Montag, 7. Juli 2014

Internet und Anonymität

Vor einigen Jahren gab es den (zum Glück nicht umgesetzten) Vorschlag von Politikern, im Internet nur noch unter dem eigenen Namen Texte zu veröffentlichen - womit nicht nur Blogs gemeint waren, sondern auch Kommentare, Forenbeiträge, und sehr viel mehr.

Jetzt denken wir mal einen Schritt weiter, was das wirklich bedeutet hätte. Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen 'realer' und virtueller Kommunikation - virtuelle Kommunikation bleibt theoretisch unbegrenzt erhalten. Entsprechend, das ist auch ein Teil der Medienkompetenz, muss man diesbezüglich aufpassen, was man von sich im virtuellen Raum offenbart. Seien es Erlebnisse, seien es Einstellungen, seien es auch nur so etwas wie flapsige Bemerkungen. Die entsprechenden Politiker brachten den Klarnamenszwang ein und verglichen die Nutzung von Fantasienamen als Vermummung - wofür sie jedoch plädierten, wäre vergleichbar mit realer Kommunikation, wenn jedes Gespräch aufgezeichnet und für jeden Mitmenschen leicht auffindbar und durchsuchbar zur Verfügung gestellt würde. Man stelle sich da mal ein Bewerbungsgespräch vor - "so Frau Müller, das klingt ja ganz schön, aber was sie vor sieben Jahren in der Kaffeepause für einen Witz gerissen haben - glauben sie ernsthaft, so jemanden könnten wir einstellen?"

Es würde die offene Diskussionskultur im Internet zerstören. Für viele Menschen eine Menge Nachteile bedeuten. Mir persönlich ist ein anonymes Internet viel lieber als eines, in dem man ob fehlender Anonymität jedes Wort auf die Goldwaage legen muss. Chilling Effect lässt grüßen.

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