Freitag, 1. August 2014

Gedächtnis: Abrufhilfen

Vor einiger Zeit fuhr ich mit einem Zug, auf einer Strecke, die ich vor vielen Jahren zuletzt befahren habe. Mein Blick fiel dabei auf die digitale Anzeige im Waggon - wo abwechselnd das Ziel des Zugs und Datum + Uhrzeit eingeblendet wird. Das löste doch einige Erinnerungen aus - und zwar quasi an dieselbe Zeit, nur zehn Jahre früher (also 07.2004 statt 07.2014). Viele Ereignisse und Erlebnisse waren da wieder präsent, an die sich schon ewig nicht mehr gedacht habe.

Wo kamen die her?

Unser Langzeitgedächtnis können wir einmal direkt durchsuchen - du kannst zum Beispiel darüber nachdenken, und dich vermutlich auch zumindest teilweise erinnern, was du im August vor sagen wir zwei Jahren gemacht hast. Dieses "zum Teil" nun ist ein interessanter Punkt. Das meiste "vergessen" passiert nicht, weil Informationen aus dem Langzeitgedächtnis verloren gehen (von Demenz und ähnlichen Ausnahmefällen mal abgesehen), sondern weil sie nicht mehr auffindbar sind. Wenn es dir zum Beispiel mal passiert sein sollte, dass du etwas in einer bestimmten Situation nicht wusstest, dich aber einige Stunden oder Tage später daran erinnert hast - das war die Ursache dafür. Die Information war nie "weg", sie war nur nicht auffindbar.

Nun gibt es diverse Elemente, welche uns helfen, Erinnerungen wieder zu finden. Quasi Abrufhilfen. So eine war für mich während der Zugfahrt die Digitalanzeige - sie riefen Erinnerungen aus einer Zeit wach, an die ich schon ewig nicht mehr gedacht habe. All diese Abrufhilfen haben eins gemeinsam - sie haben eine große Ähnlichkeit zu dem, was mit der Zeit verbunden wird, an die sie erinnern.

Eine Abrufhilfe wurde schon erwähnt. Optische Ähnlichkeit. Auch so etwas wie Erinnerungsstücke, Fotos, Andenken, all das hilft dabei. Zumindest für mich haben Fotos auch nicht die Aufgabe, eine Situation festzuhalten (als ob das ginge!), sondern später - viele Jahre später - sie wieder Erinnerungen wachrufen zu lassen.

Eine weitere sehr mächtige Abrufhilfe ist Musik. Am besten dieselbe Mudik, die mit einer bestimmten Zeit oder einem bestimmten Ereignis verbunden wird. Je nachdem kann aber auch schon die Musikrichtung bzw. die Stimmung der Musikstücke helfen. Dadurch stellt sich auch ein, dass viele Menschen (mich eingeschlossen) eine gewisse Wertschätzung für Musik aus der eigenen Jugend entwickeln, selbst wenn sich unser Musikgeschmack seither stark verändert hat.

Wo wir von Stimmung reden, emotionale Zustände sind bekannt dafür. Zustandsabhängiges Lernen und Erinnerung. Sind wir gut gelaunt, erinnern wir uns verstärkt an schöne Erinnerungen. Das Gegenteil stimmt leider auch - sind wir schlecht gelaunt, erinnern wir uns verstärkt an miese Erinnerungen.

Bestimmte Gerüche, gerade wenn sie selten sonst vorkommen (z.B. nur in einem Urlaub erlebt worden sind) können ebenfalls Erinnerungen wecken. Geschmack genauso. Ich kenne so einige, die bestimmte quasi-rituelle Mahlzeiten zu bestimmten Anlässen zubereiten, nicht nur wegen des Geschmacks, sondern auch, weil sie die Erinnerungen an dieselben Anlässe voriger Jahre mit hervorholen. Man denke da an spezielle familiäre Traditionen zu Weihnachten oder anderen Festen.
(Hier fällt mir auch ein, was mal ein Student als seine Lernstrategie erzählt hat - er lutschte bei für ihm schwierigen Themen bestimmte Bonbons. Kamen diese Themen in der Klausur vor, hatte er dieselben Bonbons dabei. Ob das funktionierte, oder nur ein Placebo war, kann ich jedoch nicht sagen.)

Genauso können auch Berührungen bzw. Tastsensationen helfen. Jeder Sinneseindruck kann es, so lange er mit einer bestimmten Situation verbunden wird. Wenn ein Reiz allgegenwärtig ist, dann hilft er nicht.

Kommentare:

  1. Lieber Björn,

    sich an Orten, an denen man lange nicht war, an vergangene Tage zu erinnern, ist für mich auch oft mit der Erkenntnis verbunden, dass bestimmte Erlebnisse zu bestimmten Zeiten sich auch auf eine bestimmte Art und Weise anfühlen, auf so eine komische Art, dass man es nicht richtig beschreiben kann. Ein kleines Beispiel: Als Kind bin ich ab und an in genau der Stadt in der ich heute wohne einkaufen gegangen. Es lief immer genau gleich ab, gleiches Parkhaus, gleicher Weg aus dem Parkhaus raus, gleiche Route durch die Läden, gleiche Straßenseite. Das war ein begrenzter Bereich in dem ich mich als Kind auskannte und dieses durch Stadt Schlendern fühlte sich immer auf eine ganz bestimmte Art an. Ich hatte halt auch einen ganz bestimmten Filter, der vor allem kindgerechte Reize rausgefiltert hat. Die wichtigsten Wege kannte ich und alles andere existierte für mich auch gar nicht. Heute wohne ich in dieser Stadt und wenn ich auf der Höhe der City langlaufe, wo ich damals langgelaufen bin, fühlt es sich ganz anders an. Es ist, als wäre es ein ganz anderer Ort in einer ganz anderen Stadt. Anfangs, wenn ich dort lang bin, habe ich mich gar nicht an früher erinnert. Es war eben ein neuer Lebensabschnitt in einer neuen Stadt mit einem dazugehörigen neuartigen Gefühl – hatte gar nichts mit dem Gefühl von damals zu tun. Das lag aber unter anderem daran, dass ich die ganze City heute zwecks der Lage meiner Wohnung immer aus einer ganz anderen Richtung ansteuere. Die Perspektive auf die City hat sich verändert. Meine mentale Repräsentation der Stadt ist ganz anders seit dem ich hier wohne. Das änderte sich schlagartig, als ich einmal nach der Arbeit noch etwas besorgen wollte und beschloss in diesem Parkhaus zu parken. Ich kam aus dem Parkhaus raus, betrat die City und WUMS kam plötzlich eine Erinnerung. Wie eine Zeitreise. Auf einmal sah ich die City wieder aus der Perspektive von damals. Ich beschloss, die Route von damals in genau diesem State einmal abzulaufen. Auf einmal entdeckte ich bestimmte Ecken oder Seitenstraßen wieder, die mir mit meinem Erwachsenenfilter nie aufgefallen waren. Das Kind in mir erinnerte sich aber daran. Umgekehrt hatte ich am Ende tatsächlich die Orientierung verloren, also die Orientierung, die ich heute als erwachsener Mensch in dieser Stadt habe. Meine mentale Landkarte war plötzlich durch eine andere überschrieben. So wusste ich am Ende tatsächlich nicht mehr wo der Bahnhof war und in welcher Richtung ich eigentlich wohne. Klar, als Kind gabs für mich diese Orte nicht, so weit waren wir nie gelaufen. Ich musste mich wirklich erstmal sammeln und zurück in meine heutige Perspektive kommen, um mich wieder zurecht zu finden. Auf jeden Fall ein interessantes Erlebnis.

    ...gleich gehts weiter...

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  2. Und das meine ich. So etwas erlebe ich ab und an: Ich bin in irgend einer Situation, denke mir nichts dabei. Die Situation fühlt sich auf irgend eine Art an und plötzlich erinnere ich mich an eine frühere Zeit zurück, in der ich schonmal in dieser Situation war und bemerke den Unterschied, dass es sich damals ganz anders angefühlt hat als heute. Hat wohl sehr viel mit dem Kontext zu tun, in welchem etwas passiert. Ist der Kontext anders, fühlt es sich auch anders an. Und der Kontext von vor 10 Jahren war sicherlich anders als der von heute ist.

    Jetzt frage ich mich, ob du die Situation in der Bahn vor dem Zeitpunkt an dem du dich plötzlich erinnert hast, auch gefühlsmäßig anders erlebt hast, im Vergleich zu, als die Erinnerung kam.

    Zum Thema „Erinnerungen sind nicht weg“ und zum Thema Fotos: Manchmal entdecke ich Fotos, die ich das letzte Mal gesehen habe, als sie gemacht wurden. Sei es, weil ich sie in den tiefsten Tiefen meiner Festplatte finde, oder weil sie mir jemand mit den Worten „Naaa, erinnerst du dich?“ schickt. Auf diese Frage antworte ich dann oft mit „Jetzt ja“. Das sind dann Situationen, an die ich mich einfach so niemals im Leben wieder erinnert hätte. Das ist seltsam, der Gedanke: Ich hatte das total vergessen, aber jetzt, wo ich das Foto sehe fällt es mir wieder ein. So verhält es sich auch mit alten Dialogen aus ICQ Zeiten o.ä. die ich mal gespeichert habe. Ich lese den Dialog und wundere mich total, dass ich mit Person X tatsächlich mal Über Thema Y oder Z gesprochen habe. Wäre mir nie wieder eingefallen. Ähnlich ist es auch mit Träumen, an die man sich nach dem Aufwachen nicht mehr erinnert. Manche sind vielleicht für immer verloren, weil es nichts gibt, was einen an sie erinnert. Aber schon oft habe ich es erlebt, dass ich tagsüber irgendwo lang gehe, etwas sehe, irgend einen klitzekleinen Prime, der mich aber plötzlich und sofort an den Traum von letzter Nacht erinnert.

    Ich habe gerade noch sehr sehr viele weitere Gedanken zu deinem Posting, aber ich möchte deinen Blog nicht sprengen.

    Herzliche Grüße

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  3. Frohen Sonntag,

    Blog sprengen geht nicht so einfach. Na ja. Einfach schon - Werbung für echte nachgemachte Luxusuhren oder Potenzmittel wären nervig (ist auch der Grund, weshalb ich die Kommentare per Hand freischalte - war mal anders, dann gabs über Nacht 5000 Spamkommentare. Das hatte was von einer Sprengung ;-).)

    "ist für mich auch oft mit der Erkenntnis verbunden, dass bestimmte Erlebnisse zu bestimmten Zeiten sich auch auf eine bestimmte Art und Weise anfühlen, auf so eine komische Art, dass man es nicht richtig beschreiben kann."
    Episodische Erinnerungen sind oft emotional "eingefärbt". Das ist auch etwas, was man als Gedächtnishilfe nutzen kann - wenn etwas behalten will, für eine emotionale Einfärbung sorgen. Dinge, die nicht emotional eingefärbt sind, behalten wir viel schlechter.
    Ich glaube, diese Einfärbung ist es, die dann zu jenem Gefühl führen. Ich habe auch einige Erinnerungen (gerade auch Kindsheitserinnerungen aus ereignisreichen Jahren), die sich... seltsam anfühlen.

    "Heute wohne ich in dieser Stadt und wenn ich auf der Höhe der City langlaufe, wo ich damals langgelaufen bin, fühlt es sich ganz anders an. Es ist, als wäre es ein ganz anderer Ort in einer ganz anderen Stadt."
    In gewisser Weise ist sie es. Die Physik beschreibt Orte in vier Dimensionen, wobei die vierte die Zeitkoordinate ist. Selbst wenn die drei Ortskoordinaten gleich geblieben sind, die Zeitkoordinate ist anders.
    Und von der Physik abgesehen, ganz besonders auch die eigene Perspektive. Ich weiß noch, wie sich mein Schulweg als ewig lange Wanderung anfühlte. Heute ist die Strecke so winzig kurz. Wir bringen uns - unsere Gedanken, unsere Weltsicht, unsere Emotionen und unsere Vorstellungen - in unsere Wahrnehmung ein. Jene ändern sich, erweitern sich, im Laufe der Jahre, und so verändert sich die Wahrnehmung.

    "Ich kam aus dem Parkhaus raus, betrat die City und WUMS kam plötzlich eine Erinnerung. Wie eine Zeitreise. Auf einmal sah ich die City wieder aus der Perspektive von damals. Ich beschloss, die Route von damals in genau diesem State einmal abzulaufen."
    Sehr interessantes Erlebnis! Letztendlich funktionieren so (bloß, dass es da rein mental abläuft) auch so etwas wie Revivifikation bzw. dessen Steigerung, die Regression. Erinnerung -> stärker in die Erinnerung assoziieren (wie bei Dir, als Du im State diese Route genommen hast) -> es wird immer stärker in den mentalen Zustand zum Zeitpunkt der Erinnerung assoziiert.
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  4. "Auf einmal entdeckte ich bestimmte Ecken oder Seitenstraßen wieder, die mir mit meinem Erwachsenenfilter nie aufgefallen waren."
    Das ist etwas, was ich generell faszinierend finde. Wie viel wir im Alltag übersehen. Es gibt so viel Schönheit auf der Welt, so viele unentdeckte und übersehene Ecken, selbst bei uns direkt vor der Tür - und dennoch suchen viele Leute jene nur am anderen Ende der Welt.

    "Meine mentale Landkarte war plötzlich durch eine andere überschrieben."
    Gewohnheiten sind wie Trampelpfade im Wald. Je öfter man sie benutzt, desto leichter sind sie zu finden, desto leichter kann man sie wieder betreten und gehen. Aber die anderen verschwinden nicht so einfach. Sie werden lediglich undeutlicher. Ich glaube, was Dir passiert ist, ist, dass Du auf einen anderen mentalen Trampelpfad gekommen bist. Und von dem dich erst einmal wieder zum aktuellen hast orientieren müssen. Ich finde solche Erlebnisse wie von Dir geschildert schön - erlauben sie uns doch, Zeiten, die längst vergangen sind, nochmal zu erfühlen.

    "Jetzt frage ich mich, ob du die Situation in der Bahn vor dem Zeitpunkt an dem du dich plötzlich erinnert hast, auch gefühlsmäßig anders erlebt hast, im Vergleich zu, als die Erinnerung kam."
    Mein emotionaler Zustand hat sich schon geändert, allerdings das auch dadurch, dass da plötzlich ein riesiger Kontrast geschaffen worden war.
    2004 habe ich studiert, und es war ein sehr intensives Sommersemester gewesen. Einerseits das von der Prüfung her schwerste Fach im Studium, andererseits diverse Vorfälle außerhalb der Uni (Todesfall in der Familie, finanzielle Sorgen, und einiges mehr). Ich war damals in gewisser Weise ein anderer Mensch gewesen. Hatte nicht die Lebenserfahrungen, die ich heute habe. Einen anderen Blick aufs Leben. Mir wurde erst da bewusst, wie sehr ich mich in den zehn Jahren verändert habe. Da es dann aktuell (also 2014) auch um meinen weiteren Werdegang ging, war das irgendwie schon ein hilfreicher Kontrast.

    "Auf diese Frage antworte ich dann oft mit „Jetzt ja“."
    Abrufhilfen ;-).

    Noch so etwas, an das ich mich da während der Zugfahrt erinnert hatte, was ich sonst aber völlig verdrängt hatte: 2004 war ich mit einigen sehr guten Freunden auf einer Art Mittelalterfest in einer Kleinstadt. Es hat in Strömen geregnet. Und es war dennoch (oder gerade deswegen?) ein klasse Tag! Bis zur Zugfahrt war die Erinnerung ziemlich vergraben gewesen.

    Diese ganzen Erinnerungsstücke - Fotos, ICQ-Logs, so viel mehr, es sind alles kleine persönliche Schatzkisten. Vor einigen Jahren habe ich in Folge einiger kritischer Lebensereignisse sowohl meine Besitztümer als auch meinen Rechner "entrümpelt". Inzwischen bereue ich das ein wenig, denn vieles, was ich da entsorgt habe - damit sind auch diverse Erinnerungsstücke bzw. Abrufhilfen verloren gegangen.

    Beste Grüße,
    Björn

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  5. Lieber Björn,
    viel zu viele Gedanken für viel zu wenig Zeit momentan. Also so schnell es geht:

    „Es gibt so viel Schönheit auf der Welt, so viele unentdeckte und übersehene Ecken, selbst bei uns direkt vor der Tür - und dennoch suchen viele Leute jene nur am anderen Ende der Welt.“
    Ich glaube das passiert vor allem auch im Alltagstrott. Meistens sind wir in Eile und wollen nur schnell dieses oder jenes erledigen. Klar haben wir dann keine Antennen für andere Dinge, sondern rennen mit Tunnelblick stur geradeaus. Diese Zeit sollte man sich aber auf jeden Fall dann und wann nehmen. Mir fällt zudem auf, wie viel mehr Zeit ich hatte als ich noch zur Schule ging. Meine Jugend über habe ich mir in den Ferien immer ein NRW Ticket geholt und das Bundesland damit erkundet. Immer die Kamera dabei und immer die Augen offen nach der Schönheit der Welt. Was meinst du, was für tolle Orte ich da unerwartet entdeckt habe. Später gings dann mit dem Auto weiter. Da gings dann auch schonmal eigentlich gesperrte Feldwege lang, bis man die Farbe des Autos nicht mehr erkennen konnte. Tatsächlich habe ich die schönsten Orte alle im Umkreis von, naja, höchstens 80km Umkreis meiner Wohngegend entdeckt. Wenn ich heute jemandem die Gegend zeige, höre ich am Abend immer Begeisterung und Erstaunen, warum ich so viele tolle Orte kenne. Oder Aussagen wie: „Oh, die Gegend hat ja doch so einiges zu bieten“. DAS sind Schätze aus der Vergangenheit, die immer da sind. Da fällt mir ein schöner Spruch ein, den ich sehr beherzige: „Collect moments, not things!“.

    Wobei man moments ja auch sehr gut in things festhalten kann.“ Inzwischen bereue ich das ein wenig, denn vieles, was ich da entsorgt habe - damit sind auch diverse Erinnerungsstücke bzw. Abrufhilfen verloren gegangen.“. So ähnlich ist es mir auch mal ergangen. Als ich von meinen Eltern in eine eigene Wohnung gezogen bin, habe ich beim Umzug sehr viel aussortiert. Dabei habe ich sämtliche Tagebücher, Briefe von Freunden (damals hat man sich noch Briefe geschrieben!) und Dialoge, die man aus Langeweile im Unterricht auf Zettel geschrieben hat, weggeworfen. Dachte „Was soll ich damit? Das Kapitel ist beendet“. Heute würde ich die ganzen Sachen soooo gerne noch einmal lesen! Anders verhält es sich mit allem, was ich je auf meinen Rechnern hatte. Das hab ich alles nach und nach immer auf dieselbe externe Festplatte gespeichert. Irgendwann ist mir diese Festplatte dann runtergefallen und lief nicht mehr. Da dachte ich, dass alles für immer verloren ist. Einige Zeit später hat es ein befreundeter Informatiker geschafft die Daten zu retten. Auf einmal war mein verloren geglaubtes halbes Leben wieder da. Die darauf folgenden zwei Nächte habe ich eine Reise in die Vergangenheit gemacht und mir alles nochmal angesehen, das war toll! Aus meinem Bedauern über die weggeworfenen Briefe und die Freude über die geretteten Daten heraus bin ich heute soweit, dass ich nichts mehr einfach so wegwerfe, selbst wenn es mir noch so mies geht oder ich meine, etwas nie wieder sehen zu wollen. Dadurch macht man die Vergangenheit auch nicht ungeschehen. In der Regel arrangiert man sich irgendwann mit dem was passiert ist und ist letztendlich vielleicht sogar froh, die einen oder anderen Erinnerungsstücke zu haben.

    ...to be continued...

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  6. „ erlauben sie uns doch, Zeiten, die längst vergangen sind, nochmal zu erfühlen.“. Bis ich 9 war habe ich in einem Häuserblock gewohnt, in dem sich meine komplette Kindheit bis zu diesem Zeitpunkt abgespielt hat. Dies war auch gleichzeitig der Weg zur Schule, weil diese lag genau am Ende des Häuserblocks. Das war so eine „Spielstraßengegend“ also ganz ruhig, mit vielen Kindern und zwei Spielplätzen. Nachdem ich dort weggezogen bin, war ich bis zum Erwachsenenalter nicht mehr dort. Als ich dann mehr als 10 Jahre später zum ersten Mal wieder dort war, war das ein heftiger Flashback. Das war an einem Feiertag und es war absolut leer und still dort, aber wie ich durch die Straßen lief, füllten diese sich in meinem Kopf mit Leben. In etwa so wie in dem Film Titanic, wo man am Ende das leere versunkene Schiff in schwarz weiß sieht und es auf einmal bunt wird und sich mit Leben füllt. Genau so war das. Neben der Erkenntnis, dass diese, damals als unendlich weit empfundene, Gegend in Wirklichkeit nur ein paar kleine Straßen und der Weg zur Schule - wie bei dir - in Wirklichkeit winzig ist.

    „Einerseits das von der Prüfung her schwerste Fach im Studium, andererseits diverse Vorfälle außerhalb der Uni“. Ist das irgendein ungeschriebenes Gesetz, dass man die miesesten Prüfungen immer in den Semestern geschrieben hat in denen privat der meiste Mist passierte? Ist aber sicherlich nur eine zufällige Korrelation ohne kausale Richtung. Schön auf jeden Fall, dass du alles überwunden hast und daraus gewachsen bist. Es gibt immer wieder neue Überraschungen. Mal schauen, wie du in 10 Jahren auf heute zurück blickst.

    Wow das war unheimlich viel Text in verdammt kurzer Zeit. Vll. sollte ich mich mal für eine Schreib-WM aufstellen lassen :D.

    Herzliche Grüße

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  7. Guten Abend,

    was für ein seltsamer Tag heute. Irgendwann gegen vier Uhr aufgewacht. Fahrt zur Arbeit, gerade bei Sonnenaufgang (es ist wieder einmal diese Zeit im Jahr). Volle Blendung. Ich taste mich mehr voran. Jemand überholt mich, baut vor mir fast einen Unfall (ist halt doof, wenn man die Sonne in den Augen hat), und woran denke ich? An einen Morgen vor mehreren Jahren, damals noch als Fußgänger, wo ich einen ähnlichen Sonnenaufgang gesehen habe. War ein besonderer Tag gewesen. Heute eher nicht. Außer, dass ich nicht mehr ganz bei der Sache bin.

    "Ich glaube das passiert vor allem auch im Alltagstrott."
    In den letzten Jahren wurde ein Konstrukt ziemlich stark erforscht, welches das meiner Einschätzung nach besser erklärt: Achtsamkeit. Die Frage, wo man mit seiner Aufmerksamkeit und den eigenen Gedanken ist - in der Gegenwart, irgendwo "dort draußen", oder in Gedanken versunken? Keine Achtsamkeit -> dieser Alltagstrott stellt sich ein, selbst wenn es nicht einmal eine alltägliche Situation ist. Ist aber Achtsamkeit da, gerät man selbst im Alltagstrott nicht in den Alltagstrott.

    "Mir fällt zudem auf, wie viel mehr Zeit ich hatte als ich noch zur Schule ging."
    Ich weiß nicht mehr, wie sich "Langeweile" anfühlt. Schule, nun, ich war auf einer Ganztagsschule, und selbst da hatte ich danach viel mehr Freizeit als jemals wieder. Dazu drei Monate Ferien im Jahr. Hatte etwas!

    "Meine Jugend über habe ich mir in den Ferien immer ein NRW Ticket geholt und das Bundesland damit erkundet."
    So ähnlich ging es mir während meines Studiums. Semesterticket. Gültig in großen Teilen von NRW. Einer der Dinge, die ich mir immer wieder vornehme, und es doch zu selten (wegen mangelnder Zeit...) tue: Einfach mal losfahren und schauen, wo ich lande. Zurück findet man immer. Letztes Jahr bin ich irgendwo im tiefsten Sauerland gelandet. Hatte angefangen zu regnen, aber die Atmosphäre dort, auf den wolkenumwehten Hügeln, wie aus einer Saga vergangener Zeiten.

    "Immer die Kamera dabei und immer die Augen offen nach der Schönheit der Welt. Was meinst du, was für tolle Orte ich da unerwartet entdeckt habe."
    Was mir immer wieder auffällt - wer gern fotografiert, hat oft ein wesentlich besseres Auge für die Schönheit um uns herum. Und ich schätze mal, eine Menge. Ich kann mich an kaum einen Streifzug erinnern, bei dem ich nichts entdeckt habe - selbst, wenn ich nur wegen irgendwelcher Besorgungen am Wohnort unterwegs war.

    Übrigens: Wer sich mal zufälligerweise in Hagen wiederfindet, unbedingt einmal (am besten im Spätsommer) über Tückingstraße / Wolfskuhler Weg fahren. Ganz wunderbare Landschaft.

    "Dachte „Was soll ich damit? Das Kapitel ist beendet“."
    So dachte ich auch. Ich irrte. Was am Ende entsorgt wurden, waren Teile der eigenen Vergangenheit.

    Nun ja. Manchmal muss man auch Platz für etwas Neues schaffen. Was immer das Neue dann auch sein mag.
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  8. "Irgendwann ist mir diese Festplatte dann runtergefallen und lief nicht mehr. Da dachte ich, dass alles für immer verloren ist. Einige Zeit später hat es ein befreundeter Informatiker geschafft die Daten zu retten."
    Kaputte Festplatten sind ein Albtraum. Vor neun Jahren verlor ich ohnehin eine ganze Menge weltlicher Besitztümer bei einer Art Wohnungsbrand (laaaange Geschichte), aber nicht meine treue Backup-Festplatte!
    ... die zerlegte sich kein Jahr nach dem Brand selbst.
    ... und dann kam ich vor knapp zwei Jahren auf die wunderbare Idee, meine verbliebenen weltlichen Besitztümer auszumisten. Ich weiß noch ziemlich genau, was mir damals durch den Kopf schoss. Heute weiß ich, keine wichtigen Entscheidungen in einem negativen emotionalen State treffen.

    "Nachdem ich dort weggezogen bin, war ich bis zum Erwachsenenalter nicht mehr dort. Als ich dann mehr als 10 Jahre später zum ersten Mal wieder dort war, war das ein heftiger Flashback."
    Das kann ich mir nur zu gut vorstellen! Und das ist auch, finde ich, das Schöne an unserem Gedächtnis. So lange wir uns erinnern, sind die schönen Erlebnisse nie wirklich fort, in gewisser Weise begleiten sie uns.
    Ich hatte vor einiger Zeit so ziemlich das umgekehrte Erlebnis. Ein Ort meiner Kindheit war eine Art eher wäldlicher Weg, perfekt für Schlittenfahrten im Winter. Daneben ein ziemlich toller Spielplatz. Als ich da nach über fünfzehn Jahren wieder dran vorbei wanderte, war der Weg fort, endete nach 1/10 seiner alten Strecke in einem Neubaugebiet, und der Spielplatz war nahezu komplett demontiert.
    Ich erinnere mich. Die nachfolgenden Kohorten? Die haben es wohl nie erlebt. Schade für sie.

    "in Wirklichkeit winzig ist."
    Am Wochenende hielt ich eine Präsenzveranstaltung 150km entfernt - also 150km hin, 150km zurück. Und es erschien mir "nah dran", weil ich noch viel viel weiter entfernte Orte kenne. Dazu eine Vorstellung habe, wie riesig die Erde doch ist.
    Meine Grundschule lag (laut google maps) 500 Meter entfernt, und damals erschien es mir wie eine kleine Weltreise.

    "Ist das irgendein ungeschriebenes Gesetz, dass man die miesesten Prüfungen immer in den Semestern geschrieben hat in denen privat der meiste Mist passierte?"
    War nicht der Fall. Einige der nachfolgenden Semester hatten noch viel viel mehr Mist zu bieten (z.B. der erwähnte Wohnungsbrand samt Folgen), dafür waren die Prüfungen wesentlich angenehmer. Errm. Yay?

    "Mal schauen, wie du in 10 Jahren auf heute zurück blickst."
    Das wird extrem interessant. Ich stehe vor einigen wichtigen Weichenstellungen. Entscheidungssituationen. Es sind nun diverse Lebenspfade offen, wo ich nicht weiß, wo sie hinführen werden. Wahl! Wunderbar! Wird interessant, darauf zurückzublicken.
    Wobei ich allerdings auch sagen muss, die letzten knapp zwei Jahre kommen mir wie eine halbe Ewigkeit vor, so viel ist in ihnen schon passiert. Alltagstrott? Was ist das? Wo kann man das kaufen?

    Herzliche Grüße,
    Björn

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  9. Guten Abend,

    Achtsamkeit ist mir ein Begriff. Stammt aus dem Buddhismus, nicht wahr. Kann man meines Wissens auch trainieren. Auch lustig: Darauf achten, wie achtsam man ist. Eine Art Metaachtsamkeit. Beispiel: Ich gehe zum Supermarkt, will eigentlich schnell was besorgen, bin eigentlich mitten im Alltagstrott, aber ich achte den ganzen Weg über auf ganz viele Details und denke mir nach ner Weile: „Bist heute ganz schön achtsam unterwegs“.

    „Einfach mal losfahren und schauen, wo ich lande. Zurück findet man immer.“. Genau das mache ich immer mit einem guten Freund von mir. Wenn wir uns treffen bedeutet das einfach fahren. Unterhalten, Musik hören, Umgebung angucken. Früher mit der Bahn, heute eher mit dem Auto. Immer ohne Ziel. Irgendwie habe ich das schon immer so gemacht. Das Problem ist, dass ich mit 14 damit schon angefangen habe und zum Unmut meiner Eltern plötzlich vier Stunden von zuhause weg gelandet bin. Hatte mir ein Buch mit in die Bahn genommen, angefangen zu lesen und dann ist es einfach passiert. Habe extremen Ärger bekommen, aber nach diesem Erlebnis wussten meine Eltern für immer wie selbstständig ich schon bin.

    „Als ich da nach über fünfzehn Jahren wieder dran vorbei wanderte, war der Weg fort“. Ich bin meine ganze Kindheit (bis 10 oder 11 Jahre) über mit meinen Eltern jeden Sommer an den gleichen Ferienort in das gleiche Ferienhaus in den Urlaub gefahren. Zwei Tage nach meinem 18. bin ich dann zum ersten Mal seit langem wieder mit frisch erworbenem Führerschein und meiner damaligen Clique dort hin. Auf der Schnellstraße die zu der Wohnsiedlung dort führt, hatte man in der Zwischenzeit mal Laternen aufgestellt und Fußwege hingebaut. Darüber war ich richtig sauer. So hatte ich das nicht in Erinnerung und so wollte ich das dort nicht vorfinden. Als wir dann das Haus betraten, war ich die erste halbe Stunde wohl in einem totalen Ausnahmezustand. Alleine der vertraute Geruch, der einem entgegen kommt, wenn man eintritt, löste etwas Unbeschreibliches bei mir aus. Dann lief ich durchs Haus und überprüfte, was sich alles verändert hatte und was noch genau wie in meiner Kindheit war und bei jedem Gegenstand, der dort noch genau so stand oder hing wie früher, freute ich mich wie ein kleines Kind und rief „ooooh wie toll!“. Meine Freunde verstanden nicht so recht, warum ich von einem Stück Holz das an der Wand hängt so unglaublich begeistert bin. Da wurde mir klar, dass meine Freunde das alles ja absolut rein gar nicht wie ich empfinden und es auch niemals tun werden. Das löste ein ziemliches Bedauern bei mir aus, weil ich der Ansicht war, dass die anderen etwas ganz tolles verpassen und ich wünschte mir zum ersten Mal aus tiefsten Herzen, dass man Gefühle übertragen kann.

    „Vor neun Jahren verlor ich ohnehin eine ganze Menge weltlicher Besitztümer bei einer Art Wohnungsbrand (laaaange Geschichte), aber nicht meine treue Backup-Festplatte!“ Ich habe gestern Abend noch darüber nachgedacht, was wäre, wenn es brennen würde und dass ich mir auf jeden Fall meine externe Festplatte schnappen würde. Du hast aber auch schon einiges erlebt, nicht wahr. Ein gebranntes Kind (war das jetzt zu sarkastisch?). Tut mir wirklich leid zu hören bzw. lesen. Ich hoffe sehr, dass deine vielen neuen Möglichkeiten und Entscheidungen dich jetzt mal mit einer richtigen Glückssträhne bescheren. Ansonsten bist du ja stets aus dir selbst heraus bestens dazu ausgerüstet, das Glück überall zu entdecken.

    Herzliche Grüße

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  10. "Achtsamkeit ist mir ein Begriff. Stammt aus dem Buddhismus, nicht wahr. Kann man meines Wissens auch trainieren."
    Ja und ja. Ich muss zugeben, mein erster Kontakt mit dem Konzept war seltsam. Das war, als einige Studierende (also zu dem Zeitpunkt arbeitete ich schon in der Lehre) Abschlussarbeiten schreiben wollten, die sich mit der Übersetzung eines Verfahrens zur Messung der Achtsamkeit beschäftigten. Also habe ich mich auch ein wenig zum Thema eingelesen, auch was so achtsamkeitsbasierte Ansätze. Und ich musste sofort an verschiedene Erkenntnisse aus dem vorigen Jahrhundert denken. Beispielsweise diese Studie, die angetreten war, um verschiedene (alte) Therapieschulen miteinander zu vergleichen - und am Ende kam heraus, die Erfolgsaussichten hingen nicht von der Schule ab, sondern davon, wie achtsam die Klienten in Bezug auf ihre Emotionen waren.
    Manchmal kommen gute Anregungen aus allen möglichen Richtungen.

    "Genau das mache ich immer mit einem guten Freund von mir. Wenn wir uns treffen bedeutet das einfach fahren. Unterhalten, Musik hören, Umgebung angucken. Früher mit der Bahn, heute eher mit dem Auto."
    Ach ja, Bahn. Ich mag es, mit der Bahn zu fahren. Nur manchmal, manchmal... da glaube ich, die Bahn hat durchaus noch Optimierungsmöglichkeiten nach oben. Sei es entweder beim Preis, oder beim Komfort. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Kann jedenfalls gut verstehen, dass da das Auto bevorzugt wird. Ist bei mir inzwischen auch oft so ;-).
    Und das noch zu machen, gerade auch mit Freunden. Hut ab! Ich lasse das leider immer wieder mal ganz gern schleifen, weil noch sooo viel anderes zu tun ist. Na egal. Wird wieder andere Zeiten geben!

    "So hatte ich das nicht in Erinnerung und so wollte ich das dort nicht vorfinden."
    Weil es nicht mehr dasselbe ist. Es erinnert den Verstand daran, "jetzt ist nicht damals". Schade so etwas.

    "Da wurde mir klar, dass meine Freunde das alles ja absolut rein gar nicht wie ich empfinden und es auch niemals tun werden."
    Super und auch schönes Beispiel für emotionale/symbolische vs. physische Realität. Für dich hatten die Sachen eine hohe Bedeutung - für die anderen nicht.
    Ich bin, gegen Ostern herum, über eine Brücke gegangen, die ich zuletzt vor über 15 Jahren überquert hatte. Sie hatte sich nicht verändert. Nun ja. Natürlich, neu lackiert, hier und da neue Bretter, aber im Kern, im Geräusch, wie sie sich in die Landschaft einfügt, das war noch gleich! Der Schilf von damals, natürlich längst verwelkt, der neue Schilf, anders, und doch gleich. Das war toll.
    Auch wenn es für andere nur eine Brücke war. Für mich war es ein kleines Fenster, das einen Blick zurück ermöglichte.

    "ich wünschte mir zum ersten Mal aus tiefsten Herzen, dass man Gefühle übertragen kann."
    Ja. Wenn man positive Gefühle eintüten und verkaufen könnte, wäre sicherlich ein Markt für da. Wobei es, in schwächerer Form, in gewisser Weise möglich ist. Kongruent zum Gefühl sein und in der zweiten Person mit Weichmachern darüber sprechen, was in einem vorgeht. Löst sehr oft beim Gegenüber ähnliche Gefühlsregungen aus. Schwieriger zu beschreiben, als es ist.

    "Du hast aber auch schon einiges erlebt, nicht wahr."
    Ja. Und darüber bin ich froh! Unsere Wege führen uns dahin, wo wir sind. Die schönen Ereignisse im Leben genauso wie etwaige Herausforderungen. Ich wäre heute nicht der, der ich bin, wenn alles immer einfach gewesen wäre. Ich könnte heute nicht alles, was ich kann, wenn alles immer nur einfach gewesen wäre. Krisen sind niemals schön - und doch können sie, rückblickend, unendlich wertvoll sein.

    Schönen Abend,
    Björn

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  11. Guten Abend,

    „Na egal. Wird wieder andere Zeiten geben!“ Ich dachte, bei dir gibt es kein irgendwann?! Alles eine Frage des Prioritäten Setzens ;). Oder anders gesagt: Zeit hat man nicht, Zeit muss man sich nehmen. Aber ja, Freunde sehe ich zwecks „sooo vielem anderen zu tun“ leider auch nur selten. Wenn dann immer spontan. Lange im Voraus geplant klappt sowieso nicht.

    „Es erinnert den Verstand daran, "jetzt ist nicht damals".“ Ich glaube das ist es nicht. Ich wollte gar nicht, dass „damals“ ist. Im Gegenteil. Es war die absolut perfekte Zeit. Ich war gerade volljährig geworden, hatte gerade meinen Führerschein gemacht und war mit guten Freunden alleine und völlig autonom im Sommerurlaub. Es war das Gefühl absoluter Freiheit. Ich hätte diesen Kontext für nichts auf der Welt eingetauscht. Aber ich wollte vielleicht den direkten Vergleich: „Damals habe ich genau hier Fangen gespielt, jetzt sitze ich hier mit meinen Freunden und grille“. So in etwa. Dafür muss aber natürlich auch alles noch genau so aussehen wie früher. Oder ich wollte vielleicht erst eine Reise in die Vergangenheit machen, um dann zurück in die Gegenwart zu kommen und feststellen, dass diese mindestens genau so toll ist. Ich war übrigens die vergangenen zwei Wochen dort und es vermischten sich die Erinnerungen an meine Kindheit mit den Erinnerungen an meine späte Jugend. Zusammen mit der Gegenwart – wie immer ein klasse Urlaub, viel zu schön um zuende zu gehen.

    „unbedingt einmal (am besten im Spätsommer) über Tückingstraße / Wolfskuhler Weg fahren.“ Da war ich heute. Nicht schlecht! Ziemlich steil und kurvig, erinnerte mich ein klein wenig an Sizilien. Schade, dass man hier keine Fotos dranhängen kann, sonst hätte ich ein Beweisfoto gezeigt.

    Herzliche Grüße

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