Freitag, 29. August 2014

Motiverkennung II

Nachdem in Teil 1 quasi der Rahmen abgesteckt wurde, kommen wir nun zu den Möglichkeiten. Was ich vorab ausschließen möchte, sind psychometrische Tests. Da gibt es durchaus einige, die halbwegs vernünftig funktionieren (und auf den Prinzipien aufbauen, auf die ich zu sprechen komme). Sofern man jedoch nicht gerade als Forscher mit jemanden interagiert, oder in einer wie auch immer gearteten Beratungssituation sehr viel Zeit an der Hand hat, sind jene kaum praktikabel. Mir geht es um Möglichkeiten im Alltag.

Die erste Methode ist die zugleich einfachste wie auch unzuverlässigste.

Sie lautet "Beobachten".

Klingt einfach, aber da sollten ein paar Aspekte im Hinterkopf behalten werden.

1. Dasselbe Verhalten kann von unterschiedlichen Motiven motiviert sein.
2. Dasselbe Verhalten kann verschiedene Motive befriedigen.

Was meine ich damit? Nehmen wir mal irgendeine Mannschaftssportart, sagen wir mal Fußball. Da kann so etwas wie Geselligkeit und Bewegung hinterstecken, genauso aber auch so etwas wie Status, Macht, oder auch Flow-States, Leistungsmotivation, Wettbewerb, genauso kann es auch Mittel zum Zweck sein wie zum Beispiel für mehr Gesundheit, besseres Aussehen. All das weiß man nicht.

Man kann nicht von einer Handlung direkt auf die Motive schließen.

Was man aber kann, ist Strukturen entdecken, die in mehreren Handlungen gezeigt werden. Eine Übung, die ich da gern anbiete, ist einfach mal Serien (egal ob Film- oder Bücherserien) zu betrachten. Da Motive meist sehr stark projiziert werden (i.e. von den Autoren stammen), haben die allermeisten Charaktere in den allermeisten Serien nahezu identische Motive - meist mit jeweils ein, zwei Ausnahmen, die mehr als "comic relief" dienen. Betrachtet man dann deren dargestelltes Leben als Ganzes, fallen diese sehr schnell auf. (Das ist übrigens derselbe Grund, warum manche Seriencharaktere so inkonsistent wirken - andere Autoren, die wiederum ihre Motive auf die Charaktere projizieren und sie gänzlich anders schreiben.)

Auch worauf derjenige überhaupt reagiert, also was für Handlungen gezeigt werden. Wenn jemand zum Beispiel sagt, ihm sei die eigene Gesundheit sehr wichtig, aber dann raucht, trinkt, sich mehr als bescheiden ernährt und jede Bewegung vermeidet, oder wenn jemand dann extremes Risikoverhalten ohne Sicherheitsvorkehrungen an den Tag legt, dann zeichnet das schon ein entsprechendes Bild, das die Wörter Lügen straft.

Ebenso kann die angesprochenen Projektionen genutzt werden. Wie erklärt jemand das Verhalten von anderen? Das ist oftmals meiner Erfahrung nach viel aufschlussreicher als Erklärungen, die jemand über sich selbst abgibt. Da wird rationalisiert, bei der Erklärung von anderen deutlich weniger - da dann aber projiziert.

Wie gesagt ist Beobachtung die unsicherste Methode. Meiner Erfahrung nach allerdings, wenn obige Aspekte berücksichtigt werden, durchaus treffsicher. Sofern genug Beobachtungen vorhanden sind. Der Versuch, aus einer Handlung auf die Motive zu schließen ist ein Glücksspiel.

(Großes zusätzliches Problem dieser Methode ist aber die Kontext- und Zustandsabhängigkeit. Was man für Motive bei z.B. Hobbies findet, müssen nicht unbedingt eine Bedeutung auf der Arbeit haben.)

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