Sonntag, 18. Mai 2014

Über Diätprodukte

Stellen wir uns folgendes Experiment vor: In einem beliebigen Kontext (z.B. in einem Großraumbüro, bei einer Kunstausstellung, bei einer Tagung) werden Snacks bereitgestellt. In Gruppe A sind jene nicht weiter beschildert. In Gruppe B werden sie als "fettreduziert", "kalorienreduziert", oder wie auch immer in Richtung Diätprodukte gerichtet bezeichnet.

Was passiert? Wie viel essen die Teilnehmer?

Hier zeigt sich das große psychologische Problem solcher Produkte - im Schnitt fand man in den allermeisten solcher Studien, dass die Teilnehmer im Falle von Diätprodukten doppelt soviel essen. Das macht zwar aus ernährungsphysiologischer Sicht überhaupt keinen Sinn, aus psychologischer schon - das Mehressen als Belohnung, und "da kann man sich ja mehr gönnen"; nicht einmal bewusst, sondern durch den Rahmen, den diese Produkte um sich ziehen.

Das geht nach hinten los. Dies allein erklärt schon den widersprüchlichen Befund, dass Konsumenten von Diätprodukten ihre Kalorienanzahl in aller Regel nicht reduzieren, teilweise sogar erhöhen. Da muss man erst gar nicht in die Richtung gehen, dass manche Süßstoffe als Appetitanreger in der Tiermast verwendet werden (inwieweit dies auf Menschen übertragbar ist, kann ich als Nichtmediziner nicht sagen).

Kalorienreduzierte Produkte können einen positiven Einfluss haben, aber nur, wenn man zugleich die Quantität nicht erhöht. Teil- bzw. unbewusst geschieht dies jedoch in vielen Fällen. In einigen der oben beschriebenen Experimenten wurden jeweils dieselben Produkte in beiden Gruppen verwendet, heißt dort lag es nicht an den eigentlichen Produktunterschieden.

Hier spielt sicher auch das Buzzwort "light" mit herein. Ich habe letztens mal im Supermarkt drauf geachtet - die meisten "light"-Produkte hatten zwischen 15% und 25% weniger Kalorien. Die meisten Leute denken aber, wenn sie "light" hören, an mehr als 50% weniger.

Dann gibt es da zudem noch ein aus meiner Sicht richtiges Ärgernis: Produkte, die mit "fettreduziert" bzw. "fettfrei" werben, aber in denen die Fette schlicht mit einfachen Kohlehydraten ersetzt wurden, und zwar teilweise im Verhältnis 1:3, hieße da ein Gramm Fett weniger, drei Gramm Zucker mehr. Drei Gramm Zucker haben mehr Kalorien und sind schlechter für den Metabolismus als ein Gramm Fett - hier haben wir also trotz des scheinbaren Rahmens als Diätprodukt das Gegenteil eines Diätprodukts.

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