Sonntag, 6. Juli 2014

Man kann nicht nicht X

Von Watzlawick stammt der berühmte Satz "man kann nicht nicht kommunizieren", und das ist absolut korrekt. Auch auf etwas nicht zu reagieren, oder die Anwesenheit eines anderen (vorgeblich) nicht zur Kenntnis zu nehmen, oder jedwede sprachliche Kommunikation zu meiden, sagt das nonverbal ebenfalls eine Menge aus. Genauso wie ein Ratschlag, den ich in Sachen Kommunikation immer gebe: Statt Füllwörter ("äh" und co) zu verwenden, lieber mit Pausen sprechen. Lustig ist, beide haben für den Sprecher denselben Effekt (Nachdenkzeit), aber wie wirken sie aufs Gegenüber? Völlig unterschiedlich.

Allerdings gibt es neben der Kommunikation noch ein paar weitere Bereiche des Lebens, wo der Satz "man kann nicht nicht X" anwendbar ist.

Zuvorderst fällt mir Lernen ein. Man kann nicht nicht lernen. Bewusst und unbewusst, aus jeder Erfahrung die wir machen, nehmen wir etwas mit. Jedes einzelne Erlebnis, egal wie trivial oder bedeutsam es ist, bereichert und verändert unsere Sicht der Welt. Aus dem Grund lassen sich auch oft Ressourcen für Probleme in anderen Lebensbereichen finden. Wir lernen aus Erfolgen. Wir lernen genauso aus Misserfolgen - und sei es nur, wie etwas nicht funktioniert. Wie sagte einst Edison? "Ich habe 999 Gemische gefunden, bei denen Glühlampen durchbrennen!"
Wir lernen durch die Menschen, mit denen wir uns umgeben (Stichwort soziale Ansteckung). Wir lernen durch unsere Krisen. Wir lernen mehr darüber, wer wir sind, durch die Art, wie wir uns Verhalten, wie wir denken, wie wir fühlen.

Damit einhergehend: Man kann nicht nichts verändern. Beispielsweise bei Interventionen: Irgendetwas passiert immer. Nicht unbedingt das, was man beabsichtigt hat. Aber selbst wenn etwas nicht funktioniert, lernt man etwas dazu. Um ein Beispiel aus dem Rahmenwerkzeugkasten herauszugreifen - das große Bild ist in den allermeisten Fällen ein fantastisches palliatives Manöver. Wenn es jedoch nicht greift, weil auch beim "herauszoomen" aus dem Problem nur noch immer weitere und größere Probleme auftauchen, dann weiß man anschließend, dass man noch ganz andere Probleme zu lösen bzw. zumindest im Hinterkopf zu behalten hat.
Regelmäßig werde ich gefragt, "was, wenn etwas nicht funktioniert?", nur funktionieren tut alles. Nur nicht unbedingt so, wie gedacht - man kann nicht nichts verändern, man kann nicht nichts lernen. Wenn etwas nicht klappt, Strategie ändern. Stichwort Einstein, Wahnsinn ist, immer dasselbe zu versuchen, und andere Ergebnisse zu erwarten.

Was mir auch durch den Kopf geht, man kann nicht nicht leben. Wir starten alle mit unterschiedlichen Startbedingungen ins Leben, manche mit besseren, andere mit schlechteren. Wir beschreiten alle unsere Wege im Leben, machen mehr oder weniger das beste aus dem, was uns an Karten gegegeben worden ist. Was immer wir tun, für welche Wege wir uns auch immer entscheiden, wo auch immer sie uns hinführen, welche Erfahrungen wir auch immer auf ihnen machen - so lange wir leben, leben wir. Machen wir das Beste daraus!

Kommentare:

  1. Lieber Björn,
    ja, es stimmt, man kann nicht nicht kommunizieren. In diesem Zusammenhang stellst du völlig berechtigt die Frage, wie wirkt sich dies auf das Gegenüber aus? Ich finde es an dieser Stelle sogar besonders wichtig sich diese Frage zu stellen, denn den Inhalt einer Nachricht bestimmt ja bekanntlich immer der Empfänger. Welchen Nutzen hat es nun mein Gegenüber mit meiner vermeintlichen „Nicht-Kommunikation“ alleine zu lassen? Du schreibst „Auch auf etwas nicht zu reagieren, oder die Anwesenheit eines anderen (vorgeblich) nicht zur Kenntnis zu nehmen, oder jedwede sprachliche Kommunikation zu meiden, sagt das nonverbal ebenfalls eine Menge aus.“. Aber selbst wenn es eine Menge aussagt, wenn der Empfänger es nicht deuten kann, welchen Sinn hat es dann? (Außer den Empfänger evtl. bewusst zu verwirren?). Aus einem vermeintlichen Nicht-Beachten oder einem Verweigern der sprachlichen Kommunikation, ist es schwierig die dahinter steckende Intention zu erkennen. Am Ende steht der Empfänger womöglich da und zerbricht sich den Kopf. Spontan fallen mir persönlich (es gibt sicher noch mehr) zwei mögliche Gründe für diese Art von nonverbalem Verhalten ein: Schüchternheit oder Ablehnung. Da ich selbst innerhalb der vergangenen Jahre meine Schüchternheit abgelegt habe, würde ich – von mir selbst ausgehend – immer zuerst von Ablehnung ausgehen. Und so wird vermutlich das Urteil in der Regel ausfallen: Der Empfänger nimmt sich selbst als Bezugsrahmen, fragt sich „warum würde ich mich so verhalten?“, sagt sich weiter „Na klar, weil mir die andere Person auf den Keks geht“ und ist durch diese scheinbare Erkenntnis vielleicht eingeschnappt und/oder zieht sich vielleicht zurück, selbst wenn der Sender ganz andere Beweggründe hat. Es muss ja nicht einmal etwas mit dem Empfänger zu tun haben. Wenn ich die „nicht-kommunizierende“ Person beobachte und mir dabei die Frage stelle „ist er nur mir gegenüber so, oder auch anderen?“, kann ich evtl. zu der Erkenntnis kommen, dass er nicht nur mit mir nicht, sondern mit niemandem redet und vielleicht einfach nur keine Lust hat zu reden, generell nicht. Dann wüsste ich, dass es zumindest nichts mit mir persönlich zu tun hat. Wenn die andere Person aber offenbar mit allen anderen fröhlich daher labert, aber nur mit mir nicht, dann weiß ich zumindest, dass es an mir liegt, weiß aber noch immer nicht warum. Das heißt, der Empfänger muss erstmal genau beobachten, reagiert die Person generell auf niemanden oder nur auf ihn nicht. Aber selbst wenn er sich da sicher ist, bleibt am Ende immer noch ein großes Stück raten. Und wie das Raten ausgeht, hängt dann sicher auch maßgeblich davon ab, ob der Empfänger einen selbstwertdienlichen Attributionsstil hat, oder eher nicht, wie er gerade drauf ist, ob er mit anderen Personen bereits positiv kommuniziert hat. Und nun mal Hand aufs Herz, wollen wir als Sender nicht auch irgendwo, dass der Empfänger weiß, was wir ihm mitteilen wollen? Das Klischee der Frau, die erwartet, dass ihr Mann immer genau weiß was sie von ihm erwartet, gilt das nicht irgendwo für uns alle? Wir verhalten uns oft, ich nenne es mal stark interpretierbar und erwarten, dass andere genau wissen, was wir denken. Andersherum stehen wir ständig vor dem Rätsel, erraten zu müssen, was der andere denkt, was er uns mitteilen will. Erstes Semester – erste Vorlesung: Einführung in das Gedankenlesen. Das blieb leider aus. Aber sicher ist es besser so, vielleicht wollen wir oft gar nicht wissen, was der andere wirklich denkt. Unsere eigenen zurechtkonstruierten Gründe sind uns manchmal lieber als die tatsächliche Wahrheit. Und sie sind genau so Wahrheit, eben unsere Wahrheit. Zumindest so lange bis der Sender das Rätsel vielleicht löst. Wäre es da nicht einfacher immer direkt auszusprechen was man meint? (Zumindest wenn man möchte, dass der Empfänger einen versteht). Andersherum: Möchten wir diese Form von absoluter Ehrlichkeit („Du nervst mich, geh bitte weg“) wirklich erleben?

    ... Im nächsten Kommentar gehts weite, leider reicht der Platz hier nicht mehr....

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  2. ...hier gehts weiter....

    Jetzt noch ein Gedanke zu deiner Ausführung „was, wenn etwas nicht funktioniert?". Ich bekam zu Schulzeiten einmal eine Deutschklausur vorgelegt, in dieser sollte eine Kurzgeschichte analysiert werden. Diese Geschichte ist mir bis heute nicht aus dem Kopf gegangen und ich habe selbst jetzt, viele Jahre später, noch neue Interpretationsmöglichkeiten gefunden. Damals war ich damit ein bisschen überfordert, aber ich habe das Gefühl, mit jedem Stückchen weiterer Lebenserfahrung, mehr in diese Geschichte hinein deuten zu können. Ich versuche sie mal kurz einigermaßen zusammen zu bekommen: Es geht um einen jungen Mann, der auf einem Bahnsteig steht. Er steht dort und wartet auf einen Zug. Neben ihm sieht man eine Werbetafel, auf der ein wunderschönes Urlaubsparadies abgebildet ist. Der Mann möchte dort hin und geht davon aus, dass dieser Zug, der vermutlich sehr bald eintreffen wird, ihn dort an dieses Ziel bringt. Und so wartet er und wartet er. Die ganze Zeit geht er davon aus, dass der Zug nun jeder Zeit eintrifft. Und so wartet er weiter, bis er letztendlich alt, grau und klapprig ist. Als er wirklich nur noch ein alter Greis ist, fährt auf einmal ein Zug ein. Der Zug hält, der alte Mann wird gepackt und in den Zug geschmissen und der Zug fährt ab.

    Ich könnte jetzt meine Interpretation(en) der Geschichte einwerfen, aber ich möchte dir, oder vielleicht auch anderen erst einmal die Gelegenheit geben, sich selber Gedanken zu machen.

    Herzliche Grüße

    (P.S. sich dazu zu entscheiden etwas anonym zu posten, ist auch eine Form der nonverbalen Kommunikation)

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  3. Aloha,

    danke für diesen ausführlichen Kommentar! Ich glaube, zum Thema Anonymität und Internet schreibe ich nebenher mal etwas - ich halte Anonymität für sinnvoll und nicht als Teil etwaiger nonverbaler Kommunikation ;-).

    "Welchen Nutzen hat es nun mein Gegenüber mit meiner vermeintlichen „Nicht-Kommunikation“ alleine zu lassen?"
    Die Frage setzt voraus, dass damit überhaupt ein Ziel verfolgt wird, und es zudem um das Gegenüber geht. Kann der Fall sein. Muss aber nicht. Wie Du richtig sagtest, Gedankenlesen ist nicht Teil des Lehrplans. Von außen zu sagen, warum jemand versucht, nicht zu kommunizieren, ist schwierig. Kann sowohl interne Gründe haben - sei es die Stimmung der Person, deren Schemata (Stichwort z.B. peinliche Stille im Fahrstuhl), sei es ein sehr interner Fokus (heißt derjenige ist mit seinen Gedanken schlicht woanders), und was sonst noch vorstellbar ist. Ebenso natürlich könnte der Grund auch in der (gemiedenen) Interaktion liegen, wo wiederum eine ganze Reihe möglicher Ursachen vorliegen könnten. Das weiß man nicht. Man weiß vorher nicht, wo der Schmerzpunkt liegt. Kann man sicherlich durch Beobachtungen eingrenzen (z.B. ist die Person nur einen selbst gegenüber nichtkommunikativ, oder auch anderen gegenüber?), ebenso je nach Situation durch Fragen - letzteres setzt aber voraus, dass es doch zu einer Kommunikation kommt. Und man zwischen den Zeilen hören kann.

    "wenn der Empfänger es nicht deuten kann, welchen Sinn hat es dann?"
    Die Frage, geht es um den Empfänger, oder um den Nicht-Nicht-Kommunizierer? Für den Nicht-Nicht-Kommunizierer hat sein Verhalten eine Funktion (auch wenn jene möglicherweise dysfunktional ist), unabhängig davon, wie dies beim Empfänger real ankommt. Gerade, da diesbezüglich gern viel projiziert wird.

    "Schüchternheit oder Ablehnung. Da ich selbst innerhalb der vergangenen Jahre meine Schüchternheit abgelegt habe, würde ich – von mir selbst ausgehend – immer zuerst von Ablehnung ausgehen."
    Erstens: Glückwunsch!
    Ablehnung und Schüchternheit können zwei mögliche Gründe sein. Es kann genauso gut sein, dass das Gegenüber einen schlechten Tag hat, mit sich selbst beschäftigt ist, selbst Angst hat bzw. Ablehnung fürchtet, oder (oh oh, das ist jetzt ein sehr großes Fass) keinen Wert in der Interaktion befürchtet. Menschen neigen auch dazu, zu versuchen, nicht zu kommunizieren, wenn sie in der Interaktion keinen wie auch immer gearteten Wert sehen. Wert ist hierbei sehr weit gefasst - auch so etwas wie ein interessantes Gespräch, Neuigkeiten, wie auch immer, fallen unter Wert. Das Gegenteil von Wert? An dieser Stelle bitte an den letzten Werbeanruf denken. Das Gefühl, wenn man die ersten Sätze des Telefonagenten hört, beruht auf "das hat keinen Wert für mich".

    "er Empfänger nimmt sich selbst als Bezugsrahmen, fragt sich „warum würde ich mich so verhalten?“, sagt sich weiter „Na klar, weil mir die andere Person auf den Keks geht“ und ist durch diese scheinbare Erkenntnis vielleicht eingeschnappt und/oder zieht sich vielleicht zurück, selbst wenn der Sender ganz andere Beweggründe hat."
    Oh ja.

    (Auch ich muss zwei Kommentare schreiben. Hrmpf.)

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  4. "„ist er nur mir gegenüber so, oder auch anderen?“, kann ich evtl. zu der Erkenntnis kommen, dass er nicht nur mit mir nicht, sondern mit niemandem redet und vielleicht einfach nur keine Lust hat zu reden, generell nicht."
    Gedankennotiz: Erst ganzen Beitrag lesen, dann antworten. Sehr schön gesagt!

    "ob der Empfänger einen selbstwertdienlichen Attributionsstil hat, oder eher nicht, wie er gerade drauf ist, ob er mit anderen Personen bereits positiv kommuniziert hat. "
    Mal ein persönliches Element: Ich habe zur Studienfinanzierung im Techniksupport für einen großen Kabelfernsehanbier gearbeitet. Da lernt man so ziemlich als erstes, Wut und Ärger anderer Leute nicht persönlich zu nehmen. Geht gar nicht anders.

    "Und nun mal Hand aufs Herz, wollen wir als Sender nicht auch irgendwo, dass der Empfänger weiß, was wir ihm mitteilen wollen?"
    Wäre sinnvoll, ja. Ich kenne aber leider auch genug Personen, die eine bewusst unklare Kommunikation als Strategie nutzen, einfach um im Zweifelsfall zu sagen, etwas ganz anders gemeint zu haben, bzw. Ausreden parat zu haben. (Für solche Fälle mag ich das Metamodell I sehr.)

    "ndersherum stehen wir ständig vor dem Rätsel, erraten zu müssen, was der andere denkt, was er uns mitteilen will."
    Meine persönliche Erfahrung: Andere Leute teilen uns viel, viel mehr mit, als sie eigentlich beabsichtigen. Ist nicht immer einfach zu entschlüsseln, und da ist auch viel "Hintergrundrauschen" dabei. Nur, und da hast Du völlig recht - oftmals teilen sie jedoch nicht mit, was sie uns eigentlich mitteilen wollen.

    "Möchten wir diese Form von absoluter Ehrlichkeit („Du nervst mich, geh bitte weg“) wirklich erleben?"
    Ist dies wirklich Ehrlichkeit, selbst wenn die beteiligten Personen es als ehrlich erleben? Was ich meine: Es sagt nichts darüber aus, wie es zum Genervtsein kommt, wie das zu erklären ist - und selbst darunter verbergen sich eine ganze Menge weiterer Prozesse, durch die es zu diesem 'Urteil' kommt. Genauso die Frage, wo die Intention hin geht. Könnte zum Beispiel nur eine "temporäre" Wahrheit sein, die einer "längerfristigen" Wahrheit entgegen geht. (Beispiel: Wenn ich mit Datensätzen rechne, nervt mich auch ausnahmslos jede Person, die mich dabei unterbricht. Dennoch will ich nicht meinen gesamten Sozialkreis dauerhaft aus meinem Leben werfen, nur weil die Gefahr besteht, dass sie mich mal zu einem unglücklichen Zeitpunkt unterbrechen. Durchatmen, geistig umschalten...)

    Schöne Geschichte! Danke, dass Du sie mit mir und allen anderen Lesern geteilt hast.
    Das ist, finde ich, auch ein faszinierender Aspekt von allen Arten von Geschichten. Sie verändern sich, je mehr wir uns verändern, weil wir im Laufe unseres Lebens viel mehr Interpretationsmöglichkeiten finden. Irgendwann muss ich all die Bücher, die ich so im Laufe des Lebens angesammelt habe, mal wieder lesen. Hm. Erst mal mit dem Datensatz da fertig werden. Seufz.

    Beste Grüße,
    Björn

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  5. Lieber Björn,

    das war ja eine noch ausführlichere Antwort auf meine ohnehin schon sehr ausführliche Antwort. Da würde ich jetzt glatt ein "like" drunter setzen.
    Ich hatte gestern, als ich den Beitrag schrieb, ebenfalls einen zu bearbeitenden Datensatz vorliegen, bzw. ich habe parallel versucht eine hübsche Grafik einer simple slope Analyse zu erstellen. Hat auch noch hingehauen. Das mit den alten Büchern lesen wollen, kenne ich nur zu gut. Zur Zeit versuche(!) ich mein Lieblingsbuch aus meiner Jugend noch einmal zu lesen (Surfen mit dem Mörder von Sally Chapman). Darin wird ebenfalls das Thema Anonymität im Internet und die möglichen negativen Folgen thematisiert.

    Vielleicht findest du ja nach dem Bearbeiten deines Datensatzes doch einmal die Zeit, über meine Kurzgeschichte nachzudenken. Deine Gedanken dazu würden mich interessieren. Wenn nicht, ist auch ok ;). Oder soll ich zuerst? Oder denken wir uns alle einfach still unseren Teil?

    Noch zu einer Ausführung von dir: "Es kann genauso gut sein, dass das Gegenüber einen schlechten Tag hat, mit sich selbst beschäftigt ist......oder (oh oh, das ist jetzt ein sehr großes Fass) keinen Wert in der Interaktion befürchtet."
    Zum ersten Teil: das würde das "vorgeblich" in deinem Satz (aus deinem Ausgangspost) "...oder die Anwesenheit eines anderen (vorgeblich) nicht zur Kenntnis zu nehmen" relativieren. Wenn der jenige mit sich selbst beschäftigt ist, dann nimmt er die andere Person evtl. tatsächlich nicht wahr.
    Zum zweiten Teil: gehört für mich in die Kategorie Ablehnung. Warum lehne ich wohl eine Interaktion bzw. einen Menschen und die damit einhergehende Interation mit diesem Menschen ab? Weil ich darin keinen Wert für mich sehe.

    Herzliche Grüße

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  6. Guten Abend,

    was mir zu der Geschichte einfällt? Mehrere Sachen:
    - Der Mann wartet, handelt aber nicht. Er sieht sich mehr auf der Wirkungsseite des Lebens, nicht auf der Ursachenseite.
    - Geht natürlich auch in Richtung falsche Informationsverknüpfung. Werbung vom Paradies und Zug. Assoziation dort, aber kein Kausalzusammenhang.
    - Er sucht sein Paradies außen, anhand von Versprechungen, Verlockungen von Werbung und Bildern. Jedoch nicht in sich. Interne vs. externe Anreize. Kenne da doch so manche, die sagen, das wahre Paradies findet sich nur in uns, egal wo wir uns außen befinden. Ich finde, da steckt durchaus viel Wahrheit drin.
    - Der Mann fragt nicht nach. Er befindet sich die meiste Zeit seines Lebens auf einem Irrweg, und fragt dennoch nirgendswo nach. (Zugegebenermaßen taucht niemand sonst in der Geschichte, so wie sie zusammengefasst wurde, auf. Aber vielleicht so etwas wie ein Aushang des Fahrplans?)
    - Zu warten, dass das Glück einem begegnet (siehe erste Inspiration) kann sehr, sehr lange dauern. Und möglicherweise wartet man vergebens.
    - Die letzte Szene ist seltsam. Einerseits aktiviert sie, je nach Kultur, unterschiedlichste Assoziationen, aber absolut keine positiven. Auf der anderen Seite gibt das der Geschichte einen, wie ich finde, religiösen Unterhauch. Als der Zug kommt, und er dort hereingerissen wird, ist er alt und klapprig; und wo der Zug hinfährt, weiß vorher niemand, aber er denkt an ein Paradies. Metapher für den Tod?

    Das waren jetzt Assoziationen, die mir bei der Zusammenfassung kamen. Jedoch, wie immer es bei Geschichten ist - ihre Bedeutung, wenn sie einen emotional beschäftigen, ist sehr individuell und persönlich. Deutschunterricht zu Schulzeiten mit der Einstellung vieler Lehrenden, (Kurz-)Geschichten hätten nur eine korrekte Interpretation, waren mir ein Graus.

    PS: Das mit dem keinen Wert in der Interaktion hat, da hast Du völlig recht, mit Ablehnung zu tun. Gemeint hatte ich hier keine Ablehnung der Person, sondern der Interaktion.

    Beste Grüße,
    Björn

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  7. Guten Mittag,

    ich schrieb ja "Warum lehne ich wohl eine Interaktion bzw. einen Menschen und die damit einhergehende Interation mit diesem Menschen ab?". Es war also auf Ablehnung allgemein bezogen, egal ob nur auf die Interaktion alleine bezogen oder auch auf die Person. Außerdem, wenn ich mit einem Menschen vorher noch nie gesprochen habe und ich die erste und vll. auch einzige Gelegenheit ablehne, dann lehne ich damit ja auch automatisch irgendwie den Menschen ab bzw. die Möglichkeit diesen überhaupt richtig kennen zu lernen. Aber ich denke, ich weiß schon was du meinst.

    Zu der Geschichte: Du hast zu Recht festgestellt, dass keine anderen Menschen darin vorkommen. Das war mir gar nicht so bewusst, oder sagen wir, ich habe nie irgendwelche anderen Menschen in der Geschichte vermisst. Wir sind uns ja - unabhängig von unseren eigenen Interpretationen - einig, dass der Mann irgendetwas falsch zu machen scheint, falsch in Bezug auf seine Ziele und Wünsche, nicht wahr. Und die Abwesenheit anderer Personen könnte verdeutlichen, dass wir selber für unser eigenes Glück zuständig sind, wir können nicht ständig andere verantwortlich machen.


    Meine Interpretation der Geschichte sieht ein wenig wie ein mentaler Entscheidungsbaum aus, je nachdem für welche Art der Deutung man sich entscheidet.

    Das beginnt bei der Werbetafel: Sie unterstreicht genau das was für Werbung üblich ist, sie verherrlicht etwas. Sagt "schau es dir an, ist es nicht toll? Du willst es! Und du könntest es haben!". Aber Werbung verkauft auch schonmal den letzten Schrott als das absolute must-have. Hier will die Geschichte vll. den kleinen aber feinen Spruch "Nicht alles was glänzt ist Gold" vermitteln. Der Mann glaubt, dieser Urlaubsort sei sein oberstes und wichtigstes Ziel, aber vll. redet ihm die Werbung das nur ein und somit vergeudet er sein Leben für eine Illusion.

    Nehmen wir nun an, wir haben es hier nicht mit einem ausgefuchsten Werbetrick zu tun, sondern die Tafel spiegelt die wirkliche innere Sehnsucht des Mannes wider. Dann komme ich wieder zu einer Verzweigung: Die Erreichbarkeit des Zieles.

    Ist das Ziel erreichbar, dann zeigt die Geschichte, wie Menschen oft in ihren eigenen Schemata hängen bleiben und ihren ineffizienten Mustern treu bleiben, nie etwas ändern und sich wundern, warum sie ihre Ziele nicht erreichen. Ich denke dabei an die Verhaltenstherapie, die versucht solche Muster aufzubrechen. Der Mann glaubt, er könne das Ziel nur mit diesem Zug erreichen. Aber warum denkt er nicht daran, z.B. mit dem Flugzeug dahin zu kommen, oder mit der Bahn, er versucht es ja gar nicht auf einem anderen Weg. Und das ist, denke ich, der Fehler vieler Menschen, die fehlende Offenheit für neue, vielleicht völlig unbekannte Möglichkeiten. Das ist das, was du in deinem Ursprungsbeitrag ansprachst: "Wenn etwas nicht klappt, Strategie ändern. Stichwort Einstein, Wahnsinn ist, immer dasselbe zu versuchen, und andere Ergebnisse zu erwarten."

    Ist das Ziel aber nicht erreichbar, liegt der Fehler in der Fixierung auf dieses unerreichbare Ziel. Ich denke da an die Passung der Copingstrategie, je nach Zielerreichbarkeit. Ist das Ziel erreichbar, ist ein "goal persistence" angebracht, allerdings mit der richtigen Strategie. Und hat man diese noch nicht gefunden, muss man neues ausprobieren. Ist das Ziel aber nicht erreichbar ist die angemessene Strategie "goal disengagement" und "goal reengagement", also das Ziel besser verwerfen und sich auf anderen Dinge, neue Ziele konzentrieren.

    ... jetzt fehlt mir hier wieder der Platz....

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  8. ...hier gehts weiter...

    Nun zum Schluss: Genau wie du hatte ich damit meine größten Probleme. Warum kommt der Zug dann doch noch? Ist es überhaupt der erwartete Zug? Die Idee mit dem Tod und dem Paradies find ich sehr interessant, auf diese Idee war ich gar nicht gekommen. Ich vermute jedoch auch, dass ich dich mit der Formulierung "Urlaubsparadies" bereits auf diese Deutung geprimt habe. Denn ich glaube dieses Wort taucht in der Ursprungsgeschichte gar nicht auf. Mein persönlicher Gedanke war, dass der Zug am Ende vll. doch eintrifft, es dann aber bereits zu spät ist. Der Mann hat sein Leben bereits verwirkt und hat nichts mehr von seinem endlich erreichten Ziel. Wir reden oft von "irgendwann". "Irgendwann werde ich hier und dort sein und dieses und jenes haben". Aber unser irgendwann ist in unserer Hoffnung eine sehr nahe Zukunft. Eine Zeit in der wir unser Glück auch noch genießen und es leben können. Und nicht dann, wenn wir unser Leben im Grunde bereits hinter uns haben. So hat der Mann vielleicht sein Leben lang auf diesen Zug gewartet, der zwar letztendlich auch eingetroffen ist, aber eben einfach zu spät. Da fällt mir spontan eine Passage aus dem Song „Kein Zurück“ von Wolfsheim ein: „Du willst noch leben irgendwann, doch wenn nicht heute wann denn dann? Denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her“. Am Ende ist der Zug eben sprichwörtlich einfach abgefahren.

    Dogmatische Lehrer sind in der Tat furchtbar. Zum Glück hatte ich selten welche dieser Art, die meisten Lehrer haben Kreativität gefördert, Kriterium war immer nur die eigene Deutung anständig begründen zu können.

    Liebe Grüße

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  9. Aloha,

    ich verwundere mich gerade selber über diese Blogplattform. Pro, ich kann einfach heruntertippseln, ohne mir groß Gedanken über die Technik dahinter zu machen. Contra, ich finde keine Möglichkeit, die Kommentarlänge zu erhöhen. Dafür könnte ich die Kommentare von Unterseiten auf Popups verschieben. Genau was das Internet braucht also.

    "Du hast zu Recht festgestellt, dass keine anderen Menschen darin vorkommen. Das war mir gar nicht so bewusst, oder sagen wir, ich habe nie irgendwelche anderen Menschen in der Geschichte vermisst."
    Ist eine Frage der Aufmerksamkeit - bei den Interpretationen generell fällt mir in der Gegenüberstellung auf, dass ich weniger Augenmerk auf die Werbung legte, obwohl jene in der Geschichte eine kritische Rolle spielt. Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob die Werbung in der Geschichte nicht auch für etwas anderes stehen kann - Wünsche, Hoffnungen, externe Vorstellungen? Gerade Werbung im eigentlichen Sinne dient ironischerweise größtenteils nicht dazu, dass der Konsument dann aufspringt und ins Geschäft geht, oder Momente a la "das muss ich haben!" auszulösen, sondern ein assoziatives Hintergrundrauschen zu erzeugen (das Entscheidungssituationen wiederum beeinflusst). Hier steche ich möglicherweise aber auch zu tief in der Materie drin.

    "Und die Abwesenheit anderer Personen könnte verdeutlichen, dass wir selber für unser eigenes Glück zuständig sind, wir können nicht ständig andere verantwortlich machen."
    Wahrere Worte wurden selten geschrieben! Doch in der Geschichte sucht der Mann interessanterweise ja nicht in sich nach Glück, sondern in externen Dingen. Ich habe gestern (da Auto in der Werkstatt) eine ziemlich interessante Bahnreise und eine noch interessantere Wanderung gemacht. Schönheit und Idylle finden sich überall, wenn man erst einmal die Augen aufmacht. Sogar an Bahnhöfen. Und in Baugebieten, durch die man nur irrt, weil man falsch abgebogen ist. Dafür war der Mann in der Geschichte jedoch blind.

    "Du willst es!"
    Werbung ist meiner Einschätzung nach oftmals perfider. "Alle wollen es. Es ist normal, das zu wollen. Bist du etwa nicht normal?"
    Wenn ich mal mit Werbung konfrontiert werde (was selten vorkommt), dann versuchen doch viele Spots Motive anzusprechen. Fast immer aber ist ein weiteres Element, dass die Begehrtheit der ganzen Produktklasse voraussetzt. Nimmt man diese Präsupposition an, hat die Werbung bereits ihr Hauptziel erreicht. Wird direkt "du willst es!" angesprochen, kommt es schnell zu Reaktanz. Schiebt man hingegen die Präsuppositionen unter, werden diese selten hinterfragt. Leider!

    "Nicht alles was glänzt ist Gold"
    Hm. Ich bin so abgestumpft gegenüber Werbung, dass mir dieses Element völlig entglitten ist. Guter Einwand!

    ... gleich gehts weiter ...

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  10. "wie Menschen oft in ihren eigenen Schemata hängen bleiben und ihren ineffizienten Mustern treu bleiben"
    Volition hat hier völlig versagt. Keine Überwachung der Umwelt (hier nix kommen Zug!) und keine Anpassung der Strategie. Guter Punkt mit den Schemata.

    "nd das ist, denke ich, der Fehler vieler Menschen, die fehlende Offenheit für neue, vielleicht völlig unbekannte Möglichkeiten."
    Eine Frage der Aufmerksamkeit. Uns sind all die Möglichkeiten, die jenseits unserer Aufmerksamkeit liegen, nicht bewusst. Und zugleich auch eine Frage der Offenheit - selbst wenn die Aufmerksamkeit darauf gelenkt wird (was mir in der Geschichte nicht der Fall gewesen zu sein scheint), kann dies immer noch abgeschmettert werden, wenn es vorhandenen Schemata nicht entspricht bzw. dort eingegliedert werden kann.

    "Ist es überhaupt der erwartete Zug?"
    Geht zumindest aus der Zusammenfassung nicht hervor ;-).

    "Die Idee mit dem Tod und dem Paradies find ich sehr interessant, auf diese Idee war ich gar nicht gekommen. Ich vermute jedoch auch, dass ich dich mit der Formulierung "Urlaubsparadies" bereits auf diese Deutung geprimt habe."
    1. Wohoo! Ich freue mich immer, wenn jemand Priming verstanden hat.
    2. Es war nicht Paradies selbst, eher der Kontext alt, grau, klapprig, und dann der Zwang, mit dem er in den Zug gezerrt wurde. Die ganze Geschichte rieht für mich ein wenig wie eine Allegorie auf ein Leben, das "jenseitig" ausgelegt ist. Dazu kamen mir immer wieder Assoziationen.

    "Wir reden oft von "irgendwann"."
    Ich nicht. Es gibt kein Glück in der Zukunft. Nur in der Gegenwart. Klingt komisch. Aber was ich damit meine: Denken wir an die Zukunft, planen wir voraus (was ich für sehr sinnvoll halte), legen wir damit den Grundstein für Glück in jenem Moment, wo jene Zukunft zur Gegenwart wird. Ist man immer nur in die Zukunft ausgerichtet, stellt sich nie wirkliches Glück ein. Jede Studie, die je versucht hat, Glück zu untersuchen, fand am Ende immer eine Gegenwartsorientierung in den Momenten des Glücks. Und in diese Richtung, da hast du völlig recht, geht auch die Geschichte.

    Zum Thema Lehrer und Kreativität - die Assoziation, die mir sofort kam, war "Bilder zu Gedichten malen". Das und die Dogmatiker. Wirklich kreativ die eigene Meinung begründen - in Geschichte und Philosophie ging das. Außerhalb leider eher weniger. Lang, lang ists her.

    Beste Grüße,
    Björn

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  11. I’m sorry, dass ich dir die Grenzen deines Blogs offenbart habe. Da müssen wir wohl mit dem arbeiten, was wir haben. Oder aber aufhören, so lange Texte zu schreiben ;).

    Zu der Sache mit dem Glück: Heißt es nicht „Vorfreude ist die schönste Freude“? Was du sagst, klingt für mich sehr konstruktivistisch, wobei ich dir aus dieser Perspektive heraus absolut Recht geben möchte. Wenn ich Glück antizipiere, dann tu ich das im jetzigen Moment. Das Gefühl des Glücks ist immer in der Gegenwart, unabhängig davon, ob es sich auf die Vergangenheit oder die Zukunft richtet. Wenn ich an die Vergangenheit zurück denke, an einen tollen Moment, und ich dieses Gefühl des Glücks wieder präsent habe, dann geschieht dieser Moment ja gegenwärtig in meinem Kopf. Dann ist die Vergangenheit Gegenwart. Schließlich hat der Moment damals auch nur in meinem Kopf stattgefunden. Genauso ist es mit antizipiertem Glück in der Zukunft. Das Glück liegt dann darin, sich den Zielzustand vorzustellen. Sieht man von dieser Perspektive ab, würde ich sagen, ist es schon eine Kunst, Glück in der Gegenwart zu erkennen. Wenn du das immer und überall kannst, Glückwunsch! Damit beschäftigt sich ja die positive Psychologie und es gibt ja tatsächlich sehr einfache Übungen, um das zu lernen. Z.B. einfach jeden Tag drei positive Dinge aufschreiben, die einem am Tag passiert sind. Das schärft die Wahrnehmung und lenkt sie auf die positiven Dinge. Und wenn man dann einmal nichts überragendes zu berichten hat, merkt man erstmals, wie bereichernd es doch war, z.B. den stets grimmig drein guckenden Kollegen heute einmal lächeln zu sehen.

    Anderer Gedanke: Es ist aber auch schwierig zu sagen, was das „jetzt“ ist. Ist es wirklich nur dieser eine kurze Moment? Der Moment, in dem ich eben das Wort „Moment“ schrieb? Dann wäre das Jetzt von eben jetzt schon wieder vorbei. Oder ist es ein Tag? Eine Woche? Ein Jahr? Was ist, wenn ich am Ende des Tages sage „Wow, das war ein wirklich toller Tag“. Habe ich das Glück dann erst im nachhinein erkannt? Weil der Tag ja schon vorbei ist? Oder zählt das auch noch zu dem „Jetzt?“. Der Moment des Glücks ist vielleicht oft schwer bewusst zu erleben, weil ich durch den Moment selbst zu sehr abgelenkt bin, um mir auf der Metaebene darüber Gedanken zu machen. Und wenn ich das tu, dann denke ich „Gerade ist alles perfekt, das musst du genießen!“ Und dann bin ich mehr damit beschäftigt darüber nachzudenken, wie ich diesen Moment am besten einfangen kann, als ihn einfach zu leben. Erinnert mich wieder an einen Song - von Andreas Bourani: “Wer friert uns diesen Moment ein, besser kann es nicht sein“. Oft hat man ja erst hinterher die Ruhe und die Zeit sich richtig darüber bewusst zu werden, was man da gerade tolles erlebt hat. Tatsächlich wurde ich gestern gefragt, wofür ich mich im Falle der Wahl entscheiden würde: für ein unglaublich tolles Erlebnis, an das ich mich danach aber nie wieder erinnern kann, oder ein Erlebnis, das nie stattgefunden hat, von dem ich aber in der Erinnerung denke, dass es passiert ist. Ich entschied mich für Variante zwei. Aus der Erinnerung heraus kann ich Glück immer wieder passieren lassen. Du sagst, planen hälst du für sinnvoll. Aber ist es nicht darüber hinaus richtig essentiell Ziele zu haben, die man verfolgt? Ich glaube schon, dass wir immer etwas brauchen, auf das wir uns freuen, eine Perspektive. Aus welchem Grund sonst, sollten wir uns morgens dazu entscheiden aus dem Bett aufzustehen? Wenn ich das Glück ausschließlich in der Gegenwart sehe, dann denke ich mir doch „Also gerade fühle ich mich hier unter meiner Decke sehr sehr wohl, dieses Glück will ich behalten, also bleibe ich liegen“. Aber dann denke ich vll. weiter „Aber nacher bin ich ja noch mit X verabredet, da freue ich mich richtig drauf“ und stehe auf. Natürlich ist mir bewusst, was du mit deinen Ausführungen sagen möchtest, man sollte möglichst im Jetzt leben und nicht in einer anderen Zeit, die es wie erhofft vielleicht nie geben wird. Ich stimme dir da absolut zu. Ich wollte nur mal diesen Gedanken weiter führen.

    ...to be continued...

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  12. ...weiter gehts....
    Außerdem sehe ich es neben dem Leben des Glücks im Jetzt auch als sehr wichtig an, größere Ziele in der Zukunft zu haben, allerdings sollten diese realistisch und erreichbar sein. Ich möchte doch einen Anreiz, mein Leben immer weiter zu führen, vll. eine Herausforderung, die ich mir stelle. Ich darf nur nicht den Fehler machen und denken, dass mein Glück genau und ausschließlich der Moment des Erreichens des Zieles ist. Der Weg ist das Ziel. Und unterwegs sind wir ja alle im Jetzt.

    „Doch in der Geschichte sucht der Mann interessanterweise ja nicht in sich nach Glück, sondern in externen Dingen.“ Wie sucht man denn in sich nach Glück? Ich denke bei deiner Ausführung da als erstes an Meditation. Aber wenn ich so nachdenke, ist dies die einzige Möglichkeit, Glück ausschließlich in sich selbst und das komplett ohne irgendetwas Externes zu finden. Vielleicht eine sehr extreme Ansicht? Erwarten wir wirklich von unserem Mann am Bahnhof, dass er beginnt zu meditieren? Nichts gegen Meditation, aber ist es das was du meinst? Ich glaube du meinst viel mehr, den großen Wert in den ganz kleinen Dingen zu erkennen, oder? „Schönheit und Idylle finden sich überall, wenn man erst einmal die Augen aufmacht. Sogar an Bahnhöfen.“ Was unterscheidet dich von dem Mann am Bahnhof: Du hast Glück ganz unerwartet in einer idyllischen Umgebung gefunden. Der Mann sieht sein Glück auch in einer idyllischen Umgebung, allerdings ist er festgelegt und lässt es nicht einfach passieren. Die Kunst liegt wohl darin, in allem einen potentiellen Wert zu sehen, auch vll. – um zu deinem Ursprungsbeitrag zurück zu kommen- in einer abgelehnten, weil als wertlos antizipierten, Konversation. Möglicherweise verpasst der Sender ein unvergessliches Gespräch.

    Glück in einem Selbst, da denke ich vor allem an eine breite Palette an Interessen und Freuden, dass man Hobbys hat, dass man sich frei von dem Verhalten anderer macht, dass man nicht andere verantwortlich für sein Glück oder Unglück macht. Denn das Verhalten anderer kann man nicht kontrollieren. Es werden sich andere immer wieder entgegen der eigenen Erwartung verhalten und damit wäre Unglück vorprogrammiert. Damit verneine ich aber nicht, dass externe Dinge oder Menschen durchaus die Ursache meines Glücks sein können. Man denke an einen entspannten Grillabend mit guten Freunden, es wird sich sehr angeregt unterhalten, interessante Themen werden diskutiert, es wird gelacht, gescherzt und man möchte am liebsten, dass dieser Abend niemals endet. Nachts schläft man dann mit einem Lächeln im Gesicht ein. Das ist für mich ein Beispiel für Glück. Aber hier haben die Freunde einen sehr hohen Anteil daran. Ich sollte nur nicht die Freunde dafür verantwortlich machen, wenn ich mies drauf bin, weil sie gerade keine Zeit für mich haben. Dann muss ich eben etwas anderes erfüllendes machen. Ich freue mich wenn sie da sind, aber wenn sie es nicht sind, ist es auch ok.

    ... nun muss für den Rest noch ein dritter Post herhalten *ohje....

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  13. ... und hier nun der Rest...

    Anderes Beispiel: Ich habe gestern in einem Laden ein unglaublich tolles Klavier ausprobiert. Klavier spielen ist z.B. so ein Hobby, bei dem man Glück empfindet, wenn man ein Stück gut spielen kann. Aber dafür brauche ich ja ein Klavier. Etwas Externes. Ich saß dort stundenlang, begeistert von dem Klang, und hörte nicht mehr auf zu spielen. Als ich mich dann zuhause an mein eigenes Klavier setze, merkte ich den Unterschied. Jetzt habe ich ein neues Ziel: Sparen und mir in 1-2 Jahren dieses Klavier kaufen. Nun sehe ich 1. mein „Glück“ in etwas externen, diesem Klavier, und empfinde mein eigenes Klavier nicht mehr als ausreichend. 2. spreche ich von „irgendwann“. Klar sind „1-2 Jahre“ relativ konkret, aber wer weiß, vll. habe ich das Geld in dieser geplanten Zeit doch nicht. Fest steht aber der Plan, es mir zu kaufen – irgendwann. Denn momentan geht es nunmal finanziell einfach nicht. Dennoch bin ich jetzt nicht unglücklich, ich mache auch niemand anderen dafür verantwortlich, dass ich es jetzt nicht haben kann. Aber ich freue mich darauf, wenn es soweit ist und das Teil bei mir im Wohnzimmer steht. (Ob meine Nachbarn sich da genau so freuen, das sei mal dahin gestellt).

    Zusammengefasst: Ich sah in der Geschichte keine Notwendigkeit in der Anwesenheit von anderen Menschen, weil es um die Erreichung eines Ziels geht und wir uns davon frei machen sollen, diese von anderen abhängig zu machen. Das heißt für mich: Wenn externe Ressource nicht vorhanden, dann andere Ressourcen nutzen. Das heißt für mich aber nicht komplett auf externe Ressourcen zu verzichten. Sowohl materielle (z.B. Klavier) als auch immaterielle (z.B. Freundschaft) externe Ressourcen, können das Leben versüßen und unerwartet zu den schönen und unvergesslichen Momenten führen.

    Noch ein, in den Raum geworfener, Gedankeneinschub: Sind wir nicht letztendlich alle einfach nur primitive Dopaminjäger? Immer auf der Suche nach dem nächsten Schuss. Die, die ihr Glück in sich selbst finden und nicht andere verantwortlich machen, haben ihren Stoff vll. einfach nur geschickter gelagert. Sie wissen immer (oder zumindest meistens), wo sie noch eine Reserve aufbewahren.

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  14. Guten Abend,

    ich mag angeregte Unterhaltungen - gern mehr davon! Wenn der Arbeitstag heute nur ein wenig... anders gewesen wäre.

    Daher möchte ich einmal so anfangen: Was ist Glück überhaupt? Normalerweise mag ich es nicht, auf Forscher zu verweisen (spannt immer so den Rahmen, als hätte man selbst keine Ideen dazu), allerdings finde ich es hier interessant, in welch komplett unterschiedliche Richtungen diese gingen. Da kamen einerseits auf alle Fälle die "Dopaminjagd" zum Zuge, eher biologisch orientierte Glücksmomente. Zwei richtig groß angelegte Forschungen, jeweils mit zehntausenden befragten Personen, fanden jedoch noch etwas ganz anderes.
    Einmal war da die Studie aus Chicago von einem Herrn, dessen Namen ich beim besten Willen nicht richtig geschrieben bekomme. Der landete immer wieder bei Flow States. Dann war da Herr Reiss, der hingegen bei der Erfüllung von Zielen und Motiven landete, die mit der Person resonieren. Welche der Ideen stimmt nun? Ich glaube, sie stimmen beiden - beziehungsweise samt dem Dopamin sogar alle drei. Machen wir vier daraus, indem wir die Wachrufung von schönen Erinnerungen, Vorstellungen und Symbolik dazu nehmen. Dann haben wir es mit vier unterschiedlichen Arten von Glück zu tun.

    Bei dem Mann, und da wollte ich mit intern vs. extern drauf hinaus (glaube ich - brain needs sleep badly!), liegt eine Orientierung auf die Form vor, aber nicht auf die Funktion. Zumindest in der Zusammenfassung höre ich nicht heraus, dass das Urlaubsparadies wirklich mit ihm resoniert, es ist nur Form, aber wo ist die Funktion? Auch ich muss für mich gestehen, ich habe schon Ziele in meinem Leben erreicht, und fühlte mich danach kein bisschen besser als zuvor - weil ich rein auf die Form fokussiert war, und nicht darauf achtete, inwieweit das wirklich eine Funktion erfüllt. Wenn man (bzw. der Mann) hingegen nach der Funktion geht - die kann auch ganz anders erfüllt werden, dafür muss es nicht DAS Urlaubsparadies auf dem Werbeplakat sein. (Zudem: Wer ist hier noch nie von Werbedarstellungen enttäuscht worden?)

    ... nach der Unterbrechung geht es weiter...

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  15. Das meine ich mit extern. Bei deiner Begegnung mit dem Klavier, das erfüllt gleich mehrere Glücksdefinitionen. Möglicherweise ein Flow-State beim Spielen. Recht sicher bin ich bei der Vermutung, dass das Spielen interne Motive anspricht. Musik selbst, besonders für einen selbst schöne Musik, ist einer der schnellsten Wege, den eigenen emotionalen Zustand zu ändern, heißt Dopamin spielt auch noch eine Rolle. Da lese ich durchaus eine Verbindung zwischen Dir und dem Klavier, weil es nicht nur Form, sondern auch Funktion zeigt. Eine Funktion für dich. Was ist die Funktion des Urlaubsparadieses für den Mann? Und wie - um dein Stichwort Zielevaluation aufzugreifen - könnte jene möglicherweise noch erreicht werden? Ist das Ziel überhaupt erstrebenswert? Ist die Form erreichbar? Kippe ich vom Stuhl, bevor ich auf "veröffentlichen" klicke?

    Die Zeitorientierung spielt da ein wenig mit herein. Wir machen oft mentale Zeitreisen. Wenn wir uns an etwas erinnern, liegt das erinnerte Ereignis zwar in der Vergangenheit, aber wir holen es in die Gegenwart. Wenn wir über die Zukunft nachdenken, konstruieren wir die Erwartungen daraus in die Gegenwart hinein. Wenn wir uns nun die Aufmerksamkeit auf die positiven Aspekte aus Vergangenheit oder antizipierter Zukunft richten, dann können wir die damit einhergehenden Gefühle im Jetzt erleben.
    Wenn wir sie dann im Falle der Zukunft, die zur Gegenwart wird, nicht einfach übersehen, weil wir schon wieder voraus denken. Ich werde ein Zitat von jemanden, der quasi alles im Leben erreicht hat, was sich ein Mensch nur wünschen kann, nie vergessen - "ich war nie wirklich glücklich. Alles, was ich geschafft habe, brachte mich nur eine Stufe weiter.", er lebt nur der Zukunft zugewandt. Genauso kenne ich Leute, die nur der Vergangenheit zugewandt leben, und von so etwas wie einer Wolke aus Schmerz umhüllt sind. Schmerz über die verlorenen, vergangenen schönen Zeiten. Schmerz über die erlittenen, durchlebten schlimmen Zeiten. Auch da gab es einige, die so viel in ihrem Leben erreicht hatten, denen es verglichen mit vielen anderen Menschen richtig gut ging, und doch kamen von ihnen Zitate wie "was ich damals erlebt habe, macht mich kaputt" <- und damit waren teils(!) auch positive Erlebnisse gemeint.

    Intern / extern und die Zeit haben auch etwas mit Kontrollüberzeugungen zu tun. Aber ich glaube, ich habe nicht mehr die Kontrolle über meine Hirnwindungen, um da gerade etwas Verständliches zusammenzubekommen. Daher suche ich mein Glück jetzt mal in einem schönen Abendspaziergang ;-).

    Beste Grüße,
    Björn

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  16. Lieber Björn,
    wie du vielleicht bereits erahnen kannst, mag ich angeregte Unterhaltungen auch. Von daher fühle ich mich in einer Gedankenkiste bestens aufgehoben.

    Ich hoffe, du hattest heute einen angenehmeren Arbeitstag und deinem Hirn geht es wieder gut.

    Was ist Glück? Ich würde jetzt mal ganz spontan sagen, Glück ist das, was der Mensch als Glück empfindet. (Genauso wie Intelligenz das ist was ein Intelligenztest misst ;)). So ist es nicht verwunderlich, dass Forschungsbemühungen unterschiedliche Definitionen und Beschreibungen heraus gefiltert haben – je nach Operationalisierung , Art der Fragestellung, und vielleicht ja auch der untersuchten Stichprobe (eine repräsentative Stichprobe von 10.000 Psychologiestudenten im ersten Semester hat ergeben, dass „Glück“ vor allem bedeutet, eine Statistikklausur mit mindestens 2,0 bestanden zu haben - Scherz!). Was ich meine ist, dass jeder Glück für sich selbst definiert. Mit deiner Aggregation auf vier verschiedene Arten kann ich aber gut leben. Die erscheinen mir alle als sinnvoll. Wobei ich fast sagen würde, dass man auf die „Dopamin-Definition“ dann kommt, wenn man die genannten Aspekte auf der biologischen Ebene betrachtet. Sicherlich findet da oben mehr statt als dass ein Überschuss an Dopamin dort ein paar Bahnen zieht, aber ich kann in diesem Bereich zugegebenermaßen leider nicht mit Expertenwissen glänzen.

    Erinnerungen: Ja, ich mag Erinnerungen unheimlich gerne. Vor allem wenn man zu der Erinnerung noch Musik hört, die man mit dieser Erinnerung verbindet. Oft höre ich ein Lied und kann dazu genau sagen, welches Jahr, welche Personen, welches Ereignis. Auf diese Weise fühle ich mich richtig in den Moment zurück versetzt, mache die Vergangenheit zur Gegenwart. Auch Gerüche können einen ziemlich realitätsnah in einen Moment zurück versetzen. Dennoch bedarf es an Gegenwart, um schöne Erinnerungen zu erzeugen. Das fällt mir vor allem dann auf, wenn ich z.B. auf dem Geburtstag einer alten Freundin oder eines alten Freundes bin und dieser die ganzen alten Freunde von damals eingeladen hat. Wir sehen uns alle einmal im Jahr und unsere einzigen Gesprächsthemen sind Geschichten aus der Vergangenheit. Es ist zwar lustig sich das nochmal anzuhören, aber es kommen einfach keine neuen Geschichten hinzu. Damals haben wir jedes Wochenende „Geschichte geschrieben“. Ähnlich verhält es sich, wenn man versucht alte Freundschaften zu reaktivieren. Oft kommt man über den Punkt, des sich die Storys aus vergangenen Tagen zu erzählen, nicht hinaus. Wenn man das aber schafft, dann entstehen wieder neue Geschichten. Wenn man es schafft, darüber hinaus zu kommen und wieder eine Gegenwart herzustellen, dann kann man sagen „Wir kennen uns schon ewig, aber die besten Dinge erleben wir im Jetzt“. Das habe ich erstaunlicherweise mit einigen alten Freunden doch geschafft und ich würde es als Glück bezeichnen. Schöne Erinnerungen an vergangene gemeinsame Zeiten und schöne gemeinsame Zeiten im hier und jetzt. Im Übrigen erlebe ich es mit den Erinnerungen genau anders herum, als du es offenbar von einigen Leuten gehört hast („Genauso kenne ich Leute, die nur der Vergangenheit zugewandt leben, und von so etwas wie einer Wolke aus Schmerz umhüllt sind.“). In der Erinnerung ist bei mir alles positiv, selbst die negativen Erfahrungen werden im Jetzt von mir als positiv erlebt, da ich versuche aus Fehlern zu lernen und meine, behaupten zu können, dass es funktioniert.

    ...same procedure...

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  17. Vorstellungen: Realistische Vorstellungen können antizipierte Zukunft sein. Wenn mir etwas in der Vorstellung gefällt und ich der Ansicht bin, dass es gar nicht so unrealistisch ist, dann steuere ich darauf zu, mache mir einen Plan, wie ich aus der Vorstellung Wirklichkeit werden lassen kann. Auch unrealistische Vorstellungen können ihren Reiz haben. Warum nicht auch einmal aus der Realität entschwinden und rum fantasieren. Das tun wir in unseren nächtlichen Träumen ja auch. So lange wir es schaffen, wieder zurück zu kommen, ist es sicher sogar förderlich für die Kreativität. Bei den realistischen Vorstellungen sind wir wieder bei dem Punkt Zielerreichung. Tatsächlich können Vorstellungen sogar schöner sein, als die reale Umsetzung. So etwas, wie du es beschreibst (ein Ziel erreicht, und nicht besser gefühlt) habe ich auch erlebt. Es war das Abitur. 13 Jahre lang war das Abitur mein oberstes Ziel im Leben. Ich habe dazu aufgeschaut wie zu etwas unerreichbaren, zu dem was mich zu dem glücklichsten Menschen der Welt macht, wenn ich es denn habe. Als ich dann 13 Jahre später das Abi in der Hand hielt, dachte ich „Ok, na das war ja ziemlich easy. Und nu?“. Es fühlte sich so selbstverständlich, so langweilig an, dass ich diesen Fehler seit da nie wieder begangen habe.

    Hätte ich damals in dieser Deutschklausur über Form und Funktion der Werbung sinniert, hätte ich garantiert meine 1 bekommen. Oder aber der Lehrer wäre damit total überfordert gewesen und hätte mir eine 4 mit der Begründung „Thema verfehlt“ verpasst. Was wir allerdings die ganze Zeit vergessen ist, dass wir gar nicht wissen, ob die Werbung nur eine Form oder vielleicht doch eine Funktion repräsentiert. In meiner Interpretation gab es zwei Möglichkeiten: 1. Die Werbung blendet ihn 2. Es handelt sich um wirkliche sinnvolle Wünsche. Im Falle von 2 und der weiteren Voraussetzung dass es sich vielleicht sogar um ein realistisches Ziel handelt, liegt der Fehler bei unserem – mittlerweile für alles herhalten müssende – Mann nicht beim was, sondern beim wie. Letztendlich ist es doch so, wenn ich mir etwas richtig stark in den Kopf gesetzt habe, dann bringt es mir nicht unbedingt viel mir darüber Gedanken zu machen, ob es für mich wirklich eine Funktion erfüllt. Dann ist es vielleicht sinnvoller, erstmal zu versuchen es zu erreichen und dann weiter zu schauen, ob es mich so erfüllt, wie erhofft. Es könnte eine Art Kosten-Nutzen Analyse sein: Kann ich es mir aus dem Kopf schlagen? Ja – schlags dir aus dem Kopf. Nein – versuch es halt. Würde der Versuch mehr Kosten verursachen als das aus dem Kopf schlagen? Ja – Schlags dir aus dem Kopf. Nein – versuch es!

    Herzliche Grüße

    P.S. Nachdem mein Computer sich eben total unangekündigt runtergefahren und mit Updates begonnen hat und ich diesen Text hier – doof wie ich bin – natürlich nicht gespeichert habe, hatte ich nach einer halben Stunde des Fluchens und Bangens einen Glücksmoment, als der Text letztendlich doch noch da war :-)

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  18. Frohes Wochenende,

    "Ich hoffe, du hattest heute einen angenehmeren Arbeitstag und deinem Hirn geht es wieder gut."
    Inzwischen ist Samstag, von daher -> ja!

    "Glück ist das, was der Mensch als Glück empfindet."
    Der Spruch mit dem IQ-Test wurde leider vorweggenommen. Ich finde diesbezüglich schon den Unterschied zwischen state und value based happyness nützlich - state based happyness ist sehr, sehr flüchtig. Value based happyness sehr viel dauerhafter. Idealerweise sollte man beides im Leben haben. (State based ist eher auf der biologischen Seite, value based mehr auf der Motiv- und Werteseite zu finden.)

    "Art der Fragestellung, und vielleicht ja auch der untersuchten Stichprobe (eine repräsentative Stichprobe von 10.000 Psychologiestudenten im ersten Semester hat ergeben, dass „Glück“ vor allem bedeutet, eine Statistikklausur mit mindestens 2,0 bestanden zu haben - Scherz!)."
    Wir haben aktuell so um die 16 000 Psychologiestudierende... err. Davon mal abgesehen: Deshalb mag ich auch die Studien vom Herrn mit für mich unmerkbaren Namen und Herrn Reiss. Die wurden nämlich kulturübergreifend an vielen verschiedenen Demographien erhoben.

    "Vor allem wenn man zu der Erinnerung noch Musik hört, die man mit dieser Erinnerung verbindet."
    Eins fasziniert mich immer wieder: Wie wenig unterm Strich Musik erforscht ist. Musik ist etwas so urtümliches. Schon unsere Vorfahren in der Steinzeit hatten Instrumente. Im gesellschaftlichen und religiösen Leben spielte durch die ganze Menschheitsgeschichte hinweg Musik eine große Rolle. Im Medienbereich ist extrem deutlich, wie sehr die gespielte Musik eine Szene beeinflusst. Musik berührt etwas tief in uns - und doch fällt mir dazu jetzt spontan keine interessante Studie ein. Seltsam.
    (Könnte, Stichwort Operationalisierung, allerdings auch damit zusammenhängen, dass Menschen je nach Musikgeschmack auf Musik unterschiedlich reagieren, was natürlich zu einer riesigen Fehlervarianz führt. Musik, für die Leute in unserem Kulturkreis Geld ausgeben, wurde in Guantanamo als Foltermethode verwendet.)

    "Oft höre ich ein Lied und kann dazu genau sagen, welches Jahr, welche Personen, welches Ereignis."
    Schönes Beispiel fürs "State based learning".
    Geht mir auch so. Gerade mit Musik aus Kindheits- und Jugendtagen. Selbst jene, die meinem heutigen Musikgeschmack so gar nicht mehr entspricht, eben weil sie damals so eine Rolle spielte, finde ich sie immer noch gut. Aber nur genau jene Stücke von damals!

    "m Übrigen erlebe ich es mit den Erinnerungen genau anders herum, als du es offenbar von einigen Leuten gehört hast („Genauso kenne ich Leute, die nur der Vergangenheit zugewandt leben, und von so etwas wie einer Wolke aus Schmerz umhüllt sind.“)."
    Ich habe mal, ums Geld fürs Studium zu verdienen, in der Störungsstelle eines großen Kabelfernsehanbieters gearbeitet. Eines Tages rief dort ein potentieller Neukunde an und fragte, wie es so mit der Kundenzufriedenheit aussieht.
    Hm.
    Nach meiner Antwort kannte er vielleicht nicht den Begriff, aber die Bedeutung von Sampling Bias.

    "In der Erinnerung ist bei mir alles positiv, selbst die negativen Erfahrungen werden im Jetzt von mir als positiv erlebt, da ich versuche aus Fehlern zu lernen und meine, behaupten zu können, dass es funktioniert."
    Das ist eine ungemein gute und wichtige Fähigkeit. Entspricht auch meiner Sicht auf die Welt (siehe den Ursprungsbeitrag gaaanz am Anfang). Oft erlebe ich das jedoch nicht - von daher, Glückwunsch und Hut ab!
    Wenn ich auf mein Leben zurückdenke, gerade durch Krisen aller Art bin ich genauso, wenn nicht sogar mehr, gewachsen als durch Zeiten, in denen alles glatt und gut lief.

    --- gleich gehts weiter ---

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  19. "Auch unrealistische Vorstellungen können ihren Reiz haben. Warum nicht auch einmal aus der Realität entschwinden und rum fantasieren."
    Die Frage, die ich mir dabei immer stelle, ist, was ist überhaupt realistisch? Ich bin mir ziemlich sicher, diese Woche ein Ziel erreicht zu haben, das ich noch vor zwei Jahren für unerreichbar, vor fünf Jahren gar für unmöglich gehalten habe.

    "Das tun wir in unseren nächtlichen Träumen ja auch."
    Von Klarträumern abgesehen jedoch nicht bewusst.

    "Es war das Abitur."
    Abitur, Studium... ich muss zugeben, ich war ehrlich froh, als ich jene erreicht bzw. erfolgreich abgeschlossen hatte, allerdings aufgrund ihrer symbolischen Bedeutung für mich. Davon abgesehen - sie sind, meiner Einschätzung nach, wichtige Schritte. Um auf Form vs. Funktion zurückzukommen - sie sind oftmals, so mein Eindruck, nur Funktion, ohne Form. Viel schwerer greifbar. Was ermöglicht das Abitur alles? Welche Lebensziele haben als Zwischenschritt das Abitur? Was hat man, während des Abiturs, alles dadurch erlebt? An meine Oberstufenzeit denke ich sehr gern zurück.

    "Oder aber der Lehrer wäre damit total überfordert gewesen und hätte mir eine 4 mit der Begründung „Thema verfehlt“ verpasst."
    So ähnlich ist es mir bei der Interpretation von Effi Briest gegangen. Seufz.
    Und später noch mal bei der Bewertung der Gruppenarbeitsformen in der Schule. (Bonuspunkte dafür, dass ich direkt im ersten Semester lernte, dass alle meine Kritikpunkte zutreffend waren.)
    Bei der Geschichte weiß ich jedoch weiterhin nicht, auf wem der Aufmerksamkeitsfokus liegen sollte. Ich glaube, das macht auch den Reiz der Geschichte aus - auf der einen Seite haben wir da die Werbung mit allem, was an dem Thema dranhängt. Auf der anderen Seite jedoch auch den Mann, der ganz unabhängig von der Werbung sein Leben sehr passiv/wartend verbringt. Zusammen ist das natürlich dann noch eine ganz explosive Kombo.

    "Letztendlich ist es doch so, wenn ich mir etwas richtig stark in den Kopf gesetzt habe, dann bringt es mir nicht unbedingt viel mir darüber Gedanken zu machen, ob es für mich wirklich eine Funktion erfüllt."
    Hm. Mir fallen dazu zwei Worte ein: "Dirty Goals". Wenn man ein Ziel ohne Funktion verfolgt, bzw. auch mit korrumpierter Funktion, kann das übel enden. Bestenfalls, indem man einfach nur "meh" empfindet, wenn man das Ziel erreicht. Schlechtenfalls, auch das habe ich schon mitansehen müssen, war die Empfindung danach bzw. nach einer Weile im Bereich "major depression". Einfach mal vorstellen - das ganze Leben an dem einen großen Ziel ausgerichtet, orientiert, endlich erreicht - und dann? Nichts. Leere. (Selbstverständlich gibt es dazwischen unendlich viele Abstufungen.)

    "Es könnte eine Art Kosten-Nutzen Analyse sein:"
    Klingt sehr rational. Sind das Emotionen und Motivationsvorgänge immer? Spricht die Werbung den rationalen Teil des Verstands an? Hm.

    Rechnerupdates. Ganz besonders bei Vorträgen immer wieder toll. Ahem. Hust. Freut mich, dass der Text noch da war - irgendwas muss die Plattform ja doch können ;-).

    Beste Grüße,
    Björn

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  20. Lieber Björn,

    deine Plattform erfüllt ihre Funktion. Über die Form ließe sich streiten. Außerdem, du hast sie dir ja ausgesucht, also darfst du nicht sie verantwortlich machen ;). Es war allerdings Word, das meinen Text gerettet hat, denn ich schreibe längere Texte dort immer vor – u.a. weil ich dort zwischendurch immer wieder abspeichern kann…. *hust.

    „Selbst jene, die meinem heutigen Musikgeschmack so gar nicht mehr entspricht, eben weil sie damals so eine Rolle spielte, finde ich sie immer noch gut“. Ist bei mir wieder genau andersherum. Songs, die ich damals, als sie rauskamen, überhaupt nicht leiden konnte, mag ich heute teilweise, einfach nur, weil sie mich an damals erinnern.

    „Wenn ich auf mein Leben zurückdenke, gerade durch Krisen aller Art bin ich genauso, wenn nicht sogar mehr, gewachsen als durch Zeiten, in denen alles glatt und gut lief.“ Oh ja! Dazu fällt mir noch ein, um ein Gefühl dafür zu haben, was „Glück“ sein könnte, sollte ich wissen, was es nicht ist. Wenn es mir immer nur gut geht, sehe ich das vielleicht als selbstverständlich an und empfinde es nicht mehr als Glück.

    „Die Frage, die ich mir dabei immer stelle, ist, was ist überhaupt realistisch? Ich bin mir ziemlich sicher, diese Woche ein Ziel erreicht zu haben, das ich noch vor zwei Jahren für unerreichbar, vor fünf Jahren gar für unmöglich gehalten habe.“ Zunächst einmal: Das freut mich sehr für dich! Und wie fühlt es sich diesmal an? „Besser“? Naja, was ist realistisch? Wovon wir sprechen hängt immer davon ab, wie wir die Dinge definieren. Und oft haben wir unsere eigenen Definitionen, zumindest im Alltag. Aber selbst in der Psychologie sehe ich da noch einige Probleme. Ich denke da z.B. an die Altruismus Debatte. Ob es Altruismus gibt oder nicht, hängt meiner Meinung nach ganz einfach davon ab, wie man ihn definiert (aber das will ich hier jetzt an der Stelle nicht vertiefen). Wir entscheiden für uns selbst was wir für realistisch halten. Ich sage z.B., dass ich nächstes Jahr auf den Mond fliege ist ziemlich unrealistisch. Ein Astronaut würde das wohl anders sehen. Es könnte aber auch passieren, dass ich nächste Woche plötzlich und unerwartet eine Astronautenausbildung mache. Ich muss da gerade an Stefan Landsiedel denken (war mal bei einem Seminar von ihm), der vor allem eines versucht zu vermitteln: „nichts ist unmöglich!“. Man kann eigentlich alles schaffen, wenn man es straight forward angeht und daran glaubt. Dennoch setze ich mir jetzt nicht in den Kopf, die Weltherrschaft unbedingt an mich reißen zu wollen. Obwohl…. hmmmm :D

    „Klingt sehr rational. Sind das Emotionen und Motivationsvorgänge immer?“ Definitiv nein! Gefühle können furchtbar irrational sein. Nicht umsonst werden Gefühl und Rationalität stark als Gegensatzpaar angesehen. Allerdings muss sich beides zwangsläufig nicht widersprechen. Zudem gibt es da auch Interaktionen. Man kann seine Gefühle durchaus durch Rationalität beeinflussen, aber umgekehrt geht das auch. Wenn ich einen Glaubenssatz ständig wiederhole, dann identifiziere ich mich damit und fühle das auch. Je nach Valenz des Glaubenssatzes kann es mir aus einer Krise heraus helfen oder mich dort hinein führen. Aber genau so kann auch ein Glaubenssatz aus einem Gefühl heraus entstehen, indem ich mein Gefühl nachrationalisiere und mir dadurch einrede, dass es durchaus Sinn macht. Kosten-Nutzen-Analyse, das klingt immer sehr rational, aber die meisten Kosten-Nutzen-Analysen die wir machen, machen wir doch eher unbewusst.

    „Rechnerupdates. Ganz besonders bei Vorträgen immer wieder toll.“ Muss gerade einfach mal schmunzeln.

    Herzliche Grüße und ein spannendes Finale (bei mir entscheidet der Ausgang der WM heute Abend wohl auch in welcher Stimmung um Mitternacht in meinen Geburtstag gefeiert wird (Verantwortung einfach mal abgegeben)!

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  21. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Scheint mit dem Finale geklappt zu haben - außer, es liegt ein argentinischer Hintergrund vor. Soll es ja auch mal geben ;-).

    "Außerdem, du hast sie dir ja ausgesucht, also darfst du nicht sie verantwortlich machen ;)."
    Hehe. Genau genommen hat man die Plattform quasi automatisch zum Google-Konto dabei, das ich emailbedingt ohnehin seit Jahren habe. Daher bot sich die Plattform damals an.

    "Ist bei mir wieder genau andersherum."
    Das eine schließt das andere ja nicht aus ;-). Mir geht es teilweise bei Filmen und Serien so. Wobei da sicherlich auch das eigene Alter mit hereinspielt - genauso wie man bei der Geschichte mit dem Mann am Bahnhof weitere Tiefen im Laufe der eigenen Jahre erkennt, erkennt man jene auch in manch anderen Werken. Da habe ich bei mir jedoch auch den umgekehrten Effekt: Manche Serien / Filme, die ich früher mochte, mag ich heute weniger, weil ich darin inzwischen (Un-)Tiefen sehe, die ich nicht mag.

    "Dazu fällt mir noch ein, um ein Gefühl dafür zu haben, was „Glück“ sein könnte, sollte ich wissen, was es nicht ist."
    Dazu passt gut eine Erkenntnis aus der Resilienzforschung: Wer überbehütet aufgewachsen ist, hat es später im Leben verdammt schwer. Lustigerweise findet sich dasselbe auch im medizinisch-körperlichen Bereich (Allergien!).
    Hier hast Du auch gut das Kontrastprinzip beschrieben. Um überhaupt selbstidentifiziert ein Problem zu haben, müssen wir zumindest eine nebulöse Vorstellung davon haben, wie "Nicht-Problem" aussieht. Umgekehrt, um Glück zu empfinden, müssen wir eine ungefähre Vorstellung davon haben, was "Nicht-Glück" ist.
    "Wenn es mir immer nur gut geht, sehe ich das vielleicht als selbstverständlich an und empfinde es nicht mehr als Glück."
    Oder übersieht auch die vielen kleinen Freuden des Alltags - und sei es nur so etwas wie Sommerregen auf der Haut zu spüren, einen Sonnenuntergang zu beobachten, einen Abend unter Freunden verbringen. Es sind nicht (nur) die großen Dinge, die Urlaubsparadiese aus der Geschichte, die uns glücklich machen können. Sondern jeder einzelne Moment.

    --- heute einmal wieder zwei Beiträge ---

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  22. "Und wie fühlt es sich diesmal an? „Besser“?"
    Danke für die Glückwünsche! Wie ich mich dabei fühle? Seltsam. Es ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern (nur so 99%, schätze ich). Sobald die 100% erreicht sind, werde ich ... weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Darauf bin ich gespannt. Wird aber toll. Dessen bin ich mir sicher.

    " wie man ihn definiert"
    Definitionen sind immer ein Problem. Allein mal gewisse emotionale Zustände genommen - in der Theorie kann man gut so etwas wie Wut, Zorn, Ärger voneinander trennen, in der Praxis jedoch? Wenn dann noch ganz andere Emotionen damit zusammengeclustert vorkommen? Die meisten Leute, so meine Erfahrung, wenn sie ihren emotionalen Zustand beschreiben, nennen meist die hervorstechenste Emotion - aber seltenst alle!

    "Man kann eigentlich alles schaffen, wenn man es straight forward angeht und daran glaubt."
    Dem "straight forward" wage ich zu widersprechen. Fliegen können wollen -> auf direktem Weg unmöglich. Mit technischen Hilfsmitteln? Mittlerweise sehr gut möglich. "straight forward" klingt so sehr nach Form, ich mag die Funktion lieber.

    "Allerdings muss sich beides zwangsläufig nicht widersprechen."
    Emotionen haben meiner Erfahrung nach sehr oft eine Funktion. Diese Funktion kann heutzutage dysfunktional sein (z.B. Furchtreaktion, die auf eine Säbelzahntigerumwelt ausgerichtet ist, im Bürokontext), aber diese funktionale Logik ist da. Nur ist sie oftmals nicht rational. Muss auch nicht schlecht sein. Leben als Maschine stelle ich mir so 00011010111011010011101

    "Man kann seine Gefühle durchaus durch Rationalität beeinflussen, aber umgekehrt geht das auch."
    Intellekt durch Stimulation der Amygdala kurzschließen ist einer der ältesten Tricks. (Leider.)

    "aber die meisten Kosten-Nutzen-Analysen die wir machen, machen wir doch eher unbewusst. "
    Oh ja! Das meiste, was in der Psychologie beschrieben wird, läuft unbewusst ab - Attributionen, Assoziationen, Heuristiken, Projektionen, Rationalisierungen, Abwägungen - die Liste lässt sich fast endlich fortsetzen.

    Beste Grüße,
    Björn

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  23. Lieber Björn,

    dir auch: Danke für die Glückwünsche! Ich muss wohl nicht sehr viele Worte darüber verlieren.
    Es war unbeschreiblich toll. Und nein, es liegt kein argentinischer Hintergrund vor ;).

    „Oder übersieht auch die vielen kleinen Freuden des Alltags“. Auch wenn ich den Eindruck habe, dass viele Menschen durch aktuelles Leid und einen dadurch andauernden Pessimismus gar keine funktionierenden Antennen mehr für die kleinen Freuden des Alltags haben, kann ich diesem Satz zustimmen. Aus der Erinnerung habe ich gerade in Krisenzeiten immer viel bewusster gelebt und kleine Freuden viel bewusster wahrgenommen, vll. gerade aus der verzweifelten Suche danach.

    „Danke für die Glückwünsche! Wie ich mich dabei fühle? Seltsam. Es ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern (nur so 99%, schätze ich). Sobald die 100% erreicht sind, werde ich ... weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Darauf bin ich gespannt. Wird aber toll. Dessen bin ich mir sicher.“ Woho, das klingt ja seeeehr spannend. Du machst einen ja richtig neugierig hehe. Auf jeden Fall wünsche ich dir, dass die 100% erreicht werden und es in dem Moment genau so toll wie in der Vorstellung ist.

    „Dem "straight forward" wage ich zu widersprechen“. War auch nur ein Landsiedel Zitat. Ich sehe das auch etwas skeptischer, allerdings kann der Glaube ja bekanntlich Berge versetzen. Zumindest würde ich behaupten, erreiche ich ein Ziel mit hohen Selbstwirksamkeitserwartungen sicherlich eher, als wenn ich von vorne rein gar nicht daran bzw. an mich selbst glaube.

    Herzliche Grüße

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  24. Aloha,

    "Es war unbeschreiblich toll."
    Besonders das Timing Dank der Verlängerung. Ein Kollege hatte am Montag eine PV. Seine Teilnehmer wirkten ein wenig... gesteinigt.

    "gar keine funktionierenden Antennen mehr für die kleinen Freuden des Alltags haben"
    Ich muss hier an etwas denken, was ich mal von jemand anderem gehört habe. Sie arbeit(e) im Bereich Coaching / Beratung unter anderem mit Langzeitarbeitslosen und Leuten mit einer subklinischen Depression. Eine Aufgabe, die sie immer wieder verteilte, war, pro Tag drei kleine schöne Ereignisse aufschreiben.
    Die meisten bekamen es anfangs nicht hin. Sie hatten völlig verlernt bzw. vergessen, auf alles zu achten, was toll läuft, schön ist, wie auch immer.
    Verstärkerverlust, wenn sowohl die "großen" als auch die "kleinen" Verstärker bzw. Freuden aus dem Leben verschwinden, das ist eine (wenn auch bei weitem nicht der einzige!) Weg hin zur Depression. Was nichts anders heißt als, wie Du sagtest, die haben dafür gar keine funktionierenden Antennen mehr.

    "Du machst einen ja richtig neugierig hehe. Auf jeden Fall wünsche ich dir, dass die 100% erreicht werden und es in dem Moment genau so toll wie in der Vorstellung ist."
    Leider wird es wohl noch einige Wochen dauern, bis ich die 100% erreicht habe. La la la.

    "rreiche ich ein Ziel mit hohen Selbstwirksamkeitserwartungen sicherlich eher, als wenn ich von vorne rein gar nicht daran bzw. an mich selbst glaube."
    Das auf alle Fälle!

    Beste Grüße,
    Björn

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  25. "Besonders das Timing Dank der Verlängerung." Glaube mir, ich hätte wirklich wirklich nichts gegen ein früheres Tor gehabt ;). Nach 100 Minuten immernoch alles offen, wenn für einen selbst einiges vom Ergebnis abhängt, ist die pure Qual haha. In mehr als 100 Minuten hat man ganz schön viel Zeit um beide Möglichkeiten im Kopf immer wieder zu erleben. Die erste Möglichkeit: Deutschland schießt eeeeeendlich das ersehnte Tor, alle springen auf, schreien, tanzen und der Abend ist gerettet. Die zweite Möglichkeit: Argentinien schießt das Tor. Ich denke "Miiiiist, aber ok, du wusstest dass das passieren kann, ist nicht so schlimm...." und die Freunde sind mies gelaunt und reißen sich nur meinetwegen zusammen. Da bekommt man schonmal das irrationale Gefühl, da will einen jemand ärgern.

    "Verstärkerverlust, wenn sowohl die "großen" als auch die "kleinen" Verstärker bzw. Freuden aus dem Leben verschwinden, das ist eine (wenn auch bei weitem nicht der einzige!) Weg hin zur Depression. Was nichts anders heißt als, wie Du sagtest, die haben dafür gar keine funktionierenden Antennen mehr." Geht ein wenig in Richtung erlernte Hilflosigkeit, wa. Ein Teufelskreis: Durch die Arbeitslosigkeit steigt die Wahrscheinlichkeit einer Depression und durch die Depression sinkt die Wahrscheinlichkeit eine neue Stelle zu kriegen. Rien ne va plus.

    "Leider wird es wohl noch einige Wochen dauern, bis ich die 100% erreicht habe." Zwei ganz banale Sprüche dazu: 1. Nur die harten kommen in den Garten! 2. Vorfreude ist die schönste Feude!
    Genieß die Zielgerade! Und öööhm lenk dich mit Bloggen ab ;).

    Herzliche Grüße

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  26. Habe ich gerade gesehen und hatte eine Assoziation, darum wollte ich das nicht vorenthalten: http://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/bahn-schlusslicht-127.html

    Der Text unter Foto Nummer 4:
    "Doch auch hier ist das Prinzip Hoffnung die treibende Kraft für das künstlerische Schaffen. Steht die Taube nicht sinnbildlich für Frieden und Freiheit? Für das ungehinderte Reisen fernab der Niederungen des (Gewerkschafts-)Alltags? Und doch gibt uns dieses Werk noch Rätsel auf. Denn die Taube könnte ja fliegen. Warum wartet sie trotzdem auf den Zug, der nicht kommt? Eine Frage, die sicher noch Generationen von Kunstkritikern beschäftigen wird."

    Drei Mal darfst du raten, woran ich da denken musste!

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