Samstag, 3. Mai 2014

Emser Statistik

Mal eine Begebenheit aus dem Geschichtsunterricht: Da gab es einen Vorfall Namens "Emser Depesche", bei der ein Telegramm so zusammengekürzt wurde, dass aus einer normalen Begebenheit ein Kriegsgrund wurde.

Auch Statistiken lassen sich fröhlich zusammenkürzen. Sagen wir, du untersuchst, was schlimmer ist: X (setze beliebiges gesundheitssschädliches Laster ein), oder in einem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land zu leben. Sehr wahrscheinlich wird dein Ergebnis lauten, dass der Bürgerkrieg schlimmer ist.

Jetzt streiche einfach das Detail mit der Referenzgruppe des Bürgerkriegslandes heraus, und du hast eine Top-Studie, die besagt, dass das angeblich gesundheitsschädliche Laster X in Wirklichkeit gesund ist!

Das ganze geht auch anders herum. Man vergleiche einfach mal in einem Kriegseinsatz die Soldaten mit der Gesamtbevölkerung - da es bei den Soldaten keine aus gesundheitlichen Gründen oder altersbedingt kampfunfähige Menschen geben wird, wird auch da das Ergebnis stark verzerrt.

Ich gebe es zu. Mit einer der ersten Änderungen, die sich bei mir vor langer Zeit durch das Studium der Psychologie einstellte, war, dass ich sehr, sehr misstrauisch gegenüber Statistiken wurde. Diese und viele weitere Tricks sah ich viel öfter, als mir lieb war.

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