Donnerstag, 24. Juli 2014

Deduktives Denken | Induktives Denken

Mal zur Abwechslung ein wenig Theorie. Es gibt zwei Arten von Denkmustern, mit denen wir zu neuen Erkenntnissen gelangen - egal ob im Alltag, in der Wissenschaft, oder sonst wo. Auch wie wir Probleme angehen, hängt davon ab, in welchem Denkmodus wir uns befinden.

Jeder Mensch ist (von ganz seltenen Ausnahmen abgesehen) grundsätzlich zu beiden Denkarten fähig, allerdings gibt es Präferenzen. Weiterhin dauert es meist eine gewisse Übergangszeit, um von einer Denkart in die andere umzuschalten. Viele Intelligenztests benutzen Aufgaben für beide Arten des Denkens - denn es ist ein Anzeichen von hohem IQ, beide gut zu beherrschen. (Das ist übrigens auch ein Trick, bei IQ-Tests bessere Werte zu erzielen - vorher neben der eigenen präferierten Denkweise jene üben, die einem sonst nicht so liegt.)

Wie sehen nun diese beiden Denkweisen aus?

Deduktives Denken: Dies ist eine Denkweise von oben nach unten. Am Anfang steht eine Regel, eine Theorie, wie auch immer. Von dieser Theorie aus wird dann abgeleitet, was sich aus dieser Theorie ergibt. Weiter, was sich aus den Konsequenzen davon ergibt. Es ist ein sehr rationales, vom Großen ins Kleine gehende Denken. Deduktives Denken ist dann sehr stark, wenn es um das Abschätzen von Konsequenzen geht. Funktioniert dann sehr gut, wenn die Anfangsprämisse korrekt ist.

Induktives Denken: Dies ist eine Denkweise von unten nach oben. Am Anfang stehen Beobachtungen, aus denen dann Regeln abgeleitet werden. Aus denen sich dann möglicherweise noch weitere höhergeordnete Regeln ableiten lassen. Es ist ein holistisches, umfassendes Denken. Induktives Denken ist dann sehr stark, wenn es um die Entdeckung von Zusammenhängen geht, die sich schlecht a priori rational erklären lassen. Funktioniert dann sehr gut, wenn die Beobachtungen halbwegs repräsentativ sind.

In der Wissenschaft werden oft die Ergebnisse von einer Theorie aus der einen Denkweise mit der anderen Denkweise überprüft. Sagen wir mal ein induktiv erschlossener Zusammenhang - aus den abgeleiteten Regeln können dann deduktiv weitere mögliche Beobachtungen abgeleitet und dann überprüft werden. Umgekehrt sollte sich bei einer deduktiv erarbeiteten Theorie die aufgezeigten Konsequenzen dann auch in den Beobachtungen zeigen.

Beide Denkweisen haben auch ihre Schwächen. Ist bei einem deduktiven Vorgehen die Anfangsprämisse fehlerhaft, wirkt sich dies auf alle daraus abgeleiteten Schlüsse aus. Sind die Grundbeobachtungen beim induktiven Vorgehen nicht repräsentativ, werden fehlerhafte Regeln abgeleitet. Genauso sind beide Denkweisen für unterschiedliche Arten von Fehlern anfällig - falsche Schlussfolgerungen beim deduktiven Denken, falsch erkannte Zusammenhänge beim induktiven Denken.

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