Montag, 12. Mai 2014

Positiv + Negativ = ?

Stellen wir uns folgende Situation vor: Ganz nach dem operanten Konditionieren wird ein beliebiges Verhalten verstärkt. Aber, um einen Twist hereinzubringen, gleichzeitig auch bestraft. Was passiert?

Laut dem operanten Konditionieren sollte Verhalten, was verstärkt wird, öfter gezeigt werden. Verhalten, das bestraft wird, seltener.

Gleiches gilt für die Beliebtheit von Situationen. Verstärkung, man mag die Situation mehr. Bestrafung, man mag sie weniger.

Aber was passiert nun, wenn beides zugleich auftritt? Verstärkung und Bestrafung?

Hier kommt es zu einem Konflikt im appetitiven und aversivem Motivationssystem. Hin zu Belohnungen, oder weg von Schmerzen? Das hängt von der Person ab. Je nachdem, wie stark die Systeme jeweils sind. Meiner Erfahrung nach - und aus evolutionärpsychologischer Sicht ergibt das extrem viel Sinn - ist bei den allermeisten Menschen das aversive stärker ausgeprägt. Einfach weil es in unserer Vergangenheit für unser Überleben viel wichtiger war, Gefahren zu überstehen, als einen Vorteil mitzunehmen. Zivilisation ist eine ziemlich neue Angelegenheit.

Ich lese immer wieder, dass allein damit etwas als neutral wahrgenommen wird, ungefähr zehnmal mehr verstärkt als bestraft werden sollte. Dem würde ich mich so direkt nicht anschließen. Je nachdem kann auch ein Verhältnis von 5 zu 1 sein, oder 20 zu 1. Oder noch ganz anders.

Worauf ich aber hinaus möchte: Wenn man eine Situation, Verhalten, wie auch immer, etwa gleichmäßig positiv wie negativ bedacht wird, unterm Strich von der jeweiligen Person stark negativ wahrgenommen wird. Die Frage dabei ist lediglich, wie negativ.

Mir ist das kürzlich selbst widerfahren. Eine Sache, der ich per se neutral gegenüber stand - circa gleich stark negative und positive Erlebnisse gehabt, und nu stehe ich der ablehnend gegenüber. Obwohl ich rein rational weiß, dass es eigentlich völlig unerheblich ist. Nur meine Einstellung diesbezüglich steht nun. Konditionieren - funktioniert sogar am Verstand vorbei. Steinzeit.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen