Montag, 2. Juni 2014

Noch mehr emotionaler Rahmenspaß I

Vor einiger Zeit habe ich eine Reihe geschrieben, die ich "Rahmenspaß mit destruktiven Emotionen" genannt hatte. Darin ging es um die Faktoren, die Rahmenbedingungen, die notwendig sind, damit jemand so etwas wie Furcht, Wut oder Neid empfindet. Gerade die eher zerstörerischeren Emotionen haben da aus psychologischer Sicht mehrere Vorteile, die sie für so eine Artikelreihe geeignet machen: Sie haben einen relativ klaren Zweck, sind sehr gut erforscht, und es gibt nur wenig begriffliche Unklarheiten.

Begriffliche Unklarheiten finden sich da durchaus - man denke da nur einmal an eher linguistische Fragestellungen, was nun Ärger, Wut oder Zorn voneinander unterscheiden soll. Sie sind im Sprachgebrauch etwas anders akzentuiert, aber die Emotion dahinter ist im Grunde dieselbe, für welche dieselben Rahmenbedingungen gelten.

Bei manch anderen Begriffen können sich hinter demselben Wort aber mehrere Emotionen befinden, die im krassesten Fall ganz andere Rahmenbedingungen haben können. Dazu kommt noch, dass manche der verbliebenen Emotionen deutlich weniger klare Zwecke haben. Insofern wird diese Reihe zwangsläufig schwammiger.

Glück/Freude

Was ist Glück bzw. Freude? Wann ist jemand glücklich, bzw. erfreut? Hier sind es weniger direkte Rahmenbedingungen (z.B. so etwas wie die persönliche Komponente bei Wut, oder die Zukunftsorientierung bei Furcht), sondern unterschiedliche Quellen. Ich persönlich sehe drei große Quellen möglichen Glücks.

1. Biologie - oder auch, wenn das Belohnungszentrum unseres Gehirns aktiv wird. Dies sind in aller Regel kurzzeitige Hochgefühle, die durch eine ganze Bandbreite ausgelöst werden können. Orgasmen, Sport, Lachen, gute Mahlzeiten, so genannte "Flow States", leider auch bestimmte Drogen und die Befriedigung bestimmter nichtorganischer Abhängigkeiten. Um nur einige zu nennen.

2. Erfüllung unserer Motive. Sicherlich sind Motive etwas, was sicherlich eine eigene Artikelreihe verdienen. Hier sind Dispositionen gemeint, was wir in unserer Umwelt mögen, anstreben, erreichen wollen. Und umgekehrt, was nicht. Für einen sehr geselligen Menschen kann der Aufbau eines großen Freundeskreises einerseits und das Verbringen von Zeit in jenem Freundeskreis sehr erfüllend sein und damit zu längerfristigen, wenn auch verglichen mit den biologischen Glücksgefühlen weniger stark ausgeprägten Freudegefühlen führen. Für einen eher ungeselligeren Menschen hingegen wäre das in derselben Situation das Gegenteil der Fall.
Damit einher geht auch die Frage, wie viel Erfüllung wir finden, wenn wir Ziele in unserem Leben erreichen. Gehen sie mit unseren Motiven einher, fühlen wir uns besser. Gehen sie nicht damit einher, dann lösen sie keine Freude, Zufriedenheit, oder was auch immer aus. Das heißt nicht, dass sie dann mit negativen Gefühlen einhergehen müssen - sie tun es dann oft, weil die Zielerreichung mit den dafür aufgewendeten Ressourcen verrechnet wird.
Ich kannte mal jemanden, der hatte eine sehr erfolgreiche Anwaltskarriere. Verdiente eine Menge Geld. Und war doch nicht glücklich. Später ist er dann in den künstlerischen Bereich gewechselt, arbeitete dort mehr, verdiente viel weniger, und war doch viel glücklicher. Wie kann das sein? Geld und Status machten ihn nicht glücklich. Seine Kreativität zu entfalten, Menschen mit seinen Werken zu begeistern, das hingegen schon.

3. Wachrufen von positiven Assoziationen, entweder bezogen auf 'biologische Ereignisse' oder erfüllte Motive. Das kann so etwas sein wie das Schwelgen in Erinnerung. Oder auch sich mit Dingen beschäftigen, die man in glücklicheren Kindheitstagen gemocht hat. Und sehr viel mehr - alles, was im aktuellen Moment einen schönen Moment aus der Vergangenheit wachrufen kann.
Mal zwei persönliche Beispiele: Bestimmte Musikstücke erinnern mich stark an für mich rückblickend sehr schöne Lebensabschnitte. Diese Musikstücke zu hören lässt mich fröhlicher werden, selbst wenn ich mit der generellen Musikrichtung heutzutage nur noch wenig anfangen kann.
Noch ein viel größeres Beispiel ist dafür mein Auto. Ich habe mir schon als wirklich kleines Kind, vor mehreren Jahrzehnten, genau dieses Auto irgendwann mal haben wollen. Ich habe es mir gekauft, nachdem ich eine sehr schwere persönliche Krisenzeit überwunden hatte. Es ist für mich ein Symbol dafür, dass Träume sich erfüllen können, und dass man aus Krisen gestärkt hervor gehen kann, egal wie dunkel sie einen vorkommen mögen. Diese Assoziationen weckt es. Auch wenn das absolut keinen logischen Sinn macht - muss es auch nicht, denn hier geht es um einen emotionalen Sinn.

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