Montag, 1. September 2014

Motiverkennung III

Im ersten Teil ging es um die Rahmensetzung, im zweiten Teil um passive Beobachtung. Jetzt kommen wir zu aktiver Beobachtung. Nicht ganz ernstgemeint nenne ich die dritte Möglichkeit "Angeln".

Angeln, weil es hier darum geht, Köder auszuwerfen. Und dann zu schauen, worauf die Person anbeißt. Klingt einfach aber schwierig umzusetzen, ist jedoch recht komplex aber leicht umzusetzen. Gibt verschiedene Formen, die sich auch kombinieren lassen.

Nehmen wir mal so eine Kombination. Sagen wir, jemand soll für eine Personalfortbildungsmaßnahme motiviert werden. Dann kann erstmal eine Bandbreite an Vorteilen aufgezählt werden, die sich daraus ergeben. Das sind erstmal sehr grobe Köder. Auf einige wird nicht reagiert, auf andere schon.

Jetzt wirst du vielleicht denken "wurde nicht in Teil 2 behauptet, man könne nicht von einer Handlung auf ein Motiv schließen?", und damit wäre auch das Problem schon da. Es ist nur ein grober Hinweis. Aber dieser lässt sich jetzt noch verfeinern.

Sagen wir, für die Personalfortbildung würde aufgezählt als Vorteile bessere Aufstiegsmöglichkeiten, mehr Personalverantwortung, eigenständigeres Arbeiten und effizienterer Workflow. Und jetzt sagen wir mal, die Person reagiert negativ auf Personalverantwortung und positiv auf eigenständigeres Arbeiten. Jetzt wäre es sinnvoll, weitere Köder in Richtung eigenständigeres Arbeiten auszulegen. Man könnte jetzt erstmal den Punkt Unabhängigkeit (nach Reiss) abklopfen. Appetitiv im Sinne von eigene Vorhaben umsetzen, aversiv im Sinne von sich nicht mehr jeden Schritt mikromanagen lassen. Reagiert die Person auf eines davon, kann man ziemlich sicher sagen, okay, Unabhängigkeitsmotiv liegt vor, entweder appetitiv oder aversiv. Alternativ weitere Köder nach anderen Motiven auswerfen, beispielsweise aversives Geselligkeitsmotiv abklopfen (weniger Koordinierungsangelegenheiten mit anderen), möglicherweise Übergänge mit anderen Motiven, wie sich hier am Beispiel (mit der negativen Reaktion auf Personalverantwortung) anbieten würde dem Machtmotiv.

Man wirft Köder aus, und schaut, worauf die Leute anbeißen. Das geht nicht nur bei Motiven. Auch bei Unternehmungen - diverse Vorschläge machen, schauen worauf nonverbal wie reagiert wird, und noch bevor jemand etwas sagt am Ende so etwas bringen wie "ich denke, wir machen X!"
Da habe ich es schon mehrfach erlebt, wie mir unterstellt worden ist, ich könne Gedanken lesen. Kann ich nicht. Über 50% der Kommunikation sind nonverbal.

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