Freitag, 31. Oktober 2014

Emotion & Motivation: Die Trennung des Untrennbaren

Dort "draußen", außerhalb unserer Gedankenwelt, gibt es nur eine Sache. Das Leben. Die Welt. Wie immer wir es nennen wollen. Zu groß, zu facettenreich, um alles zu erfassen. Also fangen wir an, alles in kleinere Einheiten aufzuteilen, aufzutrennen. Das ist ein Wald, dies ist eine Stadt. Das ist ein Haus, dies eine Straße, und jenes dort eine Laterne. Manchmal sind diese Aufteilungen sinnvoller, und manchmal extrem willkürlich.

In der Allgemeinen Psychologie als Oberkategorie werden Emotionspsychologie und Motivationspsychologie getrennt betrachtet. In meiner Zeit als Lehrperson für die Allgemeine Psychologie habe ich immer wieder die Gemeinsamkeiten und Übergänge zwischen dem emotionalen und dem motivationalen Bereich aufgezeigt. Ich weiß, rein vom Verständnis her ist es leichter, die beiden Bereiche getrennt voneinander zu betrachten. Motivation, die Psychologie der Zielauswahl. Emotion, die Psychologie des affektiven Erlebens.

Problem an der Sache ist nur: Damit wird getrennt, was untrennbar ist.

Man denke an die Rahmenbedingungen für Emotionen: Jede Emotion, ohne jede Ausnahme, hat einen motivationalen Impuls. Furcht - vor einer Gefahr fortkommen. Glück - positive Elemente im Leben erhalten. Wut - Abwehr von Bedrohungen. Eifersucht, Hass, Wut, Ekel, Flow, Mitleid, Stolz - egal welche Emotion je ein Mensch benannt hat, sie alle haben eine motivationale Komponente. Ein Ziel, eine Handlung, zu der die Emotion motivieren will.

Genauso muss jede Motivationssituation eine emotionale Komponente haben. Was unterscheidet, aufs kleinste Element heruntergebrochen, Motivation von der Volition (der Willenspsychologie)? In der Volition fehlt der emotionale Funke. Hier werden ziele rein anhand von logischen Überlegungen und Abwägungen verfolgt. Spricht man hingegen die Motive von jemanden an, erzeugt man immer Emotionen. Furcht, Wut, wie auch immer wenn man Motive bedroht. Freude, Verlangen, Neide, wie auch immer wenn man Motive anspricht. Motive ohne Emotionen sind so unmöglich wie Emotionen ohne Motive. Sie entstammen denselben Hirnregionen. Sie treten immer gemeinsam auf. Sie sind zwei Seiten derselben Münze. Denn sie sind eine Münze.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen