Freitag, 9. Mai 2014

Spaß mit Pseudologik

Bei manchen Beiträgen weiß ich nicht, ob sie funktionieren. Da denke ich zum Beispiel an die einfache Frage. Bei diesem Beitrag fürchte ich, dass er funktioniert. Vielleicht kennst du noch aus Schulzeiten, im Kollegenkreis, oder in der Familie jemanden, der immer ganz logisch und sachlich argumentiert - und auf dem am Ende niemand hört.

Zu Schulzeiten kannte ich einige solcher Schüler. Gerade jene, die oft als Streber bezeichnet wurden, fielen darunter. Meine Noten ließen sich auch mehr als sehen - aber ich war anders. Warum? Pseudologik.

Pseudologik ist jede Form von Argumenten, die rein logisch nicht schlüssig sind. Aber, und das ist das wichtige, im entsprechenden Kontext so scheinen. Tatsächlich bringt Pseudologik teils so viele Vorabannahmen mit, dass man schon gewinnt, selbst wenn das eigentliche Argument mehr oder weniger erfolgreich angegriffen wird (hallo Vorabrahmensetzung, schön Sie wiederzusehen!). Pseudologik lässt sich nicht mit Logik besiegen, zumindest nicht in den allermeisten zwischenmenschlichen Interaktionen.

Mal ein paar Beispiele:

- Unmöglichkeit des Beweises der Nichtexistenz: Ausnutzen, dass sich die Nichtexistenz von etwas nicht beweisen lässt - dies kann als Argument für die Existenz verwendet werden. Und damit wir uns richtig verstehen, weil es faktisch unmöglich ist, die Nichtexistenz zu beweisen, kann dies zur Begründung von jeder noch so verrückten Idee dienen. Oder beweise mir einmal, dass auf deinen Schnürsenkeln keine unsichtbaren mikroskopisch kleinen Einhörner leben!

- "Die Ausnahme bestätigt die Regel": Hier handelt es sich um eine Art zeithistorischen Übersetzungsfehler. Dieses Sprichwort in der heutigen Sprache hieße "Das Fehlen der Ausnahme bestätigt die Regel", oder hast du schon mal einen Bleistift zur Decke fallen sehen? Dennoch lässt sich mit diesem Manöver die verrücktesten Theorien verteidigen. Wie, jemand hat einen Schnürsenkel komplett durchleutet und keine Spuren von unsichtbaren Miniatureinhörnern gefunden? Der Schnürsenkel war nur eine Ausnahme!

- Statistiken und Studien: Wie mehrfach in anderen Beiträgen mehr oder weniger dargelegt lässt sich durch ausreichend schlechte Studien und durch ausreichende Statistikfriesierung alles "belegen". Aus dem Grund sind "peer review"-Verfahren in der Wissenschaft so wichtig. Nicht, weil sie perfekt sind. Auch da geht manchmal Ramsch durch. Nur ohne sie wären wir garantiert bei den unsichtbaren Miniatur-Schnürsenkel-Einhörnern.

- Schicksalsglaube: Von der Unwahrscheinlichkeit eines Ereignisses darauf schließen lassen, dass es eine besondere Wichtigkeit oder Bedeutung hat. Der Trick hier ist einfach, dass auch jedes andere Ereignis gleich unwahrscheinlich ist. Als Lottozahlen wären 3 14 19 31 37 41 nicht wahrscheinlicher als 1 2 3 4 5 6, aber letzteres scheint viel unwahrscheinlicher zu sein. Und warum? Weil die unsichtbaren Miniaturschnürsenkeleinhörner keine solchen Zahlenfolgen mögen und die Kugeln durcheinander würfeln, damit sie nicht kommen!

- Historische Perspektive: Darauf hinweisen, dass etwas schon lange bekannt ist. Traditionen, althergebrachtes Wissen. Warum das problematisch ist, sollte allein schon beim Blick in die Medizin klar sein. Im Zweifelsfall Aderlass gegen alles!

- Wissenschaftssprech: Ungewöhnliche Wörter zu Benutzen überrumpelt das Gegenüber. Es weiß nicht, wovon gesprochen wird. Theoretisch könnte ich jetzt darüber schwadronieren, dass man damit intelligenter wirkt und das Gegenüber weniger schlau, weil es entweder nichts sagen kann, oder nachfragen muss. Nur meine Erfahrung ist, dass das eher auf einen selbst zurück fällt. Unverständlich dem Publikum gegenüber zu sprechen geht nicht gut aus. Ich nutze das wenn dann nur als Falle, z.B. wenn es jemand damit versucht, übertreibe ich es in Erwiderung, nur um dann selbst darzulegen, was für "leere Worthülsen verwendet worden sind, um etwas unnötig zu verschleiern".

- Unterstützungen: Wer noch eine Idee unterstützt. Man denke hier allein mal an Werbung, die sich auf bestimmte (mehr oder weniger sinnvolle) Autoritäten zur Produktanpreisung beruft. Problem ist, erstens ist in der Situation nicht nachvollziehbar, ob diese Unterstützung wirklich besteht, zweitens ob jene, selbst wenn sie besteht, korrekt ist.

- Synchronizität: Hier wird eine Korrelation und teilweise auch eine Kausalität impliziert, die gar nicht gegeben sein muss. Nur weil zwei Sachen zusammen aufgetreten sind, müssen jene nicht in einem realen Zusammenhang stehen. Suggeriert man dies jedoch, glauben es sehr viele Leute.

- Zielverschiebung: Jemand strebt X an. Man definiert X um. Oder den Kontext. Das geflügelte Wort von der goldenen Mitte zieht nicht, wenn man die Eckpunkte, zwischen denen die Mitte liegt, entsprechend frisiert.

- Roter Hering: In einer Diskussion um Thema X bringt man das emotional sehr aufwühlende Thema Y ein. Die Diskussion dreht sich fortan um Y. Schmeckt besonders gut zum Strohmann.

- Strohmann: Statt den eigentlichen Knackpunkt zu behandeln, baut man einen leicht(er) angreifbaren Strohmann auf und greift diesen an.

Gerade die letzten drei fallen sehr schnell auf, wenn man sie plump inszeniert. Was durchaus auch ein Vorteil sein kann, wenn das jemand verwendet, gegen den man argumentiert. Nur als Warnung.

Warum aber handelt es sich um "Pseudologik"? Logik wäre von zwei sicheren Informationen eine dritte abzuleiten. Beispiel: Alle Menschen sind sterblich. Sokrates ist ein Mensch. Schlussfolgerung Sokrates ist sterblich.
Bei Pseudologik wird nun mindestens eine der sicheren Informationen durch eine unsichere ersetzt. Nehmen wir als Beispiel Statistik. Studie A sagt alle Menschen sind X. Sokrates ist ein Mensch. Schlussfolgerung Sokrates ist X. Das Studienergebnis kann nun wahr sein, es kann aber auch falsch sein. Das weiß man nicht sicher. Folglich: Pseudologik und die Schlussfolgerung ist nicht logisch gültig.

Ist das schlimm? Auftritt Konstruktivismus! Wenn wir nur mal in einer sehr milden Form davon ausgehen, dass unsere Realität zu einem gewissen Grad subjektiv ist, dann gibt es keine objektiv sicheren Informationen. Weshalb sich dann mit Logik aufhalten?

1 Kommentar:

  1. Salut. In vielen Beiträgen erwähnst du den Konstruktivismus (K). "K hier, K dort" Ich würde gern mehr davon lesen. Was spricht dafür, was dagegen und vor allem: Inwiefern kann diese konstruktivistische Sicht mit der allgemeinen Psychologie untermauert werden, wenn man bedenkt, dass dein beruflicher Fachkollege, den du mal erwähntest, ein ganz anderes, non-kontruktivistisches Weltbild hat. LG Reader

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