Donnerstag, 18. September 2014

Die Kriegstaktik des alten Roms

Inspirationen finden sich an den seltsamsten Orten. Eine der wichtigsten Erkenntnisse im Umgang mit Problemen - sowohl der eigenen als auch der anderer Menschen - findet sich ausgerechnet in der Art und Weise, wie das antike Rom ein Weltreich schuf.

Rom hatte damals ein Reich erschaffen, das sich über einen Großteil von Europa, über große Teile Nordafrikas und Teile von Asien erstreckte. Wie gelang es ihnen? Durch schiere militärische Überlegenheit? Erstaunlicherweise nicht. Oftmals waren die Römer den Ländern, die sie eroberten, eigentlich (teils sogar sehr deutlich) unterlegen. Doch agierten sie nicht wie ein Rammbock oder ein Vorschlaghammer und griffen das ganze Gebilde an (und wenn sie es doch taten, was vorkam, bekamen sie meist ordentlich einen auf den Deckel).

Statt den Gegner als Ganzes anzugreifen, griffen sie wichtige Punkte an. "Teile und herrsche" betraf nicht nur den Umgang mit dem eigenen Volk. Sie griffen strategisch wichtige Orte an, kesselten einzelne Stämme nacheinander ein, nutzten gegenüber weniger feindseligen Stämmen auch das Zuckerbrot statt nur die Peitsche.

Anders formuliert: Sie walzten nicht einfach ihre Gegner platt, sondern zerlegten sie zuerst in kleinere, handhabbare Grüppchen. Und die walzten sie platt. Ist so, wie wenn man eine Torte isst. Gabel für Gabel geht das, die ganze Torte auf einmal jedoch wird eine sehr lustige Angelegenheit.

Was hat das nun mit Problemen aller Art zu tun? Probleme zu haben ist komplex. Wären sie einfach, könnten die meisten Menschen sie selbst lösen. Jeder Mensch hat ja so bereits im Laufe seines Lebens abertausende Probleme gelöst! Die, die (alleine) nicht gelöst werden, sind in aller Regel die komplexen, großen, miteinander verwobenen. Wenn jemand ein Problem hat, kommen da meist neben dem eigentlichen Problem auch noch unzählige assoziierte Probleme mit hoch. Zudem wird dort schnell generalisiert, aus bestimmten mehr oder weniger problematischen Situationen wird dann "immer". Und schon steht man nicht einem Problem gegenüber, sondern einem ganzen Berg miteinander assoziierter und generalisierter Probleme.

Schlecht.

Die Lösung klingt einfach, ist auch manchmal einfach, jedoch manchmal auch weniger einfach: Nicht den ganzen Berg angreifen. Aus den assoziierten Problemen ein Problem (oder eine sehr ähnliche Gruppe von Problemen) angehen, und den Rest zuerst beiseite schieben. Bei Generalisierungen sich auf konkrete Situationen zurückbesinnen. Die Probleme so lange "kleiner" machen, bis man Brocken vor sich hat, die lösbar sind.

Und das schöne ist: Eben weil die Problemwand oft aus miteinander assoziierten Problemen besteht, kann es auch zu einem Dominoeffekt kommen, sobald nur eine kleine Zahl der Probleme gelöst sind. Ein Kollege von mir nannte das einmal "römische Therapie". Gaius Julius lässt grüßen.

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