Sonntag, 13. Juli 2014

Wagnisse und Kreativität

Ein Gedanke schoss mir gestern durch den Kopf: Firmen, die viele innovative Neuheiten auf den Markt gebracht haben, haben zumeist oft noch viel mehr, wie soll ich es diplomatisch ausdrücken? Viel mehr Dinge auf den Markt gebracht, die am Ende nicht funktionierten. Genauso haben die allermeisten Erfinder oft unzählige Anläufe gebraucht, um ihr Ziel zu verwirklichen. Kreativität ist so eine seltsame Sache: Sie beißt sich mit defensivem Perfektionismus, also jenem Perfektionismus, wo versucht wird, jeden Fehler zu vermeiden.

Wagnisse einzugehen bedeutet, uns ein wenig vom Zwang eines bestimmten Ergebnisses zu lösen. Irgendetwas geschieht immer. Hat man Erfolg, toll! Hat man keinen Erfolg, hat man etwas gelernt. Vielleicht nimmt der Erfolg auch eine ganz andere Form an, als man zuerst dachte. Und möglicherweise passiert es auch, wenn man irgendwann keine Wagnisse mehr eingeht, dass man das, was rund um einen passiert, zurechtrationalisiert, weil man zu sehr von der Form des Erfolgs besessen ist.

Jemand, der sich auf beiden Seiten befand, war zum Beispiel Edison. Bei den Glühbirnen ist er durch aberhunderte Gasmischungen gegangen, bis er eine fand, die funktionierte. Umgekehrt hing er seinen Gleichstromkonzept an, nachdem jenseits aller Zweifel sich Wechselstrom als um Welten nützlicher und pragmatischer gezeigt hat.

Bei linearen Weiterentwicklungen, oder beim Klau von fremden Ideen, da kann man auf Nummer Sicher gehen. Innovation sucht man dann oft vergebens. Aber auch fürs Lernen ist eine gewisse Wagnis, eine Bereitschaft Fehler zu machen, wichtig. Was ich zum Beispiel bei praxisorientierten Seminaren immer anfangs sage: "Wenn Sie hier keine Fehler machen, immer richtig liegen, dann machen Sie etwas falsch!"

Ich persönlich halte es für problematisch, wie sehr viele Leute heutzutage insbesondere im Bildungssystem entmutigt werden, Wagnisse einzugehen. Einfach, um Fehler zu vermeiden. Wenn man schon alles perfekt könnte, warum würde man dann lernen? Und ironischerweise kommen meiner Erfahrung nach doch so einige Lehrende dann doch nicht mit Leuten zurecht, die sie unterrichten sollen und schon alles beherrschen. So oder so, da verlieren am Ende alle.

Und am meisten verliert die Kreativität. Kreativität und defensiver Perfektionismus, die vertragen sich meiner Erfahrung nach so gar nicht miteinander.

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