Dienstag, 7. Oktober 2014

Attributionstheorie live

Ich muss gerade an meinen etwas älteren Beitrag über unsere eigenen Lektionen denken - da ich mich gerade frage, ob mir mein Verstand einen Streich spielt.

Weiners Attributionstheorie sagt letztendlich aus, dass Ereignisursachen anhand bestimmter Kriterien bewertet werden - und abhängig von den Bewertungen entstehen andere Emotionen und werden andere Handlungen ergriffen. Diese Bewertung findet unterbewusst statt. Klassisches Beispiel sind die Reaktionen von Schülern auf schlechte Noten. Wer hier den Lehrer als unfair erlebt, reagiert mit Wut. Wer glaubt, sich vorher nicht genug angestrengt zu haben, mit Scham, Schuld oder Reue. Wer dagegen seine Intelligenz für ursächlich hält mit Trauer.

Weiners drei Dimensionen sind Lokalität (wer ist verantwortlich?), Stabilität (wie veränderbar ist die Ursache?) und Kontrollierbarkeit (wie viel Einfluss hat man selbst auf die Ursache?).

Interessant ist nun, wie es zu den Einschätzungen kommt, und das hat viel mit Rahmen zu tun. Stabilität ist eine Frage der Beobachtung über die Zeit - ändert sich überhaupt etwas? Kontrollierbarkeit hat damit etwas zu tun, ob Auswirkungen von eigenem Verhalten sichtbar sind bzw. gesehen werden. Lokation nun hängt davon ab, wie allgemein bzw. speziell ein Ereignis ist. Fällt zum Beispiel eine ganze Schulklasse durch eine Prüfung, andere Schulklassen derselben Schule bestehen jedoch, dann wird die Attribution in Richtung der Lehrer gehen. Fallen hingegen alle Schulklassen durch, in Richtung der ganzen Schule. Fallen dagegen nur einzelne Schüler hindurch, eher in deren Richtung.

Letzteres ist etwas, was mich gestern sehr, sehr stutzig gemacht hat. Ich war die vergangenen Wochen sehr viel unterwegs. Gestern hatte ich dann so eine Reihe an Erlebnissen auf der Autobahn, die meinem begrenzten technischen Verständnis nach keinen Sinn ergeben. Ich hörte irgendwann ein sehr lautes Pfeifgeräusch. Dachte, das kommt von draußen. Bloß das Pfeifen ging auch nach diversen Kilometern nicht weg. Ich fing schon an über den technischen Zustand meines Autos nachzudenken. Das Pfeifgeräusch blieb mir erhalten, bis ich von der A2 auf die A1 fuhr - gute 60 Kilometer lang, unabhängig von meiner Geschwindigkeit, Motordrehzahl, eingelegtem Gang. Auf der A1 dann Ruhe.

Für eine Weile.

Dann war das Pfeifen wieder da. Und da sah ich - es war inzwischen dunkel - vor mir wieder die Aufschrift eines LKWs (selber Typ und Firma, aber wohl nicht selber LKW), der auch auf der A2 so ziemlich genau 60 Kilometer vor mir hergefahren war.

Als ich dann von der A1 abfuhr, war das Pfeifen weg. Seither frage ich mich, ob es LKWs gibt, die selbst bei einem Abstand von > 200 Metern noch einen sehr laut hörbaren Pfeifton abgeben, der klingt wie eine gerade noch für menschliche Ohren hörbare Hundepfeife (eine weitaus leiseres Pfeifen, Stichwort Ladeluftkühler, kenne ich - das Geräusch war dafür jedoch ganz deutlich zu laut). Rein rational müsste ich eher auf mein Auto tippen, denn das war immer da. Nur irgendwie attribuiere ich das Pfeifen doch auf den möglicherweise nur zufällig dort zugegen gewesenen LKW.

(Oder es mag eine Abwehrreaktion nach dem Motto "ich mag nicht in die Werkstatt..." sein.)

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