Montag, 24. November 2014

Grenzen unserer Begriffe

Sprechen wir einmal über eine Idee Cattells zum Thema Intelligenz. Intelligenz als Fähigkeit zur Lösung von Problemen. Cattell hatte die Idee, dass es zwei unterschiedliche Arten von Intelligenzen gibt. Erstens eine fluide Intelligenz, zweitens eine kristallisierte Intelligenz.

Wenn unser Gehirn ein PC wäre, dann wäre die fluide Intelligenz die pure, reine potentielle Rechnerleistung. Takt, Arbeitsspeicher und co. Die maximale Leistung, die für beliebige Probleme eingesetzt werden kann. Am Anfang des (erwachsenen) Lebens sehr hoch, dann aber im Laufe der Jahre abnehmend.
Dem gegenüber die kristallisierte Intelligenz. Das sind so etwas wie Programme, die sich (aus Erfahrung) speziell für bestimmte Probleme entwickelt haben. Sie können nur für diese Probleme eingesetzt werden, in diesen Bereichen jedoch etwaige Schwierigkeiten im Bereich der Rechenleistung kompensieren, oder gar übertrumpfen. Schönes Beispiel dafür sind verschiedene Stellwerke, die immer noch mit 286er-Prozessoren (aus den frühen 80er-Jahren) laufen. Minimale Rechenleistung, aber speziell darauf abgestimmte Programme, die trotz antiker Technik noch heute gute Leistung bringen. Kristallisierte Intelligenz bezüglich bestimmter Lebensbereiche nimmt im Laufe des Lebens zu, steht jedoch für unbekannte Aufgaben nicht zur Verfügung.

Soweit klar?

Gut. Was habe ich gemacht? Zwei bildhafte Begriffe durch noch mehr Metaphern erklärt.

Dieses Beispiel war jetzt ziemlich doof, weil (denke ich) jeder Leser eine ungefähre Vorstellung von "klassischer" Intelligenz (bei Cattell fluide Intelligenz) und Erfahrung/Fertigkeiten (bei Cattell kristallisierte Intelligenz) hat. Allerdings steckt hier schon ein Zweck hinter. Manchmal gibt es Begriffe aus anderen Sprachen, für die wir kein Äquivalent haben. Dann kommt es oft zu blumigen Beschreibungen. Ebenso gibt es für manche Vorgänge im Geist keine wirklich passenden Begriffe.

Wir haben zum Beispiel den Begriff der Aufmerksamkeit. Es gibt jedoch Aufmerksamkeiten verschiedener Qualitäten. Dafür gibt es keine Begriffe. Es gibt Umschreibungen, aber diese können nur insofern wirklich etwas aussagen, wenn man die unterschiedlichen Qualitäten der Aufmerksamkeit erlebt hat. Hierfür sind überhaupt erst einmal Referenzerfahrungen nötig, damit wir mit den Begriffen etwas anfangen können.

Ohne diese Referenzerfahrungen nämlich bleiben die Begriffe, da sie (etwas) außerhalb unserer Grenzen liegen, schwammig, unklar. Ein Begriff, der nichts sagt, dann eine Umschreibung, die ebenso wenig etwas sagt. Ist wie ein Gehirn gezeigt zu bekommen mit dem Kommentar "und das da ist die Amygdala!", und man selbst sieht nur grauweiße Schwabbelmasse.

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