Samstag, 21. Juni 2014

Rationale vs. funktionale Logik

Welche Rolle spielt Logik in der Psychologie? Gute Frage. Schwere Frage. Ich unterscheide da für mich zwischen zwei Arten von Logik. Dem, was man im Alltag darunter versteht. Der rationalen Logik. Die ist sehr oft nicht anwendbar, wie folgendes Gedankenspiel zeigt: "Stellen Sie sich vor, jemand kommt mit einer Spinnenphobie zu Ihnen. Sie erklären Ihrem Klienten ausführlich, dass alle in Deutschland lebenden Spinnen harmlos sind. Führen Quellen an. Zeigen auf, dass Spinnen sogar nervige und gefährliche Insekten wie Mücken und Wespen fressen, also sogar nützlich sind. Glauben Sie, Ihr Klient ist danach von seiner Spinnenphobie befreit?"

Wenn ich diese Frage stelle, ist allgemein Kichern die Antwort. Weil es zu abstrus ist. Menschen funktionieren so nicht. Jedenfalls nicht alleine so.

Betrachten wir aber neben der intellektuellen Ebene noch so Aspekte wie Motivation, Emotion, Aufmerksamkeit, dann ergeben plötzlich eine ganze Reihe von Problemfeldern der Psychologie Sinn. Ebenso die Interventionsmöglichkeiten. Keinen direkt rationalen, aber einen, den ich "funktional" nennen möchte. Von harmloseren Herausforderungen wie einer unmotivierten Schulklasse in der pädagogischen Psychologie bis hin zu teilweise sehr schweren und extremen Störungen in der klinischen Psychologie, hinter den meisten dieser Beobachtungen steckt eine gewisse Logik. Ein Sinn, der sich aber erst ergibt, wenn man eben nicht nur die reine rationale Logik betrachtet, sondern auch all die Aspekte jenseits des intellektuellen Verstands betrachtet.

Allerdings auch nicht bei allen Phänomenen. Manche stehen noch außerhalb jedweder auch funktionaler Logik. Gerade, wenn körperliche Veränderungen hinzu kommen bzw. auslösend sind. Dummerweise kann dasselbe Problem sowohl funktional logisch als auch jenseits davon sthend bedingt sein. Nehmen wir einmal Schlafstörungen. Steckt dahinter so etwas wie Stress, oder suboptimale Einschlafbedingungen, kann man dort gut eingreifen, weil die Ursache funktional logisch bedingt ist. Liegt hingegen eine organische Ursache vor, z.B. Atemunterbrechungen im Schlaf, sieht die Situation ganz anders aus.

Weiterhin: Auch etwas funktional Logisches kann dysfunktional sein! Um auf das Beispiel vom Anfang zurückzukommen, eine Spinnenphobie ist sowohl funktional logisch als auch dysfunktional. Funktional bezieht sich hier darauf, dass sich die Probleme aus bestimmten geistigen Funktionen ergeben. Motivation hat uns unsere Zivilisation beschert, uns selbst all das in unserem Leben erreichen lassen, was wir erreicht haben - gleichzeitig spielen motivationale Aspekte genauso eine Rolle bei der Entstehung von Angststörungen.

Wenn wir eine Ahnung davon haben, wie unser Intellekt, unsere Emotionen und unsere Motivation zusammen spielt, dann können wir auch scheinbar widersinniges Verhalten und Erleben sehr gut nachvollziehen - weil wir dann einen Einblick in die funktionale Logik dahinter haben. Das ist durchaus etwas, was ich an der Psychologie reizvoll finde.

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