Freitag, 14. November 2014

Die Mondlandung unserer Zeit

Stell dir vor, du hättest ein Staubkorn. In gut hundert Kilometer Entfernung liegt ein Sandkorn. Zu weit weg für dein Staubkorn, um es je zu erreichen. Aber zwischen dir und dem Sandkorn liegen hier und da verstreut Erbsen. Irgendwann hast du mal etwas über Newton und Einstein gehört, dass alle Körper eine Anziehungskraft haben, und man diese Anziehungskraft nutzen kann, um kleineren Körpern einen Schwung zu verpassen. Man muss nur den richtigen Winkel treffen, damit sie von Erbse zu Erbse geschleudert werden, Zickzack, hin und her, da der direkte Weg unmöglich ist, aber so die Distanz überbrückt werden kann. Es muss nur alles klappen. Auf den Nanometer genau. Sonst stimmt der Winkel nicht, und das Staubkorn fällt entweder auf die Erbse, oder fliegt so davon, dass es die nächste Erbse nicht trifft.

Oh, und das Sandkorn am anderen Ende? Das bewegt sich auch noch!

Das ganze vergrößern wir dann mal und haben wir die Rosetta-Mission. 6 400 000 000 Kilometer unterwegs, Geschwindigkeiten vor der Landung von beinahe 50 000 km/h. 10 Jahre Flug. Signale von und zur Raumfähre brauchten am Ende 45 Minuten. Mal eben den Flug des Staubkorns spontan korrigieren? Nix da.

Und das Staubkorn traf. Das ist ziemlich fantastisch. Eine Meisterleistung. Durch die wir viel über die Entstehung des Sonnensystems lernen können - aber zugleich auch bereits viel über die Ansteuerung von Kometen gelernt haben. Auch wenn es hoffentlich nie der Fall sein wird, so etwas könnte in ferner Zukunft zur Abwehr von Asteroiden und co nützlich sein. In der Entfernung reicht ein kleiner Stoß, eine kleine Kursänderung, und sie flögen hunderte Meilen an der Erde vorbei, die sie sonst getroffen hätten.

Irgendwie muss ich da auch an unsere Leben denken. Rosetta fand ihr Ziel, so weit entfernt es auch gewesen sein mochte, durch den ursprünglichen Impuls und kleine Kurskorrekturen. Können wir nicht auch so sehr weit kommen?

Vielleicht. Ich muss zugeben, ich habe mir gestern abend einige Reaktionen auf die Mondlandung unserer Zeit angeschaut. Am lustigsten fand ich, wie sich über das Hemd eines der beteiligten Wissenschaftler aufgeregt wurde. Seufz.

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