Mittwoch, 11. Juni 2014

Noch mehr emotionaler Rahmenspaß III

Endlich einmal eine eindeutige Emotion! Nicht mehrere Emotionen hinter demselben Namen, nicht ganz unterschiedliche Auslöser, nur ein kleines, seltsames Detail.

Ekel

Ekel ist aus einem Grund interessant: Über alle Kulturen hinweg ist sowohl die körperliche Reaktion als auch so Aspekte wie die Mimik auf 'ekelige' Reize identisch, wir haben es hier also mit einer sehr grundlegenden Emotion zu tun. Nur wovor sich geekelt wird, das hat eine riesige Lernkomponente. In dem Sinne:

- Abwehrreaktion auf potentiell gesundheitsschädliche Reize.
- Worauf reagiert wird, ist erlernt.
- Emotionsziel: Körperlichen Schaden abwehren, indem der Reiz (je nach dessen Natur) nicht berührt bzw. zumindest nicht gegessen wird.
- Zeitorientierung: Gegenwartsorientiert.

Der erste Punkt (und damit einhergehend das Emotionsziel) ist ziemlich klar, und wohl auch der evolutionäre Hintergrund der Emotion. Wir reagieren bevorzugt mit Ekel auf Reize, die auf Gesundheitsgefahren hinweisen. Bitterkeit, Schleim, Verwesung, Fäule. Auch bei manchen Phobien zeigt sich zusätzlich zur Angstreaktion eine deutliche Ekelsensation.

Allerdings: Kleine Kinder zeigen keine Ekelreaktion. Worauf mit Ekel reagiert wird, ist teilweise sehr verschieden zwischen unterschiedlichen Kulturen. Sei es was die Nahrungsmittel angeht, den Umgang mit Körperausscheidungen, wenn man in fremden Kulturen mal abseits der Touristikrouten unterwegs ist, erlebt man da meiner Erfahrung nach öfter mal einen Kulturschock.

Das ist eine Möglichkeit, wo Ekel herstammen kann. Von der Umwelt erlernt und übernommen. Die andere Möglichkeit sind eigene Erfahrungen. Wenn man zum Beispiel einmal nach dem Verzehr einer bestimmten Speise starke Bauchschmerzen bekommt, besteht die Chance, dass sich in Zukunft davor geekelt wird. Selbst wenn zwischen Bauchschmerzen und der Speise kein kausaler Zusammenhang bestand.


Ekel ist nicht wirklich Angst. Gewisse Ähnlichkeiten mit Angst sind vorhanden. Beides sind "Weg-Von-Emotionen", die dem Schutz des Körpers dienen, und sie können wie erwähnt manchmal zusammen auftreten (spezifische Phobien haben oft sowohl Ekel als auch Furcht als Komponenten). Allerdings ist einerseits die körperliche Reaktion anders, auch das angeregte Verhalten. Ekel fehlt der Fluchtimpuls. Ebenso ist Ekel gegenwartsorientiert. Kann man sich auch vor etwas in der Vergangenheit oder in der Zukunft ekeln? Ja, aber man muss es mental in den aktuellen Moment holen, damit die Emotion wachgerufen wird. Furcht als zukunftsorientierte Emotion hingegen schwindet, wenn man sich in den aktuellen Moment orientiert.

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