Sonntag, 29. Juni 2014

Projektion II

Anknüpfend an Teil 1: Lässt sich Projektion nutzen? Selbstverständlich!

Ein Anwendungsbereich wurde bereits genannt, Diagnostik. Wie eine Person Ereignisse interpretiert sagt sehr viel über die Person aus. Ebenso, was eine Person in fiktionalen Werken einbringt. Eine Übung, die ich auf Seminaren beim Thema Motivation gern einbringe, ist, Serien diesbezüglich mal abzuklopfen. Darin finden sich entweder sehr konsistente Muster, das tritt auf, wenn größtenteils nur eine kleine Anzahl an Drehbuchschreiber beschäftigt sind, oder die Drehbuchschreiber sich gut miteinander austauschen. Oder die Protagonisten und das ganze Setting wirkt sehr inkonsistent, weil jeder Autor die Charakter- und Weltvorgaben anhand seiner inneren Blaupause interpretiert. Im ersteren Fall kann man gut Rückschlüsse auf die Autoren ziehen - zumindest bezüglich auf das, was jene für interessant bzw. unterhaltend finden. Im zweiteren Fall sieht man die Unterschiede durch die Inkonsistenzen.

Dann gibt es da noch eine ganze Reihe teils nützlicher, teils auch hochgradig problematischer Folgen von Projektionen. Sprechen wir also einmal über den Rosenthaleffekt (oder auch "Ein weiterer Klassiker der Psychologie, den man heute durch keine Ethikkommission mehr bekommt.")

In der Studie von Rosenthal und Kollegen füllten Schüler am Anfang des Schuljahrs einen Leistungstest aus. Niemand erfuhr deren wahres Ergebnis. Den Lehrern wurde ein falsches Ergebnis mitgeteilt. Am Ende des Schuljahrs füllten die Schüler wieder den Leistungstest aus - ihr Ergebnis entsprach ganz überwiegend nicht mehr ihrem ursprünglichen Test, sondern dem falschen Wert, der den Lehrern mitgeteilt worden war. Die Lehrer hatten ihr (falsches) Wissen über die Schüler auf jene projiziert, und die Schüler hatten dies internalisiert.

Inzwischen gibt es auch eine ganze Reihe von Erkenntnissen dazu, worauf dieser Rosenthaleffekt funktioniert. Grundsätzlich läuft es (wieder einmal) auf Rahmensetzung hinaus. Nehmen wir einmal einen Schüler, der eine "3" geschrieben. Wie reagiert der Lehrer? Positiv überrascht? Negativ überrascht? Enttäuscht? Traurig? Wütend? Neutral? All das sind Hinweise, auf die der Schüler schon ganz unbewusst (Priming!) Rückschlüsse darauf zieht, für wie schlau ihn der Lehrer hält. Im Falle der Rosenthalstudie beruhte die Einschätzung des Lehrers jedoch auf vorsätzlich falschem Wissen. Vorab schlechte Schüler verbesserten sich so. Vorab gute Schüler verschlechterten sich. Ersteres ist gut. Letzteres böse.

Umgekehrt, man denke mal an die Grundannahme der klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie. Ich meine, es war Rogers selbst, der einmal sagte, wenn man Klienten so behandelt, als seien sie großartige Menschen mit Ressourcen zur Lösung all ihrer Probleme, dann entdecken sie jene Seite in sich früher oder später. Auch in anderen Disziplinen wird ein ähnliches Menschenbild betont. Heißt, wir können unsere Projektionen auch positiv nutzen. Wie sie zum Beispiel beim Experiment von Rosenthal und Kollegen im Falle der ursprünglich schlechteren Schüler eine positive Wirkung hatten. Nur findet sich hier auch eine Warnung - wenn wir (bestimmten) Menschen von vornherein negativ gegenüber eingestellt sind, dann besteht die sehr reale Gefahr, dass sie unsere Erwartungen erfüllen.

Samstag, 28. Juni 2014

Projektion I

Wenn ich gefragt werde, welches Phänomen aus den früheren Tagen der Psychologie heutzutage weniger beachtet wird, als es beachtet werden sollte, so lautet meine Antwort gemeinhin "Projektion". Dabei stammt die Grundidee dahinter gar nicht direkt aus der Psychologie - man findet sie in der Antike bei manchen Philosophen, im neuen Testament (Splitter und Balken im Auge), zu Zeiten der Renaissance, und schließlich auch bei Freud. Freud beschrieb Projektion als Abwehrmechanismus - unerwünschte eigene Tendenzen und Impulse werden anderen zugeschrieben.

Später fand sich gerade in der Motivationspsychologie, dass man durch direkte Fragen kaum an die Motive der Personen heran kam. Das Ergebnis waren überwiegend sozial erwünschte beziehungsweise selbstwertdienliche Aussagen. Ließ man die Leute jedoch mehrdeutige Bilder beschreiben bzw. Geschichten dazu erzählen, brachten sie dort ihre Motivationsstrukturen herein - sie projizierten.

Ebenso fand man in der Kognitionspsychologie systematische Denkverzerrungen. Wir sind der Meinung, dass viel mehr Menschen unsere Weltsicht haben, als wir sicher wissen bzw. es der Fall ist. Das gleiche Phänomen findet sich auch in der Sozialpsychologie, wo man fand, dass Personen von sich selbst aus auf andere Mitglieder ihrer Bezugsgruppe generalisierten.

Wenn wir mal darauf zurückgehen, wie Menschen ihre Realität konstruieren, werden all diese und noch viele weitere Phänomene verständlich. Das, was wir als Realität erleben, ist die Gesamtheit unserer Umwelt und unseres Innenlebens - Gedanken, Gefühle, Wissen und vieles mehr. Alles, was außerhalb der Außenwelt liegt, also in uns selbst, färbt unsere Erklärung der Realität ein. Und zwar immer im Einklang zu unserer inneren Wirklichkeit, die dann auf die äußere Wirklichkeit angewendet wird.

Sonntag, 22. Juni 2014

Rationalisierungen

Vorweg, ich spreche hier nicht über die ökonomischen Vorgänge, sondern über die psychologischen. Die ökonomischen Vorgänge haben mit den psychologischen inhaltlich gar nichts zu tun. In der Ökonomie geht es um die Optimierung von Betriebsabläufen, sei es durch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen oder durch Ersetzung von Arbeitskräften.

Nun, in gewisser Weise gibt es da doch eine Ähnlichkeit zur Psychologie. Dort dienen Rationalisierungen zur Verbesserung des kognitiven Selbst- und Weltbilds. Und kann manchmal ebenso kontraproduktiv sein wie eine ökonomische Maßnahme, die die Betriebsabläufe produktiver gestalten sollte, sie am Ende jedoch verschlechtert.

Was sind Rationalisierungen in der Psychologie? Die kurze Erklärung wäre kurz gesagt nachträgliche rationale Erklärungen für nicht rational getroffene Entscheidungen bzw. ausgeführte Handlungen.

Wie so häufig bei kurzen Erklärungen, greift diese Erklärung meiner Einschätzung nach zu kurz. Es gibt viele verschiedene Arten von Rationalisierungen. Ich möchte einige kurz vorstellen.

1. Rechtfertigung emotionaler bzw. motivationaler Handlungen: Das ist die klassische Rationalisierung. Es wird eine Entscheidung getroffen, aus einem bestimmten emotionalen Zustand heraus. Später wird auf dieselbe Entscheidung aus einem anderen emotionalen Zustand zurückgeblickt, und jene emotionalen Einflüsse einerseits ausgeblendet, andererseits durch nachträgliche rationale Erklärungen ersetzt. In sehr negativen emotionalen Zuständen lebensverändernde Entscheidungen zu treffen hat leider nur allzu oft problematische Folgen. Statt sich dies auch nur bewusst zu machen, werden dann nachträglich Gründe gesucht. Das Gedächtnis ist diesbezüglich wundersam flexibel.

2. Schutz des Selbstbilds: Sagen wir, jemand hat irgendetwas getan, was derjenige nicht hätte tun sollen. Sei es, eine wichtige Aufgabe verschlafen zu haben. Sei es, den Partner betrogen zu haben. Sei es, über Jahre die eigene Gesundheit vor die Wand gefahren zu haben. Sei es, siehe oben, eine nachträglich sehr problematische Entscheidung getroffen zu haben. Wie geht jemand damit um? Manche übernehmen Verantwortung dafür. Andere suchen stattdessen nach Ausreden, Erklärungen, die nur dazu dienen, das eigene Selbstbild intakt zu lassen bzw. zu stärken.

3. Integration neuer Informationen an bisherige Schemata: Hier werden neue Informationen in das bestehende Weltbild eingefügt, und dabei möglicherweise verfälscht. Ein schönes Sprichwort diesbezüglich ist "wenn man nur einen Hammer hat, sieht alles wie ein Nagel aus". Das tyrannische Prinzip ist eine extreme Form davon. Priming, Vorabrahmensetzung und co funktionieren ebenso durch diese Informationsverzerrung. Im Ergebnis wirkt dies wie eine Rationalisierung, obwohl es genau genommen keine ist. Das Handeln bzw. die Entscheidungen machen für die Person rational Sinn, denn das Problem ist, dass die Rationalisierung schon vorab geschehen. Dem Weltbild widersprechende Informationen wurden zurechtgebogen, und die zurechtgebogenen Informationen dienen dann als Begründung des Handelns.

4. Akzeptanz untergeschobener Vorwegannahmen: Das passiert, wenn falsche Prämissen nicht hinterfragt werden. Hier werden Begründungen für Annahmen gesucht und gefunden, obwohl die zugrunde liegende Annahme nicht stimmt. Das kommt zum Beispiel in der Forschung vor, wenn nicht fundierte angebliche Erkenntnisse, Kausalitäten, wie auch immer erklärt werden. Vielleicht erinnerst du dich an den Spinathype, den es früher mal gab. Ich mag Spinat, aber der angebliche hohe Eisengehalt beruhte auf einem Kommasetzungsfehler - dennoch erinnere ich mich an so manche Diskussionen darüber, wie es zustande kommt, dass Spinat so viel Eisen enthalten würde. Hier wurden nachträgliche Erklärungen für eine unbestätigte Vorwegannahme gesucht und gefunden.

5. Lückenschließungen: Dies kann sich sowohl auf Lücken der Aufmerksamkeit als auch auf Lücken der Erinnerung beziehen. Wenn wir dort eine Lücke haben, zum Beispiel weil wir ein bestimmtes Vorkommnis nicht gänzlich mitbekommen haben, oder weil wir unwichtigere Aspekte daraus vergessen haben, rekonstruiert unser einen möglichst schlüssigen Lückenfüller. Problem dabei ist nur, jener kann völlig falsch sein. Zum Beispiel im Bereich von Zeugenbefragungen ein Problem.

6. Reinterpretation von Erlebnissen aufgrund des aktuellen Wissensstands: Dies ist quasi die umgekehrte Situation von Fall #3. Während dort neue Informationen verzerrt werden, verzerren hier neue Informationen Erinnerungen. Wir bauen quasi neuere Erkenntnisse, Charaktereigenschaften, wie auch immer in die Vergangenheit ein, wo sie möglicherweise noch gar nicht vorlagen. Lustig ist nun, das ist gar nicht einmal schlecht. Manche emotionalen Fesseln schwierigster Erlebnisse lassen sich sprengen, wenn man aktuelle Ressourcen in die Erinnerung einbaut (siehe für ein Beispiel den Rahmenspaß zur Reue). Genauso sorgt es jedoch auch dafür, dass Erinnerungen, Entscheidungen, wie auch immer später in einem ganz anderen Licht geschildert und gesehen und erklärt werden.

Das waren jetzt nur einige wenige Beispiele für Rationalisierungsformen. Es gibt sicher noch eine Menge mehr, und ich hoffe, die kleine Einführung wird dir dabei helfen, jene zu erkennen, wenn sie dir begegnen.

Samstag, 21. Juni 2014

Rationale vs. funktionale Logik

Welche Rolle spielt Logik in der Psychologie? Gute Frage. Schwere Frage. Ich unterscheide da für mich zwischen zwei Arten von Logik. Dem, was man im Alltag darunter versteht. Der rationalen Logik. Die ist sehr oft nicht anwendbar, wie folgendes Gedankenspiel zeigt: "Stellen Sie sich vor, jemand kommt mit einer Spinnenphobie zu Ihnen. Sie erklären Ihrem Klienten ausführlich, dass alle in Deutschland lebenden Spinnen harmlos sind. Führen Quellen an. Zeigen auf, dass Spinnen sogar nervige und gefährliche Insekten wie Mücken und Wespen fressen, also sogar nützlich sind. Glauben Sie, Ihr Klient ist danach von seiner Spinnenphobie befreit?"

Wenn ich diese Frage stelle, ist allgemein Kichern die Antwort. Weil es zu abstrus ist. Menschen funktionieren so nicht. Jedenfalls nicht alleine so.

Betrachten wir aber neben der intellektuellen Ebene noch so Aspekte wie Motivation, Emotion, Aufmerksamkeit, dann ergeben plötzlich eine ganze Reihe von Problemfeldern der Psychologie Sinn. Ebenso die Interventionsmöglichkeiten. Keinen direkt rationalen, aber einen, den ich "funktional" nennen möchte. Von harmloseren Herausforderungen wie einer unmotivierten Schulklasse in der pädagogischen Psychologie bis hin zu teilweise sehr schweren und extremen Störungen in der klinischen Psychologie, hinter den meisten dieser Beobachtungen steckt eine gewisse Logik. Ein Sinn, der sich aber erst ergibt, wenn man eben nicht nur die reine rationale Logik betrachtet, sondern auch all die Aspekte jenseits des intellektuellen Verstands betrachtet.

Allerdings auch nicht bei allen Phänomenen. Manche stehen noch außerhalb jedweder auch funktionaler Logik. Gerade, wenn körperliche Veränderungen hinzu kommen bzw. auslösend sind. Dummerweise kann dasselbe Problem sowohl funktional logisch als auch jenseits davon sthend bedingt sein. Nehmen wir einmal Schlafstörungen. Steckt dahinter so etwas wie Stress, oder suboptimale Einschlafbedingungen, kann man dort gut eingreifen, weil die Ursache funktional logisch bedingt ist. Liegt hingegen eine organische Ursache vor, z.B. Atemunterbrechungen im Schlaf, sieht die Situation ganz anders aus.

Weiterhin: Auch etwas funktional Logisches kann dysfunktional sein! Um auf das Beispiel vom Anfang zurückzukommen, eine Spinnenphobie ist sowohl funktional logisch als auch dysfunktional. Funktional bezieht sich hier darauf, dass sich die Probleme aus bestimmten geistigen Funktionen ergeben. Motivation hat uns unsere Zivilisation beschert, uns selbst all das in unserem Leben erreichen lassen, was wir erreicht haben - gleichzeitig spielen motivationale Aspekte genauso eine Rolle bei der Entstehung von Angststörungen.

Wenn wir eine Ahnung davon haben, wie unser Intellekt, unsere Emotionen und unsere Motivation zusammen spielt, dann können wir auch scheinbar widersinniges Verhalten und Erleben sehr gut nachvollziehen - weil wir dann einen Einblick in die funktionale Logik dahinter haben. Das ist durchaus etwas, was ich an der Psychologie reizvoll finde.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Noch mehr emotionaler Rahmenspaß V

Endlich mal wieder eine Emotion, die sowohl eindeutig ist, als auch klar als Emotion bezeichnet werden kann! Allerdings mit einer sehr seltsamen zeitlichen Orientierung.

Reue
- Eine Entscheidung wurde getroffen.
- Diese Entscheidung stellte sich als negativ heraus.
- Es wurden keine Lernerfahrungen aus der Entscheidungsfindung gezogen.

Reue und Trauer können ineinander übergehen, wenn der letzte Punkt nicht mehr möglich ist - also Entscheidungen fielen, die nicht korrigierbar sind. Von solchen Fällen abgesehen, wo also Reue und Trauer miteinander einhergehen, ist Reue alleine eigentlich eine fast schon leere Emotion. Wenn ich auf Seminaren demonstrieren will, wie einfach man durch Worte negative Emotionen zerbröseln kann, wähle ich daher gern Reue.

Reue ist wie ein Tanz auf dem Drahtseil. Wäre Reue nur vergangenheitsorientiert, bestünde sie nicht. Komplett abgeschlossene Ereignisse lösen keine Reue aus. Die zugrunde liegende Entscheidung erstreckt sich in die Zukunft. Allerdings auch nicht komplett. Denn wenn klar wird, dass man sich in Zukunft in ähnlichen Situationen anders entscheiden kann - ja sogar bedingt durch die falsche Entscheidung uns wahrscheinlicher richtig entscheiden, auch dann tritt keine Reue auf. (Ausnahme die Vermengung mit Trauer, siehe oben.)

Das ist ein Ansatzpunkt.

Der andere Ansatzpunkt ist, dass hier ein Prozess verdinglicht wird. Entscheidungen gibt es eigentlich gar nicht. Es gibt den Prozess, sich für (bzw. gegen) etwas zu entscheiden. Dieser Prozess wird aufrecht erhalten. Im Falle von Reue mehr oder weniger bewusst zumeist immer weiter nachrationalisiert. Sobald dieser Prozess einmal unterbunden wird, verschwindet Reue ebenfalls. Das heißt nicht, dass man die daraus erfolgte Handlung korrigiert. Es heißt nur, dass man die eigene Entscheidung bzw. Handlung nicht mehr rationalisiert und aufrechterhält, quasi in die Gegenwart und Zukunft projiziert. Reue ist in gewisser Weise eine Warnemotion, die da sagt "hier wurde ein Fehler gemacht! Mache es in Zukunft richtig!", und dem geht es entgegen, wenn man den Fehler rationalisiert.

Schließlich noch die Frage, wie negativ die Entscheidung letztendlich war.

Wenn ich es mit Reue ohne Trauerkomponente zu tun bekomme, mache ich folgendes: Kurz das auslösende Ereignis anschneiden und erfragen, was die Person lieber besser gemacht hätte. Fragen, wo die Person war. Daraufhin fragen, wo die Person davor war. Anschließend die Person von diesem Standpunkt aus komplett in die Zukunft orientieren und auf all die zukünftigen verweisen, wo sich in Zukunft besser entschieden werden kann. (Fürs Protokoll, das muss ziemlich schnell ablaufen.)

Mittwoch, 18. Juni 2014

Und

Ich empfinde es als sehr faszinierend, wie bestimmte Wörter wirken. Über "weil" habe ich schon geschrieben. Ein anderes ganz alltägliches Wort ist "und". "Und" ist eine sprachliche Brücke. Sie rückt Dinge näher beisammen.

Beispiel:
Mein Drucker ist alt und druckt nicht mehr.

Dieser Satz dürfte bei den allermeisten den Eindruck erwecken, mein Drucker drücke nicht mehr, weil er alt ist. Das steht dort jedoch nicht! Vielleicht druckt er nur deshalb nicht, weil die Tintenpatrone leer ist?

"Und" impliziert Zusammenhänge. Die können da sein. Müssen es jedoch nicht. Manchmal handelt es sich auch um so "halbe" Zusammenhänge. Beispielsweise kannst du tief einatmen und dich entspannen. Es gibt einen Zusammenhang zwischen tiefen Atemzügen und Entspannung, allerdings setzt Entspannung weder tiefe Atemzüge voraus, noch führen tiefe Atemzüge notwendigerweise zur Entspannung. "Atme tief ein. Entspann dich." wirkt schwächer als "Atme tief ein und entspann dich.", obwohl die Information bzw. Anweisung dieselbe ist.

Montag, 16. Juni 2014

Gedanken zur Maut

Ich habe gestern eine Forderung diverser Städte und Gemeinden gelesen: Die Maut sollte nicht als Vignette für Autobahnen eingeführt werden, sondern als intelligentes System, das jeden gefahrenen Kilometer auch innerhalb von Städten und Gemeinden erfasst und dafür Geld eintreibt. Denn auch das städtische Straßennetz bräuchte dringend Mittel. Damit verbunden auch die Forderung, Anreize für umweltfreundliche Autos zu setzen.

So ein System gibt es schon. Nennt sich Mineralölsteuer.

Weshalb also diese Forderung? Besser gefragt, weshalb überhaupt eine Maut?

Die Mautidee für PKWs spielt so, wie sie von der federführenden Partei konzipiert wurde, ohnehin nur mit Wut. "Wir bezahlen im Ausland - dann sollen Ausländer auch hier bezahlen!"
Rational ergibt eine PKW-Maut für Ausländer keinen Sinn. Der Schaden durch PKWs ist verglichen mit dem Schaden durch LKWs extrem geringer, der Anteil von ausländischen PKWs verglichen mit inländischen PKWs (deren Halter nicht stärker belastet werden sollen) sehr, sehr gering. Die Einnahmen werden von den Kosten für die notwendige Bürokratie aufgefressen. Entweder das, oder es kommt doch zu einer Mehrbelastung inländischer Fahrzeughalter.

Die Idee der Städte und Gemeinden geht hingegen in eine andere Richtung, soll für mehr Mittel für den Straßenerhalt über Mehrbelastungen sorgen. Wenn ich mir den Zustand so mancher Wege hier in der Gegend anschaue, kann ich das durchaus nachvollziehen. Nur warum dann dieser Weg? Weshalb nicht über eine Abgabe über die Mineralölsteuer erzielen?

Da könnten  rechtliche Bedenken hinter stecken - Steuern sind nicht zweckgebunden. Eine Maut o.ä. könnte zweckgebunden erlassen werden. (Hier frage ich mich jedoch, warum dann nicht eine zweckgebundene Abgabe auf Kraftstoffe eingeführt wird.)

Ebenso könnte es eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und Investitionsmaßnahme sein. Bei so einer Überwachungsmaut müsste eine Menge Technik aufgebaut werden, viele Stellen geschaffen werden die sich um das Eintreiben der Gelder kümmern. All dies fiele bei einer kraftstoffbezogenen Abgabe fort.

Weiterhin ist nicht auszuschließen, dass hier wieder Überwachungsfantasien ausgelebt werden. Vollkommene Bewegungsprofile? Gerade nun, wo durch die gekippte Vorratsdatenspeicherung nicht mehr über die Bewegung der Mobiltelefone Profile angelegt werden können? Klingt paranoid - nach den Erfahrungen mit der Vorratsdatenspeicherung jedoch möchte ich dies nicht kategorisch ausschließen. (Lustige Info nebenbei - die Vorratsdatenspeicherung wurde mit der Jagd auf Terroristen begründet. Wofür wurde sie letztes Jahr in Österreich verwendet? Diebstahl, Betrug und Drogendelikte. Quelle.)

Ein eher psychologischer Spin könnte im Ressourcenkastendenken liegen. Geht die Abgabe über Kraftstoffe, verteuern sich jene. Geht die Abgabe über ein weiteres externes System, werden die Ausgaben möglicherweise nicht zusammen verrechnet, sondern in unterschiedliche Schubladen gepackt. Folglich könnte die Mehrbelastung unterschätzt werden, und entsprechend mehr gefahren bzw. weniger Unmut erzeugt werden.

Am wahrscheinlichsten halte ich jedoch Hanlons Rasiermesser - "attribuiere nie auf Boshaftigkeit, was durch Gedankenlosigkeit erklärt werden kann". In diesem Fall zudem die Suche danach, neue Einnahmequellen aufzutun. Viel halten tue ich von der Idee dennoch nicht, außer es soll eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme sein. Denn um Gelder für den Straßenerhalt zu mobilisieren, da wäre eine Abgabe auf die Kraftstoffe mit um Welten weniger Bürokratie verbunden.

Sonntag, 15. Juni 2014

Noch mehr emotionaler Rahmenspaß IV

Das, was ich heute besprechen möchte, ist nicht wirklich eine klassische Emotion. Es hat verschiedene Elemente mit Emotionen gemeinsam. Geht man die drei klassischen Merkmale einer Emotion durch, auf die sich die meisten Forscher einigen können (bestimmter Bezugspunkt, Erlebnisaspekt, zeitliche Begrenztheit), dann erfüllt dieser Zustand jene Kriterien. Allerdings ist der Zustand weniger direkt emotional, und mehr trance-artig.

Flow

Flow-States sind faszinierend. Es gibt hierfür keine vernünftige deutsche Übersetzung - am ehesten würde noch so etwas wie Tätigkeitsrausch passen. Flow ist ein trance-artiger Zustand, der bei bestimmten Tätigkeiten auftritt, und von den allermeisten Menschen als sehr positiv erlebt wird. Wenn irgendeine Arbeit Spaß macht, welcher Art auch immer jene ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man sich dabei in einem Flow-State befindet. Bei Hobbies werden jene Flow-Erlebnisse oft aufgesucht. Wer Flow-Erlebnisse im Berufsleben findet, hat eine deutlich erhöhte Lebensqualität. Wer beim Lernen, egal ob im Bereich von Fähigkeiten oder Wissen, in Flow-States gerät, lernt deutlich erfolgreicher.

Insofern ist Flow ein sehr nützlicher Zustand. Für einen selbst. Genauso im Umgang mit anderen. Nehmen wir einmal so etwas wie Fortbildungen: Gerät das Publikum regelmäßig in Flow-Zustände lernt es besser, ist motivierter, und die Zeit vergeht wie im Flug. Wenn ich eine einwöchige Blockveranstaltung starte, schnippe ich am Anfang mit dem Finger und sage, so schnell wird schon Sonntag sein. Glaubt mir zu dem Zeitpunkt niemand. Am Ende bestätigen jedoch fast alle diesen Eindruck.

Aber wie kommt es nun zum Flow-Zustand? Er kann nicht erzwungen werden. Und manche der Rahmenbedingungen sind sehr individuell. Gemeinhin zeichnet sich Flow aus durch:
- Aufmerksamkeitsfokussierung auf die Tätigkeit.
- Die Tätigkeit liegt in einem recht engen Korridor zwischen Anforderungen und vorhandenen Fähigkeiten.
- Die Tätigkeit erzeugt regelmäßige Rückmeldungen. Die Rückmeldungen sind von den Handlungen beeinflusst.
- Die Tätigkeit selbst motiviert, lies hier ist intrinsische Motivation im Spiel.

Gehen wir kurz die einzelnen Aspekte durch. Die Aufmerksamkeitsfokussierung ist ein wichtiger Punkt. Kann man sich nicht konzentrieren, aus welchen Gründen auch immer, wird kein Flow auftreten. Umgekehrt ist dieser Punkt auch der Grund, weshalb Flow so trance-artig ist. Was ist Kernpunkt jeder Trance, jeder Form von Hypnose? Aufmerksamkeitsfokussierung. Interessant an Flow-Erlebnissen ist nun, dass diese Aufmerksamkeitsfokussierung durch die nachfolgenden Punkte sehr wahrscheinlich wird. Diese Aufmerksamkeitsfokussierung ist auch der Grund, warum in Flow-States so etwas wie ein fragiles Ego (was ein Thema für sich selbst ist) verschwindet, und die Tätigkeit mühelos zu sein scheint.

Sie ist nämlich nicht wirklich mühelos. Eher im Gegenteil. Flow tritt nur auf, wenn eine halbwegs vernünftige Passung zwischen den Anforderungen und den vorhandenen Fähigkeiten vorliegt. Ist die Aufgabe zu einfach, tritt Langeweile auf, die Aufmerksamkeit wandert, es kommt zu keinem Flow. Ist die Aufgabe zu schwer, sind die Anstrengungen zu hoch, es kommt zu Zweifeln, Frustration, Misserfolgen, die Aufmerksamkeit wandert auch umher, kein Flow.

Rückmeldungen sind insofern wichtig, weil sie die Aufmerksamkeit auf der Tätigkeit halten. Ohne Rückmeldung über das, was man tut, wandert die Aufmerksamkeit umher. Die meisten Tätigkeiten geben Rückmeldungen - sei es, wenn man ein Auto fährt (also wenn die Lenkung oder die Pedale nicht mehr reagieren würden, gäbe mir das sehr zu denken); sei es, wenn man ein Gespräch führt (Gestik, Mimik, Reaktionen des Gegenübers); sei es, wenn man Daten auswertet (die Veränderung der Zahlenkolonnen und Rechenergebnisse auf dem Monitor); sei es, wenn man bei einem Ballspiel den Ball bewegt. Problematisch wird es, wenn es keine Rückmeldungen gibt, oder wenn es keinen Einfluss auf die Ergebnisse gibt. In dem Fall wieder ist die Aufmerksamkeit ungebunden, und Flow tritt nicht auf.

Schließlich der letzte Punkt, die Tätigkeit muss irgendwie die Motivation der Person ansprechen. Ansonsten kümmert sie sich nicht um die Rückmeldungen, ihre Aufmerksamkeit ist nicht gebunden. Sie mag die Tätigkeit noch ausführen, weil sie sich dazu verpflichtet fühlt, aber die Gedanken werden dabei wandern, und entsprechend wird es eher keinen Flow geben.

(Habe ich jetzt wirklich Flow unter emotionalen Rahmenspaß gepackt? Hey, Flowerleben beim Schreiben!)

Freitag, 13. Juni 2014

Was haben der kochende Frosch, die Salamischeibentaktik und ein wichtiges Änderungsparadox gemeinsam?

Eins wiederhole ich gebetsmühlenartig in Vorlesungen: Manche Ideen in der Psychologie tauchen wieder und wieder und immer wieder auf, wenn auch unter manchmal etwas anderen Begrifflichkeiten.

Fassen wir einmal kurz zusammen:
- Der kochende Frosch: Beruht auf dem Bildnis, dass ein Frosch, der sich in langsam erwärmenden Wasser befindet, drin sitzen bleibt, selbst wenn das Wasser zu heiß wird und ihn tötet. Jedoch herausspringen würde, würde er sofort in das heiße Wasser geworfen. Ich weiß nicht, ob dieses Bildnis stimmt. Und bitte, probiert es nicht aus. Bei diversen Problembereichen im psychologischen Bereich kann man aber diesen Effekt beobachten. Ein Messie wird nicht über Nacht zum Messie, das ist eine schleichende Entwicklung. Ebenso Adipositas. Dysfunktionale Familienstrukturen gleichsam.
- Salamischeibentaktik: Forderungen oder Aufgaben Stück für Stück stellen, nacheinander, nicht auf einmal. Ich hoffe, du siehst hier bereits eine gewisse strukturelle Ähnlichkeit zum kochenden Frosch; nur ist dies ein von einer Seite aus aktiver Prozess.
- Änderungsparadox: Wenn wir uns verändern, nicht plötzlich, sondern im Laufe der Zeit, sind wir oft die letzten, die das bemerken. Was wiederum den kochenden Frosch erklärt.

In gewisser Weise. Hinter all den Phänomenen, und noch viel, viel mehr, steckt unser alter Bekannter, das Kontrastprinzip: Wir brauchen Kontraste, um Änderungen zu bemerken, oder um die Gesamtheit einer Situation richtig zu erfassen. Fehlen die Kontraste, sind unsere Einschätzungen, was Änderungen und Entwicklungen angeht, oftmals fehlerhaft.

Genau heute vor zwei Jahren habe ich eine ziemlich große Änderung in meinem Leben angestoßen. Ein Vorhaben, von dem ich wusste, dass es sich über Jahre ziehen würde. Hier zeigte sich auch für mich das Kontrastprinzip - ich bemerke die Änderungen an mir nicht. So etwas ist aus motivationspsychologischer Sicht unglücklich. Außer natürlich (hey, warum bin ich denn Psychologe?), du nutzt das Kontrastprinzip für dich selbst aus.

Beispielsweise, je nachdem, was angestrebt wird, durch regelmäßige Aufzeichnungen. Welcher Art, hängt von der Art des Vorhabens ab. Wenn zum Beispiel jemand an seiner Stimme arbeitet, Aufnahmen der eigenen Stimme. Wenn Fähigkeiten gelernt werden, regelmäßige Arbeitsproben. Werden Äußerlichkeiten verändert, Fotos. All das, und viel mehr, schafft Kontraste. Diese lassen uns nicht nur Änderungen erkennen, sondern können uns auch motivieren.

Und sei es nur, im Zweifelsfall, um wie ein Frosch aus dem Wasser zu hüpfen.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Noch mehr emotionaler Rahmenspaß III

Endlich einmal eine eindeutige Emotion! Nicht mehrere Emotionen hinter demselben Namen, nicht ganz unterschiedliche Auslöser, nur ein kleines, seltsames Detail.

Ekel

Ekel ist aus einem Grund interessant: Über alle Kulturen hinweg ist sowohl die körperliche Reaktion als auch so Aspekte wie die Mimik auf 'ekelige' Reize identisch, wir haben es hier also mit einer sehr grundlegenden Emotion zu tun. Nur wovor sich geekelt wird, das hat eine riesige Lernkomponente. In dem Sinne:

- Abwehrreaktion auf potentiell gesundheitsschädliche Reize.
- Worauf reagiert wird, ist erlernt.
- Emotionsziel: Körperlichen Schaden abwehren, indem der Reiz (je nach dessen Natur) nicht berührt bzw. zumindest nicht gegessen wird.
- Zeitorientierung: Gegenwartsorientiert.

Der erste Punkt (und damit einhergehend das Emotionsziel) ist ziemlich klar, und wohl auch der evolutionäre Hintergrund der Emotion. Wir reagieren bevorzugt mit Ekel auf Reize, die auf Gesundheitsgefahren hinweisen. Bitterkeit, Schleim, Verwesung, Fäule. Auch bei manchen Phobien zeigt sich zusätzlich zur Angstreaktion eine deutliche Ekelsensation.

Allerdings: Kleine Kinder zeigen keine Ekelreaktion. Worauf mit Ekel reagiert wird, ist teilweise sehr verschieden zwischen unterschiedlichen Kulturen. Sei es was die Nahrungsmittel angeht, den Umgang mit Körperausscheidungen, wenn man in fremden Kulturen mal abseits der Touristikrouten unterwegs ist, erlebt man da meiner Erfahrung nach öfter mal einen Kulturschock.

Das ist eine Möglichkeit, wo Ekel herstammen kann. Von der Umwelt erlernt und übernommen. Die andere Möglichkeit sind eigene Erfahrungen. Wenn man zum Beispiel einmal nach dem Verzehr einer bestimmten Speise starke Bauchschmerzen bekommt, besteht die Chance, dass sich in Zukunft davor geekelt wird. Selbst wenn zwischen Bauchschmerzen und der Speise kein kausaler Zusammenhang bestand.


Ekel ist nicht wirklich Angst. Gewisse Ähnlichkeiten mit Angst sind vorhanden. Beides sind "Weg-Von-Emotionen", die dem Schutz des Körpers dienen, und sie können wie erwähnt manchmal zusammen auftreten (spezifische Phobien haben oft sowohl Ekel als auch Furcht als Komponenten). Allerdings ist einerseits die körperliche Reaktion anders, auch das angeregte Verhalten. Ekel fehlt der Fluchtimpuls. Ebenso ist Ekel gegenwartsorientiert. Kann man sich auch vor etwas in der Vergangenheit oder in der Zukunft ekeln? Ja, aber man muss es mental in den aktuellen Moment holen, damit die Emotion wachgerufen wird. Furcht als zukunftsorientierte Emotion hingegen schwindet, wenn man sich in den aktuellen Moment orientiert.

Sonntag, 8. Juni 2014

Flüsse und Ozeane

Es ist noch gar nicht so lange her, da bin ich an einem Fluss spazieren gegangen, achtete ein wenig auf meine Umgebung. Auf die kleinen Wellen, die der Wind schuf. Wie das Schilf wehte und raschelte. Kleine Frösche, bräunlich, daumennagelgroß, herumhüpften. Seerosen, nahe am Ufer, noch ohne Blüten, nur ihre Blätter lugten aus dem Wasser. Ich sagte mir, es gibt so viel Schönes entlang des Weges, wenn du nur einmal hinschaust. Auch abseits des großen Ganzes auf die kleinen Dinge achtest.

Ich stand auf einer Brücke, blickte hinab, und erinnerte mich an eine Metapher. Das Leben sei wie ein Fluss, dahinfließt, und man nicht weiß, wo es einen hinbringt. Ich mag dieses Bildnis nicht! Ein guter Freund hat einmal einen wesentlich schöneren Vergleich verwendet. Den einer Reise. Aber nicht irgendeiner Reise, sondern den der Wikinger, wie sie aufbrachen, über den Atlantik. Mit ziemlich primitiven Schiffchen, dem ganzen Ozean trotzten, um mit ihren ganzen Familien eine neue Heimat zu finden. Durch Stürme, hohe Wellen, nicht einmal wussten, was sie erwartete. Und doch so eine neue Welt entdeckten, an einer Insel anlandeten, sich eine neue Heimat schufen.

Diese Insel nannten sie "grünes Land".

Woran denken wir heute, wenn wir "Grönland" hören? An Schnee, Eis, Arktis, Kälte. Aber was ist ein wenig Kälte, wenn man dem ganzen Ozean getrotzt hat? Es überrascht mich nicht, dass die Wikinger dieses Land "grünes Land" nannten, und eine neue Heimat fanden. Denn, so sagte er mir, wie würdest du darüber denken, wenn du all diese Herausforderungen gemeistert hättest, wäre dann noch so etwas wie ein wenig Kühle schlimm? Nach Sturm, Entbehrungen, Unwissenheit darüber, je wieder überhaupt Land unter den Füßen zu haben? Um dann dort zu landen. Grünes Land.

Er führte weiter aus, aus seinem Leben. Es war nicht immer so verlaufen, wie er erhofft hatte. Auch sein Leben hatte Wendungen genommen, die unerwartet gewesen waren. Wie er so schön sagte, erst durch den Sturm weißt du den Sonnenschein wirklich zu schätzen. Es kommt gar nicht drauf an, dass wir alle Stürme umschiffen. Sondern, dass wir aus den Erfahrungen, die wir machen, etwas mitnehmen. Etwas lernen. Das Leben so zu schätzen lernen.

Ich musste an diese Geschichte zurückdenken, weil ich in mir dieses Bildnis ein wenig weitergesponnen habe. Ich finde, gewisserweise ist es auch so, dass die Menschen um uns uns ein Stück auf unserer Reise begleiten. Manchmal nur einen sehr kurzen Weg, manchmal ein längerer Weg. Vielleicht sind sie niemals ganz vergangen, wenn wir die Erinnerungen weitertragen, selbst wenn sie von uns gegangen sind. Wie es leider bei meinem guten Freund der Fall ist, in Erinnerungen war er immer noch bei mir, als ich dort am Fluss hinabblickte, und sah, wie der Frosch ins Wasser sprang, als ein Vogel sich am Himmel abzeichnete. Eine Raupe am Schilf knabberte.

Ich musste dabei an Bücher denken. Ich weiß nicht, ob es dir auch so geht. Wenn du ein Buch gelesen hast, es dann nach Jahren wieder liest, dass du dann vielleicht dieselbe Geschichte liest, und die Geschichte doch anders ist. Du völlig neue Tiefen entdeckst. Nicht die Geschichte hat sich verändert, sondern du.

Was hat das mit der Raupe zu tun? Entdeckt die Raupe nicht auch neue Tiefen in sich, wenn sie sich in einen Schmetterling verwandelt? Vielleicht. Aber eigentlich musste ich daran denken, als ich im Hintergrund den Fluss sah. Du kannst ein wenig in die Tiefe sehen, je nachdem, wie klar das Wasser ist. Aber der Fluss verändert sich. Sein Grund. Sein Ufer. Und auch unser Leben verändert sich. Es ist in gewisser Weise niemals dasselbe, so wie wir es sehen, immer davon beeinflusst, wer wir gerade sind.

Ich kann für mich sagen, ich bin nicht mehr derselbe wie vor einigen Jahren. Oder als ich zuletzt an diesem Fluss stand. Das lag fast zwanzig Jahre zurück, ein Ort aus meiner Kindheit. Ein idyllisches Fleckchen, das die wenigsten je sehen werden. Und doch weiß ich, dass jeder solche Orte hat, haben kann. Und die sich auch seltsamerweise sowohl verändern, als auch gleich bleiben. Auch wenn die Welt sich verändert, und wir uns in ihr verändern, so gibt es doch eine Konstante in ihr.

Dieselbe Konstante, die schon damals den Wikingern geholfen hat, als sie den Atlantik überquerten und ihr eigenes kleines Paradies fanden. Wir selbst. Insofern, und deshalb mag ich das Bildnis, mag das Leben manchmal dahinplätschern, Windungen und Biegungen zu nehmen, die wir nicht absehen können. Es gibt einen Unterschied; und das ist die Lehre, die wir aus der Reise der Wikinger ziehen können. Wir bestimmen unseren Kurs.

Wir bestimmen, welche Lehren wir aus unserem Leben ziehen. Am Ende, dort wo wir anzukommen glauben, denn meist das Leben geht immer irgendwie weiter, wo wir vorher gar nicht wissen, ahnen können, was es sein wird. Da ist es nicht mehr wichtig, wo wir herkommen. Oder wo wir hinwollen. Sondern, dass wir unseren Kurs bestimmen.

Denn stellen wir uns vor, die Wikinger hätten damals gesagt, hey, nett, Wind! Wir lassen uns mal treiben. Schauen, wo wir enden. Sie haben es nicht getan. Da schaute ich den Fluss hinab, dachte mir, vermutlich werde ich diesen Fluss nie wieder sehen. Selbst wenn ich an ihn zurückkehre, wird es nicht mehr derselbe Fluss sein. Und ich nicht mehr derselbe Mensch sein. Aber die Erinnerung bleibt.

Genauso wie uns die Erinnerung an all die Menschen bleibt, die uns ein Stück auf unseren Wegen begleitet haben. Ebenso die Erinnerungen an all die Wege, die wir beschritten haben.

Samstag, 7. Juni 2014

Noch mehr emotionaler Rahmenspaß II

Heute möchte ich über 'eine' Emotion sprechen, bei der ich behaupten würde, dass dahinter mindestens drei verschiedene Emotionen stecken.

Mitleid

Ich habe zuerst darüber nachgedacht, dass hier vielleicht so eine Art Spektrum vorliegt. Vielleicht tut es das auch. Allerdings haben die folgenden drei Ausprägungen so unterschiedliche Rahmenfaktoren, dass ich da wenn dann mehr von einer Emotionsmischung ausgehe. Die unterschiedliche Natur zeigt sich meiner Einschätzung nach auch darin, wie auf Mitleid reagiert wird. Weshalb reagiert dieselbe Person mal auf gezeigtes Mitgefühl sehr positiv, und explodiert förmlich ein anderes mal?

Es gibt mehrere Grundpfeiler, die immer gegeben sein müssen, für jede Form:
- Ziel ist eine andere Person.
- Der Person ist ein negatives Ereignis widerfahren, oder ein negatives Ereignis wird erwartet.
- Der Person, der ein negatives Ereignis widerfahren ist, wird als nicht ursächlich intentional dafür verantwortlich gesehen.
- Die Bewertung als negativ ist rein subjektiv, hängt also von der Person ab, die Mitleid (egal welcher Form) empfindet.

Gerade der letzte Punkt ist wichtig! Für Mitleid ist nicht entscheidend, was die Person denkt, der etwas widerfahren ist - sondern was die andere Person darüber denkt. Ist einerseits eine Frage der Empathie. Andererseits der eigenen Situationsbewertung. Empathie und Situationsbewertung interagieren miteinander. Findet jemand eine Situation schlimm, kennt er sie möglicherweise auch selbst als schlimm, ist das Kriterium erfüllt. Ist die Situation unbekannt, so kann Empathie die Lücke füllen, so die Situation nicht als trivial eingeschätzt wird. Ein Nervenzusammenbruch, weil der Lieblingsfüller nicht mehr schreibt, dürfte eher kurios als mitleidserweckend wirken.

Der Punkt mit der Verantwortung ist auch interessant. Dies ist keine Entweder-Oder-Frage. Generell ist die Hilfsbereitschaft als auch das gezeigte Mitleid gleich welcher Form höher, je weniger derjenige wiederum subjektiv für das Ereignis verantwortlich ist. Einer der effektivsten Möglichkeiten, Mitleid zu verhindern, ist darzustellen, wie jemand für sein eigenes Unglück verantwortlich ist.

Kommen wir dann zu den drei Ausprägungen, Formen, wie auch immer!


Form #1: Furchtbasiert
- Der eigene Status wird insgesamt als höher gesehen als jener der anderen Person.
- Was der Person widerfahren ist, wird aufs eigene Leben projiziert.
- Es wird der Person nicht zugetraut, selbst die Schwierigkeit zu überwinden. Oder auch, je hilfloser die Person wirkt, desto stärker ist das empfundene Mitleid.
- Emotionsziel: Animiert zur Hilfe der Person als gesellschaftlicher Leim in schwierigen Lebenslagen.

Der Punkt mit dem Status wird auch bei der zweiten Form eine Rolle spielen. Hier tritt die Emotion nur auf, wenn das eigene Leben insgesamt als besser angesehen wird als das jener Person, der etwas schlimmes widerfahren ist. Aus diesem Grund tritt diese (und die nächste) Form auch so gut wie nie gegenüber den Reichen, Mächtigen, und sonstwie Glücklichen auf, außer es zerlegt ihnen ihr gesamtes Leben. Dies ist auch mit der Grund, warum viele Leute, die wirklich in einer schwierigen Situation stecken, empfindlich auf 'Mitleid' reagieren, und es als herabschauend interpretieren. Sie haben recht.

Aufgrund des Punkts mit der Projektion spreche ich hier von furchtbasiert. Der Grund für das Mitleid, und dem Ziel der Emotion, ist jemanden in Not zu helfen. Dahinter steckt auch die Vorstellung, dass einem selbst hoffentlich auch geholfen wird, wenn man in einer ähnlichen Situation steckt.

Dies erklärt auch, warum in bestimmten Kontexten kein Mitleid gezeigt wird, auch wenn man es erwarten würde. Entweder, die Person glaubt, gegen welchen Schicksalsschlag auch immer immun zu sein, heißt der Furchtaspekt greift nicht. Oder sie antizipiert, dass ihr in einer ähnlichen Lage nicht geholfen werden wird. Letzteres muss sich nicht auf die Person beziehen, sondern kann sich ebenso auf die Gesellschaft als Ganzes beziehen. Erwartet jemand, mit seinen Nöten allein gelassen zu werden, wird derjenige diese Form des Mitleids nicht empfinden. Genauso wenn derjenige nicht glaubt, dass ihm selbst dies widerfahren könnte.


Form #2: Disassoziativ
- Der eigene Status wird insgesamt als höher gesehen als jener der anderen Person.
- Vom Leid des anderen wird sich komplett disassoziiert.
- Emotionsziel: Das eigene Selbst aufwerten bzw. erhalten.

Hier haben wir es mit dem fast kompletten Gegenteil der obigen Emotion zu tun. Ebenfalls spielt hier der Status mit herein, wenn auch aus ganz anderen Gründen. Dies ist quasi eine gesellschaftliche Maske, die den Eindruck der ersten Form erwecken will, aber ganz andere Zwecke verfolgt. So in etwa, wenn man ein Kleintier überfährt, nach außen hin so etwas sagt wie "das arme Tierchen!" und insgeheim gar keine Tiere mag.

Damit lässt sich auch wunderbar das eigene Ego aufwerten. Leute, die sich am Leid anderer ergötzen, ohne helfend einzugreifen, zeigen oft diese Emotion. Auf diese Form wird noch allergischer reagiert als auf die erste, denn nicht nur ist das hier herabschauend, es wird auch als heuchlerisch erlebt.

Muss es nicht unbedingt sein .Es kann auch ein Copingmechanismus sein, um sich vom Leid der anderen nicht herabziehen zu lassen. Ich halte es allerdings für keine funktionale Strategie.


Form #3: Prinzipienbasiert
- Auf Empathie beruhend.
- Oftmals an Vorbedingungen geknüpft, z.B. persönliche Eigenheiten der Person, der Leid widerfahren ist.
- Emotionsziel: Den Schmerz fortnehmen.

Ein englischsprachiger Kollege umschrieb diese Form einmal mit "I wish I could take your pain away" als Grundeinstellung. Hier fällt direkt auf, dass der Status keine unmittelbare Rolle spielt. Dies führt auch dazu, dass auf diese Form des Mitleids in aller Regel positiv reagiert wird, weil sie eben nicht herablassend wirkt.

Allerdings setzt diese Form erstens Empathie voraus, sich ins Gegenüber einfühlen zu können bzw. überhaupt zu wollen. Außerdem kann bei dieser Form das Gegenüber disqualifiziert werden, weil sie zum Beispiel als wie auch immer geartete schlechte Person gesehen wird und damit des Mitleids unwürdig sei. Ein weiterer Grund, warum im Allgemeinen positiv darauf reagiert wird, wenn diese Form des Mitleids gezeigt wird - denn es sagt der Person, der Leid widerfahren ist, dass sie trotz allem für eine tolle Person gehalten wird.

An dieser Stelle auch ein sehr kurzer Ausflug ins Spirituelle: In diversen Weltreligionen finden sich Anregungen, sich von diesen Vorbedingungen zu lösen als Schritt zur eigenen Erleuchtung bzw. Erlösung. Aus dem Grund auch der Zusatz "oftmals".


Man sieht auch die Wirkung der einzelnen Emotionen sehr schön im Verhalten, das im Falle einer Krisensituation gezeigt wird. Folgende Gruppen sah ich immer wieder, wenn Leuten Todesfälle im engsten Familien- bzw. Freundeskreis widerfuhren: Da gab es erstens Leute, die in erster Linie Hilfe bei der Bewältigung der Probleme anboten (jene fielen in Form #1). Dann gab es Leute, die sich mehr darauf verstanden, den anderen aus seinem Loch herauszuholen (jene fielen in Form #3). Und dann gab es in jeder solchen Situation auch immer ein paar Leute, die die Situation kleinredeten (jene fielen in Form #2).

Freitag, 6. Juni 2014

Regen

Es ist Anfang Juni, und zumindest hier, am Tor zum Sauerland, herrscht Aprilwetter. Gestern wechselten sich Sonnenschein, Nieselregen und starke Schauer ab. Dabei hörte ich einen Satz, den ich dauernd höre. "Jetzt ist es schon wieder so trist und grau!"

Meine Heimfahrt trat ich an, als sich gerade der nächste dunkle Wolkenschauer ankündigte. Auf den Straßen flitzten bunte Lichter vorbei - weiße Scheinwerfer, rote Rücklichter. In den Fassaden der Häuser erstrahlten die Fenster. Wie kleine Leuchttürme warfen Ampeln ihre roten und gelben und grünen Lichter durch den Dunst. Ein Dunst, kein wirklicher Nebel, wie man ihn nur bei Regen und kurz danach sieht. Du siehst jedes Licht durch ihn, und in ihm bildet jedes Licht einen Schein, eine Halo, wie winzige Polarlichter. Ihre Farben viel intensiver, als sie es bei Sonnenschein je sein könnten.

Und die Straßen und Wege glänzen! Auf ihnen spiegelt sich alles, was du schon vor und über dir siehst. All die hunderte, tausende kleinen Lichter in unserer Umwelt, von Scheinwerfern, Fenstern, ja sogar Reklametafeln und Anzeigen. Darüber Wolken, in einer Million Schattierungen von Grau, hier und da mit einem rötlichen Teint der Sonne dahinter. Und wenn die Wolken brechen, vielleicht siehst du dann sogar einen Regenbogen.

Heute scheint die Sonne. Ich genieße die kräftigen Farben der Natur, das satte Grün hoher Wiesen, gesprenkelt mit weißen und gelben Blüten. Die wahre Schönheit der Stadt aber, ich finde, jene zeigt sich erst beim Regen. Weil sie dann alles ist, außer trist und grau!

Montag, 2. Juni 2014

Noch mehr emotionaler Rahmenspaß I

Vor einiger Zeit habe ich eine Reihe geschrieben, die ich "Rahmenspaß mit destruktiven Emotionen" genannt hatte. Darin ging es um die Faktoren, die Rahmenbedingungen, die notwendig sind, damit jemand so etwas wie Furcht, Wut oder Neid empfindet. Gerade die eher zerstörerischeren Emotionen haben da aus psychologischer Sicht mehrere Vorteile, die sie für so eine Artikelreihe geeignet machen: Sie haben einen relativ klaren Zweck, sind sehr gut erforscht, und es gibt nur wenig begriffliche Unklarheiten.

Begriffliche Unklarheiten finden sich da durchaus - man denke da nur einmal an eher linguistische Fragestellungen, was nun Ärger, Wut oder Zorn voneinander unterscheiden soll. Sie sind im Sprachgebrauch etwas anders akzentuiert, aber die Emotion dahinter ist im Grunde dieselbe, für welche dieselben Rahmenbedingungen gelten.

Bei manch anderen Begriffen können sich hinter demselben Wort aber mehrere Emotionen befinden, die im krassesten Fall ganz andere Rahmenbedingungen haben können. Dazu kommt noch, dass manche der verbliebenen Emotionen deutlich weniger klare Zwecke haben. Insofern wird diese Reihe zwangsläufig schwammiger.

Glück/Freude

Was ist Glück bzw. Freude? Wann ist jemand glücklich, bzw. erfreut? Hier sind es weniger direkte Rahmenbedingungen (z.B. so etwas wie die persönliche Komponente bei Wut, oder die Zukunftsorientierung bei Furcht), sondern unterschiedliche Quellen. Ich persönlich sehe drei große Quellen möglichen Glücks.

1. Biologie - oder auch, wenn das Belohnungszentrum unseres Gehirns aktiv wird. Dies sind in aller Regel kurzzeitige Hochgefühle, die durch eine ganze Bandbreite ausgelöst werden können. Orgasmen, Sport, Lachen, gute Mahlzeiten, so genannte "Flow States", leider auch bestimmte Drogen und die Befriedigung bestimmter nichtorganischer Abhängigkeiten. Um nur einige zu nennen.

2. Erfüllung unserer Motive. Sicherlich sind Motive etwas, was sicherlich eine eigene Artikelreihe verdienen. Hier sind Dispositionen gemeint, was wir in unserer Umwelt mögen, anstreben, erreichen wollen. Und umgekehrt, was nicht. Für einen sehr geselligen Menschen kann der Aufbau eines großen Freundeskreises einerseits und das Verbringen von Zeit in jenem Freundeskreis sehr erfüllend sein und damit zu längerfristigen, wenn auch verglichen mit den biologischen Glücksgefühlen weniger stark ausgeprägten Freudegefühlen führen. Für einen eher ungeselligeren Menschen hingegen wäre das in derselben Situation das Gegenteil der Fall.
Damit einher geht auch die Frage, wie viel Erfüllung wir finden, wenn wir Ziele in unserem Leben erreichen. Gehen sie mit unseren Motiven einher, fühlen wir uns besser. Gehen sie nicht damit einher, dann lösen sie keine Freude, Zufriedenheit, oder was auch immer aus. Das heißt nicht, dass sie dann mit negativen Gefühlen einhergehen müssen - sie tun es dann oft, weil die Zielerreichung mit den dafür aufgewendeten Ressourcen verrechnet wird.
Ich kannte mal jemanden, der hatte eine sehr erfolgreiche Anwaltskarriere. Verdiente eine Menge Geld. Und war doch nicht glücklich. Später ist er dann in den künstlerischen Bereich gewechselt, arbeitete dort mehr, verdiente viel weniger, und war doch viel glücklicher. Wie kann das sein? Geld und Status machten ihn nicht glücklich. Seine Kreativität zu entfalten, Menschen mit seinen Werken zu begeistern, das hingegen schon.

3. Wachrufen von positiven Assoziationen, entweder bezogen auf 'biologische Ereignisse' oder erfüllte Motive. Das kann so etwas sein wie das Schwelgen in Erinnerung. Oder auch sich mit Dingen beschäftigen, die man in glücklicheren Kindheitstagen gemocht hat. Und sehr viel mehr - alles, was im aktuellen Moment einen schönen Moment aus der Vergangenheit wachrufen kann.
Mal zwei persönliche Beispiele: Bestimmte Musikstücke erinnern mich stark an für mich rückblickend sehr schöne Lebensabschnitte. Diese Musikstücke zu hören lässt mich fröhlicher werden, selbst wenn ich mit der generellen Musikrichtung heutzutage nur noch wenig anfangen kann.
Noch ein viel größeres Beispiel ist dafür mein Auto. Ich habe mir schon als wirklich kleines Kind, vor mehreren Jahrzehnten, genau dieses Auto irgendwann mal haben wollen. Ich habe es mir gekauft, nachdem ich eine sehr schwere persönliche Krisenzeit überwunden hatte. Es ist für mich ein Symbol dafür, dass Träume sich erfüllen können, und dass man aus Krisen gestärkt hervor gehen kann, egal wie dunkel sie einen vorkommen mögen. Diese Assoziationen weckt es. Auch wenn das absolut keinen logischen Sinn macht - muss es auch nicht, denn hier geht es um einen emotionalen Sinn.