Mittwoch, 6. August 2014

Psychologische Brandbeschleuniger

Was macht eine schwierige Situation noch schwieriger? Wenn Personen mit Herausforderungen aller Art konfrontiert werden, dann haben sie zumeist diverse Ressourcen zur Hand, die bei dem Problem helfen können. Genauso kann es dort aber auch Faktoren geben, die eine schwierige Situation noch verschlimmern. Gemeinhin wird hier von so genannten Vulnerabilitätsfaktoren ("Verletzlichkeitsfaktoren") gesprochen. Da hat jede Herausforderung so ihre eigene Liste an Aspekten, die es wahrscheinlicher machen, dass aus einer Herausforderung sich ein psychologisches Problem entwickelt.

Daneben gibt es auch noch so etwas, was man allgemeine Vulnerabilitätsfaktoren nennen könnte. Oder, wie ich sie kürzlich in einem Gespräch nannte, Brandbeschleuniger. Das sind Faktoren im Leben einer Person, die jedwede Herausforderung gleich um ein Vielfaches schwieriger zu bewältigen werden lässt.

Ein Beispiel dafür wäre Armut. Man nehme jemanden, der finanziell gerade so und eher schlecht über die Runden kommt, wo das Leben sich auf einem sehr einfachen Niveau abspielt. Jetzt treten plötzlich etwaige Schwierigkeiten auf - sei es, dass das Gehalt gekürzt wird, seien es notwendige Reparaturen zentraler Besitztümer, sei es irgendeine Nachzahlung, und schon kann die ganze Existenz auf dem Spiel stehen. Das wirkt als enormer zusätzlicher Stressor, egal was sonst noch im Leben passiert. Ein anderer Brandbeschleuniger wären körperliche Gebrechen. Auch die machen Vieles schwerer, beeinträchtigen zudem Erholphasen. Auch so etwas wie dysfunktionale Umfelder, Hintergründe, und vieles mehr können als Brandbeschleuniger wirken.

Allerdings steckt auch in Brandbeschleunigern eine gewisse Dualität - durch sie können wir auch wachsen. Sei es nur, indem man funktionale Abwehrmechanismen entwickelt - zum Beispiel ein entsprechender Umgang mit Geld, um nicht (wieder) in Armut zu stürzen. Oder auch so etwas wie Verständnis, das über Empathie hinausgeht. Ironischerweise aber auch das Gegenteil.

Manches, was einer Person wie ein riesiger Berg vorkommt, kann auf eine andere nur wie ein Maulwurfshügel wirken. Möglicherweise, weil sie die zusätzlichen Brandbeschleuniger nicht kennt (wenn z.B. eine zusätzliche finanzielle Belastung aufkommt, macht es einen riesigen Unterschied, ob man da noch Ressourcen hat oder nicht). Möglicherweise aber auch, weil sie selbst einen sehr viel größeren Berg kennt bzw. überwunden hat. Dass die Nachbarn nicht das Treppenhaus fegen, wirkt doch als Unbefindlichkeit sehr befremdlich, wenn man mal erlebt hat, wie das eigene Heim in Rauch aufgegangen ist und man schon vorher finanziell am Abgrund getanzt hatte. (Wenn ich an so Aspekte erinnern dürfte wie das Große Bild, Rahmenspaß zu Mitleid, Kontrastprinzip - all das kommt hier zusammen.)

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