Freitag, 13. Juni 2014

Was haben der kochende Frosch, die Salamischeibentaktik und ein wichtiges Änderungsparadox gemeinsam?

Eins wiederhole ich gebetsmühlenartig in Vorlesungen: Manche Ideen in der Psychologie tauchen wieder und wieder und immer wieder auf, wenn auch unter manchmal etwas anderen Begrifflichkeiten.

Fassen wir einmal kurz zusammen:
- Der kochende Frosch: Beruht auf dem Bildnis, dass ein Frosch, der sich in langsam erwärmenden Wasser befindet, drin sitzen bleibt, selbst wenn das Wasser zu heiß wird und ihn tötet. Jedoch herausspringen würde, würde er sofort in das heiße Wasser geworfen. Ich weiß nicht, ob dieses Bildnis stimmt. Und bitte, probiert es nicht aus. Bei diversen Problembereichen im psychologischen Bereich kann man aber diesen Effekt beobachten. Ein Messie wird nicht über Nacht zum Messie, das ist eine schleichende Entwicklung. Ebenso Adipositas. Dysfunktionale Familienstrukturen gleichsam.
- Salamischeibentaktik: Forderungen oder Aufgaben Stück für Stück stellen, nacheinander, nicht auf einmal. Ich hoffe, du siehst hier bereits eine gewisse strukturelle Ähnlichkeit zum kochenden Frosch; nur ist dies ein von einer Seite aus aktiver Prozess.
- Änderungsparadox: Wenn wir uns verändern, nicht plötzlich, sondern im Laufe der Zeit, sind wir oft die letzten, die das bemerken. Was wiederum den kochenden Frosch erklärt.

In gewisser Weise. Hinter all den Phänomenen, und noch viel, viel mehr, steckt unser alter Bekannter, das Kontrastprinzip: Wir brauchen Kontraste, um Änderungen zu bemerken, oder um die Gesamtheit einer Situation richtig zu erfassen. Fehlen die Kontraste, sind unsere Einschätzungen, was Änderungen und Entwicklungen angeht, oftmals fehlerhaft.

Genau heute vor zwei Jahren habe ich eine ziemlich große Änderung in meinem Leben angestoßen. Ein Vorhaben, von dem ich wusste, dass es sich über Jahre ziehen würde. Hier zeigte sich auch für mich das Kontrastprinzip - ich bemerke die Änderungen an mir nicht. So etwas ist aus motivationspsychologischer Sicht unglücklich. Außer natürlich (hey, warum bin ich denn Psychologe?), du nutzt das Kontrastprinzip für dich selbst aus.

Beispielsweise, je nachdem, was angestrebt wird, durch regelmäßige Aufzeichnungen. Welcher Art, hängt von der Art des Vorhabens ab. Wenn zum Beispiel jemand an seiner Stimme arbeitet, Aufnahmen der eigenen Stimme. Wenn Fähigkeiten gelernt werden, regelmäßige Arbeitsproben. Werden Äußerlichkeiten verändert, Fotos. All das, und viel mehr, schafft Kontraste. Diese lassen uns nicht nur Änderungen erkennen, sondern können uns auch motivieren.

Und sei es nur, im Zweifelsfall, um wie ein Frosch aus dem Wasser zu hüpfen.

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