Samstag, 25. Oktober 2014

Ratschläge bezüglich Abschlussarbeiten I

Dies ist kein wirklich "psychologischer" Text, aber ein paar Sachen, die ich schon immer mal loswerden wollte. Beziehungsweise losgeworden bin, hier und da mal. Im Laufe der Zeit habe ich selbst zwar nur zwei Abschlussarbeiten geschrieben, war jedoch bei der Betreuung von über hundert Abschlussarbeiten beteiligt. Entsprechend hier einmal in zwei getrennten Bereichen, was ich dazu zu schreiben habe. Der zweite Teil wird sich mit dem eigentlichen Verfassen beschäftigen, der erste Teil mit dem sehr trockenen, aber wichtigen Aspekt der Technik.

Technik - Abschlussarbeiten

1. Sicherungskopien anlegen!
Diesen Punkt kann ich nicht genug unterstreichen. Die Wahrscheinlichkeit, Daten zu verlieren, mag gering sein. Die Folgen jedoch katastrophal. Grundsätzlich lassen sich zwei Arten von Abschlussarbeiten unterscheiden. Auf der einen Seite jene mit geringem Umfang, wie B.Sc- oder M.Sc-Arbeiten, die in einer festgelegten Zeit geschrieben sein müssen. Hier ist die Wahrscheinlichkeit eines Datenverlusts aufgrund der beschränkten Zeit geringer, tritt er jedoch auf, kann die verlorene Zeit zum Genickbruch werden. Auf der anderen Seite zeitlich unbeschränkte Arbeiten wie z.B. Dissertationen. Hier wäre zwar eine zeitliche Verzögerung kein zwangsläufiger Genickbruch, jedoch Datensätze von jahrelanger Arbeit neu zu erheben oder die in Monaten oder Jahren verfassten Schriften neu anzufertigen ist auch keine schöne Aussicht.

Die einfachste Form der Sicherungskopie: Kleinere Dateien sich per Mail selbst zuschicken. Größere Dateien regelmäßig (mindestens einmal die Woche, eher öfter) auf mindestens zwei externen Datenträgern (USB-Sticks, externe Festplatten, wie auch immer) sichern. Erwartung mal Wert - die Wahrscheinlichkeit eines Datenverlusts mag gering sein (wobei sie mit wachsender Schreibdauer ansteigt), die Folgen wären jedoch katastrophal. Dafür vorzusorgen macht nur einen Arbeitsaufwand von vielleicht fünf Minuten pro Woche aus. Das könnten die am sinnvollsten investierten fünf Minuten des Lebens sein.

(Meine persönliche Erfahrung, während des Verfassens meiner Diss binnen 4 1/2 Jahre hat sich eine Festplatte per Headcrash verabschiedet und eine weitere wurde von einem defekten Netzteil geröstet.)


2. Richtige Einrichtung der Programme.
Dieser Ratschlag enthält drei Elemente. Arbeitet man über mehrere Rechner verteilt, z.B. im Büro, zuhause am Desktop-PC, unterwegs auf dem Notebook, so ist es meiner Erfahrung nach sinnvoll, wenn überall dieselben Versionsnummern der verwendeten Programme installiert sind. Alternativ, so dies nicht möglich ist, bestimmte Arbeiten ganz überwiegend an einem der Rechner stattfinden, und man die an anderen Rechnern erstellten Arbeiten zuerst als getrennte Dateien speichert und vor dem Einfügen in die eigentliche Arbeit prüft. Anderenfalls (z.B. bei verschiedenen Schreibprogrammen, oder unterschiedlichen Auswertungsprogrammen) können ziemlich ärgerliche und schwer zu behebende Fehler auftreten.

Wichtig ist ebenso, dass die Programme möglichst optimal eingerichtet sind. Gerade ältere Schreibprogramme sind dies teilweise nicht. Beispielsweise "Wort" von "Winzigweich" nutzte eine seltsame Speicherart in Versionen vor 2010, die in bestimmten Fällen bestenfalls die angeblich gespeicherten Informationen verloren gehen ließ, schlimmstenfalls die Datei zerstörte (gemeint ist das "schnelle Speichern", das in den Programmen unter Extras -> Optionen -> "Schnellspeichern zulassen" deaktiviert werden sollte).

Schließlich sollten die eigentlichen Arbeitsdateien "sauber" bleiben. Heißt keine Kommentare, keine Änderungsverfolgung. So etwas ist für Dateien, die man prüft, bzw. anderen zur Prüfung vorlegt. Schon M.Sc-Arbeiten, aber gerade Dissertationen können sehr umfangreich werden. Da will man die eigentliche Datei, an der man arbeitet, nicht noch "zumüllen".


3. Getrennte Dateien vs. eine Datei.
Abschlussarbeiten können entweder als einzelne Datei verfasst werden, oder in vielen getrennten Dateien. Beides hat Vor- und Nachteile. Hier gibt es keine absolute richtige Antwort. Schauen wir uns die Vor- und Nachteile an.

Einzeldatei:
+ Es kann mit Verweisen und Ankern gearbeitet werden, z.B. automatische Aktualisierung des Inhaltsverzeichnisses.
+ Es können keine Probleme bei der Seitennummerierung auftreten.
+ Layoutänderungen wirken sich direkt für die gesamte Arbeit aus.
- Die Arbeit kann sehr groß und unübersichtlich werden. Je länger die Arbeit, desto eher wird das ein Problem.
- Änderungen an einer Seite können auf einer ganz anderen Seite zu Problemen bzw. Fehlern führen. Meiner Erfahrung nach sind da gerade lange Tabellen für anfällig.
- Wird die Datei beschädigt, ist direkt alles beschädigt.
- Bestimmte Layouteinstellungen gelten zwangsläufig für die gesamte Arbeit.

Mehrere Dateien:
+ Änderungen in einem Abschnitt können keine Fehler in Abschnitten auslösen, die sich in anderen Dateien befinden.
+ Gerade bei schwächeren Rechnern (z.B. Arbeitsnotebooks) fällt die Arbeit mit kleineren Dateien deutlich leichter.
+ Man findet schneller zu ändernde Stellen.
+ Das Layout kann individualisiert werden.
- Es kann nicht mit Verweisen und Ankern über mehrere Dateien gearbeitet werden. (Zumindest habe ich noch nicht herausgefunden, wie das geht.)
- Es kann zu Problemen mit der Seitennummerierung kommen.


Meiner Erfahrung nach ist es so, dass je länger die Arbeit wird, desto sinnvoller wird die Arbeit mit mehreren Dateien. Umso mehr, wenn sehr umfangreiche Tabellen und/oder Grafiken hinzu kommen. Kann dann natürlich auch zu Problemen kommen. Ich erinnere mich noch gut daran (und das nicht nur, weil es erst gestern war), wie ich um 2:00 Uhr in der Nacht vor der Indruckgebung die Seitenzahlen einer Arbeit korrigieren musste, die mehrere hundert Seiten lang war/ist. Spaßig.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen