Sonntag, 19. Oktober 2014

Form | Funktion

Jede Form erfüllt eine Funktion. Interessant ist nun, dass sehr oft die Funktion in gewisser Weise verloren geht, die Form zum Selbstzweck wird oder eine neue Funktion erhält. Schönes Beispiel dafür sind Feiertage. Was haben Hasen und Eier mit Ostern zu tun? Oder der Jahreswechsel - die Funktion des Feuerwerks war dereinst das Verscheuchen böser Geister. Heute? Pyrotechnischer Spaß!

Auch hinter Verhaltensformen, auch wenn sie auf den ersten Blick unsinnig scheinen, stecken oft Funktionen. Die auch verloren gehen können. Etwas, was als Kind oder Jugendlicher verhaltensmäßig sinnvoll gewesen sein mag, kann es später nicht mehr sein. Oder etwas mag sich aus technischen Begebenheiten entwickelt haben, die heute oder in anderen Kontexten anders aussehen mögen. Kürzlich (bzw. aktuell) habe ich damit zu tun. Tabellenformatierung für wissenschaftliche Veröffentlichungen. Aufgrund technischer Limitationen beim Zeitschriftendruck vor mehreren Jahrzehnten hat es sich in der Psychologie eingebürgert Tabellen "linienarm" zu gestalten. Keine vertikalen Linien, nur ein Minimum an waagerechten Linien. Bei einigen Tabellen, die ich (allerdings nicht in Zeitschriften) auf die Welt loslassen möchte, leidet bei linienarmer Darstellung jedoch die Lesbarkeit. Welche Funktion ist nun wichtiger? Ich glaube, ich werde es drauf ankommen lassen.

Kürzlich habe ich mal durch alte Fotos geblättert. Nach dem Studienabschluss habe ich damals ganze Berge an Papierkram weggeschmissen, um wieder Luft zu haben. Aktuell stapeln sich bei mir die Bücher und Aktenordner. Der Anlass dafür wird (hoffentlich, siehe oben) bald ebenso abgeschlossen sein. Dann wird wieder Platz geschaffen. Die aktuelle Form (Papierstapel überall!) hat seine Funktion. Die Funktion ist bald (hoffentlich) erfüllt und abgeschlossen, also kann die Form geändert werden.

Probleme können dann entstehen, wenn sich die Form nicht ändert, nachdem sie ihre Funktion erfüllt hat. Die Papierstapel während der Abschlussphase aufzutürmen, mag nicht schön sein, ist jedoch funktional. Sie nach erfolgreichem Abschluss zu behalten, das wäre nicht mehr funktional.

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