Dienstag, 13. Mai 2014

Realitäten - Anwendungsbeispiel

Vor geraumer Zeit habe ich eine Reihe über verschiedene Realitäten verfasst. Sinn dessen waren keine Paralleluniversen oder ähnliche Konstruktionen, sondern die unterschiedlichen Quellen zu benennen, aus denen wir unsere wahrgenommene Realität zusammensetzen. Einerseits natürlich die physikalische Realität um uns herum. Dazu jedoch andererseits die rein subjektiven Ebenen unseres Geistes - Verstand/Bewusstsein, Emotion, Unterbewusstsein, das ganze dann noch beeinflusst von der Orientierung in der Zeit und von der Aufmerksamkeit.

Betrachten wir nun einmal ein Anwendungsbeispiel. Da kürzlich so etwas wie ein "Welt-Anti-Diät-Tag" war, nehme ich entsprechend einmal Adipositas. Ich möchte dies relativ kurz halten. Überall ist "z.B." zuzufügen. Kann für die jeweilige Person so sein, kann auch ganz anders sein. Interessant ist, all diese Ebenen zu betrachten, weil auf allen Ebenen erfolgreich interveniert werden kann. Man könnte jetzt sagen, "alle Wege führen nach Rom", und in gewisser Weise stimmt das auch. Nur passt dieses Sprichwort nicht - je mehr Ebenen man mitnimmt, desto höher sind die Erfolgsaussichten.

In dem Sinne beispielhaft Adipositas betrachtet!


  • -Aufmerksamkeit: Was wird überhaupt gegessen? Oft eines der Hauptprobleme. Betroffene denken, sie würden sich normal ernähren, blenden dabei jedoch weit jenseits von 50% der Nahrungsaufnahme aus.
  • Physische: Persönliche (Stoffwechsel, Aktivität), soziokulturelle (Kaloriendichte der Nahrung, Umfeld), und sonstige (z.B. Geschirrgröße, Sichtbarkeit) Faktoren, welche das Gewicht beeinflussen (und auf die möglicherweise nicht [richtig] reagiert wurde). 
  • Intellektuelle: Unkenntnisse über gesunde Ernährung, Fehlinformationen (Süßstoffe, wie gesund manche Nahrungsmittel sind), Rationalisierungen. 
  • Emotionale: Essen als Copingmechanismus für negative Stimmung. Stress. Sekundärnutzen.
  • Symbolische: Selbstbild der Person, Verantwortungslokation, Wert des Essens für die Person. Vorstellungen über „richtiges“ Essen (Teller immer leer essen, nichts verschwenden).
  • Zeitkomponente:
    •  Primär gegenwartsorientiert. 
    • Zukunftsorientierung kann kognitive Dissonanz auslösen. Dysfunktionale Copingstrategien sind oft die Folge. 
    • Vergangenheitsorientierung kann emotionalen Zündstoff (negative Stimmung) liefern, ebenso Rechtfertigung („bisher ist es doch auch gutgegangen“).
Wie erwähnt sind dies nur Beispiele. Wichtig ist auch zu beachten, dass jene miteinander heftigst interagieren. Zum Beispiel setzen Süßigkeiten als Copingmechanismus erst einmal voraus, dass jene irgendwo in der Umwelt zu finden sind - und inwieweit sich dies negativ auf die Figur auswirkt, hängt vom Stoffwechsel und der gezeigten Aktivität ab. Genauso die Rationalisierungen, ich hörte schon Sachen wie "ich habe einen Herzfehler, kann daher keinen Sport treiben", was erstens kein Hindernis für eine gesunde Ernährung ist, und zweitens fantastischerweise (siehe Zukunftsorientierung) eher ein guter Grund sein sollte, lieber vorgestern als heute etwas für die Gesundheit zu tun.

Mit einer der Gründe, warum mir die Idee des "Anti-Diät-Tages" schwer im Magen liegt. Richtig ist, Diäten im klassischen Sinn sind eine schlechte Idee. Wenn, dann verändert man seine Ernährung dauerhaft und gestaltet sie gesünder. Das bringt dann auch langfristige Erfolge. Ein, zwei Wochen lang zu hungern oder sich sehr einseitig zu ernähren führt schnell in den Jo-Jo-Effekt. Kommt natürlich auch darauf an, was unter "Hungern" verstanden wird. Ich habe Leute erlebt, die vertilg(t)en pro Tag mehr als fünfzehntausend Kalorien - tut mir leid, wenn man da nicht täglich einen Marathon in der Antarktis läuft, wird man so einen Lebensstil nicht ohne schwere gesundheitliche Folgen aufrecht erhalten können.

Und genau da liegt mein Hauptproblem. Bei Adipositas und co sprechen wir nicht von fünf Kilo zu viel. Sondern von teilweise fünfzig, hundert, zweihundertfünfzig Kilo zu viel. Das sind keine Größen mehr, die sich in irgendeiner Weise als "gesund" verkaufen lassen. Diäten sind da keine Lösung - eine gesunde Lebensweise aber ist es!

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