Mitgliedern nach außen dargestellt und bewertet? Wie stehen die Leute selbst dazu?
Drittens, daran anschließend, wird es ganz interessant, wenn Ideologien die Apex Fallacy sogar selbst nutzen. Vielleicht fällt dir dazu ein Beispiel ein. Allein in der jüngeren Geschichte gab es da doch eine Menge.

Dienstag, 13. Mai 2014

Realitäten - Anwendungsbeispiel

Vor geraumer Zeit habe ich eine Reihe über verschiedene Realitäten verfasst. Sinn dessen waren keine Paralleluniversen oder ähnliche Konstruktionen, sondern die unterschiedlichen Quellen zu benennen, aus denen wir unsere wahrgenommene Realität zusammensetzen. Einerseits natürlich die physikalische Realität um uns herum. Dazu jedoch andererseits die rein subjektiven Ebenen unseres Geistes - Verstand/Bewusstsein, Emotion, Unterbewusstsein, das ganze dann noch beeinflusst von der Orientierung in der Zeit und von der Aufmerksamkeit.

Betrachten wir nun einmal ein Anwendungsbeispiel. Da kürzlich so etwas wie ein "Welt-Anti-Diät-Tag" war, nehme ich entsprechend einmal Adipositas. Ich möchte dies relativ kurz halten. Überall ist "z.B." zuzufügen. Kann für die jeweilige Person so sein, kann auch ganz anders sein. Interessant ist, all diese Ebenen zu betrachten, weil auf allen Ebenen erfolgreich interveniert werden kann. Man könnte jetzt sagen, "alle Wege führen nach Rom", und in gewisser Weise stimmt das auch. Nur passt dieses Sprichwort nicht - je mehr Ebenen man mitnimmt, desto höher sind die Erfolgsaussichten.

In dem Sinne beispielhaft Adipositas betrachtet!


  • -Aufmerksamkeit: Was wird überhaupt gegessen? Oft eines der Hauptprobleme. Betroffene denken, sie würden sich normal ernähren, blenden dabei jedoch weit jenseits von 50% der Nahrungsaufnahme aus.
  • Physische: Persönliche (Stoffwechsel, Aktivität), soziokulturelle (Kaloriendichte der Nahrung, Umfeld), und sonstige (z.B. Geschirrgröße, Sichtbarkeit) Faktoren, welche das Gewicht beeinflussen (und auf die möglicherweise nicht [richtig] reagiert wurde). 
  • Intellektuelle: Unkenntnisse über gesunde Ernährung, Fehlinformationen (Süßstoffe, wie gesund manche Nahrungsmittel sind), Rationalisierungen. 
  • Emotionale: Essen als Copingmechanismus für negative Stimmung. Stress. Sekundärnutzen.
  • Symbolische: Selbstbild der Person, Verantwortungslokation, Wert des Essens für die Person. Vorstellungen über „richtiges“ Essen (Teller immer leer essen, nichts verschwenden).
  • Zeitkomponente:
    •  Primär gegenwartsorientiert. 
    • Zukunftsorientierung kann kognitive Dissonanz auslösen. Dysfunktionale Copingstrategien sind oft die Folge. 
    • Vergangenheitsorientierung kann emotionalen Zündstoff (negative Stimmung) liefern, ebenso Rechtfertigung („bisher ist es doch auch gutgegangen“).
Wie erwähnt sind dies nur Beispiele. Wichtig ist auch zu beachten, dass jene miteinander heftigst interagieren. Zum Beispiel setzen Süßigkeiten als Copingmechanismus erst einmal voraus, dass jene irgendwo in der Umwelt zu finden sind - und inwieweit sich dies negativ auf die Figur auswirkt, hängt vom Stoffwechsel und der gezeigten Aktivität ab. Genauso die Rationalisierungen, ich hörte schon Sachen wie "ich habe einen Herzfehler, kann daher keinen Sport treiben", was erstens kein Hindernis für eine gesunde Ernährung ist, und zweitens fantastischerweise (siehe Zukunftsorientierung) eher ein guter Grund sein sollte, lieber vorgestern als heute etwas für die Gesundheit zu tun.

Mit einer der Gründe, warum mir die Idee des "Anti-Diät-Tages" schwer im Magen liegt. Richtig ist, Diäten im klassischen Sinn sind eine schlechte Idee. Wenn, dann verändert man seine Ernährung dauerhaft und gestaltet sie gesünder. Das bringt dann auch langfristige Erfolge. Ein, zwei Wochen lang zu hungern oder sich sehr einseitig zu ernähren führt schnell in den Jo-Jo-Effekt. Kommt natürlich auch darauf an, was unter "Hungern" verstanden wird. Ich habe Leute erlebt, die vertilg(t)en pro Tag mehr als fünfzehntausend Kalorien - tut mir leid, wenn man da nicht täglich einen Marathon in der Antarktis läuft, wird man so einen Lebensstil nicht ohne schwere gesundheitliche Folgen aufrecht erhalten können.

Und genau da liegt mein Hauptproblem. Bei Adipositas und co sprechen wir nicht von fünf Kilo zu viel. Sondern von teilweise fünfzig, hundert, zweihundertfünfzig Kilo zu viel. Das sind keine Größen mehr, die sich in irgendeiner Weise als "gesund" verkaufen lassen. Diäten sind da keine Lösung - eine gesunde Lebensweise aber ist es!

Montag, 12. Mai 2014

Positiv + Negativ = ?

Stellen wir uns folgende Situation vor: Ganz nach dem operanten Konditionieren wird ein beliebiges Verhalten verstärkt. Aber, um einen Twist hereinzubringen, gleichzeitig auch bestraft. Was passiert?

Laut dem operanten Konditionieren sollte Verhalten, was verstärkt wird, öfter gezeigt werden. Verhalten, das bestraft wird, seltener.

Gleiches gilt für die Beliebtheit von Situationen. Verstärkung, man mag die Situation mehr. Bestrafung, man mag sie weniger.

Aber was passiert nun, wenn beides zugleich auftritt? Verstärkung und Bestrafung?

Hier kommt es zu einem Konflikt im appetitiven und aversivem Motivationssystem. Hin zu Belohnungen, oder weg von Schmerzen? Das hängt von der Person ab. Je nachdem, wie stark die Systeme jeweils sind. Meiner Erfahrung nach - und aus evolutionärpsychologischer Sicht ergibt das extrem viel Sinn - ist bei den allermeisten Menschen das aversive stärker ausgeprägt. Einfach weil es in unserer Vergangenheit für unser Überleben viel wichtiger war, Gefahren zu überstehen, als einen Vorteil mitzunehmen. Zivilisation ist eine ziemlich neue Angelegenheit.

Ich lese immer wieder, dass allein damit etwas als neutral wahrgenommen wird, ungefähr zehnmal mehr verstärkt als bestraft werden sollte. Dem würde ich mich so direkt nicht anschließen. Je nachdem kann auch ein Verhältnis von 5 zu 1 sein, oder 20 zu 1. Oder noch ganz anders.

Worauf ich aber hinaus möchte: Wenn man eine Situation, Verhalten, wie auch immer, etwa gleichmäßig positiv wie negativ bedacht wird, unterm Strich von der jeweiligen Person stark negativ wahrgenommen wird. Die Frage dabei ist lediglich, wie negativ.

Mir ist das kürzlich selbst widerfahren. Eine Sache, der ich per se neutral gegenüber stand - circa gleich stark negative und positive Erlebnisse gehabt, und nu stehe ich der ablehnend gegenüber. Obwohl ich rein rational weiß, dass es eigentlich völlig unerheblich ist. Nur meine Einstellung diesbezüglich steht nun. Konditionieren - funktioniert sogar am Verstand vorbei. Steinzeit.

Sonntag, 11. Mai 2014

Konstruktivismus IV

Vor langer, langer Zeit habe ich bereits eine dreiteilige Reihe über den Konstruktivismus geschrieben (1, 2, 3), welcher einige physikalische und psychologische Grundlagen behandelt. Dann habe ich vor einiger Zeit über verschiedene Realitäten geschrieben.

Beim Konstruktivismus ist die Frage, wie gemäßigt bzw. radikal man ihn auffasst. Gleiches gilt auch für ein nicht-konstruktivistisches Weltbild. Zentral sind zwei Positionen:
- Die physikalische Realität.
- Die Gleichheit von gedanklichen Prozessen.

Je radikaler man konstruktivistische Ideen auffasst, desto mehr wird die physikalische Realität infrage gestellt. Nehmen wir sie so wahr, wie sie ist? Nehmen wir sie teilweise beschränkt und verzerrt wahr? Falls ja, wie beschränkt und verzerrt? Können wir sie überhaupt wahrnehmen? Falls wir sie nicht wahrnehmen können, gibt es sie überhaupt?

Letzteres klingt wie ein abgehobenes Gedankenspiel. Denkt man jedoch an die Quantenmechanik, dann haben wir genau jene Situation dort. Nicht grundlos hat einer der Pioniere der Quantenmechanik gesagt, wer jene glaubt hat zu verstanden, und nicht völlig abgestoßen davon sei, habe sie nicht verstanden. Das ist jetzt nur die physikalische Ebene. Aus psychologischer Sicht halte ich sie zwar für faszinierend, jedoch für nebensächlich.

Interessanter finde ich einerseits, wie unsere Sinne arbeiten. Andererseits, was unser Verstand dann mit den wahrgenommenen Informationen macht. Wie wir "unsere" Welt zusammenbauen. Insofern bin ich kein radikaler Konstruktivist, weil ich von der Existenz einer "realen" physikalischen Welt überzeugt bin - es gibt (wie in der oberen Reihe dargelegt) jedoch in der Psychologie eine ganze Reihe von Hinweisen, dass jene unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert wird.

Womit wir beim zweiten Punkt wären. Ein komplett nichtkonstruktivistischen Weltbild kann man nur aufrecht erhalten, wenn man Menschen ihre Individualität abspricht. Ich kenne keinen Psychologen, der das tut. Die Unterschiede liegen meist darin, für wie wichtig die physikalische Realität gehalten wird. Wer zum Beispiel viel mit Traumata arbeitet, der bewertet jene meist höher als jemand, der viel mit Angststörungen arbeitet. Bei Traumata hat man ein reales Erlebnis, wobei auch dort eine große Rolle spielt, wie derjenige damit umgeht. Bei Angststörungen ohne phobisches Element hingegen fehlt oft ein auslösendes physikalisches Ereignis.

Stellt man die Frage, was spricht gegen den Konstruktivismus, so muss man erst einmal Konstruktivismus definieren. Den radikalen, welcher die Existenz einer physikalischen Realität anzweifelt, dagegen lässt sich eine Menge anführen - egal wie beschränkt unsere Sinne arbeiten, so erzeugen sie doch in aller Regel sehr ähnliche Sinneseindrücke. Das lässt darauf schließen, dass das, was immer sie wahrnehmen, doch konsistent ist.
Etwas ganz anderes ist, wenn man versucht, die generelle Subjektivität unserer Wahrnehmungen zu kritisieren. In dem Fall muss man Menschen nicht nur ihre Individualität nehmen, sondern auch die allermeisten physikalischen Erkenntnisse der letzten hundert Jahre über den Haufen werfen, Stichwort allein Relativitätstheorie.

Klingt für mich nach einem Kampf gegen Windmühlen. Womit wir ein klassisches Beispiel aus der Literatur haben.

Samstag, 10. Mai 2014

Unsere "Brillen" und Interpretationen

Ich mag Zaubertricks. Finde ich faszinierend. Für mich sind viele ein wunderbares praktisches Beispiel für Wahrnehmungspsychologie und Spiele mit der Aufmerksamkeit des Publikums. Mit einem anderen Hintergrund würde man jene vielleicht anders sehen - zum Beispiel aus technischer Sicht, wie bestimmte Hilfsmittel (und sei es nur so ein Stereotyp wie ein Kasten zum "Zerschneiden" der Assistentin) funktionieren. Andere wird vielleicht der Show-Charakter und dessen gesellschaftliche oder historische Bedeutung interessieren. Wieder andere sich möglicherweise gar darüber beschweren und gesellschaftliche Schlüsse daraus ziehen, dass zu allermeist Assistentinnen scheinbar zersägt werden.

Folgendes nehme ich mir immer vor bei verschiedenen Veranstaltungen zu sagen, vergesse es dann aber doch: Wir lernen bei jedem Erlebnis. Und wir betrachten jedes Ereignis durch unsere ganz eigene Brille. Jene vergrößert in gewisser Weise bestimmte Informationen, zum Beispiel bin ich bei Zaubertricks sehr gut darin, Spiele mit der Aufmerksamkeit zu erkennen. Genauso blenden wir bestimmte Informationen aus, weil jene nicht unserem Welt- bzw. Wissensbild entsprechen. Wenn zum Beispiel ein Mechaniker auf einen Flugzeugmotor schaut, wird jener viel mehr über dessen Zustand sagen können als ich es könnte.

Unsere ganz eigene Sichtweisen halte ich für einen großen Vorteil. Er erlaubt uns, neue Erkenntnisse überall zu finden. Ebenso mit unseren Kenntnissen und Fähigkeiten neue Perspektiven bei Problemen einzubringen.

Was es dazu nur braucht ist eines, nämlich Toleranz. Toleranz für die Brillen des anderen. Toleranz der Beschränkung des eigenen Blickwinkels gegenüber. Glaubt man, in Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, dann... ist die Brille wie mit dem Schädel verschweißt, und wenn sie dann mal nicht passen sollte, oder die Stärke nicht mehr stimmt, könnte das Ergebnis interessant werden.

Freitag, 9. Mai 2014

Spaß mit Pseudologik

Bei manchen Beiträgen weiß ich nicht, ob sie funktionieren. Da denke ich zum Beispiel an die einfache Frage. Bei diesem Beitrag fürchte ich, dass er funktioniert. Vielleicht kennst du noch aus Schulzeiten, im Kollegenkreis, oder in der Familie jemanden, der immer ganz logisch und sachlich argumentiert - und auf dem am Ende niemand hört.

Zu Schulzeiten kannte ich einige solcher Schüler. Gerade jene, die oft als Streber bezeichnet wurden, fielen darunter. Meine Noten ließen sich auch mehr als sehen - aber ich war anders. Warum? Pseudologik.

Pseudologik ist jede Form von Argumenten, die rein logisch nicht schlüssig sind. Aber, und das ist das wichtige, im entsprechenden Kontext so scheinen. Tatsächlich bringt Pseudologik teils so viele Vorabannahmen mit, dass man schon gewinnt, selbst wenn das eigentliche Argument mehr oder weniger erfolgreich angegriffen wird (hallo Vorabrahmensetzung, schön Sie wiederzusehen!). Pseudologik lässt sich nicht mit Logik besiegen, zumindest nicht in den allermeisten zwischenmenschlichen Interaktionen.

Mal ein paar Beispiele:

- Unmöglichkeit des Beweises der Nichtexistenz: Ausnutzen, dass sich die Nichtexistenz von etwas nicht beweisen lässt - dies kann als Argument für die Existenz verwendet werden. Und damit wir uns richtig verstehen, weil es faktisch unmöglich ist, die Nichtexistenz zu beweisen, kann dies zur Begründung von jeder noch so verrückten Idee dienen. Oder beweise mir einmal, dass auf deinen Schnürsenkeln keine unsichtbaren mikroskopisch kleinen Einhörner leben!

- "Die Ausnahme bestätigt die Regel": Hier handelt es sich um eine Art zeithistorischen Übersetzungsfehler. Dieses Sprichwort in der heutigen Sprache hieße "Das Fehlen der Ausnahme bestätigt die Regel", oder hast du schon mal einen Bleistift zur Decke fallen sehen? Dennoch lässt sich mit diesem Manöver die verrücktesten Theorien verteidigen. Wie, jemand hat einen Schnürsenkel komplett durchleutet und keine Spuren von unsichtbaren Miniatureinhörnern gefunden? Der Schnürsenkel war nur eine Ausnahme!

- Statistiken und Studien: Wie mehrfach in anderen Beiträgen mehr oder weniger dargelegt lässt sich durch ausreichend schlechte Studien und durch ausreichende Statistikfriesierung alles "belegen". Aus dem Grund sind "peer review"-Verfahren in der Wissenschaft so wichtig. Nicht, weil sie perfekt sind. Auch da geht manchmal Ramsch durch. Nur ohne sie wären wir garantiert bei den unsichtbaren Miniatur-Schnürsenkel-Einhörnern.

- Schicksalsglaube: Von der Unwahrscheinlichkeit eines Ereignisses darauf schließen lassen, dass es eine besondere Wichtigkeit oder Bedeutung hat. Der Trick hier ist einfach, dass auch jedes andere Ereignis gleich unwahrscheinlich ist. Als Lottozahlen wären 3 14 19 31 37 41 nicht wahrscheinlicher als 1 2 3 4 5 6, aber letzteres scheint viel unwahrscheinlicher zu sein. Und warum? Weil die unsichtbaren Miniaturschnürsenkeleinhörner keine solchen Zahlenfolgen mögen und die Kugeln durcheinander würfeln, damit sie nicht kommen!

- Historische Perspektive: Darauf hinweisen, dass etwas schon lange bekannt ist. Traditionen, althergebrachtes Wissen. Warum das problematisch ist, sollte allein schon beim Blick in die Medizin klar sein. Im Zweifelsfall Aderlass gegen alles!

- Wissenschaftssprech: Ungewöhnliche Wörter zu Benutzen überrumpelt das Gegenüber. Es weiß nicht, wovon gesprochen wird. Theoretisch könnte ich jetzt darüber schwadronieren, dass man damit intelligenter wirkt und das Gegenüber weniger schlau, weil es entweder nichts sagen kann, oder nachfragen muss. Nur meine Erfahrung ist, dass das eher auf einen selbst zurück fällt. Unverständlich dem Publikum gegenüber zu sprechen geht nicht gut aus. Ich nutze das wenn dann nur als Falle, z.B. wenn es jemand damit versucht, übertreibe ich es in Erwiderung, nur um dann selbst darzulegen, was für "leere Worthülsen verwendet worden sind, um etwas unnötig zu verschleiern".

- Unterstützungen: Wer noch eine Idee unterstützt. Man denke hier allein mal an Werbung, die sich auf bestimmte (mehr oder weniger sinnvolle) Autoritäten zur Produktanpreisung beruft. Problem ist, erstens ist in der Situation nicht nachvollziehbar, ob diese Unterstützung wirklich besteht, zweitens ob jene, selbst wenn sie besteht, korrekt ist.

- Synchronizität: Hier wird eine Korrelation und teilweise auch eine Kausalität impliziert, die gar nicht gegeben sein muss. Nur weil zwei Sachen zusammen aufgetreten sind, müssen jene nicht in einem realen Zusammenhang stehen. Suggeriert man dies jedoch, glauben es sehr viele Leute.

- Zielverschiebung: Jemand strebt X an. Man definiert X um. Oder den Kontext. Das geflügelte Wort von der goldenen Mitte zieht nicht, wenn man die Eckpunkte, zwischen denen die Mitte liegt, entsprechend frisiert.

- Roter Hering: In einer Diskussion um Thema X bringt man das emotional sehr aufwühlende Thema Y ein. Die Diskussion dreht sich fortan um Y. Schmeckt besonders gut zum Strohmann.

- Strohmann: Statt den eigentlichen Knackpunkt zu behandeln, baut man einen leicht(er) angreifbaren Strohmann auf und greift diesen an.

Gerade die letzten drei fallen sehr schnell auf, wenn man sie plump inszeniert. Was durchaus auch ein Vorteil sein kann, wenn das jemand verwendet, gegen den man argumentiert. Nur als Warnung.

Warum aber handelt es sich um "Pseudologik"? Logik wäre von zwei sicheren Informationen eine dritte abzuleiten. Beispiel: Alle Menschen sind sterblich. Sokrates ist ein Mensch. Schlussfolgerung Sokrates ist sterblich.
Bei Pseudologik wird nun mindestens eine der sicheren Informationen durch eine unsichere ersetzt. Nehmen wir als Beispiel Statistik. Studie A sagt alle Menschen sind X. Sokrates ist ein Mensch. Schlussfolgerung Sokrates ist X. Das Studienergebnis kann nun wahr sein, es kann aber auch falsch sein. Das weiß man nicht sicher. Folglich: Pseudologik und die Schlussfolgerung ist nicht logisch gültig.

Ist das schlimm? Auftritt Konstruktivismus! Wenn wir nur mal in einer sehr milden Form davon ausgehen, dass unsere Realität zu einem gewissen Grad subjektiv ist, dann gibt es keine objektiv sicheren Informationen. Weshalb sich dann mit Logik aufhalten?

Montag, 5. Mai 2014

Geschichtenerzählung II: Grundstruktur

Rückblickend betrachtet hätte ich vielleicht damit anfangen sollen. Kommen wir zur Frage, was eine Geschichte eigentlich zu einer Geschichte macht. Völlig unabhängig vom Kontext oder Genre. Es sind drei Elemente, wobei eins von denen nur angedeutet werden braucht.

Erstens: Eine Routine. Dies ist ein Element, das angedeutet werden kann. So verläuft es, wenn alles normal verläuft. Klassischer Anfang. Erzählt man nur von der Routine, ist es erstens langweilig, zweitens wird es nicht als Geschichte wahrgenommen.

Zweitens: Brechung der Routine. Hier geschieht etwas. Unerwartet, unbekannt, wie auch immer. Die Routine, der Alltag, kann nicht mehr aufrecht erhalten werden. Die Brechung der Routine kann alle möglichen und unmöglichen Formen annehmen. Sie kann von außen kommen (klassisch in sämtlichen Geschichten, die auf der archetypischen "Reise des Helden" beruht), sie kann von innen kommen. Völlig egal. Sie ist das Element, das Spannung herein bringt.

Drittens: Veränderung. Es wird nicht einfach nach dem Bruch der Routine zur Routine zurückgegangen. Auch das würde dafür sorgen, dass die Erzählung nicht als Geschichte wahrgenommen wird ("ich fuhr die Straße entlang, und plötzlich sah ich einen Löwen an der Seite! Jedenfalls fuhr ich dann weiter..."). Nein. Mit der Brechung der Routine wird irgendwie umgegangen, und das sorgt für eine Veränderung - des Protagonisten, anderen Personen, der Umwelt, wie auch immer.

Aus psychologischer Sicht ist interessant, dass gerade letzter Aspekt als eine Art Kausalverknüpfung extrem gut im Gedächtnis bleibt. Einfaches Experiment - einer Gruppe trägt man irgendeinen Zusammenhang in Form von Statistiken und Daten vor, einer weiteren Gruppe in Form einer Anekdote, einer weiteren Gruppe in Form von Daten und Anekdote. Die Erinnerung der beiden Gruppen mit Anekdote werden etwa gleich sein, der nur mit Daten hingegen weit dahinter.

Letzteres ist auch ein Indiz dafür, weshalb Einzelfälle so gern generalisiert werden. Verfügbarkeitsheuristik - die bleiben im Gedächtnis, hingegen bleiben die Zahlen, die zeigen, dass dies ein Einzelfall ist, weitaus weniger gut erhalten (und ihnen fehlen Aspekte wie eine emotionale Komponente und co).

Wenn du die recht einfache Grundstruktur (Routine -> Brechung der Routine -> Veränderung) im Hinterkopf behältst, kannst du aus quasi jedem Erlebnis eine Geschichte zusammenbauen. Probiere es aus! Gerade auch mit Erlebnissen, die sonst andere eher langweilig finden. Sei es zum Beispiel, du hast irgendein Naturdenkmal besucht - statt es einfach nur als Erlebnis zu beschreiben, erzähle ein wenig von der Routine davor, wie es auf dich gewirkt hat als Brechung der Routine, und schließlich irgendeine (und sei es auch noch so kleine) Veränderung, die sich daraus ergibt. Schon dadurch wird etwas, was sonst als sehr trockener Vortrag hätte enden können, viel lebendiger.

Samstag, 3. Mai 2014

Emser Statistik

Mal eine Begebenheit aus dem Geschichtsunterricht: Da gab es einen Vorfall Namens "Emser Depesche", bei der ein Telegramm so zusammengekürzt wurde, dass aus einer normalen Begebenheit ein Kriegsgrund wurde.

Auch Statistiken lassen sich fröhlich zusammenkürzen. Sagen wir, du untersuchst, was schlimmer ist: X (setze beliebiges gesundheitssschädliches Laster ein), oder in einem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land zu leben. Sehr wahrscheinlich wird dein Ergebnis lauten, dass der Bürgerkrieg schlimmer ist.

Jetzt streiche einfach das Detail mit der Referenzgruppe des Bürgerkriegslandes heraus, und du hast eine Top-Studie, die besagt, dass das angeblich gesundheitsschädliche Laster X in Wirklichkeit gesund ist!

Das ganze geht auch anders herum. Man vergleiche einfach mal in einem Kriegseinsatz die Soldaten mit der Gesamtbevölkerung - da es bei den Soldaten keine aus gesundheitlichen Gründen oder altersbedingt kampfunfähige Menschen geben wird, wird auch da das Ergebnis stark verzerrt.

Ich gebe es zu. Mit einer der ersten Änderungen, die sich bei mir vor langer Zeit durch das Studium der Psychologie einstellte, war, dass ich sehr, sehr misstrauisch gegenüber Statistiken wurde. Diese und viele weitere Tricks sah ich viel öfter, als mir lieb war.